Home
Vorwort
News
Eure Ankündigungen
Interviews
CD-Reviews
Live-Reviews
Metal and More
Locations
RIP
LinksSuche
Kontakt
Impressum
Über uns
Metalspheres präsentiert


4678999
Besucher seit 09/2002


Seit ihrem Opus "Light of Day, Day of Darkness" mit nur einem einzigen, herausragenden, sechzigminütigen Song, gehören Green Carnation zur Elite des melancholisch-atmosphärischen Heavy Metals und überraschen Jahr für Jahr mit neuen Ideen, die weit über die normale Fortentwicklung einer Band hinaus gehen. Mit "The Acoustic Verses" legen die Norweger um Gitarrist Tchort nun ein reines Akustik-Album vor, das über weite Strecken mit tiefsinnigen, verträumten und vergleichsweise unkomplizierten Rocksongs begeistert und trotz der akustischen Ausrichtung die Trademarks von Green Carnation weiterführt, ohne eine stilistische Kehrtwendung einzugehen. "The Acoustic Verses" ist schlicht ein weiteres Album der Norweger mit einem eigenen, zeitlosen Charakter, das Dir, lieber Leser, an dieser Stelle bedenkenlos ans Herz gelegt werden soll. Um beim Ein oder Anderen die vielleicht noch vorhandenen, letzten Zweifel aufgrund der akustischen Ausrichtung beiseitezufegen und Euch darüber hinaus etwas mehr Hintergrund über Album und Band zu beschaffen, haben wir für Euch das folgende Interview mit Bandleader Tchort geführt.


Tchort, Eure bisherigen Alben haben sich stets dadurch ausgezeichnet, daß sie viele Neuerungen zu ihren Vorgängern hatten, so daß man Überraschungen von Green Carnation mittlerweile durchaus schon gewohnt ist. Wie seid ihr jetzt auf die Idee gekommen, ein reines Akustik-Album zu machen?

Tchort: Das hat damit zu tun, daß das Jahr 2005 ein besonderes Jahr für Green Carnation ist. Wir feiern nämlich unseren fünfzehnten Geburtstag. Wir waren zwar nicht fünfzehn Jahre lang aktiv, aber es ist fünfzehn Jahre her, daß Green Carnation zum ersten Mal gegründet wurden. Wir wollten das mit unseren Fans feiern und etwas Spezielles machen. Da wir 2005 aber schon "The Quiet Offspring" rausgebracht haben, dachten wir, daß es vielleicht zu viel sein könnte, noch ein weiteres, reguläres Album aufzunehmen. Auch für uns selbst. So haben wir uns dann überlegt, ob wir nicht irgendetwas anderes machen könnten und uns an das sehr gute Feedback der Fans auf die Akustik-Songs erinnert, die wir in der Vergangenheit geschrieben haben, und die als Akustik-Bonus-Material auf der DVD verwendet worden sind. Dieses Feedback haben wir dann aufgegriffen, und so ist es zu dieser sehr speziellen Sache, einem reinen Akustik-Album, gekommen, etwas, das sowohl für uns, als auch für die Fans neu war.


Würdest Du mir zustimmen, daß trotz der akustischen Ausrichtung viele typische Green Carnation Trademarks auch auf "The Acoustic Verses" zu finden sind?

Tchort: Absolut! Ich denke sogar, daß man hier vielleicht sogar noch mehr typische Green Carnation Trademarks finden kann als auf den anderen Alben. Denn auch wenn wir uns nie irgendwelche musikalischen Limitierungen ausgesetzt haben, haben wir als die eigentliche Essenz von Green Carnation stets Atmosphäre, Fortschritt und Melodien angesehen. Vielleicht treten diese Trademarks auf "The Acoustic Verses" sogar noch mehr hervor als auf den anderen Alben, auf denen sich 20 Drumtracks, 8 Gitarren, eine Menge Keyboards usw. wiederfinden. Auf dem neuen Album ist die Präsenz von Green Carnation möglicherweise gerade deshalb sehr hoch.

War es eine besondere Erfahrung, die Du bei der Entstehung der akustischen Songs gemacht hast?

Tchort: Ich würde sagen ja. Wenn man den Song im Kopf hat, dann macht es eigentlich keinen großen Unterschied, ob es ein aggressiver Song ist, ein "normaler" Song oder ein akustischer Song. Dann geht es eigentlich nur um den Inhalt und die Stimmung, in der Du Dich befindest, und die in den Song verlagert wird. Aber für mich persönlich war das alles von daher eine Herausforderung, weil ich keine Akustikgitarre mehr gespielt habe seit ich in der neunten Schulklasse war. Das ist jetzt fünfzehn Jahre her. Ich mußte mir eine Akustikgitarre von einem Freund leihen, da ich sowas selbst gar nicht besitze. Und ich mußte auch erst wieder lernen, wie man darauf spielt. Der Unterschied zur elektrischen Gitarre ist nämlich immens. Da es diesen Unterschied beim Spielen gibt, wollte ich von Beginn an mit der Akustikgitarre arbeiten und das gesamte Songwriting daran abstimmen. Es war eine große Erfahrung und Herausforderung für mich, nach all den Jahren nochmal eine Akustikgitarre in die Hand zu nehmen, zu lernen wie man darauf spielt und dann damit Songs zu schreiben. Es hat aber auch eine Menge Spaß gemacht.

In wie weit unterscheidet sich die Aufnahme eines Akustik-Albums von der Aufnahme eines normalen Albums?

Tchort: Der Aufnahmeprozess hat sich nicht so sehr von dem der anderen Alben unterschieden. Er war ganz anders als der von "The Quiet Offspring", da wir dieses Album in einem Studio in Frankreich aufgenommen hatten. Die ganze Band war damals vor Ort, und jeder konnte seine eigenen Ideen während der Aufnahme einbringen. Diesmal ist das so abgelaufen, daß ich ins Studio gegangen bin und meine Songs aufgenommen habe, eine Woche später hat der nächste seine Sachen aufgenommen usw. Manchmal haben wir uns alle im Studio getroffen und ein Brainstorming abgehalten, uns die Songs angehört, Vorschläge für zusätzliche Instrumente gemacht, vielleicht Arrangements geändert...

Habt ihr schlechte Erfahrungen mit der anderen Arbeitsweise gemacht?

Tchort: Nein. Der Grund, weshalb wir das diesmal so gehandhabt haben war, daß jeder von uns andere Termine hatte, und wir nicht gleichzeitig aufnehmen konnten. Deshalb mußten wir das Beste aus der Situation machen. Ich denke aber nicht, daß man hören kann, daß hier verschiedene Leute zu unterschiedlichen Zeiten im Studio waren.

Das finde ich auch. Ich stelle mir die Aufnahmen zu einem Album wie "Light of Day, Day of Darkness" im Allgemeinen jedoch um einiges schwieriger vor, gerade was die Drums und die vielen Spuren betrifft. Würdest Du nochmal solch ein Album mit nur einem einzigen Lied schreiben wollen?

Tchort: Ich weiß es nicht. Bislang gibt es keine Pläne, sowas nochmal zu machen. Es war schon schwierig damals und eine Herausforderung für uns, weil wir so etwas zuvor noch nie gemacht haben. Aber jetzt ist die Herausforderung ist nicht mehr da. Wir haben den Song ja sogar live gespielt, wovon wir auch Aufnahmen haben. Und dadurch, daß wir das jetzt schon ein paar mal gemacht, reizt es nicht mehr so sehr. Aber als wir das Album gemacht haben, war das natürlich etwas anderes.

Stimmt es, daß bald ein zweiter Teil von "Light of Day, Day of Darkness" erscheinen soll?

Tchort: Ja und nein. Es gibt da ein Album, das bereits geschrieben ist, aber das ist nicht "Light of Day II". Es ist ein zweiter Teil einer Doom Trilogie an der ich arbeite. "Light of Day..:" war der erste Teil, und der zweite ist wie gesagt auch schon fertig. Es wird dort ein paar Referenzen und Ähnlichkeiten geben zu "Light of Day...", aber es ist nicht "Light of Day II".

Welchen Einfluß übt die Natur auf Dich aus? Ich denke da an die älteren Coverartworks oder Songs wie "Sweet Leaf". Ist das eine Art Metapher für das Leben?

Tchort: Genau wie in Deutschland haben wir hier in Norwegen eine Natur, die sich mit den Jahreszeiten verändert. In südeuropäischen Ländern ist die Veränderung durch die Jahreszeiten weitaus geringer. Für diese Länder ist der Winter wie der Frühling bei uns. Ich glaube, in Deutschland gibt es auch ziemlich drastische Schwankungen mit den Jahreszeiten. Mit ihnen wechseln auch die Stimmungen der Menschen, und durch sie eröffnen sich völlig unterschiedliche Inspirationsquellen. Man kann während der einzelnen Jahreszeiten auch unterschiedliche Dinge tun. Im Sommer geht man raus und kann machen was man will, im Winter macht man andere Dinge, genauso wie im Frühling oder im Herbst. Das hat mit Sicherheit unterschiedliche Einflüsse auf uns als Menschen, die in einem Land wie diesem leben und so starke Jahreszeitenwechsel haben. Ein Journalist hat mich mal gefragt, ob das der Grund ist, weshalb Green Carnation sich von Album zu Album so sehr unterscheiden. Also daß wir unsere Umgebung und die Natur so sehr an uns heran lassen, wenn wir Musik schreiben. Und das kann schon sehr gut sein.

Beeinflussen die kurzen Wintertage in Norwegen in irgendeiner Art und Weise die Stimmung auf Euren Platten?

Tchort: Ja, das ist ein gutes Beispiel. Schau Dir das "Blessing in Disguise"-Album an. Das ist im Januar aufgenommen worden, wo hier tiefster Winter herrscht. Die Songs sind im November und Dezember geschrieben worden. Sie haben vielleicht gerade deshalb so eine triste Stimmung, genauso wie das Coverartwork. Die Produktion ist kalt, die Musik ebenfalls und viele Melodien haben genauso wie das Drumherum mit dem Winter zu tun.

"Sweet Leaf" ist also kein Synonym für Haschisch?

Tchort (lacht): Nein, nein, ich kiffe nicht. Ich wußte gar nicht, daß man das Zeug auch so nennen kann.

Und eine Beziehung zum gleichnamigen Song von Black Sabbath gibt es auch nicht vermute ich?

Tchort: Ich weiß, daß es dieses Stück gibt. Ich kenne den Song. Nein, da gibt es keinen Zusammenhang. "Sweet Leaf" ist eine Metapher. Es ist ein Dialog zwischen Eltern und Sohn, welcher aus der Beziehung zu meinem Sohn rührt. Es geht um die Gedanken und Ansichten die man haben kann, wenn ein Kind erwachsen wird. Und wie sich die Dinge zwischen einem Kind und seinen Eltern entwickeln, wenn es altert. Das Kind wird irgendwann die Eltern und sein Zuhause verlassen um alleine die Welt zu erkunden. Darauf bezieht sich die Metapher. Es ist ein Dialog zwischen dem Baum und dem Blatt, und das Blatt wird irgendwann den Baum verlassen und wegfliegen.


Was bedeutet es Dir allgemein, eine Familie zu haben?

Tchort: Eine ganze Menge! Es hat auch einen großen Einfluß auf Green Carnation, was sich dadurch belegen läßt, daß seit der Geburt meines Sohnes fünf Alben innerhalb von nur sechs Jahren entstanden sind. Er hat eine Menge zu tun mit meiner Inspiration und meinem Einfluß, was sich auch in den Lyrics und der Optik der Green Carnation Alben niederschlägt.

War ein Grund für Dich, Ende der 90er Green Carnation wieder ins Leben zu rufen, daß das hier Dein eigenes Baby ist und Du Dich hier kreativ verwirklichen kannst? Es gibt da ja auch diesen Satz "This is my musical legacy" im Booklet von "Light of Day, Day of Darkness"...

Tchort: Nun, der Grund dafür, Green Carnation wieder ins Leben zu rufen, geht zurück zu den Anfängen der Band. Die ursprüngliche Idee, als die Band 1990 zum ersten Mal gegründet wurde und wir nichts weiter waren als ein Haufen Freunde, die zufällig die gleiche Musik hörten und eine Menge Bands mochten, war es gewesen, ein Album zusammen aufzunehmen. Das war unsere Vision, und die war noch nicht erreicht, als wir uns 1992 aufgelöst haben. Wir hatten nicht mehr erreicht, als ein Demo zu machen. Letztlich war das Ziel aber der Grund gewesen, weshalb wir überhaupt erst die Instrumente in die Hand genommen hatten, gelernt haben zu spielen und die Band zu gründen. Nach all diesen Jahren, in denen ich bei Emperor und Satyricon gespielt habe und die anderen Jungs bei In the Woods... trafen wir uns dann im Dezember 1998 wieder. Wir hatten viel erreicht, aber noch immer nicht unseren Traum erfüllt, gemeinsam ein Album aufzunehmen. Also entschieden wir, die Band wieder ins Leben zu rufen und ein Album zu schreiben. Nachdem wir unser Debüt im Kasten hatten, waren die anderen zufrieden, weil der Traum für sie erfüllt war und sie keinen Grund mehr sahen, weiterzumachen. Für mich war das etwas anderes. Mir hat es einfach Spaß gemacht, und ich wollte mehr. Aber sie waren eben zufrieden, haben sich aus Green Carnation ebenso zurückgezogen wie aus In the Woods... und wollten nur noch Soloalben machen. Da wir noch einen Vertrag mit Prophecy über ein weiteres Album hatten, habe ich entschieden, das nächste Album alleine zu schreiben, und das war dann "Light of Day...".

Wie ist Dein Verhältnis zu den Urmitgliedern, die auch bei In the Woods... waren heute?

Tchort: Es gibt kein Verhältnis mehr zwischen uns, da wir uns schon seit ein paar Jahren nicht mehr gesehen haben. Als sie sich entschieden haben, Green Carnation zu verlassen, haben sie auch die Musik generell hinter sich gelassen. Zumindest was das Spielen in einer Band betrifft. Die Jungs haben Green Carnation ja zur gleichen Zeit wie In the Woods... aufgegeben. Sie wollten nur noch Soloarbeit machen und hatten keine Lust mehr auf eine Band. Seitdem habe ich sie nicht mehr gesehen.

Und sie machen auch tatsächlich solo was?

Tchort: Ja, das schon. Ich weiß das, weil ich den Menschen kenne, über dessen Label sie ihre Veröffentlichungen rausbringen.

Was wollt ihr mit Green Carnation erreichen? Was sind Eure Ziele?

Tchort: Mein Ziel mit Green Carnation war immer, daß ich einfach das mache, was ich interessant finde und was mich herausfordert. Musikalisch und auch als Mensch. Es gibt eine Menge Dinge mit Green Carnation, die ich noch nicht erlebt habe, obwohl ich viel mit extremen Metal Bands wie Emperor, Satyricon, Carpathian Forest, Bloodred Throne usw. unterwegs war. Als wir die ersten Green Carnation Shows gespielt haben, habe ich beispielsweise realisiert, daß das was wir machen keine Musik ist, auf die man headbangen kann. Ich war also zum ersten Mal auf der Bühne und konnte nicht headbangen. Da habe ich mich die ganze Zeit gefragt: Was mache ich jetzt eigentlich am besten mit mir? Wenn die Leute mich normalerweise ansehen, dann sehen sie nur meinen Kopf und jede Menge Haare, aber plötzlich haben sie mir in die Augen geschaut, und ich wußte nicht ob ich zurückschauen oder auf meine Füße blicken sollte. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich mich an dieses Gefühl gewöhnt hatte. Green Carnation birgt eine Menge Herausforderungen für mich, und das ist es, was die Band für mich als Musiker, Komponist und Menschen ausmacht.

Wird es so etwas wie eine spezielle Akustik-Live-Show zum Album geben?

Tchort: Ja, es gibt Pläne dafür. Du bist übrigens erst der zweite Journalist, der mich danach fragt. Wir haben für diesen Sommer etwas im Visier. Wir dürfen noch nicht darüber sprechen, was es ist, aber das gesamte Album wird live unter freiem Himmel vorgestellt werden, und es wird an einem sehr spektakulären Ort stattfinden. Wir planen, ein sehr spezielles Event daraus zu machen, und das Ganze vielleicht auch für eine mögliche DVD aufzunehmen. Die Show soll Green Carnation und besonders dem neuen Album auf einem hohen Level gerecht werden. Alles weitere werden wir zu gegebener Zeit ankündigen.


Ist es in irgendeiner Weise hilfreich für Dich, neben Green Carnation noch in einer anderen, härteren Band wie Carpathian Forest zu sein?

Tchort: Ich weiß nicht, vielleicht. In Carpathian Forest bin ich schon genauso lange wie in Green Carnation seit der Reunion. Deshalb kann ich Dir nicht sagen, wie es für mich wäre, wenn ich keine zweite, brutalere Band hätte. Aber ich bin ziemlich sicher, daß es einen positiven Effekt auf mich hat. Denn so bin ich in der Lage, etwas komplett anderes zu machen als mit Green Carnation. Wenn ich mit Carpathian Forest und Bloodred Throne eine bestimmte Linie verfolge, dann ist Green Carnation im Gegenzug für mich schon eine Art Spielwiese. Ich kann hier machen, was auch immer ich bei den anderen Bands nicht machen kann, verschiedene Stilistiken ausprobieren usw. Green Carnation waren nie eine Band, die von einem bestimmten Stil abhängig waren. Wir haben ein Album rausgebracht, und das nächste war schon wieder anders.

Mittlerweile sind ja auch die anderen Bandmitglieder am Songwriting beteiligt. Ist es manchmal schwierig für Dich, Kompromisse einzugehen, da Green Carnation ja praktisch Dein Baby sind?

Tchort: Ja, manchmal schon. Aber die meisten Anderen sind ja auch schon seit langer Zeit in der Band, so daß sie den Stil und die Atmosphäre mittlerweile verinnerlicht haben. Es war letztlich auch ihre Entscheidung, erstmal nur passiv in der Band zu sein, und zu fühlen, zu sehen und zu atmen, was die Band ist. Die Jungs, die schon seit "Light of Day..." dabei waren, haben dann auch erst beim dritten Album angefangen, Musik zu schreiben. Beim vierten hat sich das dann eben noch verstärkt... Es hat sich also auch dadurch so entwickelt, daß sie sich mehr und mehr mit der Band und ihren Inhalten identifiziert haben.

Deine musikalischen Einflüsse scheinen sehr vielfältig auf Dich zu sein. Welche Bands aus dem Non-Metal-Bereich ziehst Du Dir rein?

Tchort: Ich bin sicher, es gibt eine Menge Non-Metal-Bands, die die anderen Jungs interessieren, aber ich persönlich höre fast nur Death Metal. Aber doch, es gibt schon einige Sachen, auch wenn mir jetzt nicht viel einfällt. Außer vielleicht Pink Floyd und sowas, was an unserem Sound ja sowieso offensichtlich wird.

"Sweet Leaf", das Du ja geschrieben hast, klingt von den Gesangslinien, der Songstruktur und teilweise dem Gesang ein wenig nach Led Zeppelin. Hast Du das schon zu hören bekommen?

Tchort: Nein, noch nicht. Viele haben gesagt, daß das Stück das typischste für Green Carnation auf dem neuen Album ist. Aber eine Referenz zu anderen Bands habe ich bislang noch nicht gehört.

Interessant finde ich, daß das Stück Led Zeppelin kein bißchen nachsteht. Hat man wenn man so ein Album herausbringt nicht ein wenig die Hoffnung, auch in neue Bereiche neben dem Metal vordringen zu können und eventuell sogar einmal annähernd so erfolgreich zu werden wie Led Zeppelin?

Tchort: Puh, ich denke, das ist ein Teil des Traums von allen Musikern oder Bands. Ich denke schon, daß das Album das Potential hat, uns einen Schritt weiterzubringen. Die andere Sache ist die, daß wir vor einiger Zeit entschieden haben, dieses Album auf unserem eigenen Laben zu veröffentlichen. Allerdings hat keiner von uns bislang ein Label gehabt, so daß wir ein ziemlich großes Risiko eingegangen sind. Die Chance, mit diesem Album nichtmal unsere reguläre Zielgruppe zu erreichen, ist schon ziemlich groß. Alles, was Promotion, Marketing, Vertrieb, Verträge, Werbung angeht, müssen Kjetil und ich, die wir Sublife machen, erst noch lernen. Wir wissen noch nicht, wie wir mit all dem klarkommen sollen, so daß das Risiko schon da ist, daß das was wir machen einfach nicht gut genug ist, und daß wir überhaupt diejenigen erreichen, die unsere vorherigen Alben gemocht haben. Dafür ist der Vertrieb und das Marketing einfach immens wichtig. Falls wir es auf Teufel komm raus darauf hätten anlegen wollen, mit der Band ein höheres Level zu erreichen, neue Fans hinzuzugewinnen usw., dann hätten wir bei einem großen Label unterschrieben, die uns einen Vertrag angeboten haben. Nuclear Blast zum Beispiel, bei denen hätten wir gewußt, daß wir eine riesige Fangemeinde erreicht und eine größere Band hätten werden können, als wir es heute sind. Aber wir haben uns dafür entschieden, selbst die Kontrolle über alles zu übernehmen. Und auch wenn wir wissen, daß wir ein großes Risiko eingegangen sind, ist für uns klar, daß das die richtige Entscheidung gewesen ist.

Und was hat Euch dazu bewegt, ein eigenes Label zu gründen? Hattet ihr mit der stilistischen Unberechenbarkeit manchmal das Problem, daß ihr den Labels ein zu großes Risiko wart?

Tchort: Ja, ich weiß, daß das zum Problem werden kann, und tatsächlich war es sowohl für Prophecy als auch für Season of Mist eine große Überraschung und vielleicht sogar ein Schock, als wir mit unseren Alben ankamen. Besonders für Season of Mist. Die haben sich von uns ein "Light of Day II" erwartet, und als "Blessing in Disguise" rauskam waren sie geschockt. Auf einmal hatten wir kurze Songs, und alles hatte sich im Vergleich zu den ersten beiden Alben geändert. Auf der anderen Seite kam das Album dann raus und erreichte mehr "Album des Monats"-Auszeichnungen, als ich jemals mit irgendeiner Band erreicht habe, und sehr, sehr viele gute Reviews. Aber auf der anderen Seite weiß ich auch nicht, ob es die richtige Entscheidung für uns gewesen ist, mit einem Label zu arbeiten, die fast nur extreme Bands veröffentlichen. Ich denke nicht, daß sie bereit waren für eine Band wie Green Carnation.

Wie wichtig ist es Dir, musikalisch keine Kompromisse aufgrund eines Labels einzugehen?

Tchort: Nun, das war für uns nie ein Thema, da in jedem unserer Verträge eine Klausel war, in der geschrieben stand, daß die Band volle Freiheit besitzt was die Musik und den visuellen Teil eines Albums betrifft. Ohne das würde ich nie einen Vertrag unterzeichnen.

Viele Bands beugen sich dennoch den Labels, und überhaupt scheint Ehrlichkeit sich selbst gegenüber im Musikbusiness so gut wie gar nicht mehr vorhanden zu sein. Weder bei Labels, noch bei Bands, und schon gar nicht bei den vielen Magazinen, die all ihre Werbeartikel gegen Bezahlung verfassen. Ist in der Musik vielleicht zu wenig Platz für Ehrlichkeit?

Tchort: Ich denke doch, daß man ehrlich zu sich selbst sein kann, und Green Carnation können vielleicht sogar als Beispiel herhalten. Wir haben deshalb ja letztlich den Weg des eigenen Labels gewählt, anstatt uns einem großen Label zu verpflichten, mit dem wir mehr Geld verdient hätten. Uns ist es in erster Linie wichtig, glücklich mit dem zu werden, was wir machen, und einfach unseren Weg gehen zu können.

Dann hoffe ich, daß ihr Euch auch weiterhin treu bleibt und so die positive Erscheinung im Musikbusiness bleibt, die ihr seid. Vielen Dank für das umfangreiche Interview, Tchort, und weiterhin viel Erfolg mit Deinen Bands!


Vorbereitung: Volker & Dennis
Durchführung und Bearbeitung: Dennis
Fotos: Joonas Kupiainen (Bild 1), Atso Kähkönen (Bild 2) und Mark Coatsworth (Bild 3)



zurück

   
  Light Pupil Dilate
Snake Wine
 
     
 
Firesign
Persecution Guaranteed
Gods of Emptiness
Consumption is Freedom?
Solid Ground
Can't stop now
A Dead Lament
Ravens Feast (Promo)
Horn
Naturkraft
SorgSvart
Vikingtid Og AnArki
Oblivio
Dreams are distant Memories
Lastdayhere
From Pieces created
7for4
Diffusion
Light Pupil Dilate
Snake Wine
 
 
Dwelling
Slough Feg
Elisa C. Martin
Astral Kingdom
Doomsword