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Welcher Fan klassischen deutschen Heavy Metals bekommt beim Namen Jutta Weinhold nicht leuchtende Augen? Die gebürtigere Mainzerin verband, nachdem sie bereits fast 20 Jahre lang in verschiedenen Bands Musik gemacht hatte, klassischen, dramatischen Stoff und schweren, stampfenden Heavy Metal zu einer einzigartigen Melange und schrieb mit Zed Yago ein nicht wegzudenkendes Kapitel deutscher Metalgeschichte. Dabei polarisierte die stimmgewaltige Dame von Anfang an; Teile der Szene (für die Metal gleichbedeutend mit Saufen und Mantafahren war) lehnten sie wegen ihrer Begeisterung für die Klassik ab, andere zeigten sich begeistert ob dieser originellen und tiefgehenden Einflüsse. Doch die Dramatic Metal-Galeone geriet in schwere Sturmböen; nach internen Querelen mußte Jutta ihre Band aufgrund rechtlicher Probleme nach zwei Alben in Velvet Viper umbenennen, veröffentlichte zwei weitere Alben, bevor das endgültige Ende der Band gekommen war. Juttas letztes Lebenszeichen war ihr 1994er Soloalbum "To be or not", nach welchem es still um die Wahlhamburgerin wurde.
2002 jedoch tauchte Jutta wieder auf und absolvierte einen Kurzauftritt mit Metalium, deren Chef Lars Ratz einst Teil von Velvet Viper gewesen war. Eine triumphale Rückkehr der Sängerin, die nunmehr auch an ihrem aktuellen Projekt Weinhold arbeitete. Auch in Wacken 2003 trat die Dame mit Metalium auf, und so nutzten wir die Gelegenheit, uns mit ihr auf einen kleinen Plausch zu treffen. Jutta erschien in Begleitung ihrer Freundin Elke, erwies sich als ebenso sympathische wie redselige Gesprächspartnerin und erzählte vom Fleck weg mit hörbarer Begeisterung von ihrer neuen Produktion und alten Zeiten.


Jutta: Ich bin sehr froh, daß es mit diesem Kurzauftritt geklappt hat, wir haben ja jetzt gerade unsere neue Platte, die neue Weinhold-CD, fertiggestellt. Leider hat es vom Timing her nicht so gut geklappt, daß sie jetzt schon auf dem Markt ist, sonst hätten wir vielleicht auch schon mit der Band hier spielen können. Es ist wirklich sehr geile Musik, und ich habe da einen Supergitarristen kennengelernt, den Kai Reuter aus Hannover, ein recht unbekannter Typ aber so was von gut... der spielt das einfach so, er hat's einfach drauf, und als ich den vor zwei Jahren kennengelernt und zum ersten Mal gehört habe, wie er angeschlagen hat, da ich habe ich gesagt: okay, mit dem könntest du's noch mal richtig machen. Eigentlich wollte ich keine Band mehr machen, ich hatte nach Zed Yago einfach die Nase voll gehabt, das war ja alles nicht so schön gelaufen, alles sehr stressig, der Himmel ist eigentlich über mir eingestürzt, aber als ich den dann gehört habe, dachte ich, okay jetzt könnte man's noch mal versuchen, jetzt probiere ich's halt noch mal in meinem hohen Alter, ich möchte mir noch mal den Hammer geradehängen.

Also können wir so schnell nicht mehr mit einer richtigen Zed Yago-Reunion rechnen?

Jutta: Nee! Kann ich nicht machen, denn meine Zed Yago ist tot. Da gibt's ja noch einen Typen, der das macht, die anderen sind ja alle andere Musiker. Ich kann das einfach nicht mehr machen. Ich bin so gute Gitarristen gewohnt, ich könnte jetzt keinen Schritt mehr zurückgehen. Und wenn so eine schlimme Sache passiert ist wie vor 13 Jahren... ich habe auch keinen Hebel, den ich umstellen kann, ich kann nicht sagen, ich liebe dich wieder oder ich kann mit dir wieder komponieren. Das ist schwer! Man ist ja kein Computer, ich hätte da immer ein komisches Gefühl im Bauch und wäre mir selbst auch nicht treu. Man muß Sachen einfach abhaken, auch wenn es so traurig ist, wie es ist, weil Zed Yago einfach mein Baby war, das war einfach meine Sache, und die war richtig gut.

Hattest du nicht die Namensrechte auf Zed Yago?

Jutta: Nee! Ich habe das zwar alles erfunden, aber wir hatten damals eine GbR (Gemeinschaft bürgerlichen Rechts - Verf.) gehabt, und in dieser GbR ist es so, daß die Rechte bei der Mehrheit liegen, und da ich in der Minderheit war, als es zu dem Eklat kam, habe ich das verloren, weil ich kein privates Copyright hatte. Aber wer denkt schon an sowas, wenn du die Welt erobern willst? Ich hätte nie daran gedacht, daß das passieren kann, weil ich Zed Yago so mit meiner Person verbunden habe, mit meinem Leben, mit meinen Träumen mit meiner Mentalität, mit meiner Art... ich hätte nie gedacht, daß jemand sagen würde, wir machen das jetzt alleine weiter, das kam mir gar nicht in den Sinn.

Du hattest ja damals sogar den Künstlernamen Zed Yago...

Jutta: Ja aber weil ich halt kein privates Copyright hatte... also Jungs, ein Tip von mir, auch an alle anderen, die das jetzt lesen: niemals eine GbR gründen, das ist Scheiße! Zuviel Bürokratie bringt's nicht, lieber mal wem auf die Schnauze hauen und ab dafür, aber diese ganzen Paragraphengeschichten, wenn man nicht gerade ein ausgefuchster Rechtsanwalt ist, ist das immer Scheiße.

Kennst du denn mittlerweile die anderen Musiker, die bei Zed Yago spielen, Yvonne Durand und so?

Jutta: Nein, keine Ahnung, interessiert mich auch nicht. Ich habe auch nichts Gutes darüber gehört. Weißt du, das ist vorbei, ich muß es streichen, wenn's auch manchmal wehtut, aber ich muß mich einfach davon distanzieren. Ich muß das vergessen und auf zu neuen Ufern. Meine Zed Yago ist im Nirwana verschwunden und macht da die Supersessions mit all diesen anderen geilen Leuten, die im Nirwana sind...

Verfolgst du denn ansonsten noch die Metalszene?

Jutta: Ja ich höre mir da manchmal so ein paar Sachen an, bedingt durch ihre (zeigt auf Elke) Tochter, die Jana, die bringt mir dann immer so ihre Musik mit, die sie gerade hört. Ich finde Rage ganz gut und auch diesen Manson... ja alles Einfluß von Jana, 15 Jahre alt! (lacht) Manchmal können die Generationen schon miteinander, und ich mag halt Metal und Hardrock. Das ist bei mir eigentlich so eine Gratwanderung zwischen Dramatic Metal und Hardrock, ich mache ja gerne gute Texte, und ich finde, die Leute sollen sich auch ruhig ein bißchen anstrengen, weil ich auch wirklich etwas zu sagen habe. Ich möchte gerne auch wirklich eine Botschaft rüberbringen und habe deswegen auf der neuen Platte auch wieder wirklich gewaltige Themen drauf, zum Beispiel von Franz Kafka Die Verwandlung oder den Shakespeare, Macbeth, solche Sachen interessieren mich halt total, und ich habe diesmal den Rachmaninoff dabei; früher habe ich mich immer viel mit Wagner befaßt, und diesmal ist es Rachmaninoff, weil ich einfach mal wieder aufzeigen wollte, daß Musik, die Tiefgang hat, immer zusammenpaßt, egal aus welcher Richtung das kommt. Es muß Tiefgang haben, es muß Sinn haben, es muß einfach einen Wert haben!

Interessierst du dich denn auch für Newcomerbands und liest du Fanzines?

Jutta: Ja ich lese manchmal Fanzines, wenn ich sie zugeschickt kriege, aber ansonsten muß ich sagen, die neuen Metalbands, was so als Nu Metal bezeichnet wird...

Nein ich meinte jetzt eher allgemein neuere Bands, Nightwish zum Beispiel.

Jutta: Die habe ich schon mal gehört, ja, da singt ja auch eine Frau, ne?

Die haben ja auch einen großen klassischen Einfluß, den ihr ja auch hattet.

Jutta: Ja das soll man benutzen, das ist ja ein Kulturgut von uns. Wir Deutschen müssen einfach immer versuchen, ein Original zu sein, wir müssen aufhören, amerikanische oder englische Bands zu kopieren. Und dabei hilft uns eigentlich die Klassik, weil das unsere Roots sind, das ist in uns allen drin, damit werden wir geboren. Wir werden auch mit Wagner geboren und mit allen europäischen Komponisten, und ich finde, es lohnt sich einfach, da mal über den Rand zu gucken und zu versuchen, diese Sachen irgendwo...nicht unterzubringen, das klingt so banal, aber sich einfach mal inspirieren zu lassen und solche Vielfältigkeit in die Rockmusik reinzubringen. Das ist spannend und neu, und dann hat man auch das Prädikat, ein Original zu sein. Es ist nicht gut, wenn Leute immer nur andere Bands kopieren.

Das passiert sowieso mittlerweile viel zu oft, aber es ist eben auch schwierig, eine eigene Identität aufzubauen.

Jutta: Richtig, man muß einfach anfangen zu suchen, wie ein Goldgräber, man muß die kleinen Nuggets suchen, man muß diese Musik ernst nehmen. Und wenn man dann anfängt zu baggern, dann findet man auch was, davon bin ich vollkommen überzeugt.

Wie ist der Gig mit Metalium denn überhaupt zustandegekommen, ihr habt ja letztes Jahr schon mal zusammen gespielt.

Jutta: (total euphorisch) Ja, witzig, witzig, witzig! Das war für mich der ausschlaggebende Moment, daß ich wieder in die Szene wollte, weil für mich der Metalbereich der einzige Bereich ist, wo wirklich noch Rockmusik im wahrsten Sinne des Wortes stattfindet. Keine Popscheiße, keine künstliche Popmusik die die Haltbarkeitsdauer eines Joghurts hat, nicht diese künstliche, seichte Scheiße. Damals in Leipzig mit Metalium, das war für mich der i-Punkt, als ich das erlebt habe, habe ich mich so gut gefühlt, ich hätte vor Begeisterung platzen können! Ich habe mich so wohl gefühlt, das war ja so lange her, das ich das mal gemacht habe, das hat mir so gut getan...


Jutta bei ihrem späteren Auftritt

Sind das denn Freunde von dir?

Jutta: Ja, beim Ende von Zed Yago hat Lars ja Baß gespielt, ich mußte das dann ja in Velvet Viper umbenennen, und da hat Lars dann gespielt, so lange kennen wir uns schon. Lars ist für mich ein völlig fähiger Musiker, ein guter Basser, der genau weiß, um was es geht, und er ist auch noch ein tierisch guter Businessman, macht richtig gute Geschäfte und Deals, und das finde ich toll, so jemanden darf man nicht aus den Augen verlieren, weil das selten ist, daß jemand wirklich so tough ist und so pfiffig, völlig pfiffig! (lacht)

Warst du eigentlich die letzten Jahre schon ab und zu in Wacken? Hamburg ist ja nicht weit weg.

Jutta: Ja, letztes Jahr war ich mit einer Bekannten hier, und ich hoffe, daß es dieses Jahr auch regnet. (gerunzelte Stirn seitens der sonnenverwöhnten Metalspheres-Gesandschaft) Letztes Jahr hat's ja ein bißchen geregnet, und ich wollte unbedingt schlammbaden! (lautes Gelächter allerseits) Ich hätte das so gerne gemacht, aber dann ging's nicht mehr, und dieses Mal habe ich mir extra Plastiksäcke ins Auto gelegt, weil ich unbedingt schlammbaden will, falls es heute noch regnet, ich finde das so toll! Wie ein Schlammzombie möchte ich gern hier vom Feld wanken, Elke! (extremer Zwerchfellanfall bei allen Beteiligten)

Ihr seid ja eben erst angekommen, also Rolf von Running Wild bist du wahrscheinlich noch nicht begegnet? Da gab es ja früher mal diese Auseinandersetzung.

Jutta: Ja das ist schon lange her. Da haben wir auch nie darüber gesprochen. Wir hatten ja damals ganz am Anfang dieses Piratenimage, und man muß auch nicht albern sein, Piraten sind für alle da, ok? (lacht)

Rolf ist da ja manchmal ein bißchen eigen.

Jutta: Ich fand das alles nicht tragisch. Ich weiß noch, irgendwann kam dieser Bassist zu uns und sagte, ey Jutta weißt du was, der Rolf von Running Wild macht jetzt auch so ein Piratenimage, da meinte ich, na und macht doch nichts, wir werden jeden Tag mehr, ist doch schön. Piraten passen doch völlig zur harten Musik, und ich habe mein Augenmerk auch immer mehr auf den Rebellenaspekt gesetzt. Piraten gut und schön, ich habe auch viel darüber gelesen, vor allem über weibliche Piraten, die gab's nämlich auch, deswegen habe ich das nicht so ernst gesehen. Kein Problem, wir machen doch alle dasselbe, wir wollen geile harte Rockmusik machen, ich finde, da nimmt keiner dem anderen die Butter vom Brot, wir müssen einfach ein bißchen aufhören, so ein konkurrenzhaftes Denken zu haben, jeder macht sein Ding und ist auf seine Art ein Original, jeder bringt das so, wie er es am besten kann, warum soll man da ein Konkurrenzdenken haben, habe ich nicht. Ich würde auch gerne mal mit den paar Mädels, die's hier so gibt, die gut singen, etwas zusammen machen, das fände ich völlig geil, wenn eine versucht, lauter zu singen als die andere. Stell dir das mal vor!
Elke: Gegen Jutta kommt eh keine an. (alles lacht)
Jutta: Nee stell dir das mal vor, einfach mal etwas zusammen machen, da sind wir in Deutschland halt ein bißchen schwerfällig.

Victory haben hier ja auch schon ihre Reunion gefeiert, kannst du dich noch an deinen ersten Gig erinnern?

Jutta: Ja... wo war das? Meinst du jetzt den ersten Gig mit Zed Yago? Die ersten Zed Yago-Demos sind mit Victory entstanden, in Hildesheim. Ich habe irgendeinen Gig auch mit Fargopeter und mit Fritz Randow gespielt, ein guter Schlagzeuger und ein ganz süßer Mensch, toller Typ, ich habe die auch am Mittwoch bei der Premiere in Hamburg im Headbanger's Ballroom besucht. Die machen ihr Ding, es ist schön, die alten Lieder mal wieder zu hören.

Haben dir noch irgendwelche anderen Reunions in den letzten Jahren besonders gefallen? Es haben sich ja sehr viele alte Bands wieder reformiert.

Jutta: Ich finde Dio sehr gut, logo. Und ich finde auch Paul Rodgers gut, von Bad Company. Da kann kein Sänger dran vorbei. Ich bin bei Musik natürlich erst mal auf den Gesang fixiert. Und Whitesnake mit dem David, genauso geil wie früher, der flirtet mit den Mädels, was das Zeug hält... solche Musik muß auch von Männern gesungen werden, die Balls haben! Diese Musik kannst du nicht machen, wenn du keine Balls hast! (lacht schrill) Oder keine Eierstöcke, die mußt du natürlich auch haben!

Hast du auch Erfahrungen mit männlichen Groupies gemacht?

Jutta: Die sind so schüchtern, die Männer... das ist schade. Ich habe ja oft geflirtet, ich hätte gerne noch mal geflirtet (lacht laut), aber die Männer sind schüchtern, ich sag's dir. Wir waren in England auf Tour, die Mädels stehen wirklich Schlange am Nightliner, aber keine Jungs. Die gucken dich verliebt an und schwitzen und sind völlig aufgeregt, geile Vibrations aber keine Aktivität. Und ich bin auch nicht besonders aktiv. (alles lacht, Elke deutet mit kritischem Blick auf ihren Ehering, dann auf Jutta) Naja sie will damit sagen, daß ich verheiratet bin, 13 Jahre mittlerweile. Aber man kann ja trotzdem flirten oder? Das ist doch kein Problem. Ich würde mir von den Männern aber mehr Tatkraft wünschen.


Jutta mit zwei schüchternen Groupies

Du hast mal gesagt, daß Rock'n'Roll für dich mehr als nur Musik ist...

Jutta: Ja, das ist für mich eine Lebensphilosophie.

Ist das auch in Zeiten von Familie etc so geblieben?

Jutta: Ich sage dir, ich habe einfach zwei Seelen in meiner Brust, die eine heißt home und Familie, die andere heißt wirklich Rock'n'Roll, und die eine will sich nicht von der anderen trennen.

Und das läßt sich beides unter einen Hut bringen?

Jutta: Natürlich, das hat ja damit nichts zu tun. Ich singe einfach gerne harte Musik, ich schreibe gerne schöne Texte, ich komponiere gerne, ich befasse mich gerne damit und mache das gerne vor Publikum. Ich bin der geborene Exhibitionist. (allgemeines Lachen) Ich liebe das, und wenn ich singe, singe ich immer so, als ob ich am nächsten Tag tot bin. Weißt du, dir kann etwas auf den Kopf fallen, du bist tot, und das war's. Da muß ich immer alles geben, und das geht auch nur beim Metal, das geht nur bei einer Musik, die erlaubt, daß du wirklich platzt, daß du die Möglichkeit hast, wirklich über dich hinauszuwachsen, mit nichts was dich bremst.

Du hast ja auch von Anfang an sehr viele klassische Themen verarbeitet und bist dafür auch sehr viel gescholten worden...

Jutta: Aber auch sehr geliebt!

Ja natürlich, aber meinst du, die Szene ist diesbezüglich auch offener geworden, in der Metalszene ist es mittlerweile ja doch beliebter, klassischen Stoff zu verarbeiten.

Jutta: Das ist doch schön, wenn Leute klassischen Stoff verarbeiten, sie müssen es nur gut machen. Wichtig ist, wenn man sich an Klassik wagt, daß es nicht oberflächlich ist. In dem Moment, wenn sich einer wirklich intensiv damit befaßt, dann ist es auch okay. Weißt du, die Klassik in der Literatur und in der Musik, die ist doch eigentlich für uns da. Das sind einfach Dinge, die für uns geschrieben worden sind, und wie gut sie sind, zeigt das Beispiel, daß sie immer noch einen Bezug zu uns haben, immer noch gültig sind, obwohl wir uns technisch so weit entwickelt haben. Geistig haben wir uns ja nicht entwickelt, da gelten immer noch die ganzen alten Philosophen, das sind immer noch unsere Richtlinien. Ist doch geil, wenn wir uns mit Goethe, Schiller und all den Leuten befassen! Ich habe auf der neuen Platte jetzt ein wunderbares Gedicht von Heinrich Heine, weil ich das einfach so gut finde, und ich denke, die Kids, die mich mögen, sollen das auch kennenlernen, wie gut das paßt, für das eine oder andere Leben oder für jedes Leben für eine gewisse Zeit, darum geht es mir.

Deine momentanen Lieblingsbands hatten wir eigentlich schon mehr oder weniger abgehakt...

Jutta: Ja ich stehe auch auf Iron Maiden und so, ich habe jetzt vor kurzem auf dem Rock Hard-Festival Anthrax gesehen, sehr gut, die habe ich früher schon mal gesehen, zu meiner Zeit mit Zed Yago und jetzt wieder, das war sehr gut. Und dann mag ich auch gerne alte Bands.

Liest du dir denn auch die Texte der Bands durch?

Jutta: Zum Teil ja.

Sortierst du danach auch aus, welche Bands dir zu oberflächlich sind oder geht es dir eher um die Musik?

Jutta: Eigentlich beides, es ist auch beides wichtig, aber wenn ein Text jetzt zum Beispiel zu flach ist, dann interessiert es mich eigentlich nicht mehr, und ich wundere mich, daß es so gute amerikanische Musiker gibt, die so dumme, alberne Texte schreiben. Ich denke, ich muß wirklich hart dran arbeiten, gute Texte zu schreiben, und bei den Leuten ist es doch die Muttersprache, denen müßte das doch nur so aus dem Finger fließen.

Meinst du, das ist eine Frage der Mentalität?

Jutta: Vielleicht ja, weil diese ganzen Platituden, diese ganzen Lines, die sich wiederholen, die sind alle gut und Teil des Rock'n'Rolls, aber irgendwo wird es auch einfach Zeit, daß man mal andere Sätze reinbringt, andere Worte und andere Geschichten. Aber eigentlich wichtig ist oft der Beat, der Groove, die Kraft, die Energie die dahintersteckt.

Liest du auch gerne Fantasyliteratur?

Jutta: Sehr gerne, im Moment lese ich gerade Stephen King.
Elke: Mal wieder. (alles lacht)

Hast du Lieblingsautoren?

Jutta: Reichlich, klassische Sachen sowieso, ich lese sehr gerne Gedichte, querbeet von allen deutschen Dichtern, ansonsten an erster Stelle Stephen King, ich sehe auch gerne Horrorfilme...
Elke: Sie hat auch selbst eins geschrieben.
Jutta: Ja stimmt, ich habe auch selbst ein Buch geschrieben.

Das Buch über Zed Yago, Die Suche nach der verlorenen FantaSIE - was ist daraus geworden?

Jutta: Das ist immer noch bei mir im Computer, da gehe ich jetzt dran.

Also kriegen wir es noch irgendwann zu sehen?

Jutta: Ja das ist eine völlig abgedrehte Geschichte, ganz im Detail, du siehst ja, ich komme ja vom hundertsten ins tausendste, wenn ich erstmal anfange, kann ich nicht mehr aufhören, und genauso ist das dann auch beim Schreiben. Das ist eine sehr ausführliche Geschichte über dieses unglaubliche Erlebnis, was sie gehabt hat.

Das ist dann die komplette Zed Yago-Geschichte?

Jutta: Alles, ja. Und ganz detailliert.

Willst du die Geschichte trotzdem noch auf künftigen Alben fortsetzen, oder ist das mit Velvet Viper beendet?

Jutta: Das ist mit Velvet Viper und der To be or not beendet, das ist ja die Geschichte von Rheingold, da geht es auch noch um Zed Yago. Jetzt ist eine neue Zeit und eine neue Sache, neue Geschichten aber natürlich auch wieder mit viel Fantasie dabei, das steckt in mir drin, und dann will ich das auch tun. Man ändert ja seine Mentalität nicht.

Eine Frage zum Song World behind the world; da geht es um den Verlust der Kommunikation zwischen Menschen und Göttern durch das Christentum. Wie ist dein Verhältnis zum Christentum, bist du religiös?

Jutta: Ich bin katholisch getauft und später ausgetreten. Heute bin ich soweit, daß ich sage, ich brauche eigentlich keine Institution, die meinen Glauben verwaltet. Ich glaube an Gott, und ich glaube auch an das Gute im Menschen, und ich glaube auch daran Edel sei der Mensch, hilfreich und gut, und ich glaube auch, daß es an sich nicht verkehrt ist, Christ zu sein, weil man sehr menschlich ist. Man teilt, man gibt ab, man ist miteinander. Eigentlich steht ja nichts Böses in der Bibel. Ich brauche nur die Kirche als Institution nicht, der Papst ist mir ein bißchen sehr fremd.

Der Text klingt eher pro-heidnisch; hast du eine Beziehung zum Heidentum?

Jutta: Ich finde das interessant, mit den Göttern und so, aber eigentlich ist das Mythologie, viel Fantasie. In World behind the world geht es ja auch darum, daß Stonehenge früher das Tor zu einer anderen Welt war, und in dem Moment, als das Christentum nach England kam und gesagt hat, ihr dürft nur einen Gott haben und nur eine Tür, nämlich die Himmelstür, da schlossen sich die Tore von Stonehenge, die Welt hinter unserer Welt, zum Beispiel Avalon, war nicht mehr für die Menschen erreichbar. Ähnlich war es in der griechischen Mythologie. Kennst du die Geschichte, wie der Kontakt zwischen den Göttern und Menschen beendet wurde? Es gab einen Schönheitswettbewerb im Himmel, und Aphrodite wollte unbedingt gewinnen. Da hat sie Paris, den Sohn des Königs von Troja, bestochen und ihm, wenn er für sie stimmen würde, die schönste Frau der Welt versprochen. Er hat für sie gestimmt, sie hat den ersten Preis gewonnen, und er ging zurück auf die Erde und stand vor Helena, verliebte sich unsterblich in sie, sie war aber schon mit Menelaos verheiratet. Also nahm er sie mit nach Troja, und dadurch entstand der erste Krieg der Menschheit. Durch einen Schönheitswettbewerb! Das ist schon bezeichnend. Da hat Zeus gesagt, wenn ihr nicht miteinander klarkommt und so eine Sache schon zu einem Krieg führt, dann muß ich den Kontakt abbrechen. Dann waren Götter und Menschen für sich. Die Mythologien überall sind doch wunderbar; wenn du Fantasie hast, kannst du sie dahin stellen und dorthin stellen, weil ich glaube, daß an all diesen Legenden doch irgendwo etwas wahres dran ist. Und ich finde, es lohnt sich, nicht immer engstirnig in seinen vier Wänden zu leben sondern einfach mal darüber hinauszublicken, auch was früher mit unseren Vorfahren los war, woran sie geglaubt haben, wie sie waren, einfach zu forschen und zu sehen, was da passierte.

Findest du, daß die Menschen heutzutage zu wenig Fantasie haben?

Jutta (sehr entschlossen): Ja! Ich bin der Meinung, daß der Mensch umso weniger Fantasie hat, je älter er wird. Ich glaube, als Kind haben wir alle noch viel mehr Fantasie. Wir werden dann irgendwie komisch, und ich bin auch noch nicht genau dahintergekommen, warum. In dem Moment, wenn wir erwachsen werden, verlernen wir die Fantasie.

Ich glaube, das liegt auch daran, daß man mit zunehmendem Alter weniger Zeit hat, um Bücher zu lesen und...

Jutta: Aber das ist doch furchtbar! Es ist doch besser, ein Buch zu lesen als irgendwo rumzuhängen und zu saufen, Drogen zu nehmen oder sonst etwas Unnützes zu machen. Das ist schade, weil Lesen einfach gut ist. Lesen erweitert unseren Horizont, der Mensch ist doch da, um sich zu entwickeln, er soll immer größer werden, und die Umwelt macht dich nicht groß. Was dich groß macht, bist nur du selbst. Daran glaube ich, und da muß man einfach immer dranbleiben und Dinge tun, die dir auch etwas geben. Und ich finde es schlimm, daß Musik heutzutage nur noch konsumorientiert ist. Musik kann ideelle Werte vermitteln, die unsere materielle Welt nicht mehr bietet. Die ganzen ideellen Werte sind verlorengegangen, weil dieses materialistische Streben an erster, zweiter und dritter Stelle steht. Und mit der Fantasie ist es auch so, daß heutzutage viele Leute lachen, wenn jemand fantastisch ist, wenn jemand Fantasie entwickelt, weil es nicht mehr in ihr stupides realistisches Alltagsleben paßt. Die Leute werden dann oft auch nicht ernstgenommen, ziehen sich zurück und äußern sich nicht mehr, das ist schade. Aber solange es Menschen gibt, sind es solche und solche, man muß sie einfach ermuntern und versuchen sie zu beeinflussen, man kann darüber reden, du kannst darüber schreiben, und da ist vielleicht der eine oder andere, der denkt, des ist gar nicht so verkehrt, was die da gesagt hat, laß uns mal überlegen was da dahintersteckt, ob da etwas für mich dabei ist, was ich gebrauchen könnte.

Zurück zur Musik: gibt es Pläne, die eine oder andere Scheibe wiederzuveröffentlichen? Die Zed Yago-Best Of ist jetzt ja rausgekommen, aber die meisten der regulären Alben sind nicht mehr regulär erhältlich, auch die "To be or not", die ich nicht mehr finden konnte.

Jutta: Da sind auch sehr schöne Stücke drauf, das waren so die letzten Texte, die ich zu dem ganzen Fantasiekomplex noch hatte. Aber ob das noch einmal rauskommt, weiß ich nicht, das ist ja immer von der Industrie abhängig. Ich habe die Rechte an den ganzen Sachen, und wenn jetzt zum Beispiel eine Plattenfirma kommt und gerne eine Best Of von Velvet Viper und Jutta Weinhold machen möchte, dann könnte man das durchaus tun.

Es wäre eben wünschenswert, daß die Scheiben wirklich nochmal komplett rauskommen.

Jutta: Es ist wirklich erstaunlich. Man hat manchmal gute Messages auf der Homepage. Mails und Gästebucheinträge, von überall her, die Leute haben das nicht vergessen.

Gibt es noch irgendwelche alten Demos mit unveröffentlichten Songs?

Jutta: Gibt es noch, ja, aber ich hatte für die Best Of ja schon welche ausgesucht, und die anderen sind eigentlich nicht so gut.

Auf der Best Of findet sich auch ein Zitat...

Jutta (beginnt zu zitieren): 'Feiger Gedanken bängliches Schwanken, weibisches Zagen, ängstliches Klagen', ja...

Warum hast Du es das da nochmal draufdrucken lassen, das hat dich ja quasi deine ganze Karriere lang...

Jutta: ...begleitet, ja. Weißt du, auf den anderen Platten stand immer nur ,Allen Gewalten zum Trotz sich erhalten', und da wollte ich gerne mal das ganze Gedicht bringen, wie es von Goethe geschrieben wurde. Heute gibt es übrigens auch eine Überraschung was Gedichte angeht; ihr müßt nachher die Ohren spitzen! Eine ganz geile Sache, ich will das jetzt nicht vorwegnehmen, sonst ist die Spannung weg. Also: Lauscher aufmachen!

Du hast ja immer sehr viel Wert auf weibliche Figuren in deinen Texten gelegt; Zed Yago ist eine weibliche Figur, die Rebel Ladies, auf der The fourth quest for fantasy wimmelt es nur so an weiblichen Figuren...

Jutta: Ich bin ja auch eine Frau!

Bist du da in der Männerdomäne Heavy Metal nicht öfters mal angeeckt?

Jutta: Ich wollte da ja gerne rein als Frau. Das einzige, was beim Metal manchmal ein bißchen schade ist, ist, daß die Männer ein sehr konservatives Frauenbild haben. Manchmal werden die Mädels doch sehr strapsiös dargestellt. (lacht schrill) Geiles Wort, strapsiös! Die werden halt sehr auf Äußerlichkeiten reduziert, und ich habe mir deswegen auch die schwerste Musik für eine Frau ausgesucht, in wollte da ganz bewußt rein, weil ich mich auch immer gerne ein bißchen fordere, ich wollte gerne ein paar weibliche Gedanken in diese Musik reinbringen, ein paar weibliche Töne. Wenn einer immer nur das tiefe H singt, dann kann auch mal jemand das hohe singen.

Würdest du dich in Bezug auf Zed Yago jetzt eher als Gewinnerin oder Verliererin ansehen?

Jutta: Trotzdem das Ende so traurig war, fühle ich mich trotzdem als Gewinnerin. Wir haben ganz viele Platten verkauft, ich habe Leute kennengelernt, und ich habe so viele Meldungen von Leuten bekommen, die die Musik und den Gesang gemocht haben, den Stil und die Art, die mich auch gemocht haben, deswegen würde ich schon Gewinnerin sagen. Ich bin sehr froh daß ich wirklich in die Szene kommen konnte, das ist für eine Frau wirklich nicht einfach. Man muß lauter singen als die Männer, man muß besser singen, man muß mehr Power und mehr Energie haben als die Männer, für mich ist das eine richtige Herausforderung, aber da stehe ich ja auch drauf, weil ich keine Weicheier mag. Und da ich keine Weicheier mag, muß ich ja selbst immer mit bestem Beispiel vorangehen und mich wirklich auch harten Dingen stellen.

Wir kommen ja aus der Ecke von Frankfurt...

Jutta: Ich auch!

Stimmt es, daß du vor deiner Zed Yago-Zeit bei einer Band in Frankfurt gespielt hast?

Jutta: Nein, ich komme aus Mainz. Ich habe Hair gespielt, 1969, so lange bin ich schon unterwegs, ich bin 55. Ich habe Hair und Jesus Christ Superstar gespielt, dann bin ich nach München gegangen, habe bei Amon Düül gesungen, in der Hippiehochzeit, jaaa. (grinst breit) Ich habe auch eine Biografie auf der Homepage, da steht alles drin, was ich so getrieben habe, aber in Frankfurt habe ich nie eine Band gehabt. Ich bin dann 1974 nach Hamburg gegangen und habe angefangen, mit der Jutta Weinhold Band Blues zu singen, erstmal die Basis zu lernen, und dann habe ich mich musikalisch immer härter entwickelt. Blues, dann Bluesrock, Rhythm'n'Blues, mit Udo Lindenberg war ich lange unterwegs, mit der Nachtigall, das war sehr schön, interessante Sache... bis ich dann hier in Wacken gelandet bin. Der Traum meiner schlaflosen Nächte, Wacken, ich wollte immer mal hierher. Mensch Weinhold, daß du das nochmal schaffst, und jetzt, wo ich da bin... yeah!!

Vielleicht klappt's ja nächstes Jahr regulär mit deiner eigenen Band?

Jutta: Ja das wäre super!


Ihr habt ja früher viel live gespielt, unter anderem auch mit Deep Purple, hast du eine lustige Anekdote über Ritchie Blackmore auf Lager?

Jutta: Hm, eigentlich keine besondere, aber die waren ganz nett, und ich liebe ja Ritchie Blackmore, er ist ja der Erfinder dieser ganzen Riffs. Besondere Anekdote... ich weiß nur, ganz zum Schluß, am letzten Tag, da kam Ritchie Blackmore zu mir, ich war völlig aufgeregt, hatte schweißnasse Hände, und er sagte ?Hallo Jutta', gab mir ein Küßchen auf die Wange, ?ich wollte dir noch tschüß sagen und mich dafür entschuldigen, daß wir so wenig Parties hatten, daß nichts passiert ist, daß wir uns mal kennengelernt haben', die haben halt in getrennten Hotels gewohnt, weil die sich damals schon nicht mehr so gut verstanden haben, und er hat mir erklärt, warum es so wenig Miteinander gab. Er steht da sehr drauf, weil er auch gerne die Klassiker hört, ihm hat das sehr gut gefallen, was wir da gemacht haben, wir haben dann nochmal einen Kaffee zusammen getrunken, ja...

Allerletzte Frage, danach seid ihr entlassen. Deine Top 5 Lieblingsalben aller Zeiten?

Jutta: Das ist schwierig... kann ich jetzt nicht sagen... also... nee, kann ich nicht auf Anhieb sagen; ich vergesse dann auch zuviel. Ich rufe dich an, ich sage dir das... also, fangen wir mal mit den alten Bands an, Led Zeppelin, das waren die Größten, ohne die würde es das alles nicht geben. Jimi Hendrix, Deep Purple, Ronnie James Dio natürlich, Rainbow, Iron Maiden, Whitesnake, Van Halen, Judas Priest, AC/DC natürlich... schau, da kommen doch ein paar. Guns'n'Roses fand ich sehr gut, Queensryche, Anthrax, Nirvana. Und jetzt die neuen Bands, da finde ich Rage gut, Creed... hmm bestimmt vergesse ich jetzt wieder jemanden... naja die neue Weinhold. (alles lacht) Die heißt 'Fair is foul and foul is fair'.

Ja da sind wir sehr gespannt drauf.

Jutta: Und ganz zum Schluß: sag all deinen Leuten, sie sollen nicht vergessen, daß nur laute Musik die bösen Geister vertreibt!


Danach mußte Jutta leider gehen, um sich auf ihren Auftritt vorzubereiten, schade, wir hätten uns gerne noch viel länger mit ihr unterhalten. Der Schmerz über den Tod ihres Traumes Zed Yago ist ihr nach all den Jahren noch immer deutlich anzumerken, aber all die alten Fans werden mit ihrem neuen Album sicherlich einen Grund zum Feiern haben; die Meisterin des Dramatic Metal ist wieder da! Für uns war mit diesem Interview ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen, und beim anschließenden Metalium-Gig konnten wir uns auch live und in Farbe davon überzeugen, daß Jutta nichts verlernt hat. Rock on Rebel Lady!


Vorbereitung & Durchführung: Dennis & Till
Bearbeitung: Till



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