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Mensch, was waren das für Zeiten, als ich mit 14, 15 zum ersten Male Blind Guardian-Alben wie "Somewhere far Beyond" oder vor allem "Imaginations from the other Side" in die Finger bekam. Wochenlang konnte ich mich nicht mehr von der Anlage losreißen und war für niemanden mehr ansprechbar. Ich kann also beruhigten Gewissens behaupten, daß ich die Band geliebt habe und immer noch liebe, auch wenn die musikalische Ausrichtung Guardians mit den letzten beiden Alben nicht mehr ganz meinen persönlichen Geschmack trifft. Dafür gibt es nun aber eine neue Band, die das Erbe der alten Guardian-Scheiben fortsetzt, und das mit jedem Recht der Welt. Denn: Savage Circus nennt sich die neue Band um Ex-Blind Guardian-Drummer Thomen "The Omen" Stauch, der nach 22 Jahren Bandzugehörigkeit die Gardinen verlassen hat, um ein Stück weit Back to the Roots zu gehen, und wieder die Musik zu machen, die ihm in seiner Karriere am meisten bedeutet hat. "Dreamland Manor" heißt das erste Album der Formation, zu der neben Thomen auch Piet Sielck sowie Jens und Emil von Persuader gehören. Dieses kann in der Tat an alte Zeiten anknüpfen und ist durchweg gelungen. Da Thomen zudem ein überaus sympathischer Kerl ist, mit dem man immer wieder gerne ein Interview führt, konnten wir uns die Gelegenheit nicht nehmen lassen, bei einem persönlichen Treffen ein Plauderstündchen über Gegenwärtiges und Zukünftiges, aber auch über längst vergangene Tage abzuhalten. Here we go...


Thomen, laß uns doch erstmal bei Blind Guardian anfangen. Warum hat's irgendwann nicht mehr geklappt?

Thomen: Musikalische und persönliche Differenzen, die sich über die letzten drei, vier Jahre hingezogen haben. Wir mußten uns am Ende dann eingestehen, daß es nicht mehr ehrlich gewesen wäre, noch weiter zusammenzubleiben. Ich hätte zwar auch die musikalische Nutte spielen und weiter bei Guardian bleiben können, schließlich geht man ja nur ungern aus einer großen Band raus. Aber die Fans haben uns 20 Jahre lang die Stange gehalten, und da möchte ich nicht mehr Bestandteil einer Band sein, die intern nicht mehr funktioniert. Ich hätte einfach nicht mehr hingehen können, und sagen: Wir sind 'ne geile Band und tolle Kumpels. Das ging einfach nicht mehr. Also haben wir uns zusammen gesetzt und uns Gedanken darüber gemacht, wie wir weiter vorgehen können, und am Ende sind wir eben zu dem Schluß gekommen, daß es am besten ist, wenn ich die Band verlasse.

War einer der Hauptgründe für Deinen Ausstieg der Stil, den ihr nach der "Imaginations..." eingeschlagen habt?

Thomen: Ein bißchen hat diese Entwicklung dazu beigetragen, ja. Sagen wir mal so: Die Richtung, in die wir zuletzt gegangen sind, hat mir die Entscheidung, Blind Guardian zu verlassen, auf jeden Fall erleichtert. Es wurde eben immer komplexer, und das alte Album wurde dann versucht damit zu übertrumpfen, indem 100 Spuren draufgepackt wurden. Dadurch sollte das Album dann automatisch geiler sein. Diese Einstellung konnte ich nicht teilen. Ich will jetzt nicht sagen, daß die Jungs so gedacht haben, aber ich weiß, daß es so gemacht worden ist, daß immer mehr Spuren draufgepackt wurden. Und das muß ja von irgendwo her kommen, es kann ja nicht sein, daß das plötzlich so gemacht werden MUSS. Das war nunmal eben einfach so, und da muß sich in den Köpfen irgend etwas abgespielt haben, daß das alte Album damit übertrumpft werden sollte, indem noch mehr Bombast gemacht wurde. Ich hingegen finde, daß man ein Album auch toppen kann, indem man es schafft, geilere Songs zu schreiben. Dann kann man ein Album auch toppen, da brauche ich dann keine 100 Spuren mehr für. Das ist meine Einstellung dazu, wobei ich ganz deutlich hinzufügen muß, daß das nicht böse gegen Blind Guardian gemeint ist. Ich stehe zu 100% zu dem, was ich mit den Jungs gemacht habe. Ich stehe nach wie vor auf Blind Guardian, und ich will da wirklich kein böses Blut. Das ist meine persönliche Einstellung dazu, und ich habe mir auch wirklich lange Gedanken darüber gemacht. Auch hinterher noch, wie das überhaupt so weit kommen konnte und so weiter. Wie gesagt, die Hauptgründe sind die privaten Differenzen gewesen, die wir gehabt haben, aber die möchten wir nicht an die Öffentlichkeit geben. Es muß nicht sein, daß die Fans schlimmstenfalls Partei ergreifen für eine Sache innerhalb der Band, die sie nie selbst erlebt haben.

Das waren ja deutliche Worte. Wir hatten schon fast vermutet, Du warst sauer auf die Jungs, weil Du bei der zweiten Version von "Mordred's Song" auf der "Forgotten Tales" nicht mitmachen durftest...

Thomen: (lacht schallend) Da spiele ich doch sogar! Da spiele ich das Tamburin. Das war schon so geplant, das hat da schon Sinn gemacht. Nene, wir wollten da kein Schlagzeug drin haben, die ganze Platte war ja nicht so ausgelegt, und auf der Scheibe wollten wir bewußt mal etwas anders an die Songs rangehen. (grinst)

Ich persönlich habe Blind Guardian zu einem großen Teil auch dafür bewundert, daß hier wirklich 4 Freunde am Werk waren, und Eure Trennung hat mich deshalb auch ein wenig getroffen. Wenn ich Dich richtig verstanden habe war das ganze letztlich aber eine Entscheidung FÜR Eure Freundschaft und nicht dagegen, oder?

Thomen: Richtig, genau. Das war der Punkt. Wir sind bestimmt nicht mehr die dicken Freunde, die wir früher in den Anfangszeiten mal gewesen sind. Das waren wir aber auch schon nicht mehr, bevor wir uns durch Meinungsunterschiede ab und an ein wenig verkracht haben die letzten Jahre.

Savage Circus waren zu dem Zeitpunkt, als Du noch bei Guardian warst, bereits ein Nebenprojekt von Dir, richtig?

Thomen: Ja, genau. Ich hatte drei Songs für das Blind Guardian-Album geschrieben. Das waren "Evil Eyes", "The Gathering" und die Ballade "Beyond Reality". Als die instrumental fertig waren habe ich mir gesagt: "Junge, das klingt jetzt doch irgendwie schon mehr "Back to the Roots", und wenn ich den Jungs das jetzt in die Hand drücke, dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder sagen die: 'Junge, geh kacken, das braucht kein Mensch mehr. Das haben wir vor 10 oder 15 Jahren schon gemacht.' Oder die sagen: 'Gib mir mal die Songs mit, den einen Part finde ich ganz nett, ich baue da mal was neues drum.'" Dafür waren mir die Songs aber zu schade.

Hast Du ihnen Deine Sachen denn mal vorgespielt?

Thomen: Das hat es schon gegeben, ja. Ich hoffe, daß das jetzt nicht böse rüber kommt. Das war mit Sicherheit auch nicht so gemeint. Aber Andre hatte so seine eigene Vorstellung von einem Song, und als ich dann mit "Curse of Feanor" ankam, der ja ursprünglich von mir ist, hat der Andre den dann auch genommen und gemeint: "So, jetzt hab ich da 'nen richtig geilen Song draus gemacht." Hat er ja auch, er hat auch einen geilen Song draus gemacht, aber er ist letztendlich ganz anders geworden, als er ursprünglich gedacht war. Er war nämlich viel rauher und easier gedacht gewesen, mit viel, viel weniger Gitarrenstimmen drauf. Und als Andre dann mit dem Song ankam, hab ich dann aber auch gemeint: Hey Andre, geiler Song! (grinst) Das war aber auch wieder typisch Andre dann eben, so wie er eben schreibt. Wäre er so geblieben, wie ich ihn angebracht habe, und hätten wir ihn genau so aufgenommen, dann wäre das wahrscheinlich etwas ganz anderes gewesen, und Andre hätte ihn vielleicht so für ein Blind Guardian Album nicht akzeptiert. Er hätte gesagt: "Ne, so mache ich das nicht." Andre macht ja mit Hansi den ganzen instrumentellen Teil, und deswegen entscheidet der da auch sehr viel.

Ich habe die CD ja mittlerweile schon gehört, und die Ähnlichkeiten zu Blind Guardian sind einfach verblüffend. Ein Freund von mir hat gemeint, es wäre ihm zwar lieber gewesen, wenn "Blind Guardian" draufgestanden hätte, aber daß das auch so kein Problem sein wird...

Thomen: (lacht) "Dreamland Manor" kommt den älteren Blind Guardian Fans auf jeden Fall ein Stück weit entgegen. Als ich die drei Songs fertig hatte, habe ich sie jedenfalls erstmal zurückgehalten. Irgendwann hat mir Pete das neue Iron Savior-Album nach Spanien zugeschickt, wo ich ja mittlerweile wohne. Daraufhin haben wir ein wenig Smalltalk gehalten, ich habe ihm zum neuen Album gratuliert, und irgendwann habe ich dann gemeint: "Paß mal auf, Du hast doch lange mit uns zusammen gearbeitet, willst Du Dir nicht mal anhören, was ich geschrieben habe? Ich weiß nicht, ob ich den Jungs das geben soll..." Er war dann sowieso einen Monat später in Andalusien in Urlaub und er kam dann ein Wochenende vorbei und hat sich das in Ruhe angehört. Da hat er sich aber wie sich herausstellt schon was bei gedacht gehabt, er hatte nämlich das Persuader-Album dabei und meinte zu mir: "Das klingt ja wirklich nach alten Guardian, aber hör Dir das hier mal an!" Als er dann Persuader eingelegt hat, hab ich so gemeint: "Hey, das ist ja der Hansi, da weiß ich ja gar nichts von." Und der Piet meinte: "Das ist nicht der Hansi, ganz ehrlich! Der Hansi singt da nicht mit." Ich wollte ihm das erst nicht glauben, aber er erzählte mir dann, daß das eine ganz junge Band aus Schweden sei, die dort die "Young Metal Gods"-Competition gewonnen haben. Er hatte sie dann produziert, und ich bin damals schon umgefallen, als ich gehört habe, wie ähnlich der Sänger dem Hansi geklungen hat. Wirklich erstaunlich...


Stilistisch ordnet sich "Dreamland Manor" meiner Ansicht nach zwischen der "Imaginations..." und der "Nightfall..." ein, also von der Geschwindigkeit her eher Richtung "Imaginations", aber schon mit einigen Chören versehen, die an "Nightfall" erinnern. Wo siehst Du selbst die Platte?

Thomen: Ja, das sehe ich genauso. Obwohl ich "Nightfall in Middle Earth" liebe, hat es da schon angefangen, was die Spurenmasse anging. Man hätte dieses Album auch mit weniger Spuren ebenso geil kriegen können. Das ist meine Meinung dazu. Deshalb glaube ich, daß "Dreamland Manor" das Album wäre, das man, wenn "Nightfall in Middle Earth" und "A Night at the Opera" nie existiert hätten, ganz klar als Nachfolgealbum von "Imaginations..." hätte bringen können. Und alle Guardian-Fans hätten es wahrscheinlich gemocht. Viele hätten gesagt: "Geil, Guardian gehen Back to the Roots, wie geil!" Damit hätte man zwar auch auf die Schnauze fallen können, aber ich glaube, wenn Guardian das Album rausgebracht hätten, dann wäre das ein ganz großer Hit geworden.

Das wird es mit Sicherheit auch so werden. Ich denke mal, die Hälfte von den Guardian-Verkaufszahlen werdet ihr damit sicherlich einspielen...

Thomen: Das wäre ein großer Traum. Danke, daß Du das so siehst. So hoch kalkuliere ich nicht. Ich kalkuliere, wenn es ganz gut läuft, auf 70 Tausend weltweit, und wenn es "nur" gut läuft, auf 50 oder 60 Tausend. Wenn wir höher gehen, dann wäre das schon mehr als ein Traum!

Ist Savage Circus für Dich denn eine Art Fortsetzung von Blind Guardian oder was komplett neues?

Thomen: Für mich ist Savage Circus definitiv eine Fortsetzung von Blind Guardian, spätestens nach der "Imaginations..." angesetzt. Da ist eigentlich alles drin an Elementen, was man von alten Guardian kennt. Sehr straight gehalten, sehr basisch. Es sind zwar auch ein paar orchestrale Elemente drin, in der Ballade zum Beispiel, aber es ist trotzdem viel basischer als die neuen Guardian-Sachen. Und ich glaube, wenn wir uns jetzt weiterentwickeln und für das nächste Album versuchen, noch bessere Songs zu schreiben, die diese Songs hier vielleicht sogar noch toppen, dann werden wir den Weg weitergehen, den Blind Guardian, hätten sie dieses Album nach der "Imaginations..." rausgebracht, auch hätten weitergehen können. Also werde ich einfach nur den Weg gehen, der mit der Musik aufgehört hat, wo ich persönlich sagen würde, sie wurde allmählich vielleicht etwas ungesünder für Blind Guardian.

Wie habt ihr den Piet dazu bekommen, daß das Album so klingt wie es klingt, und nicht nach einer seiner typischen Produktionen?

Thomen: Da sind schon ein paar harte Sätze gefallen. Also wir haben schon deutlich klargestellt, daß wir was eigenes haben wollen. Wir wollten einen Sound, der für die heutige Zeit vollkommen legitim ist und eben nicht typisch Piet.

Magst Du seinen eigentlichen Sound denn?

Thomen: Piet legt bei seinen Produktionen definitiv ein sehr gutes Handwerk ab, nur gefällt es mir nicht immer.

Also wenn ich das jetzt mal mit Iron Savior oder Paragon vergleiche, dann klingen deren Scheiben doch weitaus lebloser, mechanischer und kälter als "Dreamland Manor", gerade auch was die Drums angeht.

Thomen: Ich weiß nicht, ob ich das jetzt so krass ausdrücken würde. Das ist einfach nur eine sehr, sehr eigene Art, die er hat. Was mich immer wieder verwundert, und das muß ja kein schlechtes Zeichen sein, man hört immer wieder: Das hat der Piet gemacht.

Das hört man beim Kai oder beim Lulis auch...

Thomen: Genau. Aber das wollte ich eben nicht. Ich wollte nicht in irgendeine Kerbe reingedrückt werden, und wie man sieht, kann Piet auch anders. (lacht) "Dreamland Manor" klingt anders als seine typischen Produktionen. Meiner Meinung nach viel fetter, viel frischer, lebendiger (Ich weiß nicht, ob ich das jetzt so krass ausdrücken würde - ein schmunzelnder Verfasser). Er hat da einen supergeilen Job abgelegt. Ich war sehr überrascht, als ich das gehört habe. Bei ein paar Kleinigkeiten haben wir uns zwar nochmal unterhalten, wo ich gesagt habe: "Nee, mach das doch lieber so und so." Und der Piet war da auch sehr offen, und er weiß ja auch, daß wir eine Band sind. Wir müssen schließlich gemeinsam arbeiten, und es würde nichts bringen, wenn er hier seinen Sturkopf durchsetzen würde. Nach dem Motto: "Ich bin der Produzent, und ich mache meinen Sound immer so." Er wußte schon, daß wir dann anecken würden. Aber das respektiert er auch, er ist da vollkommen offen. Das hat gut funktioniert, gute Chemie!

"Evil Eyes" klingt im Refrain ein wenig wie "Time stands still (at the iron Hill)"...

Thomen: Nee! Echt? Moment, jetzt muß ich mal eben... (mimt ein paar Drumbewegungen nach) Also vom Drumming her jedenfalls nicht. Dadadadada daratatatata... Nee, echt nicht. Aber kann schon sein, daß es für jemanden, der das selbst nicht spielt so wirkt. (Ganz der Diplomat - der Verfasser)

Hörst Du Dir die "Nightfall..." denn heute noch an?

Thomen: Ich höre mir heute noch viele Blind Guardian-Alben an.

Marcus hat uns mal erzählt, ihr würdet Eure eigenen Sachen nicht mehr hören...

Thomen: Ja, ich weiß, das tun die eigentlich alle nicht. Ich war der einzige in der Band, der sich die alten Guardian-Alben noch angehört hat. Meine Frau war auch großer Guardian-Fan, und die wollte auch immer Guardian hören. Und im Auto hatte die dann wieder diese Platte drin oder die andere... was ich später halt weniger gehört habe waren dann "Batallions..." und "Follow...", weil mir da der Sound ein wenig auf den Sack ging. Die Songs finde ich nach wie vor echt geil. Aber "Tales...", "Imaginations..." und "Somewhere..." sind so meine Lieblingsalben.

Dann laß uns mal über die Texte sprechen. Stammen die aus Deiner Feder oder zeichnet sich Piet dafür verantwortlich?

Thomen: Nein, die hat komplett der Piet geschrieben. Ich bin überhaupt keine große Leseratte, und ich habe mir gesagt: "Hey, ist mir egal, ob der Thomen bei Savage Circus jetzt viel gefragt ist, weil er gerade von Blind Guardian kommt, aber ich muß meine Nase nicht überall reinhalten." Wir sind eine Band, und wenn ich von irgendwas keine Ahnung habe, dann schade ich doch der Band nicht, indem ich sage: Ich muß jetzt da aber auch mit zu tun haben. Dann halte ich mich doch lieber komplett raus. Piet hat das für Iron Savior ja schon gemacht und liest viel. Jens liest, Jens ist Sänger, und er schreibt für Persuader die Texte. Das können die also alleine machen. Ich weiß auch gar nicht so genau, worum es da geht. Ich weiß nur, daß es eigenkreierte Fantasy-Texte sind. Der Text von "It - The Gathering" ist von Stephen King inspiriert und bei irgendeiner Geschichte geht's um was von Astrid Lindgreen.

Wobei Stephen King ja auch schon wieder einen Querverweis zu Blind Guardian darstellt...

Thomen: Ja, das hat aber damit zu tun, daß der Piet auch total auf Stephen King abfährt. Ich hab ihm auch gesagt, er soll verarbeiten, was er gerne liest. Er kam dann mit Stephen King an, und daß wir das mit Blind Guardian auch gemacht haben ist doch echt egal. Wenn er da Spaß dran hat und meint, daß er das verarbeiten müßte, dann soll er das machen. Die Parallelen zu Blind Guardian interessieren mich da gar nicht so. Ich möchte, daß wir das machen, wo wir Bock drauf haben. Und wir haben, einfach dadurch, daß ich in dieser Band bin, definitiv ein Recht dazu. Ich bin mit dieser Musik aufgewachsen, ich bin damit groß geworden. Und mir kann keiner vorwerfen, ich mache da gerade einen Blind Guardian-Klon. Nein, ich mache das, was Blind Guardian gerade nicht mehr weitergeführt haben. So sehe ich das.

In wie weit bist Du berechtigt, auf kommenden Tourneen auch Blind Guardian-Songs zu spielen?

Thomen: Letztendlich ist das so, daß wenn man live was von einer Band covert, man dann einfach die GEMA-Kohle an die abführen muß. Aber da habe ich ehrlich gesagt kein Problem mit, wenn das passieren sollte. Wir haben schon vor, Guardian-Songs zu spielen. Zumindest wenn wir eine kleine Headliner-Tour spielen sollten.

Wovon man stark ausgehen kann...

Thomen: Das ist noch nicht sicher. Wenn die Band plötzlich so sehr knallt, daß wir alle überrascht wären, dann würden wir wahrscheinlich umdisponieren und eine kleine Headliner-Tour fahren. Obwohl man mit dem Status dann auch als Support einer anderen Band richtig den Durchbruch schaffen könnte...

Mir würde da unter Umständen auch schon eine einfallen...

Thomen: Hahaha, das wird definitiv nicht passieren! Denn in dem Moment, wo Du vor Blind Guardian spielst, wirst Du Dich immer automatisch unter sie stellen. Da könntest Du noch so gut sein, mit der Musik, die wir machen, werden wir sowieso schon unter Guardian stehen. Da werden wir aber eh angesiedelt sein, das muß ich nicht noch deutlich machen. Die Probleme, die wir intern hatten, sind auch einfach zu groß gewesen, als daß ich da jetzt wieder einen auf Kumpel machen könnte, um zusammen auf Tour zu gehen. Das brauche ich echt nicht! Wir können uns wie gesagt noch unterhalten und haben keinen Streit, aber wir sind jetzt nicht die Typen, die sich morgen treffen und nochmal ein Bier trinken würden. Wir kommen noch miteinander klar, und wir wollten es uns bewahren, daß das nicht auch noch kaputt geht. Deswegen haben wir da einen Strich drunter gezogen.

Okay. Wenn Du nichts mit den Texten zu tun hast, kannst Du mir sicher auch nicht sagen, wo das "Tomorrowland" liegt...

Thomen: (lacht) Nee, kann ich Dir nicht sagen, da mußt Du den Piet fragen.

Dann zurück zum Musikalischen. Auf der limitierten Version von "Dreamland Manor" wird eine Coverversion zu finden sein. Um welchen Song wird es sich da handeln und weshalb?

Thomen: Den gibt es nur für japanische Version. Das ist limitiert auf ein Jahr Japan, weil die immer einen Bonustrack haben wollen. Wir wollten den Song eigentlich auf alle Alben weltweit machen, aber irgendwann haben wir festgestellt, daß wir einen Bonustrack für Japan brauchten. Und da waren wir dann eben sehr konsequent und haben keinen Song von uns, sondern die Coverversion genommen.

Um welchen Song handelt es sich da?

Thomen: Das ist "Ca plane pour moi" von Plastique Bertrand. Ein belgischer Künstler, der 1976 den Grand Prix gewonnen hat. Hast Du bestimmt schonmal gehört. (fängt an zu singen:) "Ca plane pour moi, dedededededede, ca plane pour moi, dedededededede!" Das haben wir so richtig schön auf Metal getrimmt, ist wirklich geil geworden. Wir wollten was außergewöhnliches machen. Etwas, was nicht jeder covert. Weißt Du, es gibt so viele Bands, die alle Nase lang gecovert werden, und wir wollten mal was ganz anderes machen. War Piets Idee übrigens. Sehr geil!


Zur Savage Circus-CD gibt's auch wieder ein Fantasy-Coverartwork. Ist das wieder so'ne Marschall-Geschichte?

Thomen: Nein, Markus Meyer. Auf unserer Homepage ist das schon zu sehen. Wir hatten mehrere Künstler. Wir hatten den Leo Hao, der Russe, der auch schon für Blind Guardian was gemacht hat. Ich meine nicht den Andy, der das Single-Cover von der "And then there was Silence" gemacht hat. Denn danach haben Blind Guardian nochwas machen lassen, das sie bis heute nicht verwendet haben. Ein supergeiles Zirkus-Cover, mit einer Manege: Böse / Gute Welt - supergeil - wo einer durch so einen Zeitring springt.

Das hätte ja eigentlich supergeil gepaßt...

Thomen: Hätte supergeil gepaßt, aber wir wollten den "Zirkus" eigentlich gar nicht so extrem mit dem Konzept in Verbindung bringen. "Zirkus" bezieht sich eigentlich mehr darauf, daß im Zirkus mehrere Nationen vorhanden sind, und das sind wir auch mit den Schweden und uns Deutschen. Und das "Savage" (engl. "wild" - der Verfasser) bezieht sich auf die Musik. Das war Piets Idee, und als er mir das erklärt hat, war auch ich überzeugt davon.

Okay, und wo ist beim Logo der Strich im A geblieben?

Thomen: (lacht) Der ist ja eigentlich beim ersten A auch nicht da, der ist nur da, weil das S sich da so rein dreht. Das ist die Kunst! Das Logo hat der Gewinner von unserer Competition entworfen, der kommt aus Kanada. Das mit dem S fanden wir sehr geil, weil das ja auch gleichzeitig ein Symbol ergibt. Das C ist ja hier oben in dem S auch nochmal drin (deutet auf das SC-Logo auf einem herumliegenden Flyer). Das könnte sich auch später beim Merchandise noch bezahlt machen, für Ketten und so... sehr interessant.
Piet war nicht so begeistert davon, der hatte eine andere Idee. Die war viel einfacher gehalten, aber drei Leute in der Band sahen das anders, und da wir eine Deadline hatten, mußten wir unseren Kopf eben durchsetzen. Auch wenn es dem Piet im ersten Moment nicht gepaßt hat. Das hat mir auch irgendwie leid getan, aber er mußte es dann doch irgendwann einsehen, daß sich nicht drei Leute nach einem richten können.

Könntest Du Dir vorstellen, nochmal ein Symbol wie die Fantasy-Gitarre bei Guardian zu machen? Das war ja schon sehr geil...

Thomen: Ja, ich denke, genau sowas könnte man auch mit dem S machen. Das wird unser Hauptsymbol sein. Ob man später für das Merchandise nochmal was anderes macht, so wie die Tribal-Dragon von Blind Guardian, die die auch auf die Kaputzenjacken gemacht haben, ist eine andere Geschichte. Die fand ich auch sehr geil... waren auch von Markus Meyer übrigens, gleicher Typ...

Dann laß mal noch über ein paar Dinge aus der Vergangenheit sprechen. Viele Leute wissen gar nicht, daß Du erst 35 bist und damals schon mit 13 bei Blind Guardian angefangen hast...

Thomen: Ja, mit 13 bin ich glaube ich da eingestiegen, mit 14 haben wir das erste Demo gemacht. "Symphonies of Doom", sehr geiles Teil. (fängt an, den Titelsong zu singen) (lacht) Sehr geil!

Wer von Euch hat in den frühen Jahren Archon auf dem C64 gespielt?

Thomen: (lacht schallend) Der Andre und ich! Und der Marcus glaube ich auch. Ich habe mit dem Andre viel zusammen gezockt. Archon haben wir oft gegeneinander gespielt. Ich bin ja auch ein ganz großer Schach-Fan, das darf man auch nicht vergessen...

Und nach einer ausgedehnten Archon-Session kam dann irgendwann die Idee zum Batallions-Cover?

Thomen: Ja, das hatte glaube ich ein paar Bezüge dazu damals. Das hat uns glaube ich mit auf die Idee gebracht. Ich bin mir ziemlich sicher, daß das damit zusammen hing. Das ist schon so lange her, ich bin mir selbst nicht mehr so sicher, wie wir darauf gekommen sind. Aber ich meine schon, daß das damit was zu tun hatte...
Hach, war das ein geiles Spiel! Hat man sich da die Fresse einschlagen können. (lacht laut) Schau mal, da mußte man sich gar nicht von seiner Band trennen, da konnte man sich einfach per Computer eins auf die Fresse hauen. (lautes, gemeinsames Lachen)

Allerdings mußte man damals noch zusammen an einem Computer sitzen. Heute funktioniert das alles per Internet, falls einer zufällig in Spanien wohnen sollte, oder so.

(lautes Gelächter)

Würdest Du gerne nochmal irgendwann was mit Kai Hansen zusammen machen?

Thomen: Ich bin nie abgeneigt, was mit dem Kai zusammen zu machen. Der Kai ist ein guter Kumpel von mir. Ich weiß aber nicht, ob das jetzt unbedingt sein muß. Wir haben schon so viel zusammen gemacht. Mit Blind Guardian damals, und dann auf der ersten Iron Savior... Ich finde, man kann Sachen auch irgendwann auslutschen. Aus Spaß könnte man sowas gerne nochmal machen, aber unbedingt sein muß das jetzt nicht nochmal...

Welchen Anteil hat Kai Deiner Einschätzung nach am Erfolg von der "Follow the Blind" gehabt, und damit am Wachstum Deiner damaligen Band?

Thomen: Ich glaube, daß der Background mit Helloween damals doch einiges dazu beigetragen hat, daß die Leute viel aufmerksamer auf die Band geworden sind. Ich glaube jetzt nicht, daß die Fans das Album schlechter gefunden hätten, wenn er nicht drauf gewesen wäre. Aber ich denke, er hat einfach die Aufmerksamkeit erregt, und das ist natürlich immer sehr wichtig für die Reputation einer Band. In Japan wahrscheinlich besonders.

Stichwort: "Drumcomputer XT-7".

Thomen: (lacht) Was willst Du mir jetzt damit sagen? Drumcomputer sagt mir schon was... XT-7 nicht, ist wahrscheinlich ein Yamaha, oder?

Das wiederum kann ich Dir nicht sagen. Versuchen wir's mit einem eindeutigeren Stichwort: Mortal Sin!

Thomen: Mortal S... Das Fanzine?

Ja!

Thomen: Frank Göhringer. (lacht) Alter Schwede!

Ihr wart einst ziemlich gut mit den Jungs befreundet...

Thomen: Ja, waren wir. Wir waren auch danach noch lange mit denen befreundet gewesen, und ich habe auch heute noch kein Problem mit den Jungs. Aber die haben ja irgendwann ihr Fanzine aufgelöst. Ich habe jetzt gehört, daß es sie wieder im Internet gibt...

Wieso habt ihr Euren Kontakt irgendwann eingestellt?

Ich weiß, daß Band-intern teilweise sehr komische Sätze gefallen sind... da sind einige Sachen ganz komisch dargestellt worden. Vom Mortal Sin auch irgendwie so nach dem Motto: "Kommt, wir trietzen Euch mal so ein bißchen, wir zeigen Euch mal, wer hier das Sagen hat." Das war ganz komisch irgendwie, ganz seltsam, ich weiß auch nicht warum, aber dadurch hat sich die Sache dann auch irgendwann ein wenig verlaufen. Ich weiß, daß teilweise in der Band Diskussionen stattgefunden haben, die ungefähr so lauteten, daß man sagte: "Muß das jetzt sein? Ich glaube, manchmal nehmen die sich auch einen Tick zu wichtig!" So ungefähr ging das da ab. Das haben sich selbst die großen Magazine nicht rausgenommen, was die sich teilweise an Kommentaren rausgenommen haben, weißt Du? Wo wir echt gedacht haben...
Das fing an, als Blind Guardian erfolgreich wurden. Als wir Underground waren, da waren die die ganze Zeit Kumpels von uns, und als wir dann größer wurden, da kam das dann irgendwann so rüber nach dem Motto: "Ach, das ist ja keine Underground-Band mehr, da werden wir denen mal zeigen, wo der Hammer hängt." Weißt Du, so kam das ein bißchen rüber...

So kam das vielleicht rüber, aber war es nicht so, daß ihr die erste schlechtere Kritik für die "Nightfall..." bekommen habt, mit deren Ausrichtung Du ja jetzt im Nachhinein auch nicht mehr so ganz zufrieden bist?

Thomen: Ich weiß, was Du meinst. Da gebe ich Dir natürlich recht, wenn das wirklich so war. Wenn die genau das erkannt haben, was mir auch irgendwann aufgefallen ist, mit den 1000 Spuren und so weiter... wenn das der einzige Kritikpunkt war. Aber ich glaube, da sind noch mehr Seitenhiebe gewesen. Ich meine ganz, das wäre auch schon bei der "Somewhere..." so gewesen, womit wir ja auch schon recht erfolgreich gewesen sind. Ich kann mich aber auch jetzt nur noch sehr schwer daran erinnern, und ich mag die Jungs nach wie vor. Der Frank war ein super Kumpel für mich. Und wie hieß der andere da noch?

Guido?

Thomen: Ja, genau, der Guido, und der schmale... wie hieß der nochmal? Stephan, glaube ich. Stephan!
Ich mag die Jungs nach wie vor, und ich habe auch kein Problem mit ihrer Kritik. Ich weiß nur, daß innerhalb von Blind Guardian so ein paar Diskussionen losgegangen sind, ob das jetzt sein mußte. Nach dem Motto: "Wir haben denen doch auch nichts getan..." Und ob man auf allem und jedem so extrem rumhacken muß ist halt die andere Frage...

Die Jungs waren halt schon immer etwas extremer, weil man heute in der Medienlandschaft anders nichts mehr bewirken kann...

Thomen: Das stimmt, und das kann ich auch nachvollziehen. Es wird heute - gerade von den Major-Labels - sehr viel gehypt, und gerade daß wir nicht bei einem gelandet sind macht mich auch ein wenig stolz. Wir hätten auch versuchen können, da dranzukommen, und hätten das bestimmt auch irgendwie geschafft. Ich weiß ja zum Beispiel, daß Nuclear Blast auch interessiert gewesen sind. Aber ich denke, daß das eine gute Entscheidung war, das jetzt erstmal mit Dockyard zu machen, und die Entscheidung ist auch dadurch gefallen, weil wir wußten, wir haben ein geiles Produkt am Start. Wir selbst sind da total von überzeugt, auch wenn wir nicht wissen, wo es hin geht. Aber für mich selbst oder für uns wissen wir, wir haben ein geiles Produkt am Start, und das funktioniert so oder so. Du mußt nur eine Plattenfirma haben, die das präsent macht.


Und an Promo wird ja derzeit alles andere als gespart...

Thomen: Momentan läuft es echt hammergeil! Ich bin da auch wirklich von überrascht, ich hätte echt nicht damit gerechnet, daß wir noch so viel Promo kriegen. Eine Zeit lang war ich echt der Überzeugung, daß da nicht viel passiert promo-mäßig. Und auf einmal kam dann eins nach dem anderen. Und wir brauchen diese Promo um bekannt zu werden. Damit die Leute wissen, daß es uns gibt. Das Produkt selbst wird später wahrscheinlich für sich selbst sprechen. Entweder, die Leute mögen die Scheibe oder nicht...

Magst Du das neueste Dockyard-Signing Abandoned?

Thomen: Die finde ich ganz cool, ja. Die Platte habe ich gestern erst bekommen, ist so richtig geiler Old School-Thrash...

Okay, wir nähern uns so langsam dem Ende des Interviews. Angenommen, Du wärst ein furchtbar vergeßlicher Barde und könntest Dir nur 3 Lieder merken. Welche würdest Du bis zum Rest Deines Lebens spielen wollen?

Thomen: Von Guardian oder allgemein? Ich würde mich denke ich entscheiden für den "Bards Song", "Somewhere far Beyond" und "Traveller in Time". Also nur auf Guardian bezogen.

Dann zur Abschlußfrage: Stell Dir vor, Du erhältst einen Anruf von Hansi, der Dich fragt, ob Du bei einer Reunion für einen einzigen Gig als Special Guest auf dem Keep it True Festival mitmachen würdest, auf dem ihr nur die alten Lucifer's Heritage-Demos spielt. Würdest Du's machen?

Thomen: Da muß ich ganz ehrlich sagen, müßte ich wirklich drüber nachdenken, aber ich glaube nicht.

Weil Du die Lucifer's Heritage-Sachen nicht mehr magst?

Thomen: Nein, sondern weil ich mit den Jungs nicht zusammen auf die Bühne gehen würde. Sonst hätte ich da keinen Schlußstrich drunter gezogen und hätte einfach weiter machen können. Und den Fans unbegründete Hoffnung machen, so nach dem Motto: Die haben ja da und dort schon wieder zusammen gespielt, dann wird das auch demnächst mit der Reunion wieder was - das möchte ich nicht.


Vorbereitung, Durchführung und Bearbeitung: Dennis



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