Home
Vorwort
News
Eure Ankündigungen
Interviews
CD-Reviews
Live-Reviews
Metal and More
Locations
RIP
LinksSuche
Kontakt
Impressum
Über uns
Metalspheres präsentiert


4680541
Besucher seit 09/2002


Zu den bemerkenswertesten Bands der mittelhessischen Szene zählen ohne Zweifel Mortal Illusion aus Gladenbach, die trotz ihres niedrigen Alters bereits drei Demos auf den Markt losließen, welche mit ihrer interessanten Mischung aus traditionellen und progressiven Klängen nicht nur mich beeindrucken konnten. Höchste Zeit also, der Band mal ein paar Löcher in den Bauch zu fragen. Sänger Erdmann Görg stellte sich dem Noumenon in Form meines Fragenkatalogs.


Bitte stellt die Band den Lesern zu Beginn erstmal kurz vor. Seit wann gibt es euch, warum habt ihr angefangen Musik zu machen? Wie sieht die derzeitige Besetzung aus?

EG: Gegründet haben wir die Band im Herbst 1999. Wir, das heißt Stefan und ich, waren damals beeindruckt von Bands wie Iron Maiden, Iced Earth, und Running Wild. Eines Abends fragte Stefan mich, ob wir nicht auch eine Combo an den Start bringen wollten. Ich war natürlich hellauf begeistert. Auf der Suche nach Mitstreitern stieß Jan zur Band. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten und diversen Wechseln an den Instrumenten begannen wir die ersten Gigs zu spielen. Wie das bei einer jungen Band nun mal so ist, kam es immer wieder zu Neubesetzungen. So trennten wir uns 2003 von unserem Schlagzeuger und holten Manuel Herwig in die Band. Er ist unter anderem nicht ganz unschuldig an der härteren Gangart der letzten Alben. Zum heutigen Line-Up gehören unsere beiden Gitarristen Stefan Radl und Christoph Kühn, Jan Herzmann (Baß), Manuel Herwig (Drums) und ich, Erdmann Görg (Gesang, Keys).


Euer Bandname hat nicht zufällig was mit Blind Guardian zu tun? Ich dachte da an "The quest for Tanelorn"...

EG: Bingo! Wir alle sind große Blind Guardian-Fans. Als wir die Band ins Leben riefen, orientierten wir uns stark an traditionellen Metalbands. Das ist heute nicht mehr so, zumindest nicht in diesem Ausmaß. Zu Beginn spielten wir eine Handvoll Gigs unter dem sehr zweifelhaften Namen "Metallurgy". Als wir jedoch begannen, größere Gigs zu spielen und wir mit True Metal nicht mehr ganz so viel am Hut hatten, beschlossen wir, die Band umzubenennen in "Mortal Illusion". Ich denke, daß der Bandname sehr gut zu unserem Textkonzept paßt. Was ist Wirklichkeit? Was kommt uns nur so vor? Was kommt nach unserem vergänglichen, irdischen Dasein? Solche und ähnliche Themen beschäftigen uns.

Ihr habt als Sextett mit drei Gitarristen angefangen, seid dann erheblich geschrumpft und nun wieder zu fünft. Wie kam es dazu?

EG: Zum Zeitpunkt der Bandgründung waren wir alle sehr jung und hatten kaum Erfahrungen. Dementsprechend ging viel drunter und drüber und wir hatten enorme Startschwierigkeiten. Deshalb holte Stefan damals Dennis Spies in die Band, der um einiges erfahrener war und mit dem er nebenbei noch in einer Death Metal-Combo musizierte. Damit hatten wir auf einmal drei Gitarristen. Als die Proben intensiver wurden, beschloß Patrick Schreiner, ebenfalls Gründungsmitglied, die Band zu verlassen. Da wir immer noch zwei Gitarristen in unseren Reihen hatten, machte sich dies, zumindest musikalisch, kaum bemerkbar. Als Dennis ein knappes Jahr später ebenfalls die Band verließ, machten wir eine Zeit lang zu viert, nur mit einer Gitarre, weiter. Da wir bereits alle Vorbereitungen zum Demo "Facing the Noumenon" getroffen hatten beschlossen wir, dieses im Vierer-Line-Up einzuspielen. Stefan zeigt sich also für alle Gitarren auf der "Facing" verantwortlich. Rasch merkten wir jedoch, daß die Musik von Mortal Illusion zwei Gitarren benötigt. Wir ließen also mehrere Gitarristen vorspielen und entschieden uns für Christoph als zweiten Axtmann. Er war von vornherein mein Wunschkandidat, da ich Jahre zuvor aushilfsweise in seiner Iced Earth-Coverband "Violate" sang und wußte, daß er menschlich wie musikalisch perfekt in die Band passen würde.

Euer Stil ist nicht so einfach einzuordnen. Welche Band würde für eine gemeinsame Tour am besten zu euch passen?

EG: Sicher Bands wie Iron Maiden, Savatage, Trivium, Nevermore, Communic oder Iced Earth. Grundsätzlich sind wir eine Band, die sehr gerne live spielt. Es ist uns nicht wichtig, ob die anderen Bands musikalisch genau den gleichen Nenner haben, wir haben auch schon mit Grindcore- und Punkbands gespielt.

Ihr kommt aus Gladenbach bei Marburg. Wie sieht dort die Szene aus? Gibt es noch andere gute Bands?

EG: Die Szene in unserer Heimat ist sehr ausgeprägt. Es ist an der Tagesordnung, daß man auf der Straße Zehnjährige mit Metal-Shirt herumlaufen sieht. Dementsprechend sprießen Bands wie Pilze aus dem Boden. Von den einen hörst du nie wieder was, die anderen werden zu einem festen Bestandteil der lokalen Szene. Erwähnenswert sind sicher Complex 7, Mortal Passion und Feast For The Crows. Unseren Proberaum teilen wir uns mit den Bands Corporis und Conscious Insanity, bei denen auch Stefan bzw. Manuel spielen bzw. gespielt haben.

Das Wort "Noumenon" konnte mir mein Wörterbuch nicht übersetzen. Was bedeutet es, und warum muß man sich ihm stellen?

EG: Mit dem Noumenon ist das so eine Sache. In dem Lied "Facing the Noumenon" geht es um Platon und seinen Lehrer Sokrates. Von Platon sind im wesentlichen Dialoge überliefert. In diesen tritt nicht er, sondern zumeist sein Lehrer Sokrates auf. Sokrates wurde von der attischen Demokratie zum Tode verurteilt. Das Lied "Facing the Noumenon" bezieht sich im wesentlichen auf dessen Verteidigungsrede, die Apologie des Sokrates, sowie auf die Dialoge Paidon, Kriton und Politeia.
Platon unterteilt die Welt in Erscheinendes und Ideen (Phaenomenon und Noumenon). Die Erscheinungen sind nichts als ein matter Abglanz der Ideen. So ähnlich wie der Schatten eines Gegenstandes, beispielsweise eines Stuhls, nur ein unvollkommenes Bild des wirklichen Stuhles ist, so sind auch die Erscheinungen, das heißt die Welt, in der wir leben, nichts anderes als ein schwacher Abglanz der Ideen. Wer nun Erkenntnis gewinnen will, der darf nach Platon nicht in der Welt der Erscheinungen forschen, so wenig wie man, um einen Stuhl zu erkennen, den Schatten des Stuhles studiert, sondern er muß das Noumenon, das Ding selbst erforschen. Genau darum geht es in dem Lied: Man muß den Schein zurücklassen und zu den Sachen selbst vordringen!

Was wollt ihr dem Hörer mit euren Texten vermitteln? Woher bezieht ihr eure Inspirationen hierfür?

EG: Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, einen Mortal Illusion-Song zu hören. Man kann bangen, moshen, abgehen etc., ohne sich die ganze Zeit über die Texte den Kopf zu zerbrechen! Wenn man möchte, kann man sich aber auch tiefer mit den Texten auseinandersetzen. Es ist uns wichtig, daß beide Komponenten vorhanden sind. Wir wollen weder stumpfe Parolen ins Publikum gröhlen noch eine Stubenhocker-Band sein!
Es ist schwer, alle Texte auf einen Nenner zu bringen, aber ich denke, man könnte sagen, daß es in jedem Lied um Menschen in einer Konfliktsituation geht. Wir versuchen, in unseren Texten die Menschen zum Nachdenken zu animieren. Selber denken und sich nicht mit vorgekautem füttern lassen lautet die Devise! Dabei werfen wir Fragen auf, ohne auf diese Fragen konkrete Antworten zu geben. Ganz im sokratischen Stil. Ich muß sagen, daß ich oft selbst die Antwort auf die aufgeworfenen Fragen nicht kenne! Die Inspirationen beziehen wir bei unseren Texten aus Filmen, Büchern oder dem täglichen Leben.
Bei den Song "9692 ? The age of machines" geht es beispielsweise um den Film / das Buch "Mathilde", allerdings in einer, na sagen wir eher eigenen Interpretation. Um nicht länger die Brutalität des ersten Weltkrieges ertragen zu müssen, verstümmeln sich Soldaten selbst und werden dafür zum Tode verurteilt.
Das Lied "Of clouds and clocks" handelt von verschiedenen philosophischen Entwürfen zum Thema Determinismus und Chaos und stellt die Frage, was die Auswirkungen für unser Leben sind.
Kurz könnte man sagen: alles mit tieferem Belang kann in die Texte von Mortal Illusion einfließen.

Weshalb verzichtet ihr eigentlich auf geile Klischeetexte über Schwerter, Drachen und Metal? Meint ihr nicht, das könnte eure Musik noch zusätzlich aufwerten?

EG: Natürlich tolerieren wir Bands, die dadurch ihre Texte aufwerten wollen. Da wir uns jedoch mehr und mehr vom eher traditionellen Metal wegentwickeln und mit unseren Texten, na sagen wir tief greifende Probleme anvisieren wollen, würden solche Texte nicht zur Band passen. Damit meine ich nicht, daß Klischeetexte für manche Bands nicht genau das richtige sind. Aber würden Manowar Mortal Illusion-Texte verwenden oder umgekehrt, wäre das sicher sehr, sehr befremdlich. Es würde einfach nicht zu Mortal Illusion passen, den tausendsten Song über Heavy Metal, Bier und Drachen zu schreiben.
Als kleines Trostpflaster für True-Heavies sei aber gesagt, daß wir uns auf einigen Songs der "Voices" mit griechischer Mythologie beschäftigen, allerdings, wie ich hoffe, ohne dabei in ein Klischee zu verfallen.

Auch das Bühnenoutfit wäre noch verbesserungswürdig. Zu wenig Nieten, Patronengurte, Ledertangas, Rüstungen und Schlachtrösser. Könntet ihr daran nicht mal etwas arbeiten?

EG: Also wirklich nicht. Das würde absolut nicht zu uns passen. Wenn andere Bands das in ihre Liveperformance einbeziehen, ist das kein Problem, aber Mortal Illusion und Ledertangas? Bitte nicht!


Wie sähe es denn mit einer Umbenennung in "Metal Illusion" aus?

EG: Damit würden wir ja behaupten, Metal sei eine Illusion, und das denke ich als überzeugter Schwermetaller ganz sicher nicht. Außerdem finde ich, daß es bei weitem nicht so gut klingt wie Mortal Illusion.

Was für Ziele habt ihr mit der Band? Habt ihr euch schon bei Labels beworben?

EG: Langzeitig streben wir danach, unseren ersten Longplayer auf den Markt zu bringen. Wir haben unser Demo an Labels verschickt und auch ein paar Angebote für einen Deal bekommen. Ich kann derzeit allerdings nicht mehr dazu sagen, da wir noch mitten in den Verhandlungen stecken!

Ein Kommentar zu den folgenden Stichworten bitte:

Mittelhessen

EG: Meine Heimat! Was soll ich dazu mehr sagen?

Metal Crew Hinterland

EG: Die Metal Crew Hinterland ist ein eingetragener Verein von jungen Leuten, die Konzerte und Partys veranstalten. Ich halte das für eine sehr gute Sache, da die Szene solche Leute braucht, um am Leben zu bleiben.

Wacken

EG: Wacken ist für uns das Mekka des Heavy Metal. Meist fahren wir als Band gemeinsam dort hin. Nach einem anstrengenden Arbeitsjahr ist es zumindest für mich die richtige Art, abzuschalten und mich meinem Lieblingshobby zu widmen: Heavy Metal.

Progressive Metal vs. True Metal

EG: Als Band können wir behaupten, gar nichts von beiden sein zu wollen. Namen sind ohnehin zumindest im Metal Schall und Rauch. Wie man uns nun bezeichnet ist uns ganz egal. Vielleicht ist es ein kleines bißchen von beidem, was unseren Sound ausmacht.

Habt ihr mal in Erwägung gezogen, Deutschland beim nächsten Eurovision Song Contest zu vertreten? Welcher Mortal Illusion-Song wäre hierfür am geeignetsten?

EG: Das haben wir selbstverständlich nicht getan. Wenn wir aber trotzdem antreten würden, dann wäre die Ballade "Blinded" von der "Facing" sicher am besten geeignet. Vielleicht erreichen wir aber auch mehr, indem wir schocken und "9692 ? The age of machines" spielen. Dann bekommt ganz Europa unsere Maschinengewehrriffs um die Ohren geblasen!

Wenn ihr das Kingdom of Metal regieren würdet, welches wären die drei ersten Gesetze, die ihr erlassen würdet?

EG:
1. Es gibt keine allgemeine Kleiderordnung mehr unter den Metallern!
2. Es gibt keinerlei Verpflichtung, bestimmte Bands zu hören!
3. Jegliche Form von kommerzieller Anbiederung ist auf strengste untersagt!

Zu 1. und 2.: Es gibt immer wieder irgendwelche Metaller, die einem vorschreiben wollen, wie Metal zu klingen hat und wie man sich zu verhalten hat, um "Metal" zu sein. Blödsinn! Wir sind unter anderem Metaller geworden, weil wir nicht konform zur normalen Gesellschaft sind und sein wollen! Metal bedeutet Freiheit. Und jetzt wollen uns irgendwelche selbsternannten Elitemetaller erzählen, wie wir uns verhalten sollen, um Metal zu sein? Ohne uns!

Zu 3.: Leider beobachtet man immer mehr, daß mit einer wachsenden Szene sich auch immer mehr kommerzielle Bands in die Reihen von ehrlichen Heavy-Bands schleichen und versuchen, an der Szene teilzuhaben oder umgekehrt, daß mehr und mehr Bands ihre alten Ideale verraten und versuchen, eine kommerziellere Gangart einzuschlagen. Würden wir das "Kingdom of Metal" regieren, wäre das verboten.

Zum Abschluß nennt bitte noch eure fünf Lieblingsalben aller Zeiten.

EG:
Stefan: Youthanasia (Megadeth)
Erdmann: Images and words (Dream Theater)
Jan: Sign of the hammer (Manowar)
Christoph: Imaginations from the other side (Blind Guardian)
Manuel: Vulgar display of power (Pantera)


Vorbereitung, Durchführung und Bearbeitung: Till



zurück

   
  Light Pupil Dilate
Snake Wine
 
     
 
Firesign
Persecution Guaranteed
Gods of Emptiness
Consumption is Freedom?
Solid Ground
Can't stop now
A Dead Lament
Ravens Feast (Promo)
Horn
Naturkraft
SorgSvart
Vikingtid Og AnArki
Oblivio
Dreams are distant Memories
Lastdayhere
From Pieces created
7for4
Diffusion
Light Pupil Dilate
Snake Wine
 
 
Dwelling
Slough Feg
Elisa C. Martin
Astral Kingdom
Doomsword