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Die Japaner Sigh sind gleichermaßen originell wie durchgeknallt und eine erfrischende Erscheinung in unserer Szene. Da ihr aktuelles Album "Gallows Gallery" auch qualitativ ein mächtiges Kaliber ist, durfte sich Mastermind Mirai unseren Fragen stellen.


Über Sigh ist hierzulande leider immer noch nicht viel mehr bekannt, als daß ihr als Band Ende der 80er angefangen habt. Vielleicht kannst Du noch etwas mehr über die Geschichte der Band erzählen!

Mirai: Genaugenommen wurde Sigh im April 1990 gegründet. Nach ein paar Demos haben wir dann den Vertrag bei Euronymous unterschrieben und 1993 das Debüt "Scorn Defeat" veröffentlicht. Und das obwohl Euronymous ermordet wurde, bevor das Album erschienen. In Folge dessen haben wir bei Cacophonous Records unterschrieben, bei denen "Infidel Art" (1995), "Ghastly Funeral Theatre" (1997), "Hail Horror Hail" (1997) und "Dread Dreams" (1999) rauskamen. 2001 erschien "Imaginary Sonicscape" bei Century Media. Unser aktuelles Album wurde von Baphomet/Candlelight Records veröffentlicht.


Wie bist du seinerzeit auf Heavy Metal gekommen? War es damals überhaupt möglich mit europäischem oder amerikanischem Metal in Berührung zu kommen?

Mirai: Einer meiner Schulkameraden hat mich zum Metal gebracht. Er war Fan von MSG, Thin Lizzy und Gary Moore. Damals war Metal irgendwie Mainstream, und viele aus meiner Klasse hörten Metal. Es war damals einfacher sich mit europäischen oder amerikanischen Sachen anzufreunden denn mit japanischen. Ehrlich gesagt habe ich die meisten der japanischen Bands nicht gemocht. Sie sahen dämlich aus und ihr Englisch war grauenhaft. Eine Ausnahme sind auf jeden Fall die großartigen Loudness (Als ob deren Englisch nicht grauenhaft gewesen ist - Dennis).

Was denkst über die aktuellen Loundness, die sich mittlerweile weit von ihren Wurzeln entfernt und einen modernen Weg eingeschlagen haben um neue Fans zu erreichen? Ist das eine Entwicklung, die sich allgemein auf die japanische Szene übertragen läßt?

Mirai: Ehrlich gesagt ist mir unsere Metal-Szene ziemlich egal. Von daher kann ich nicht viel dazu sagen. Loudness waren in den 80ern großartig, aber ich kenne die jüngsten Werke nicht mehr. Also kann ich dazu ebenfalls nichts sagen. Aber ihre alten Sachen mag ich definitiv.

Was war das erste Album, das Du Dir gekauft hast?

Mein erstes eigenes Album war ein importiertes Vinyl von Maidens "The Number Of The Beast". Davor habe mir entweder Platten ausgeliehen oder von Freunden auf Tape ziehen lassen.

Und was hältst Du vom Visual-Kei Trend, der in Japan derzeit aktuell ist?

Mirai: Visual-Kei ist schon lange Zeit sehr populär. Auch das ist mir egal, weil ich mir sicher bin, dass die, die solche Klänge mögen, keine Musikliebhaber sind. Das sind Fans wie bei jedem Trend, die von den Massenmedien einer Gehirnwäsche unterzogen werden. Wenn du wirklich Musik magst, dann gibt es keinen Grund so einen Müll zu hören. Versteh mich bitte nicht falsch. Ich sage nicht, dass Mainstream scheiße ist. Da gibt es auch viele gute Sachen, ebenso wie es Müll im Underground gibt. Aber ich denke einfach, dass es Millionen von Alben gibt, die man sich anhören sollte, bevor man sich so einen Müll wie Visual-Kei anhört.

Zurück zu Euch: Steckt hinter dem Bandnamen eine tiefere Bedeutung?

Mirai: Als wir anfingen, wollten wir einen Namen, der untypisch klingt, aber dennoch einfach zu behalten ist. So sind wir auf "Sigh" gekommen, der zudem unseren Stil perfekt beschreibt. Das Wort (deutsch: Seufzer) eröffnet verschiedene Interpretationsmöglichkeiten und beschreibt damit das, was wir musikalisch auch machen wollten.

Wolltet ihr Euch mit Eurer anfänglichen Black Metal-Ausrichtung und euerer späteren Entwicklung bewusst von der restlichen japanischen Metalszene abgrenzen?

Mirai: Unsere Absicht war es nicht anders zu sein, sondern unsere Gefühle bestmöglich mit Musik auszudrücken. Das kann manchmal durch eine thrashige Gitarrre geschehen oder auch durch ein Piano. Klassische Orchestrierung kann nicht einfach durch metallische Elemente ersetzt werden, und genauso wenig geht das umgekehrt. Wenn sich unsere Musik also anders anhört, so ist es das Ergebnis und nicht Absicht oder Vorsatz.

In wie weit beschäftigt ihr Euch noch mit dem Stil, mit dem ihr angefangen habt? Wäre es denkbar, dass Sigh vielleicht doch eines Tages wieder Black Metal spielen oder zumindest alte Stücke live aufführen?

Mirai: Eigentlich haben wir schon seit mehr als zwei Jahren nicht mehr auf der Bühne gestanden. Wir sind es irgendwie leid in Japan für fast Nichts zu spielen. Wir wollen unbedingt in Europa oder den USA touren, wenn wir kommendes Jahr die Chance bekommen. Dann werden wir sicherlich auch ältere Stücke spielen. Wie auch immer: Neuere Black Metal Alben habe ich seit mehr als 10 Jahren nicht gehört. Ich muss auch zugeben, dass ich über die heutige Metal-Szene nicht viel weiß. Ich höre zwar immer noch viel hartes Zeug, aber das ist alles aus den 80ern, und das, was ich schon als Teenager gehört habe. Es soll ja eine Menge an neuen, interessanten Alben geben, aber ich denke, dass ich mittlerweile zu alt dafür bin.

Wenn du auf all euere Veröffentlichung zurückblickst: Was haben sie gemeinsam?

Mirai: Oberflächlich betrachtet mag unser Sound immer anders sein, aber eine Gemeinsamkeit wirst du immer finden: Der Kontrast, die Mischung zwischen Schönheit und Hässlichkeit, Angst und Entspannung, verdrehte Gitarren, klassischen Orchestrierung usw. Das ist wichtig in unserer Musik.

Die allerdings schwer zu beschreiben ist. Wir haben es nicht wirklich geschafft. Und du?

Mirai: Ich kann es auch nicht beschreiben. Wenn ihr also unsere Alben noch nicht gehört habt, dann solltet ihr sie bestellen und euch selbst ein Urteil bilden.

Es ist auch nur schwer vorzustellen, wie eure Songs entstehen. Kannst du vielleicht ein Beispiel geben?

Mirai: Ich habe keine Faustformel nach der ich Songs komponiere. Manchmal benutze ich einfach Melodien, die mir bei Spazieren einfallen, manchmal enstehen die Akkorde künstlich und strikt nach Theorie. Normalerweise entwickeln sich unsere Songs stückweise. Ich komponierte eine Rohfassung und während der Probe ändern wir dann den Song. Wir nehmen die Probe auf und hören sie uns immer wieder an, um herauszufinden, ob der Song perfekt ist. Wir würden die Songs wahrscheinlich ewig ändern, wenn wir keine Deadline hätten.

Irgendwo - vermutlich bei Century Media - wurdet ihr mal so vorgestellt, dass Ihr Pilze raucht, um zu eueren Songs zu kommen. Gerücht oder Wahrheit?

Mirai: Definitiv wahr! Pilze rauchen war bis vor ein paar Jahren hier in Japan legal. Unglücklicherweise hat so ein dummer (und leider bekannter) Schauspieler unter dem Pilzeinfluß einige Dummheiten begangen, so dass die Regierung handeln musste. Nun ist es verboten. Drogen haben lange Zeit eine bedeutende Rolle in der Musik gespielt. Allerdings musst du wissen, dass sie dir nur helfen die Musik zu schreiben und nicht dabei, die Musik von Grund auf zu komponieren. Sie verstärken nur deine Inspirationen, die du schon hast. Sie bringen nichts ans Tageslicht, was nicht eh schon vorhanden ist.

Wenn ihr nun so viele verschiedene Stile verarbeitet: Was hörst Du privat und welchen musikalischen Hintergrund hast du?

Mirai: Ich höre so ziemlich alles von Jazz bis Klassik und vom Experimentellen bis hin zum Metal. Eigentlich besteht mein musikalischer Hintergrund aus zwei wesentlichen Elementen: Klassik und Metal. Ich habe mehr als 20 Jahre lang Klavierstunden genommen, während ich gleichzeitig in meiner Teenager-Zeit Heavy Metal gehört habe. Die Musik, die Du in Deiner Jugend hörst, geht dir in Fleich und Blut über, und Du kommst davon nicht mehr los, auch wenn Du älter wirst. Darüber hinaus komponiere ich auch aus finanziellen Gründen Songs für TV Shows, Videospiele und Ähnliches. Daher muss ich mich mit Stilen wie Jazz, Hip Hop oder Techno auskennen.

Konkret?

Mirai: Von den Keyboardern haben mich vor allem Herbie Hancock und Chick Corea stark beeinflusst. Miles Davis und Sun Ra sind wohl die beiden Musiker, die mich am meisten geprägt haben. Der Einfluss von Miles ist auch auf "Gallows Gallery" sehr groß.

Welche Instrumente benutzt ihr auf "Gallows Gallery" außer den üblichen, wie Drums, Bass und Gitarre?

Mirai: Wir haben auch die Sitar, die Tablar, das Theremin (auch Ätherwellengeige genannt), Maultrommel, Gongs und Schnellen benutzt. Ich mag traditionelle indische Musik sehr und habe deshalb einige Jahre Unterricht für Sitar und Tablar genommen. Beide Instrumente haben reichlich Zwischentöne. Und das ist genau das, was ich mag. Die traditionelle indische Musik entstand zur Zeit der islamischen Dynastie, in der die Könige süchtig nach Orgien unter Drogeneinfluss waren. Und Musik war da eine wichtige Begleitung. Daran mag es auch liegen, dass beide Instrumente sehr psychedelisch klingen und so gut zu Rock passen.

Gegen Ende von "The Enlighment Day" ist sogar ein zentralasiatischer Kehlkopfgesang zu vernehmen. Wer hat den gesungen?

Mirai: Die Kehlkopfgesänge sind von mir. Der, den ich bei "The Enlightment Day" genutzt habe, nennt sich "Karygraa", der beim Intro von "Gavotte Grim" mit dem Wassergeplätscher klingt eher wie eine Flöte und nennt sich "Sygyt". Ich habe auch mit einem Stil gearbeitet, der sich "Subharmonic Singing" nennt. Dabei werden eine Note und ihr Pendant aus der Untertonreihe gleichzeitig gesungen. Das kannst Du sehr schön auf dem David Horrow-Remix vom "Tranquilizer Song" hören.

Kennst du auch Albert Kuvezin?

Mirai: Klar! Ich habe einige Yat-Kha Alben und viele Tuwinische/Mongolische Kehlkopfgesang-CDs.

Auf "Gallows Gallery" kann man auch einige Gastmusiker hören. Wer genau, was haben sie beigetragen und wie seid ihr in Kontakt gekommen?

Mirai: Wir wollten Gastmusiker dabei haben, um zusätzliche Facetten in die Musik zu bringen, und ihr Mitwirken hat wirklich positiv zu der Atmosphäre des Albums beigetragen. Einige sind gute Freunde von uns. Steve Joh, der bei Century Media für uns verantwortlich war, hat uns noch einige vorgestellt, die zu uns passen. Gus G. von Firewind, Niklas von Dark Tranquility, Gunface von The Red Chord und Paul von Thine haben exzellente Gitarren-Solos eingespielt, während Killjoy and Metatron großartige Narrations beigetragen haben. Cool war natürlich auch, dass Bruce von Yakuza dabei war. Wir wollten schon immer mal einen Saxophon-Spieler dabei haben.

Das Cover erinnert mich ein wenig an einen guten, alten Western. Magst du solche Filme oder bevorzugst du eher Martial Arts-Werke?

Mirai: Hmmm, darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Aber klar: Pferd und Galgen kann schon an einen Western erinnern. Ich jedoch bevorzuge Martial Arts Filme von Bruce Lee oder Jackie Chan.


Der Sound auf dem Album hat etwas anarchisches. War das so beabsichtigt oder würdet ihr im Nachhinein den Sound noch mal ändern wollen?

Mirai: In gewisser Weise war es schon Absicht. Mir selbst war der Sound auf "Imaginary Soundscape" zu glatt, und ich wollte diesmal etwas heftigeres und extremeres.

Dann stell uns doch mal bitte die Songs auf "Gallows Gallery" aus Deiner Sicht etwas näher vor, vor allem was die Texte betrifft.

Pale Monument

Mirai: Ein nostalgischer Blick in die Vergangenheit. Quasi ein Ausdruck meiner Gefühle.

In a Drowse

Mirai: Geht auf Nietzsche zurück, ist aber an meine Sicht der Dinge angepasst.

The Enlightenment Day

Mirai: Eigentlich Indische Philisophie, aber auch irgendwie ein Drogen-Thema.

Confession to be buried

Mirai: Das Geständnis eines Mörders. Sehr inkonsistent mit vielen Widersprüchen.

The Tranquilizer Song

Mirai: Ein Stück über Kleinkinder, die ihre Eltern verloren haben. Geschrieben aus Sicht der toten Eltern.

Midnight Sun

Mirai: Keine weitere Bedeutung, lediglich eine Zusammenstellung von psychedelischen Visionen und so.

Silver Universe

Mirai: Diese Stück geht auf eine Novelle namens "The Sea sunk in the Forest" von Koji Suzuki, der auch "The Ring" geschrieben hat, zurück. Es handelt von einem Mann, der in seinem Urlaub picknicken will und plötzlich durch Zufall in einer Höhle gefangen ist. Eines der besten Bücher, die ich jemals gelesen habe.

Gavotte Grim

Mirai: Hier geht es um einen Mann, der nach Hause kommt und Frau und Kind ermordet auffindet. Im Fernsehen siehst Du öfters solche Szenen, und Du magst denken, dass die Opfer irgendwie anders sind. Aber es kann jedem passiert - jederzeit.

Messiahplan

Mirai: Ähnlich wie "Pale Monument" ein nostaligisches und sehr persönliches Thema.

Gibt es einen Song auf dem Album, auf den Du besonders stolz bist?

Mirai: Das wäre "Messiahplan". Ich habe das Stück als letztes geschrieben, und es ist genau so geworden, wie ich es mir vorgestellt habe: Heavy, aggressiv und doch eingängig.

Lass und doch nochmals kurz zu eueren vorherigen Label "Cacophonous Records" kommen. Glücklich wart ihr wohl nicht?

Mirai: Ich glaube, das ist keine Band. Überleg doch mal: Die hatten u.a. Cradle of Filth, Dimmu Borgir und Bal-Sagoth unter Vertrag, Mit diesen Bands hätten sie eines der größten Labels werden müssen, wenn sie denn alles richtig gemacht hätten. Warum wir nun nicht mit ihnen glücklich geworden sind, ist schwer zu beschreiben, denn sie haben wirklich ALLES falsch gemacht und waren unaufrichtig dazu. Falsche Abrechnungen der Lizenzgebühren, wenn sie überhaupt bezahlt haben und keinerlei Promotion für die Bands. Dieses Jahr wollte ein Engländer "Infidel Art" als Vinyl herausbringen und Cacophonoushit erklärte ihm wohl, dass sie noch die Rechte am Album besitzen und er gefälligst Gebühren zu zahlen hätte. Eine Lüge! Die belästigen uns einfach immer noch.

Unsere europäischen Bands berichten immer von enthusiatischen, durchgeknallten japanischen Fans. Sind euere Leute auch bei den eigenen Bands so euphorisch?

Mirai: Leider nicht! Die meisten japanischen Fans gehen nur bei westlichen Bands voll ab. Kann ich aber verstehen, weil Metal definitiv etwas europäisches oder amerikanisches ist. Außerdem haben wir relativ wenige Möglichkeiten, westliche Bands zu sehen. Daher verehren die Fans die Bands, auch wenn sie richtig schlecht sind.

Mirai, Metalspheres und seine Leser danken Dir für die Antworten. Die letzten Worte gehören natürlich Dir!

Mirai: Danke für das Interview. Weitere Informationen rund um Sigh gibt es auf unseren Webseiten:

http://sigh.gospel-virus.net
http://www.myspace.com/sighjapan
http://www.myspace.com/sighmirai


Vorbereitung, Durchführung und Bearbeitung: Lex & Dennis



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