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Die Leipziger Dark Suns haben mit ihrem neuen Werk "Existence" ein ausgesprochen reifes, spannendes und detailverliebtes Album hingelegt, das viel Stoff zur musikalischen wie auch zur inhaltlichen Auseinandersetzung liefert und für progressiven Metal der ganz anderen Art steht. Hohes technisches Niveau auf der einen Seite, aber das Wichtigste ist die Atmosphäre, der Ausdruck, die Emotionen. Erste begeisterte Reaktionen sind nun da der Release ansteht bereits zu vernehmen und man darf gespannt sein, ob die Dark Suns mit "Existence" die hochverdiente größere Aufmerksamkeit einfahren werden.
Ausführlich Auskunft zu allen wichtigen Fragen zum neuen Album sowie zur Band an sich gab in Begleitung seiner Bandkollegen der singende Schlagzeuge Nico Knappe, der sich auch in dieser Disziplin nicht mit Oberflächlichkeiten aufhielt.




Bevor ich von "Existence" begeistert war, war ich zuerst einmal überrascht. Der Sprung von der "Swanlike" zum aktuellen Album ist ja schon recht groß. Wo seht ihr die maßgeblichen Veränderungen / Weiterentwicklungen?

Nico: Das freut mich, dass du das beim Hören so eingeschätzt hast. Wir denken schon, dass "Existence" ein wesentliches Stück emotionaler geworden ist. Außerdem sind die musikalischen Arrangements für uns vielschichtiger, viele Sachen verweben sich filigran miteinander und erzeugen dadurch eine ziemlich tiefe Emotionalität, die auch unser Ziel war, als wir im Songwriting-Prozess standen. Daher wirkt die ganze Aura des Albums irgendwie menschlicher auf uns, als das noch zu Zeiten der "Swanlike" war, die doch eher dunkel daherkommt und einen etwas künstlichen Faktor hatte. Auf die Entwicklung bezogen ist unserer Meinung nach schon ein gewisser Reifheitsgrad zu spüren.
Was ansonsten wichtig ist, ist auf jeden Fall der Sound, bei dem wir uns verbessert haben. Die Soundqualität auf "Swanlike" ist ja eher mittelmäßig und von daher ist das für uns schon ein elementarer Schritt. Zu erwähnen ist sicher auch der Gesang, durch das Weglassen der Growls, was wir zu Anfang eigentlich nicht geplant hatte, kommt natürlich schon eine ganz andere Gesamtbetrachtung zum Vorschein. Die Option "Grunzen" hatten wir uns bis zum Ende offen gehalten, aber als dann die Gesangsaufnahmen angefangen hatten, waren wir kollektiv der Meinung, dass das zur kompletten emotionalen Aura der Platte nicht so richtig passt.

Damit hast du auch direkt schon meine zweite Frage beantwortet, hehe. Mit "Existence" habt ihr wohl der allumfassendsten aller möglichen Albentitel gewählt. Ist darunter ein Konzept-Album über die Existenz an sich oder über die Existenz eines bestimmten Menschen zu verstehen?

Nico: An sich ist es eine fiktive Story. Die Songs sind relativ normal entstanden, wir sind vor etwa 2 Jahren in den Proberaum gegangen, um neue Stücke zu machen, ohne dabei ein Konzept im Kopf zu haben. Als dann die ersten Songs und die Eckpfeiler von dem was mir machen möchten standen, kam komischerweise recht schnell der Titel "Existence" ins Gespräch und wir haben dann selbst versucht, für uns etwas in den Titel hinein zu interpretieren. Wir wollten auf jeden Fall keine philosophische Betrachtung von Existenz an sich musikalisch vertonen, denn da gibt es sehr viel spezifischere Ansatzpunkte, an denen andere Bands anknüpfen. Von daher sollte es eine fiktive Story sein, die aber auch persönliche Erfahrungen, Vorstellungen und Gefühlsmomente anerkennt und miteinbezieht, um den metaphorischen Szenarien, die häufig in den Texten verankert sind, authentische Formen zu verleihen.

Gibt es Aspekte, auf die ihr dabei im Speziellen eingeht?

Nico: Generell haben wir es ja in drei Themenkomplexe untergliedert, in drei allegorische Elemente, wie ich es im Booklet genannt habe. Also sinnbildliche Darstellungen, bei denen ich mich an der textlichen Umsetzung versucht habe. Bei bestimmten Momenten, z.B. der Kindheit, ging es dann schon darum, wie das für uns selbst war und wie man etwas wie die Unschuld, die Kleinheit und die Einfachheit einer funktionierenden Kindheit, die wir zum Glück alle hatten, darstellen kann. Oder auch wo da Tendenzen war, Ausbrechen zu wollen, die nicht erst in der Pubertät folgen, wo sowieso alles eher fraglich erscheint. Wie man ausdrücken kann, dass in solchen Kindheitsgedanken schon eine gewisse Aufbruchstimmung enthalten sein kann, ist jetzt nur mal ein Beispiel dafür, worüber wir dann nachts einige Diskussionen im Proberaum hatten, um von jedem ein Feedback dazu zu erhaschen.
Da kam dann auch immer noch hinzu, dass jemand von uns sagte, dass das oder das noch mit auf eine Platte muss, die letztendlich "Existence" heisst. Das ist natürlich schon gefährlich, bei einem Albumtitel, der wie du schon sagst allumfassend ist, aber andererseits auch gar nichts ausdrücken kann. Wir haben manchmal schon überlegt, ob der Titel nicht vielleicht eine Nummer zu groß ist für das, was wir eigentlich darstellen, und mal für eine kurze Zeit daran gedacht, es vielleicht "An Existence" zu nennen, um das etwas zu entschärfen. Aber letztendlich halten wir es so schon für die richtige Entscheidung, da der Titel erstens besser klingt und zweitens die übergeordnete Geschichte im Kleinen am Ende doch eine Existenz ist. Jeder kann für sich dann darin etwas entdecken, sich wiederfinden, vielleicht etwas reflektieren. Alles ist zugelassen, wobei wir natürlich unseren roten Faden dazu im Kopf haben.

Wobei es ja auch immer Frage ist, inwiefern sich die Leute dann damit überhaupt auseinandersetzen. Bei manchen ist das sicherlich der Fall, aber für viele laufen solche Inhalte ja doch eher nebenher.

Nico: Das ist uns sicherlich bewusst. Wenn etwas nicht von Anfang an anspricht, dann ist es auch schwierig den Texten die entsprechende Aufmerksamkeit zu widmen. Musik muss erst einmal ansprechen, bevor man sich auf eine detallierte Reise einlässt und wer das gerne macht, kann einiges entdecken, auch wenn er nicht direkt unseren roten Leitfaden anhand der Texte nachvollziehen kann. Wir wollen auf unserer Homepage auch noch ausführlichere Gedanken zu den Verbindungen der einzelnen Songs veröffentlichen.

Wie habt ihr denn die einzelnen Unterkapitel benannt, ist das nach Altersphasen zusammengefasst?

Nico: Wir haben das eher nicht chronologisch gemacht, es ging für uns erst mal im wesentlichen von der Musik aus. Wir hatten wesentlich rockigere, hektischere und vielleicht auch euphorischere Parts in der Songwriting-Phase entwickelt, während es für den zweiten Block Parts mit mehr Melancholie, aber trotzdem noch einer gewissen Filigranität gab. Die entstehende Tragik in den letzten drei Songs, die allein durch ihre Länge schon teilweise episch ausufern, steht dann am Ende für die bittere Quintessenz steht.
Genau betitelt sind die Phasen nicht, das erste Kapitel umschliesst metaphorisch verpackt die Kindheit bis zur jugendlichen Ausbruchsphase. Im zweiten Kapitel geht es dann mittels einem direkteren Schreibstil mehr um das wirkliche Dasein in gewissen Alltagslethargien, d.h. dass die Ideale, Aufbruchsmomente und Vorhaben, die der Mensch in der ersten Phase hat, im zweiten Kapitel schon langsam in der Versenkung verschwinden und dass auf die eigentliche Ziele des Ausbruchs gar nicht mehr eingangen wird. Dazu kommen natürlich spezifische Schicksalsmomente, sowie auch die abgehandelte Story in Verbindung zu der Frau, zu unserer "femme fatale", wie wir sagen. Dort gibt es dann ein wichtiges Ereignis, auf das ich jetzt nicht näher eingehen will, weil das schon genauer in die Texte hineingehen würde.
Im dritten Part äußert sich dann - von einer Neurose ausgelöst - das Erkennen das vorher Geschehenen sowie das gleichzeitige Erkennen einer Metaebene, die an verschiedenen Stellen der drei Blöcke immer mal in Erscheinung tritt. Dadurch erhält die Geschichte noch einen leichten Science Fiction Faktor, vielleicht interessant für alle David Lynch Fans. Was zum Schluss dann als Quintessenz folgt, ist wie gesagt das tragische Ende.

Woher kommen denn die Inspirationen für die Texte?

Nico: Das ist schwer zu sagen, da es ziemlich lange damit gedauert hat. Der Songschreiberprozess erstreckte sich am Ende über 1 ½ Jahre. Ich war mit den Texten erst fertig, als wir mit den Gesangsaufnahmen angefangen haben. Es ist unterschiedlich, hauptsächlich wohl eine Menge Filme bzw. deren Handlungsstränge, die uns begeistert haben.
Es war auf jeden Fall eine sehr schwere Arbeit, da ich Nachts manchmal stundenlang daran saß und eine Nacht nach der anderen brauchte, um das Bild im Kopf zu komplettieren und dann in Worte zu fassen. Plötzlich kommt da noch ein neuer Einfluss, dann bringt der eine noch eine weitere Idee an... Wir hatten auch ein paar Brainstorming-Momente, bei denen jeder ein paar für sich elementare Textzeilen hervorgebracht hat, die dann möglichst auch noch mit eingebracht wurden. Am Anfang war es ein Sammelprozess, am Ende wurde es dann spezifischer, da die Songs fertig waren. Wir hatten Voraufnahmen gemacht, die Melodiebögen waren weitgehend fertig, daher hatten wir dann den roten Faden, zu dem es darum ging, die richtigen Worte zu finden. (lachend) Aber es war schon manchmal eine ziemliche Qual...

Das hört sich jedenfalls so an, als ob ihr einen sehr sehr hohen Anspruch an euch habt...

Nico: ...auf jeden Fall. Es gibt oft sehr harte Momente im Proberaum, bei denen am Ende zum Glück aber trotzdem immer ein Kompromiss gefunden werden kann. Manchmal treffen 3 oder 4 verschiedene Meinungen aufeinander und dann muss eben die Demokratie entscheiden. Es ist natürlich nicht leicht, da sich manchmal jemand was in den Kopf gesetzt hat, was dann durch die Mehrheit der Anderen nicht untermauert wird.
Wobei ich allerdings in der Textschreibphase relativ freie Hand hatte und nach dem Abschluss eines Songs oder eines kompletten Kapitels eher so ein gemeinsames Drüberfliegen folgte, bei dem es im Wesentlichen nur noch um Einzelheiten ging. Dabei ging es recht friedlich zu, während es auf der musikalischen Seite schon mal etwas ruppiger ins Detail ging. Aber so lange man sich danach noch in die Augen schauen kann...

Was symbolisiert denn das Cover für dich?

Nico: (lachend) Schwere Frage! Das war dann der nächste Prozess, an dem ich nächtelang saß. Alle 10 Tage hatte ich ein neues Frontcover, denn "Existenz" ist ja erstmal schwerlich darzustellen. Ich habe verschiedene Collagen angefertigt und bei dem was jetzt entstanden ist, war für mich wichtig, dass zum einen die Frau darin vorkommt, die in dieser leuchtenden Tür zu sehen ist. Außerdem war wichtig, dass der Protagonist unserer Handlung lediglich als Silhouette vorbeihuscht. Wir wollten kein reales Abbild, um damit auch zu sagen, dass es jeder sein könnte. Vom Farbton her haben wir auf Grund der fragilen Existenz und des eher tragischen Endes seiner Geschichte eher einen kalten Farbton gewählt, wobei es vorher auch schon Collagen gab, bei denen ich Rot- und Orangetöne verwendet hatte. Aber wir haben uns gedacht, dass wir mit Disillusion erst kürzlich etwas Rotes und Orangenes aus Leipzig hatten und die etwas kälteren Farbtöne haben für uns besser gepasst. Im 24seitigen Booklet ist dann jeder Song mit sehr wechselhaften Hintergrundcollagen ausgestaltet.

Ansonsten ist das Cover sehr introspektiv, es geht in erster Linie um die Frau in die Tür, die das wichtige Lichtelement ist, das unseren Erzähler aus seiner Welt herausführt. Das Tor zu einer unbekannten Ebene oder einer unbekannten Zuversicht. Ein Hauptmoment im Kopf des Protagonisten, bei dem die Frau eben auch eine sehr wichtige Rolle spielt. Sei es nun ein Ausweg oder nur ein "gedanklicher Schlupfwinkel". Das Ganze ist durch die Zeitelemente umrahmt, die die Tür umschliessen und für den metaphysischen Aspekt eine nicht unwichtige Rolle spielen. Wie du schon merkst, es ist schwer zu erklären...


Aber allein die Farbwahl sagt ja schon viel aus, da der Blick zuerst auf die hell gestalte Tür fällt und so offensichtlich wird, dass dies der hoffnungsvolle Ausblick ist.

Nico: Genau, und dafür steht eben auch die Frau und die schicksalshafte Gegebenheit, die sich mit ihr verbindet. Es funktioniert und wir finden es relativ schick, hehe.

Das muss man sagen! Die Spielzeit des Albums ist ja hart an der Grenze des Machbaren, musstest ihr noch kürzen, damit überhaupt alles auf eine CD passt?

Nico: Na ja, wir haben jetzt des Öfteren gelesen, dass wir von 82 Minuten runterkürzen mussten, was so nicht stimmt. Wir hatten ein paar kleinere Probleme mit Prophecy Productions, da es Unstimmigkeiten darüber gab, bis wie viel Minuten es hundertprozentig sicher ist, dass jedes Presswerk damit zurecht kommt. Wir hatten uns auf 80 Minuten eingerichtet, und bevor wir dann zum Mixen gefahren sind, ging es darum, ob wir noch einen Song weglassen. Es gab noch ein geplantes 3-Minuten-Stück, welches dann das Element war, von dem wir uns getrennt haben und das es dann eingebracht hat. Die finale Länge kannten wir vor dem Mixen noch nicht, da es durch Übergänge oder Fade-Outs immer noch etwas länger oder kürzer werden kann.

Passt ja auch letztendlich gut und gerade mit den beiden sehr langen Songs zum Ende ist auch der Abschluss sehr stimmig. Gerade "One endless childish Day" ist bei mir als einer der Favoriten hängengeblieben.

Nico: Da können wir uns leider oder Gott sei Dank nicht so richtig entscheiden. Wir haben in jedem Song unsere Lieblingsparts.

Um mal direkt auf dich zu sprechen zu kommen, du hast dich meines Erachtens sowohl gesanglich als auch was das Drumming angeht noch mal deutlich gesteigert. Hast du eigentlich eine Gesangsausbildung oder bist du Autodidakt?

Nico: Wir sind zwar schon mal an einer Musikschule vorbeigefahren, aber außer bei unserem Keyboarder und bei Thorsten, der mal ein bisschen Gitarrenunterricht hatte, war das komplett autodidaktisch. Daher war es nicht ganz einfach, aber seit dem letzten Album sind ja auch wieder zwei Jahren vergangen, in denen wir eine Menge Eindrücke gesammelt und natürlich auch fleissig geprobt haben. Von daher war uns bewusst, dass einiges möglich ist, aber gerade die Aufnahme des Gesangs, war sicherlich kein Ding, bei dem ich in die Kabine gegangen bin und alles im First Take erledigt habe. Da wir ja schon die Voraufnamen gemacht hatten, kannte man schon einen guten Teil und wusste, wo z.B. beim Clean-Gesang noch eine etwas aggressive Aura erzeugt werden muss, um am Ende keine Monotonie herzustellen. Ich singe im ersten Moment immer ganz glatt und so warm wie möglich. Bei den 40% Clean-Gesang auf der "Swanlike" war es noch nicht so ausgereift und die Phrasierung immer gleich. Bei "Existence" habe ich nun schon versucht, dies hier und da etwas anders zu gestalten. Meiner Meinung nach kann dadurch der Growl-Gesang außen vor gelassen werden.

Hast du Bedenken, inwiefern du das live noch umsetzen kannst? Dein Drumming ist ja ebenfalls noch anspruchsvoller geworden.

Nico: Die Release-Party ist am 25.2. und da werden wir erstmals komplett die "Existence" spielen. Von daher gibt es keine Chance, irgendeinem Teil zu entkommen. Wie du gerade sagtest, merken wir schon, dass es hier und da ein wesentliches Stück anspruchsvoller geworden ist. Was vorher bei "Swanlike" schwere Koordinationsaufgaben waren, sind heute die einfachsten Elemente. Aber es geht, du hast halt deine 10 Stücke, auf die du dich hundertprozentig konzentrieren musst und für die du dann eben ein paar Übungseinheiten mehr einlegst. Ob ich das nun mache oder nicht ist eine andere Sache, hehe.
Beim Proben merkt man aber schon, bei welchen Teilen die Vorabangst am größten ist, dass da etwas schiefgehen könnte, z.B. bei "Slumbering Portrait". Das sind so Momente, bei denen man befürchten muss, dass man gar nicht mehr in den Song reinkommt, wenn mal was schiefgeht. So was will man natürlich nicht, aber wir sind auf einem guten Weg. 70 bis 80 % stehen und wir fangen jetzt an, mit Backing Vocals zu arbeiten, die Thorsten und Maik wahrscheinlich übernehmen werden, um mir hier und da mal eine kurze Pause zu gönnen.

Die Release-Party ist in der Leipziger Moritzbastei, oder? Ist ja ein stimmungsvoller Ort dafür.

Nico: Eigentlich ja, obwohl wir rein soundtechnisch diesmal nach was anderem geschaut haben. Das ist zwar ein cooler Club, zentral und bekannt, es passen 350 Leute rein, aber vom Sound her waren wir da bisher noch nicht sehr oft überzeugt. Wir haben uns noch nach anderen Lokalitäten umgeschaut, aber da ist es in Leipzig terminlich sehr schwer etwas zu bekommen. Wenn man dann noch sagt, dass man aus der Metalecke kommt, gehen manche Türen zu bevor sie aufgegangen sind...

Hätte ich jetzt in Leipzig gar nicht mal erwartet...

Nico: Es ist schon schwer, die Termine sind meistens voll, vielleicht waren wir auch hier und da eine Woche zu spät. Ein Club, den wir im Auge hatten, war die Nato in Leipzig, die uns von der Akustik her sehr entgegenkommt, aber da ist erst frühestens ab Juli was möglich. Vielleicht werden wir Mitte des Jahres dort noch mal eine spezielle "Existence"-Show spielen. Aber schlecht ist die Moritzbastei nun nicht, bei vielen anderen Bands funktioniert es auch. Ein bisschen aufgeregt sind wir jedenfalls schon.

Wie ist es eigentlich allgemein um die Metal Szene in und um Leipzig bestellt? Die Stadt ist ja nicht zu unrecht als Gothic-Mekka bekannt, kann der Metal der mithalten?

Nico: Die Gothic Szene ist - angeführt durch das Wave Gotik Treffen - sicherlich das Hauptding. Metal hat es da schon ein bisschen schwerer. Das einzige, was ich jetzt an Größerem nennen könnte, sind die Konzerte, die im Hellraiser stattfinden. Dann gibt's noch das Heavy Metal ? Nix im Scheddl?, was einmal im Monat in der Moritzbastei durchgeführt wird. Da spielen dann auch mal die Reiter und da pilgern wir natürlich auch hin. Außerdem diverse kleinere Underground-Clubs, in denen vielleicht auch in der Woche mal was läuft, was man aber gar nicht so richtig mitbekommt bzw. nur mal durch eine Freundesinfo oder einen Flyer auf einer Toilette erfährt.

Um mal kurz auf die allgemein unbeliebten Schubladen zurückzugreifen: Fühlt ihr euch mit dem Begriff Progressive Metal korrekt charakterisiert? Oder eher mit einer anderen Kategorie oder lieber mit gar keiner?

Nico: Gar keine ist auch immer schlecht, weil man dann überhaupt keinem erklären kann, was für Musik man macht. Bei vielen Leuten kommt das auch schnell in den falschen Hals, weil man irgendwo alles doch einer gewissen Schublade zuordnen kann. Mit Progressive Metal fühlen wir uns schon am wohlsten, auf jeden Fall wohler als wenn jemand sagt, dass es eine Form von Gothic Rock ist, was das Thema unserer Meinung nach leicht verfehlt.
Im Moment verkaufen wir es als "emotionalen Progressive Metal". Metal ist eindeutig die Basis, die auch im ruhigsten Clean-Part auf "Existence" steckt. Die Melancholie, die dadurch entsteht, hat für uns schon eine "metallische Heimat". Das Emotionale entschärft dabei das "Progressive" ein Stück weit. Nur "Progressive Metal" würde unserer Meinung nach auch funktioneren, aber manche verbinden das dann hat direkt mit Bands wie Dream Theater.

Wobei ich sagen würde, auch diverse Prog Rock oder auch Art Rock Elemente herauszuhören, würdest du dem zustimmen?

Nico: Dem würde ich schon zustimmen. Auch durch die ersten Reviews, die jetzt reinkamen, kamen schon Querverweise, die interessant sind. Wenn dann sowas wie "von Nick Cave bis zu Death Metal" angesprochen wird, dann denken wir uns schon mal "Aha, so haben wir das noch gar nicht gesehen." Auch wenn das keine wirklich Einflussgrößen waren, ist es interessant, die verschiedenen Meinungen dazu zu hören. Es gibt gewiss Ansatzpunkte, wo jemand meint, was aus der Prog Rock Schiene zu finden. Oder eben auch Elemente aus dem Gothic-Bereich, was bei uns zwar nicht auf Abschreckung stösst, aber Gothic Metal Fans sind wir nun nicht.

Gibt es aus dem Prog Rock Bereich Bands, die euch besonders beeindrucken oder vielleicht auch einen gewissen Einfluss auf das Songwriting haben?

Nico: Auf jeden Fall, bei mir definitiv Pain of Salvation. Das ist für mich DIE Bandentdeckung der letzten zwei Jahre. Unser Basser Chris kommt von Haus aus eher so aus der Tool / A perfect Circle Ecke, was bei mir die letzten zwei Jahre eher weniger vertreten waren. Ebenso wie auch die Jazz-Sachen, die bei Maik den Background bilden, aber irgendwo finden wir dann doch wieder zusammen. Jeder stellt halt mal was vor und am Ende ist es auch Alicia Keys, die gewissermaßen eine Rolle spielt. Wir sind da schon kunterbunt, auch wenn ich mir immer mal den Vorwurf gefallen lassen muss, zuletzt ZU viel Pain of Salvation gehört zu haben.

Vom allgegenwärtigen Opeth-Vergleich, der bei der "Swanlike" auch sicherlich berechtigt war, habt ihr euch ja nun bei den neuen Songs ein ganzes Stück gelöst.

Nico: Wir denken schon, mit "Existence" einen Schritt in Richtung stärkerer Eigenständigkeit geschafft zu haben. Auf "Swanlike" war das sicherlich gerechtfertigter, aber ohne mich jetzt auf eine halbstündige Diskussion einlassen zu wollen, sind wir immer noch der Meinung, dass nur ein 6/8 Takt und eine Akustik-Klampfe nicht gleich Opeth ist, denn die haben das auch nicht gepachtet. Aber dass damals Opeth in unseren Augen stand, ist nicht zu verleugnen. Wobei das nicht bei allen Songs so präsent ist, denn die sind zum Teil auch schon entstanden, bevor Opeth für unseren musikalischen Background überhaupt eine wichtige Rolle gespielt haben.
Auf "Existence" haben wir wie gesagt versucht, uns davon zu lösen. Natürlich stand ich auch mal in der Gesangskabine und hab an Herrn Gildenlöw (Sänger und Gitarrist von Pain of Salvation ? Anm. des Verf.) gedacht habe, als es um den emotionalen Gesang ging. Vergleiche gibt es immer, aber wenn am Ende eine gewisse Eigenständigkeit herauskommt, dann kann man das schon als eigenen Stil bezeichnen. Die Einflussgrößen wechseln dabei, da praktisch jeden Monat jeder von uns mit etwas Neuem ankommt. Zuletzt z.B. The Ocean aus Berlin, eine sehr verspielte Art von "Prog Death", ist schwer zu bezeichnen.

Wir waren ja schon vorhin bei der Gefahr, bei dem Begriff "Progressive Metal" direkt an Bands wie Dream Theater zu denken, mit denen ihr ja eher wenig zu tun habt. Gehe ich recht in der Annahme, dass ihr Progressivität eher als Mittel zum Zweck, also zum Kreieren außergwöhnlicher Songs begreift, als als Selbstzweck?

Nico: Unser Leipziger Journalist Peter Matzke hat in unserem Vorab-Promotext geschrieben, dass wir unendlich mit Takten und Sounds umherspielen, aber nicht um des Frickelns Willen. Das stimmt schon irgendwo, auch wenn wir uns lange einen Kopf darum gemacht haben, als die ersten Grobgerüste für die Songs entwickelt wurden. Teilweise mussten wir schon aufpassen, es mit den Takten nicht zu sehr ausarten zu lassen, aber so wie es nun arrangiert ist, passt es für uns. Die gewisse "taktverschobene Aura", die sich durch die Platte zieht, ist durch die Arrangements oder auch den Gesang ein Stück weit in den Hintergrund geschoben worden.

Ich hab euch bisher einmal live gesehen, das war bei einem kleinen Festival in Darmstadt vor gut 2 Jahren. Mir ist in Erinnerung geblieben, das ihr dort mit eigentlich ganz einfachen Mitteln für eine sehr schöne Bühnenatmosphäre gesorgt habt. Was kann man von der Liveband Dark Suns 2005 erwarten?

Nico: Wir gehen da mit keiner großen Planung dran, sondern sind eher auf dem Stand, dass die Musik wirken muss und wir erstmal als Menschen rauskommen. Wir nehmen unsere Klampfen, machen die Haare auf... Na ja, mein Bruder macht die Haare jetzt nicht mehr auf, die sind nun kurz... Die erste Neuerung in unserer Show und wahrscheinlich die einzige, hehe. Nun ja, wir machen einen Plan für die Lightshow, verwenden ein Backdrop, aber das wars dann auch schon. Es gibt keine Überlegungen, was wir bei dem und dem Song machen, oder bei den Bang-Teilen, da gibt es keine Choreographie oder so etwas. Jeder versucht sich in dem entstehenden Sound wohlzufühlen, wichtig ist dabei auch eine gewisse Relaxtheit. Wir sind in der Musik drinnen und ihr vor der Bühne werdet hoffentlich auch Teil davon. Wenn das funktioniert, dann ist die Show gut. Wenn man aber merkt, dass der Sound im Proberaum besser war, ist es natürlich schwer, aber man muss es eben trotzdem durchziehen. Mittlerweile haben wir wohl schon raus, wie wir live am natürlichsten bzw. am unauffälligsten wirken und dadurch vielleicht im Gesamtbild am auffälligsten.
Es funktioniert jedenfalls, auch wenn man denken könnte, dass wir uns einen genaueren Plan machen müsste, weil kein Frontmann vorne steht. Aber so lange niemand auf mich zukommt und fragt, ob ich heute gesungen habe, weil unser Frontmann krank war, ist soweit alles okay.


Auf dem letztjährigen Summerbreeze habt ihr ja alle miteinander Disillusion live unterstützt. Wie lief das und habt ihr euch lange darauf vorbereiten müssen? Da die Bands befreundet sind, gehe ich mal davon aus, dass ihr gegenseitig sicherlich recht gut mit den jeweiligen Songs vertraut seid.

Nico: Während der Entstehungszeit von "Back to Times of Splendor" hatten wir noch nichts von dem Album gehört, was für uns den Überraschungseffekt noch einmal immens gesteigert hat. Dadurch, dass Vurtox (Sänger und Gitarrist von Disillusion ? Anm. des Verf.) unsere Gesang- und Schlagzeugaufnahmen gemacht hat, waren sie natürlich schon auf dem aktuellen Stand unseres Songwritingprozesses.
Die Vorbereitungszeit für diese insgesamt fünf gemeinsamen Auftritte war relativ beschränkt. Das meiste konnte man natürlich zu Hause mit der Platte für sich erledigen, der Thomas hat dann noch die Keyboardaufnahmen und die Noten dafür bekommen. Für die Backingvocals gabs dann auch mal ein Treffen gemeinsam mit einer Leipziger Sängerin, die noch mit dabei war. Am Ende war es dann vielleicht eine Vorbereitungszeit von 2 Monaten, was regelmäßigere Proben angeht. Der Auftritt auf dem Summerbreeze war sicherlich die größte Liveerfahrung, die wir überhaupt gemacht haben. Auch wenn es leider nicht die eigene Band war. Es hat jedenfalls Spaß gemacht, aber man ist schon aufgeregt, wann man rausgeht, und weiss, dass da unten 5.000 Leute stehen. Das ist schon ein großes Gefühl und trotzdem war die Anspannung in dem Moment, in dem wir draussen waren, weg. Es hat jedenfalls gut geklappt, auch wenn die Kommentare über den Sound schon sehr wechselhaft waren. Es war eher so, dass es eine positive optische Wirkung hatte, aber der Sound ? auch windbedingt - eher was für Leute war, die Disillusion vorher schon kannten.

Wobei Disillusion ja sowieso zu den Bands gehören, die man sicherlich mehr geniessen kann, wenn man die Songs vorher schon kennt.

Nico: Das auf jeden Fall.

Kamen dabei eigentlich auch Dark Suns Stücke zum Zuge?

Nico: Nein, es war im wesentlich die komplette "Back to Times of Splendor" mit einigen Kürzungen.

Ist für die Zukunft eine Fortsetzung geplant?

Nico: Es ist eigentlich abgeschlossen. Es waren zwar noch zwei Gigs geplant, vor allem ein Abchlusskonzert in Leipzig, bei dem eventuell noch ein Geigenquintett dazu kommen sollte, aber auch das ist leider dem Problem zum Opfer gefallen, in Leipzig eine passende Lokalität dafür zu finden.

Habt ihr für dieses Jahr Festivalauftritte in Aussicht? Das WGT läge ja zum Beispiel direkt vor der Haustür...

Nico: Generell ist es schwer. Speziell beim WGT haben wir aber Kontakt zu einer der Veranstalterin und da dort letztes Jahr schon mal was geplant war, sind wir noch dran. Ansonsten sieht es erstmal sehr mau aus, neben unserem Releasegig haben wir momentan nur einen kleineren Gig in Buxtehude, oder wo auch immer, in Planung. Obwohl es ja schon fast zu spät ist, beginnt für uns die Festivalplanung erst jetzt. Das einzige was sonst jetzt noch in Aussicht ist, ist das Summerbreeze. Da ist in diversen Foren schon mal unser Name gefallen, vielleicht auch durch den Auftritt mit Disillusion letztes Jahr. Von daher sind wir mit Prophecy in Verbindung, um da was möglich zu machen. Das Wichtigste für uns ist jetzt erstmal die Realisierung einer Tour für dieses Jahr und auch da sind wir mit dem Label am Verhandeln. Ein größenwahnsinniger interner Traum ist es, gemeinsam mit Pain of Salvation auf Tour zu gehen, quasi nach dem Motto "Existence" versus "Be" (das neue Pain of Salvation Album ? Anm. des Verf.). Na ja, momentan läuft da noch die Planungsphase, vielleicht haben wir ja noch die Möglichkeit, bei dem ein oder anderen Deutschland-Gig zu supporten. (Mittlerweile wurden die Dark Suns tatsächlich als Supportband für die Europa-Tour bestätigt ? Herzlichen Glückwunsch!)

Mit einigen Prophecy-Bands würdet ihr euch ja live sicherlich auch ganz gut ergänzen.

Nico: Die Frage ist halt immer, was ansteht und was die anderen Bands so planen. Manchmal entsteht das mehr oder weniger durch Zufall. Da Prophecy keinen direkten "Live-Beauftragten" hat, ist sowas meistens mehr eine Symbiose zwischen Band und Label.

Bei Prophecy dürftet ihr jetzt aber ja schon recht gut gelandet sein, was so die ganze Ausrichtung des Labels angeht.

Nico: Das denken wir auch. Es hat uns natürlich gefreut, dass das Feedback vom Label erst mal so positiv war und jetzt sehen wir ja, dass auch an Reviews und Interviews eine ganze Menge reinkommt. Momentan sind wir gerade mit Interviews gut beschäftigt, was für uns auch eine neue und lehrreiche Erfahrung ist.

Na, dann freut es mich um so mehr, dass du trotz der zahlreichen Termine so gesprächig bist. Nun sind wir aber auch bei der letzten Frage angelangt, mich würde noch interessieren, was ihr aktuell so bevorzugt hört.

Nico: Ich selbst höre gerade am liebsten, wenn Maik sagt, dass er sich die Haare wieder lang wachsen lassen möchte, hehe. Nun ja, ich hab heute mal wieder die Palette um ein paar Sachen erweitert, da ich den Vorwurf nicht stehen lassen konnte, nur Pain of Salvation zu hören. Speziell bei mir kommt alles aus der Metal/Rock/Prog-Ecke, bei den anderen ist es teilweise breiter gestreut. A perfect Circle, Antimatter, immer wieder Tool, Alicia Keys, Porcupine Tree, Paatos, The Gathering, King Crimson auf jeden Fall. Auch mal extremere Sachen wie Meshuggah und Cryptopsy. Wir hören schon in vieles rein, wobei es im Großen und Ganzen zumeist auf emotionale Sachen hinausläuft.

Vielen Dank für das Interview, bleibt noch etwas zu sagen?

Nico: Wir danken auch! Und die Leute sollen ihren Spaß daran haben, "Existence" zu entdecken. It's worth it!


Vorbereitung, Durchführung und Bearbeitung: Volker



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