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So sehr Crustcore aus musikalischer Sicht auch auf das Wesentliche reduziert ist, haben doch viele Vertreter dieses Genres inhaltlich deutlich mehr zu sagen als ein Großteil des harten Sektors. Skitsystem sind dafür ein Paradebeispiel und präsentieren bissige Gesellschaftskritik fernab von plumper Parolenschreierei. Und sie haben kürzlich über Iron Fist Productions erneut ein sattes Album veröffentlicht, bei dem das erstmalige Fehlen der Front-Legende Tompa Lindberg keineswegs negativ zum Tragen kommt.
Ein guter Grund, die Band mal näher unter die Lupe zu nehmen und dabei auch einiges zum Neuling "Stigmata" zu erfahren. Bandkopf und Interviewpartner Fred Wallenberg musste den Termin aus mehr als nachvollziehbarem Grunde (die Geburt seines ersten Kindes) zunächst auf die lange Bank schieben, erwies sich dann aber als sehr auskunftsfreudig.


"Stigmata? scheint ein typisches Skitsystem Album auf dem erwartet hohen Qualitätsniveau zu sein. Sind deiner Meinung nach merkbare Unterschiede zu den Vorgängeralben wahrzunehmen?

Fred: Also ich würde sagen, dass "Stigmata? in etwas höherem Maße Metal-Elemente enthält, es ist stärker vom Metal inspiriert. Dass schwedische Close Up Magazine hat dazu geschrieben, dass Skitsystem das Black Metal Album des Jahres veröffentlicht haben, Darkthrone dagegen das Punk Album des Jahres, hehehe! Im Wesentlichen habe ich aber diesmal mehr an den Texten gearbeitet, da ich sie erstmals ohne die Hilfe von Tompa Lindberg komplett alleine geschrieben habe.


Der Song "Stigmata? ist meiner Meinung nach das Glanzstück des neuen Album, beeindruckende Gitarren und diese verzweifelten Shouts, wirklich sehr intensiv...

Fred: Das ist schon lustig, denn wir hatten das Album bereits mehr oder weniger fertiggestellt, als ich mit meiner 2-saitigen Akustikgitarre und diesem Song ankam. Unser Gitarrist Micke war aber sofort davon überzeugt und so gelangte dieser Song auf das Album und wurde sogar so stark, dass wir ihn als Titelstück verwendet haben! Ich mag ihn auch gerne, sehr intensiv wie du schon sagst.

Der Song "Blodskam? hat sexuellen Missbrauch zum Thema, was in diesem Rahmen gewiss nicht einfach aufzugreifen ist. In den Erklärungen zu den Texten, die der Promoversion beiligen, ist die Rede davon, dass du in einem Kinderheim in Schweden arbeitest und auf diesem Wege mit dem Thema in Kontakt gekommen bist.

Fred: Ja, ich habe während der letzten sechs Jahre als Sozialarbeiter in einem Heim gearbeitet, wo von den Sozialbehörden Kinder im Alter von 1-12 Jahren untergebracht werden, die aus unterschiedlichen Gründe nicht mehr zu Hause leben können. Ich habe so im Jahr etwa 100 Kinder getroffen, das Heim ist weit mehr als nur eine Zuflucht für geschlagene, missbrauchte und sexuell missbrauchte Kinder. Es ist ein guter Job, der aber manchmal auch sehr belastend ist. Für mich war es wohl an der Zeit, einige meiner Erfahrungen dort zu Papier zu bringen. Und das Ergebnis davon ist sehr bitter ausgefallen, rabenschwarz. Einige Zeilen musste ich streichen, da sie einfach zu heftig waren. Aber die folgende ins Englische übersetzte Zeile spricht wohl trotzdem für sich... "I stopped eating, I puked up your sperm, I was peeing and shitting blood, but still dear father, I promise you truthfully, I never ever said a word??

Aus einem anderen Blickwinkel ist Missbrauch auch das Thema des Songs "Stigmata?. Die Wunden Jugendlicher, die sich selbst verletzen, mit einer Art moderner Stigmata zu vergleichen erscheint mir sehr treffend. Aber am wichtigsten scheint es dir zu sein, genauer auf die sozialen Umstände zu schauen, die diese Stigmata hervorbringen, richtig?

Fred: Nun, nach meiner Auffassung fokussiert die Gesellschaft ihren Blick immer stärker darauf wie jemand aussieht, wie erfolgreich er ist etc. Und ich glaube, dass es immer schwieriger für Jugendliche geworden ist, diesem Modell - sexy, reich und immer verfügbar zu sein - zu entsprechen. Wenn man sich diese Jugendlichen betrachtet, muss man berücksichtigen, welcher Druck auf ihnen lastet. Mein Stigmata-Vergleich ist eher als Aufhänger gedacht, um darzustellen, was die heutige Gesellschaft hervorbringt, dabei ist die zunehmende Abwesenheit der Eltern nur ein Aspekt.
Es geht nicht um Geschichten von wegen "Ich bin ein Emo-Kid und ich ritze mich, weil ich vernachlässigt aussehen will.? sondern um Jugendliche, die sich wirklich ernsthaft verletzen. Und deren Anzahl steigt deutlich!

Skitsystem ist ein sehr plakativer Titel für eine Band, der etwas im Kontrast zu euren reflektierten Texten steht. Glaubst, dass der Name noch zu euch passt?

Fred: Ja, ich denke er passt gut zu uns. Was unsere Texte angeht, mögen wir sehr bewusst vorgehen und eine reflektierte Herangehensweise haben, aber so wie ich das sehe, reflektieren wir über das Scheißsystem, deren Teil wir sind...

Verstehst du deine Texte als klare Apelle oder ist es für dich wichtiger, Anregungen zum Nachdenken zu geben?

Fred: Ich möchte kein Prediger sein, der den Leuten erzählt, dass Krieg scheiße ist, denn alle Leute wissen, dass Krieg scheiße ist, zumindest fast alle. Ich möchte auch in anderer Hinsicht kein Prediger sein, aber es GIBT eine Menge Dinge, über die es sich nachzudenken lohnt, wie der bereits angesprochene sexuelle Missbrauch. Ich denke, dass wir eine Verantwortlichkeit haben, uns um die Dinge zu kümmern, die um uns herum passieren, in welcher Art und Weise auch immer. Wenn ich einen Text über Schwulenfeindlichkeit schreibe und sich jemand denkt: "Das ist scheisse, dagegen möchte ich etwas tun!?, dann ist das großartig. Ich glaube, dass ich gewiss etwas zu sagen habe und meistens nutze ich die Musik, um mich auszudrücken.

Würden Skitsystem auch eine politische Kampagne unterstützen, wenn sich die Bandmitglieder damit komplett identifizieren können?

Fred: Eher nicht. Innerhalb von Skitsystem haben wir politisch und religiös voneinander unabhängige Einstellungen und manchmal nicht unbedingt die gleichen Ziele. Skitsystem ist eher eine audiovisuelle Reaktion von vier Leuten, die merken das manche Dinge völlig falsch laufen.

Entsprechend dem öffentlichen Meinungsbild in Deutschland ist Schweden ein wohlhabender Staat mit eher gering ausgeprägter sozialer Ungleichheit. Das ist natürlich ein recht oberflächlicher Standpunkt und tatsächlich haben wohl die meisten Leute keine so genaue Vorstellung davon, was überhaupt in Schweden abläuft. Wenn du auf das Land in dem du lebst blickst, was sind die bedeutendsten gesellschaftlichen Probleme und damit auch Inhalte deiner Texte?

Fred: Ich würde sagen, dass die Einwanderungspolitik der EU am wenigsten akzeptabel ist. Das wirft wirklich einen schwarzen Schatten auf die schwedische Gesellschaft. Wohlstand ist sicherlich immer ein Thema, wenn man über schwedische Punk-Bands spricht. Nun ja, wir sind in vielerlei Hinsicht ein reiches Land und haben eine großartiges soziales Sicherungssystem, das über Jahrzehnte aufgebaut wurde, aber nun sind wir dabei es mehr oder weniger wieder zu zerstören.
Wie ich für gewöhnlich sage: Es kann immer viel besser sein!

Schweden ist neben England das bedeutendste Herkunftsland für Crustcore-Bands. Neben Skitsystem denke ich da an Wolfpack / Wolfbrigade, Disfear, Totalt Jävla Mörker und natürlich die einzigartigen Discharge, allesamt sehr einflussreiche Bands. Hast du eine Erklärung, warum Schweden im Crustcore eine solch führende Rolle spielt.

Fred: Ich weiss es auch nicht genau. Ich denke mal, dass die hohe Verfügbarkeit von öffentlichen Musikschulen eben auch ihre Verirrungen mit sich bringt, hehe! Schweden ist ja generell ein bedeutendes Musik-Land, man muss sich ja nur mal die Metalszene mit Bands wie The Haunted, In Flames und Arch Enemy anschauen, um nur einige wenige zu nennen. Ähnlich sieht es in der Punkszene aus, viele Bands entspringen der öffentlichen Förderung, die etwa kostenlose Proberäume für Jugendliche umfasst. Ich glaube, es findet sich generell ein hohes Maß an musikalischer Aktivität.

Wenn wir schon beim Thema sind: Weisst du, was Wolfbrigade mittlerweile machen? Es war ja zuletzt doch sehr ruhig um sie.

Fred: Nun, aus der Asche entspringt Phönix, hehe! Sie haben eine neue Band mit dem Namen Todays Overdose gegründet. Es ist eine gute Band, aber ich würde sie zum jetzigen Zeitpunkt eher als Kopie von Poison Idea bezeichnen. Sie klingen mehr nach Punk Rock, die Metal-Einflüsse sind passé. Was aber auch okay ist und wenn sie zu einem originelleren Sound finden, werden sie uns sicherlich wegpusten.

Interessiert du dich für Metal? Was sind aus deiner Sicht die bedeutendsten schwedischen Metalbands?

Fred: Absolut! Wenn du allerdings die eingefleischte Punkszene fragst, würde man mich deswegen wahrscheinlich eher als rückständigen Metalhead als als Crustcore-Fan bezeichnen...
Von Black Metal habe ich momentan aber einfach genug. Ich denke, dass Bands wie At The Gates und Entombed sehr bedeutend sind, großartig sind weiter natürlich auch Candlemass, Craft, Grave, Dissection und einige andere. Verdammt, selbst Bands wie Hammerfall sind irgendwie bedeutend, armselig sind sie allerdings trotzdem!

Glaubst du, dass sich weniger Leute für Skitsystem interessieren, weil Tompa Lindberg nicht mehr Teil der Band ist? Das wäre sicherlich ein Armutszeugnis, aber so läuft es eben manchmal...

Fred: Wir waren erst mal etwas konsterniert, aber die Kritiken zum neuen Album haben gezeigt, dass er für uns als Band keine Bedeutung mehr hat. Er ist einfach nur noch ein guter Freund. Und wer uns aus diesem Grund jetzt ignoriert, hat uns sowieso noch nie gemocht!


Eine sehr gesunde Einstellung! Euer Label Iron Fist Productions veröffentlicht ja hauptsächlich Death und Thrash Metal. Wie bist du mit ihnen in Kontakt gekommen und glaubst, dass sie die richtige Wahl für Skitsystem sind?

Fred: Tomas (Tomas Nyqvist, Labelchef ? Anmerkung des Verf.) ist ein alter Freund von mir, ich kenne ihn schon aus Zeiten des Putrefaction Mags sowie von No Fashion Records, also schon seit 15 Jahren. Als er mich fragte, ob wir mit ihm zusammenarbeiten möchten, habe ich die anderen in der Band gefragt, die dann schnell ihre Zustimmung erteilt haben. Schliesslich haben wir uns noch nie um Trends gekümmert und unsere eigentliche Plattenfirma ist immer noch Havoc Records aus den USA. Tomas hat lediglich einen Lizenzdeal.
Und was Metal und Thrash angeht... Die Leute sollten aufhören, so stur zu unterteilen, welchen Stil man spielt... Es geht einfach um Musik, wirklich brutale Musik, verdammt (lacht)!

Auf eurer Homepage konnte man zuletzt lesen, dass ihr einer Benefiz-Show in Göteborg für Jack Control (Frontmann der Hardcore Punk Bands Severed Head of State und World Burns to Death) plant, der bei Ausschreitungen nach einer Show in Austin, Texas im Januar 2006 durch einen Messerstich schwer verwundet wurde. Wisst ihr, wie es ihm mittlerweile geht? Und sind die Pläne bereits fortgeschritten?

Fred: Wir arbeiten da mit unserer lokalen Punkszene zusammen. Bislang ist noch nichts passiert, aber wir streben ein Benefizkonzert im Herbst an. So weit ich weiss, hat er sich gut erholt und spielt mittlerweile wieder Shows mit World Burns to Death. Was ihn aber wirklich "umbringt", sind die Krankenhauskosten von mehr als 80.000 US$, was echt ein schlechter Witz ist. Wir werden tun was wir können, um ihn mit einer Show zu unterstützen!

Ich habe außerdem von Tourplänen für Anfang 2006 in England gelesen, hat das so stattgefunden?

Fred: Und ob das stattgefunden hat! Wir haben sechs Konzerte in England zusammen mit Flyblown gespielt, eine ziemlich gute Tour. Leider sind wir einigen armseligen, billigen Typen begegnet, aber die sind leider nie fern... Unsere nächste Tour wird nicht in England sein, obwohl die Fans schon klasse waren.

Gibt es dafür vielleicht Pläne, nach Deutschland zu kommen?

Fred: Das werden wir hoffentlich. Ich weiss noch nicht wann, aber in Deutschland ist es immer großartig!

In diesem Sinne vielen Dank für das Interview! Möchtest du abschliessend noch etwas loswerden?

Fred: Vielen Dank auch, kauft unsere Platte und hoffentlich sieht man sich bald auf Tour!


Vorbereitung, Durchführung und Bearbeitung: Volker


Bandfotos: Henrik Dahlberg

http://www.photohenrik.com


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