Home
Vorwort
News
Eure Ankündigungen
Interviews
CD-Reviews
Live-Reviews
Metal and More
Locations
RIP
LinksSuche
Kontakt
Impressum
Über uns
Metalspheres präsentiert


4697036
Besucher seit 09/2002


Über Communic noch viele einleitende Worte zu verlieren ist an dieser Stelle wohl einfach nur überflüssig. Sollte Dir die Formation tatsächlich noch nicht geläufig sein, hast Du noch immer die Chance, Deinem Leben die entscheidende Wendung zu verpassen. Solltest Du aber zu unseren Stammlesern gehören, dann wirst Du mit Sicherheit schon gemerkt haben, welchen Stellenwert diese Band seit ihrem Debüt vor gut einem Jahr bei uns genießt. Nachdem nun mittlerweile bereits das Nachfolgewerk zum grandiosen "Conspiracy in Mind"-Album erschienen ist und dieses auf dem gleichen Niveau angesiedelt ist wie das Debüt, war klar, daß Communic auch mit einem Interview im Spheres vertreten sein müssen, obwohl ich ja grundsätzlich der Meinung bin, daß tausend Worte nicht so viel sagen können wie die Musik selbst. Sänger / Gitarrist Oddleif Stensland entpuppte sich bei unserem etwa vierzigminütigen Telefonat als bodenständiger, humorvoller Typ, der nach eigener Aussage äußerst gerne Interviews gibt und über seine Musik spricht. Was er zu sagen hatte, lest ihr im Folgenden...


Da Communic ja wirklich Senkrechtstarter sind und Euch der Erfolg quasi von heute auf morgen heimgesucht hat, würde ich zu Beginn gerne mit Dir über dieses Thema sprechen. Was denkst Du, auf welchen Anteilen Glück, Arbeit und Können basiert Euer Erfolg?

Oddleif: Keiner von uns hat all das erwartet, was mit Communic bislang passiert ist. Wir kamen förmlich aus dem nichts und hatten gerade mal ein einziges Demo aufgenommen, als wir einen Plattenvertrag erhielten. Dann erschien unser Debütalbum, und der Erfolg mag für manche Leute wirklich sehr überraschend gekommen sein, da keiner damit gerechnet hat. Mittlerweile ist ja das zweite Album schon draußen, und das scheint sogar noch besser anzukommen als das erste. Wir sind noch immer fasziniert, wie viele Leute mit uns sprechen wollen und Interviews machen möchten und all diese Dinge.

Seid ihr denn eine hart arbeitende Band?

Oddleif: Ja, wir arbeiten sehr hart. Ein oder zweimal die Woche proben wir ganz regulär, und das ist für uns ein wichtiger Bestandteil dessen, was es heißt, in einer Band zu sein. Für mich persönlich ist das sehr wichtig. Ich will proben, neue Musik schreiben und mit meinen Freunden in der Band zusammen sein. To me, that's what it's all about. Wir haben Spaß und können unsere regulären Jobs für einige Zeit vergessen, unsere Familien und Kinder einfach mal hinter uns lassen und uns einfach die Instrumente schnappen und so laut spielen wie wir wollen. In diesen Stunden denken wir an nichts anderes als daran, Heavy Metal zu spielen. Wir haben einfach eine fantastische Zeit. Wir versuchen das so oft wie möglich zu machen, aber da wir alle eben auch neben der Musik noch sehr beschäftigt sind, läuft es meist auf zwei Proben die Woche hinaus, wenn wir nicht sowieso gerade im Studio oder auf Tour sind.


In wie weit habt ihr Euch durch Euren Erfolg menschlich verändert? Was sind Eure wichtigsten Erfahrungen?

Oddleif: Ich denke nicht, daß uns der Erfolg in irgendeiner Weise verändert hat. Wir gehen noch immer zur gleichen Arbeit und sind immer noch exakt die gleichen Typen, die das Demo aufgenommen haben. Ich glaube, daß wir unsere Füße immer noch felsenfest auf dem Boden haben und nicht der Ansicht sind, etwas getan zu haben, weshalb wir uns auf einmal wie Rock Stars fühlen müßten. Für uns ist es einfach nur eine schöne Zeit, die wir so lange wie möglich genießen wollen. Aber natürich ist es cool zu sehen, wie wir als Band wachsen, mehr Angebote von Promotern bekommen und es uns möglich ist, auf Tour zu gehen und größere Festivals vor vielen Leuten zu spielen. Daran wächst eine Band natürlich auch, denn das sind Herausforderungen, die man erstmal meistern muß. Es kann z.B. sein, daß Dich einige Dinge nervös machen, z.B. wenn Du plötzlich vor einer riesigen Menschenmasse spielst. Aber man muß eben sein bestes geben und versuchen, immer weiter zu kommen. Ich denke schon, daß vieles im Musikgeschäft die Leute verändern kann, aber uns hat der Erfolg eigentlich nur noch enger zusammen geschweißt. Wir haben während der Jahre sowohl die guten als auch die schlechten Seiten der anderen kennen gelernt, in musikalischer wie auch persönlicher Hinsicht. Dadurch rückt man als Band vielleicht sogar noch enger zusammen als innerhalb der Familie. Aber alles in allem würde ich schon sagen, daß wir immer noch die gleichen Typen wie früher sind.

Standet ihr für die Aufnahmen zu "Waves of Visual Decay" nach Eurem Erfolg mit dem ersten Album unter einem besonderen Druck? Wenn ja, wie hat er sich bemerkbar gemacht?

Oddleif: Also erstmal muß ich sagen, daß Nuclear Blast uns überhaupt keinen Druck gemacht haben. Wir hätten uns zwei oder drei Jahre Zeit lassen können um das neue Album fertig zu stellen. Aber von den Medien haben wir eine Menge Druck verspürt. Gerade im Internet haben viele Leute über "Conspiracy in Mind" gesprochen, und wir haben oft zu hören bekommen, daß wir dieses Album niemals übertreffen könnten. Wir haben einfach gemerkt, daß wir von vielen Seiten beobachtet werden. Ich glaube, die Leute wollten einfach sehen, wie es bei uns weiter geht und ob wir etwas Gutes aus der Situation machen würden. Meiner Ansicht nach haben wir es geschafft, diese Erwartungen zu ignorieren und wieder das zu machen, was wir beim ersten Album auch schon gemacht haben. Wir spielen auch weiterhin keine Mainstream-Musik sondern halten uns in Gefilden auf, in denen von anderen Bands so gut wie gar nicht musiziert wird. Als wir unser Debütalbum aufgenommen haben, hatten wir deshalb auch gar keine Erwartungen. Wir waren einfach nur froh, daß wir unsere Musik aufnehmen durften, und falls die Leute es mögen sollten, dann wäre es eine Art "Bonus" für uns gewesen. Das haben wir auch diesmal gemacht - Musik geschrieben, für die wir selbst stehen können und die wir wirklich lieben. Es war uns im Prinzip egal, was die Medien und die Leute von uns erwartet haben. Wir wären niemals ins Studio gegangen, wenn wir nicht bereit dafür gewesen wären. Wir wußten, daß wir ein paar tolle Songs für das zweite Album brauchten, und ich denke, daß wir die auch wirklich haben. "Waves of Visual Decay" zeigt meiner Ansicht nach eine noch stärkere Band, der man anhört, daß sie sich weiterentwickelt hat.

Für Euch ist ja im Prinzip alles perfekt gelaufen. Ihr seid direkt bei einem großen Label gelandet, werdet überall abgefeiert und verdient sicherlich auch nicht schlecht mit Eurer Musik. Kannst Du angesichts dessen Bands verstehen, die sich über die Ungerechtigkeiten im Business beklagen?

Oddleif: Ja, ich glaube, das ist eine Sache, die es schon immer gegeben hat und immer geben wird. Die Leute sind nie mit dem zufrieden, was sie haben. Nicht nur die Musiker, auch die Plattenfirmen, sie sich über die Downloads beschweren oder Fans, die sich darüber beschweren, daß manche Bands wie andere Bands klingen. Es gibt heute nunmal eine Menge Bands, und es ist schwierig, sich durch diesen Dschungel zu kämpfen. Für die eigene Band bedeutet das, daß es sehr schwierig ist, sich da freizukämpfen und die Band ins Rampenlicht der Öffentlichkeit zu rücken.

Das neue Album ist in meinen Augen noch etwas komplexer geworden als der Vorgänger, es reizt die Grenzen möglicherweise noch ein wenig mehr aus und dafür ist es nicht mehr so eingängig. Würdest Du zustimmen?

Oddleif: Ja, ich würde auch sagen, das Album ist ein wenig schwieriger für den Hörer zu knacken. Es benötigt ein paar mehr Durchläufe bevor sich die Songs erschließen. Ich denke, wenn Leute nur 30 Sekunden lang in das Album reinhören, dann werden sie sagen: "Ich verstehe es nicht". Wenn sie das Album einmal komplett hören, dann sagen sie vielleicht: "Okay, es waren ein paar coole Sachen dabei, aber ich weiß nicht so recht!" Und wenn sie es vier, fünf oder zehn mal gehört haben, dann erschließt es sich und sie könnten sagen: "Ich verstehe es!" Es benötigt etwas Zeit, und meiner Ansicht nach sollte ein Album genau so sein. Man sollte Musik nicht hören und weglegen wie ein Videospiel, das irgendwann seinen Reiz verloren hat. Es muß etwas sein, das man über einen langen Zeitraum entdecken kann. Darum haben wir auch eine lange Zeit im Studio damit zugebracht, die Songs mit jeder Menge Details zu versehen, welche man beim ersten Hördurchlauf wahrscheinlich gar nicht wahr nimmt. Nach ein paar Durchläufen, und wenn man mal Kopfhörer aufgesetzt hat, wird man aber eine Menge seltsamer Dinge entdecken können, die meiner Ansicht nach das Album auch über einen langen Zeitraum interessant halten.
Ich bin auch der Meinung, daß das neue Album genau wie Du sagtest, ein wenig extremer und heavier geworden ist als das erste.

Es hat vielleicht auch ein paar mehr Thrash-Elemente...

Oddleif: Ja, und das ist irgendwie witzig. Eine Reihe von Leuten mit denen ich gesprochen habe, von anderen Magazinen beispielsweise, haben von uns erwartet, daß wir etwas mainstreamiger werden würden, so daß wir mehr CDs verkaufen. Aber im Nachhinein haben sie festgestellt, daß wir das genaue Gegenteil gemacht haben. (lacht)

Meiner Ansicht nach seid ihr den richtigen Weg gegangen.

Oddleif: Ja, und wir haben eigentlich nur gemacht, was uns richtig erschien. Wir haben nie auf Plattenverkäufe geschielt, sondern immer nur Musik geschrieben, mit der wir uns selbst identifizieren. Die wir uns auch selbst lange Zeit anhören können und auf die wir stolz sind. Da wäre es mir egal gewesen, wenn es den Leuten nicht gefallen hätte oder wir schlechte Reviews erhalten hätten. Dann hätten wir immer noch sagen können, daß es genau das ist, was wir machen wollten. Hätten wir nur das gemacht, was die Leute dort draußen hören wollen, dann hätten wir selbst nicht hinter dem Resultat gestanden. Für mich ist es immer am wichtigsten, "echte" Musik zu machen, die wirklich aus dem Herzen kommt.

Welche Bedeutung hat der Titel "Waves of Visual Decay" ("Wellen des visuellen Verfalls" - der Verf.)?

Oddleif: Er beschreibt das Thema, das sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album zieht. Fast alle Songs handeln von der modernen Gesellschaft, in der wir leben. Und die Wellen, die ich sehe, sind die Medien-Wellen, die aus dem Fernsehen kommen und die Leute beeinflussen. Die Leute glauben das, was ihnen gezeigt wird, denn die ganze Korruption und Manipulation bekommen sie nicht mit. Für uns als Konsumenten ist das Gezeigte die Wahrheit. Das Thema inspiriert mich sehr, deshalb hinterfragt das Album diese Dinge. Die Wellen sind das, was wir von den Medien vorgesetzt bekommen, und was wir sehen ist letztlich der Zerfall.

Das ganze Thema dreht sich somit auch um das Wort "Kommunikation", das sowohl für Euren Bandnamen als auch für Eure Lyrics sehr entscheidend ist, nicht wahr?

Oddleif: Ja, absolut. Und dann ist da noch was. Viele Leute wissen das sicherlich nicht, aber wer sich etwas näher mit unseren Lyrics beschäftigt hat wird sehen, daß "Waves of Visual Decay" eine Textzeile aus dem Song "Communication Sublime" vom ersten Album ist. Es ist also ein roter Faden, der sich durch beide Alben zieht. Es sind schon unterschiedliche Alben mit unterschiedlichen Themen, die behandelt werden. Aber es besteht eben auch eine Verbindung.

Stimmt es, daß Du die Idee für das Coverartwork eigentlich schon für Euer erstes Album gehabt hast?

Oddleif: Nein, zumindest kann ich mich nicht daran erinnern. Als wir ein passendes Artwork für "Conspiracy in Mind" suchten, hatten wir ein Zeitlimit, mit dem wir letztlich auch Probleme bekamen. Das erste Artwork, das wir erhielten, mochte niemand so recht, die Plattenfirma nicht und wir auch nicht. Deshalb mußten wir uns beeilen, etwas Neues zu finden. Das erste Album ist ja ebenfalls von den Dingen beeinflußt, die im täglichen Leben um uns herum passieren, und als wir dann den Vorschlag von Matthias Noran bekamen, der sehr gut zum Konzept paßte, haben wir nicht lange gezögert und uns für dieses Artwork entschieden. Beim zweiten Album hatten wir einen amerikanischen Künstler namens Anthony Clarkson. Er hat die Lyrics erhalten und eine kleine Vorgabe von mir, nämlich daß wir einen Fernseher auf dem Artwork haben wollten. Also nur ein paar Kleinigkeiten, und er kam dann mit diesem Bild an, das mich einfach nur umgehauen hat. Es war so viel besser als ich es in meiner Vorstellung vor mir gesehen hatte und paßt hervorragend zum Konzept. Zu sehen ist darauf unter anderem auch, wie die Welt zerfällt.


Mein Favorit vom neuen Album ist "Fooled by the Serpent". Um welche Schlange geht es da?

Oddleif: Als erstes muß ich sagen, daß es der heavieste und aggressivste Song des Albums ist...

...aber auch ein sehr melodischer, findest Du nicht?

Oddleif: Ja, doch. Und er hat im Mittelteil einen sehr seltsamen Wechsel in der Harmonie. Sehr cool! (lacht) Nun, worum geht es? Es ist eine ziemlich futuristische Version des Garten Eden. In der mordernen Gesellschaft haben die Menschen sich eine Art neuen Garten Eden erschaffen, um Experimente an Menschen zu betreiben und herauszufinden, was genau damals passiert ist. Sie wollen wissen, wo das Böse her kam. Es ist ein ganz cooles Konzept, vielleicht hast Du die Lyrics gelesen...

Nein, leider schicken Plattenfirmen wie Nuclear Blast die Lyrics nicht mit, wenn sie uns ihre CDs zukommen lassen.

Oddleif: Dann verstehe ich natürlich, weshalb Du fragst. Das ist übrigens interessant, denn Nuclear Blast Amerika bekommen die Lyrics immer um sie den Leuten mitzuschicken. Dagegen müssen wir das nächste Mal unbedingt etwas tun. Vielleicht verschicken wir die Texte dann elektronisch oder stellen sie auf die Webseite. Ich werde mal drüber nachdenken...

Dann zurück zum Wesentlichen. Generell verbreitest Du mit Deinen Lyrics ja eine recht pessimistische Sichtweise auf die Welt. Glaubst Du, daß Du mit Deiner Musik etwas verbessern kannst?

Oddleif: Hm, also ich weiß nicht. Es ist wirklich schwierig irgendetwas in dieser Welt zu verändern. Da gehört schon etwas mehr dazu als eine kleine Band aus Norwegen. (lacht) Es ist kein fröhliches Album und es sind keine fröhlichen Themen, über die wir schreiben, aber für mich ist es einfacher über solche ernsten Themen zu singen als über fröhliche Sachen. Es klingt teilweise schon sehr bedrückt und depressiv, aber auf diese Art lassen sich auch am besten meine Gedanken transportieren. Ich beziehe in diesem Bereich auch leichter meine Inspirationen als durch fröhliche Dinge. Ich bin sicherlich keine dauerdepressive Person sondern genieße meine Zeit und sehe die schönen Dinge des Lebens. Mir ist es nicht wichtig, etwas zu verändern, aber zumindest wäre es schön, wenn ein paar Leute ihre Augen öffnen würden um zu sehen, was um sie herum passiert. Es geht also mehr darum, die Leute zum Denken anzuregen als etwas zu verändern. Ein paar Songs sind dafür sicherlich nicht genug.

Welches sind denn für Dich die schönen Dinge, die die Welt zu einem lebenswerten Ort machen?

Oddleif: Als erstes natürlich die Familie und Freunde. Außerdem ist es für mich wundervoll, mit der Band zu proben und einfach ein Teil von ihr zu sein. Das macht mich glücklich. Ich denke auch, daß Norwegen ein schönes Land zum Leben ist, selbst wenn hier wie in anderen Ländern auch eine Menge schlimmer Dinge vor sich gehen. (überlegt) Sommer! Die Sommerzeit macht mich glücklich! Ach, es gibt eine Menge Dinge, die schön sind, und ohne die Manipulation der Medien wäre die Welt sicherlich ein noch schönerer Ort.


Hast Du auf dem neuen Album auch wieder Texte mit einem mystischen Touch, so wie beim Debüt z.B. "They feed our fear" oder "Ocean Bed", wo Du häufig Worte wie "Magic", Whispers", "Dark" oder "Shadows" verwendest? Woher kommt Dein Hang dazu, die Dinge so zu umschreiben?

Oddleif: Das ist auch etwas, was mich vom ersten Tag an seit ich Musik mache inspiriert hat. Ich weiß nicht genau, woher das kommt. Aber auch im Leben eines jeden Einzelnen gibt es geheimnisvolles. Keiner weiß, woher wir kommen und wohin wir gehen wenn wir sterben. Ich denke, daß sich das irgendwie auf mich ausgewirkt hat und in meinen Lyrics zum Vorschein kommt. Einige der Lyrics sind sehr persönlich, besonders das von Dir genannte "They feed our fear". Es handelt von meinen Alpträumen, die ich früher als kleines Kind regelmäßig gehabt habe, so daß ich oft überhaupt nicht schlafen konnte. Zum Glück bin ich diese Probleme mittlerweile los. Aber es tut gut zurück zu schauen und zu versuchen, diese Dinge irgendwie zu erklären. Als Leser wird man den Text aber wahrscheinlich nicht so verstehen, da das Stück sehr offen geschrieben ist und die Leute ihn frei interpretieren können. Das gleiche gilt für "The Distance", das sicherlich auch für jeden Hörer eine etwas andere Bedeutung annehmen kann als es für mich hat.

Sowohl Eure Musik als auch Eure Texte zeichnen sich durch eine ungeheure Tiefsinnigkeit aus. Findest Du, daß viele Bands heutzutage zu oberflächlich zu Werke gehen?

Oddleif: Nun, wie schon gesagt finde ich, daß es momentan sehr viele Bands gibt und viele davon sicherlich versuchen so zu klingen wie andere. Es geht um Trends und einfache CD-Verkäufe, aber für mich ist es primär wichtig, mich mit meiner Musik ausdrücken zu können. Man sollte sich selbst treu bleiben und das spielen, was man gemocht hat, als man das erste Mal zur Gitarre gegriffen hat. Die Einflüsse, die man hat, muß man versuchen in seine eigene Musik einzubringen anstatt zu sagen: "Oh, diese oder jene Band verkauft eine Menge Platten, sowas sollten wir auch machen!" Aus diesem Grunde gibt es halt eine Menge Bands, die sich gleich anhören.

Weshalb sind eigentlich weder Endre noch Peter fester Keyboarder in Eurer Band?

Oddleif: Hmm, also um mal mit Peter anzufangen, der ja auf dem ersten Album und die Europatour sowie das Rock Hard Festival mit uns gespielt hat... mit ihm hatten wir das Problem, daß er in Dänemark lebt und wir in Norwegen. Es war zwar kein Problem, über E-Mail mit ihm in Kontakt zu bleiben, aber das brachte ihn noch nicht in den Proberaum. Genau das ist jedoch der Ort, an dem die Band wächst und wo unsere Musik entsteht. Wir wollten immer, daß auch unser Keyboarder ein Teil davon ist, denn wenn nicht, dann ist das nicht gut für die Chemie innerhalb der Band. Es entwickeln sich Gerüchte usw. wenn man nie zusammen ist. Das war der Grund, weshalb er kein festes Mitglied bei uns geworden ist. Er hätte dann mindestens zwei Mal im Monat nach Norwegen kommen müssen, und da er zwei Kinder hat, verheiratet ist und einen Job hat, ging das nicht.
Was Endre betrifft, der auf dem neuen Album zu hören ist... auch den haben wir gefragt, ob er live mit uns spielen und proben will um einfach mal zu schauen, wie es sich entwickelt. Das Problem mit ihm ist, daß er ein ziemlich großes Studio hier in Norwegen leitet, das permanent ausgebucht ist. Deshalb hat auch er keine Zeit um in irgendeiner Band zu spielen. Einen Keyboarder zu finden war schon immer ein Problem für uns, und jetzt haben wir uns erstmal gesagt: Okay, scheiß drauf, dann halt erstmal kein Keyboarder! (lacht)

Alles klar, also haben wir heute gelernt, daß es in Norwegen keine Keyboarder gibt...

Oddleif: Ja, wirklich! Hier gibt es wirklich keine Keyboarder! Zumindest nicht solche wie wir suchen! Vor Communic habe ich schonmal in einer anderen Band gespielt, in der wir einen Keyboarder hatten. Der hat allerdings ständig im Vordergrund rumgedudelt, und das wollen wir ja auch nicht, hehe.

Wünschst Du Dir manchmal eine andere Live-Situation? Zum einen, weil Du neben dem Gesang auch die Gitarre übernimmst, was Dich ja schon sehr einschränkt. Zum anderen, weil ihr so progressiv seid, weshalb es sicherlich schwieriger für Euch ist wie beispielsweise für eine Thrash-Band, die Leute auf Eure Seite zu ziehen...

Oddleif: Puh, ich weiß nicht. Ich sehe das eigentlich mehr als eine Herausforderung denn als Hindernis. Natürlich ist es für mich nicht leicht, Gitarre zu spielen und gleichzeitig zu singen, wenn man außerdem noch mit den Zuschauern kommunizieren will. Aber es funktioniert schon ganz gut, auch wenn manche Leute denken, daß wir das nicht können. Aber das ist dann nur noch eine größere Herausforderung, es diesen Leuten zu zeigen. Wir haben es ja auch schonmal anders versucht. Vor Communic war ich in Scariot, einer anderen Norwegischen Band. Dort habe ich nur gesungen, und ich fand es echt total langweilig. Sicher, ich sehe mich selbst primär als Gitarristen, aber auch wenn ich Gitarre gespielt hätte wäre das nicht anders gewesen. Ich hatte in den vergangenen 10 Jahren ja eine Reihe von Bands und da war es halt so, daß wir keinen Sänger gefunden haben. Am Ende haben mich immer alle angeschaut und gemeint, ich müsse singen, weil ich auch die Songs geschrieben hatte. So habe ich angefangen zu singen, und so hat sich mein Gesang immer weiter entwickelt. Mittlerweile fühle mich sehr wohl damit, den Gesangspart zu übernehmen.
Wir haben bei unseren Proben auch schon versucht, noch einen zweiten Gitarristen einzubauen. Zwei Gitarren funktionieren bei uns jedoch nicht, das ist dann einfach zu viel und die Band verliert dadurch an Dynamik. Ich denke, es ist schon gut, wenn wir zu dritt sind. Wir haben so einfach einen sehr dynamischen Sound mit Vocals, Gitarre, Bass und Drums und müssen dementsprechend eben hart dafür arbeiten, die Leute auf der Bühne anzuheizen und mitzureißen.


Welches lustige Erlebnis kannst Du uns von Eurer Tour oder einem der Festivals im vergangenen Jahr erzählen?

Oddleiff: Ja, da waren eine Menge lustiger Sachen, die passiert sind. Das meiste davon behält man besser für sich und erzählt es niemandem weiter. (lacht) Aber was echt cool war, war die Story mit Erik, unserem Bassisten. Du weißt, er hat eine Menge Haare im Gesicht, und wir haben einmal versucht, seinen Bart mit Klebeband zu entfernen. Er hat es uns ausdrücklich erlaubt, aber es hat nicht funktioniert. Bis heute kann sich niemand erklären, aus welchem Material Erik besteht. Wir haben ihm das ganze Zeug ins Gesicht geklebt und es abgerissen, aber das einzige was passiert ist war, daß er geschrien hat wie am Spieß, haha.

Was macht ihr neben Communic sonst noch so? Habt ihr spezielle Hobbys?

Oddleif: Neben der Band gehen wir alle noch arbeiten. Ich habe meine eigene Firma hier in Norwegen. Wir machen grafisches Design für Magazine, Broschüren und so weiter. Das ist mein eigentlicher Job, und am Abend bin ich dann gerne zu Hause, treffe mich mit Freunden oder mache Musik. Thor, unser Drummer, arbeitet als Mechaniker. Er hat auch ein Kind und ist momentan die meiste Zeit damit beschäftigt, Windeln zu wechseln, hehe. Erik ist der einzige von uns, der momentan arbeitslos ist, wobei er auch drei Kinder und eine Frau hat und somit immer beschäftigt ist.

Wie lauten Deine fünf Alltime-Faves?

Oddleif: Da muß ich mit "The Final Experiment" von Ayreon anfangen, das eine sehr große Inspiration für mich gewesen ist, auch wenn ich bislang noch kein Konzeptalbum geschrieben habe. Aber die Platte mag ich wirklich sehr. Dann auf jeden Fall Megadeth mit "Rest in Peace"...und Crimson Glory, "Transcendence", einer meiner absoluten Favoriten! Außerdem noch Psychotic Waltz mit "Into the Everflow", ein fantastisches Album, und "Them" von King Diamond.

Den haben wir uns vor drei Wochen erst angesehen.

Oddleif: Oh, wirklich? Ich habe ihn mir auch gerade in Oslo angeschaut, es war echt toll! Ich bin extra fünf Stunden gefahren um ihn mir anzusehen.

Ach, nur fünf Stunden? Wir sind für den King extra nach Helsinki geflogen, hehe.

Oddleif: (lacht) Okay, verstehe. Spielt der nicht auch in Deutschland?

Doch, eigentlich schon. Da er jedoch schon beim vierten Konzert seiner Tour Probleme mit der Stimme hatte, werden vermutlich mal wieder die meisten der restlichen Shows ausfallen und wir müßten wieder Ewigkeiten warten um noch einmal so eine Chance zu bekommen. King Diamond war schon klasse, aber wir würden uns natürlich auch freuen, wenn wir Euch bald wieder live sehen dürften...

Oddleif: Kein Problem! Wir spielen ja demnächst zwei Mal in Deutschland. Auf dem Earthshaker Festival und dem Queens of Metal Open Air.

Ja, da werden wir sicherlich mal vorbei schauen.

Oddleif: Tut das! Ich hoffe, wir können da mal ein Bierchen zusammen trinken. So lange Du bezahlst bin ich gerne dabei, haha!


Vorbereitung, Durchführung und Bearbeitung: Dennis



zurück

   
  Light Pupil Dilate
Snake Wine
 
     
 
Firesign
Persecution Guaranteed
Gods of Emptiness
Consumption is Freedom?
Solid Ground
Can't stop now
A Dead Lament
Ravens Feast (Promo)
Horn
Naturkraft
SorgSvart
Vikingtid Og AnArki
Oblivio
Dreams are distant Memories
Lastdayhere
From Pieces created
7for4
Diffusion
Light Pupil Dilate
Snake Wine
 
 
Dwelling
Slough Feg
Elisa C. Martin
Astral Kingdom
Doomsword