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Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß dieser Mensch einer Vorstellung bedarf. Solltest Du mit seiner Musik nicht vertraut sein, geh nach Hause, schneid Dir die Haare und hör weiter Metalikonen wie In Extremo. Sollte Dir aber die Unvergleichlichkeit und Genialität des Dänen bewußt sein, darfst Du gerne weiterlesen.
Das neue King Diamond-Album ist eines der besten seiner Laufbahn, und für mich als langjährigen Fan war es ein ganz großer Moment, als sich die Gelegenheit ergab, mit meinem Helden ein Interview führen zu dürfen. Fieberhaft wartete ich auf den Tag X, nervös wie nie hing ich vor meinem Telefon, tippte zitternd die Nummer ein - und da war er! Leider war seine Zeit sehr begrenzt, weswegen etwa ein Drittel der vorbereiteten Fragen unter den Tisch fallen mußte, aber der King ist tatsächlich so nett und redselig, wie alle immer sagen, und es war mir eine Ehre, mit ihm sprechen zu dürfen. Das Konzept des aktuellen Albums "The puppet master" ließ ich dabei bewußt unter den Tisch fallen, da dies ohnehin in der dem Digipack beiliegenden DVD vom Meister persönlich in aller Ausführlichkeit erklärt wird. Jetzt aber los - Ring frei für King Diamond!


Zunächst mal möchte ich dir zu "The puppet master" gratulieren, welches wirklich ein hervorragendes Album geworden ist.

KD: Vielen Dank, aber das ist nicht allein unser Verdienst. Wir müssen so vielen Leuten danken, den Mitarbeitern der Plattenfirma, der Presse, den Fans, wenn da jemand ausfällt, wird es für uns sehr schwierig.

Fangen wir mal mit dem neuen Album an. Die Songs sind viel melodischer und eingängiger als auf den vorherigen Alben. Was ist der Grund dafür?

KD: Sie mögen eingängiger scheinen; wenn du versuchst, sie selbst zu spielen, wirst du allerdings merken, daß dem nicht so ist. Es ist ziemlich seltsam, weil das Material für uns recht eingängig klingt. Es ist sicherlich, wie du sagst, melodischer. Gleichzeitig ist es auch aggressiver. Es gibt auch sehr viel Aggression auf dem Album. In "No more me" gibt es zum Beispiel Teile, die heavier sind als alles, das wir bislang gemacht haben. Und gleichzeitig sind sowohl die Musik als auch der Gesang theatralischer. Es ist fast wie eine emotionale Achterbahnfahrt. Es gibt da so viele verschiedene Gefühle; die ganz normalen, die schaurigeren Sachen, und in "So sad" haben wir beinahe eine Duettballade, etwas was wir noch nie zuvor gemacht haben. Auf diesem Album sind viele neue Dinge, aber sie sind alle im King Diamond-Stil gehalten. Manchmal wenn wir Riffs schreiben, lassen die Arrangements sie eingängiger erscheinen, als sie tatsächlich sind. Manche der Arrangements sind wirklich verrückt. Als wir sie aufnahmen, war das ziemlich kompliziert, das Timing dieses Instrumentes geht hier vollkommen gegen das Timing des Keyboards, die Gitarren müssen dies tun... es sind recht komplexe Arrangements. Ich denke, sie sind irgendwie größer als normalerweise. Die Kompliziertheit... ich denke, bei "Abigail II" war deutlich spürbar, daß es komplex war. Man konnte merken, hey, hier gibt es einen Bruch. Auf dem neuen Album gibt es da einen wesentlich besseren Fluß.

Als ich den Albumtitel zum ersten Mal hörte, dachte ich, da kann er die Platte ja gleich "Master of puppets" nennen.

KD: Ja, das haben einige Leute erwähnt, "'The puppet master', ah ja, schon klar... ", aber das hat nichts mit Metallica zu tun. Wir sind sehr gute Freunde, aber es hat nichts mit ihnen zu tun. Ich hätte es auch "Theatre of puppets" nennen können, und die Leute würden noch immer dasselbe sagen. Weil da "puppets" drin sind. Metallica sind so riesig, daß jeder Titel, der ein wenig an ihre Alben erinnert, die Reaktion, daß ich mich von ihnen inspirieren ließ, hervorrufen würde. Nein, ich würde vom Namen dieses wirklichen Puppentheaters, an welchem ich in Budapest in Ungarn vorbeilief, und welches "Nationales Puppentheater" hieß, inspiriert. Ich habe diesen Ort gesehen, allerdings nur von außen. Ich fand später heraus, daß meine Beschreibungen der Größe der Puppen und des Theaters ziemlich genau hinkommen, was etwas schaurig ist. Auch wenn sie die Puppen nicht aus Menschen herstellen (lacht). Aber trotzdem ziehen manche Menschen diese Vergleiche, das ist normal. Aber das war natürlich nicht der Grund, warum wir es getan haben; es mußte einfach "The puppet master" heißen, weil es eben um diesen Typen, den Puppenmeister, geht.

Naja, war ja auch nur 'n Gag. Kramen wir mal ein bisschen in der Vergangenheit. Wie bist du eigentlich auf diesen einzigartigen Gesangsstil gekommen, als du angefangen hast?

KD: Es ist schon verrückt; ganz am Anfang, als ich bei Black Rose zu singen begann, war mein Gesang recht normal, aber hier und da gab es diese Versuche in Richtung Falsett. Ich dachte damals nicht großartig darüber nach, wir spielten Coverversionen von Deep Purple und Rainbow, und als wir eigenes Material schrieben, ging es ein wenig in diese Richtung. Eines Tages sagte ein Black Rose-Fan, ich müsse mehr am Falsett arbeiten, das klinge so toll. Und ich wußte nicht einmal, was dieses Wort bedeutete! Ich mußte ihn danach fragen. "Naja wenn du eben die hohen Noten singst." - "Oh, wirklich?" Und da begann ich, absichtlich mehr daran zu arbeiten. Und das entwickelte sich zu einem großen Teil Mercyful Fates. Meinen Wunsch, Konzeptalben zu machen, hatte ich schon zu Mercyful Fate-Tagen. Ich hatte schon damals das Bedürfnis, so etwas zu machen, aber es paßte nicht zum Stil Mercyful Fates. Mit einer Besetzung mit Schlagzeug, Baß und Gitarren kann man nur begrenzt theatralisch arbeiten. Und für Konzeptalben braucht man theatralische Musik. Und als King Diamond dann gegründet wurden hatte ich diese Chance. Auf "Fatal Portrait" war das noch ein kleiner Versuch mit vier, fünf zusammenhängenden Songs, aber mit "Abigail" wollte ich es dann einfach versuchen und sehen, was passiert. Es war viel schwieriger als ich dachte, weil ich mich plötzlich hinsetzen, meine eigene Geschichte analysieren und sichergehen mußte, daß alles zusammenpaßte, daß niemand eine Ungereimtheit finden konnte. Und daß ich das tat entwickelte meine Stimme noch weiter, weil man es bei diesen Konzeptsachen plötzlich mit verschiedenen Charakteren zu tun hat, und dann versucht man auszudrücken, was sie in verschiedenen Situationen fühlen. Und da kommen diese ganzen verschiedenen Stimmen ins Spiel, Geisterstimmen, Gegrunze, das hatte ich bei Mercyful Fate nie getan. Und das entwickelte sich immer weiter, und irgendwann fand ich heraus, daß ich beispielsweise die "Grandma-Stimme" singen konnte. All diese verschiedenen Stimmen haben jetzt beinahe schon Namen (lacht).


Wenn wir schon von deinen Konzeptgeschichten sprechen: du hast in früheren Interviews von möglichen Fortsetzungen der "The spider's lullabye"- und "The graveyard"-Geschichten geredet. Hast du in dieser Richtung irgendwelche Pläne?

KD: Momentan nicht. Das ist eine recht heikle Sache; manche Leute sagen dies, andere jenes. Ich persönlich würde liebend gerne mehr tun, ich würde Grandma liebend gerne wieder zurück auf der Bildfläche sehen, weil sie in meinen Augen einfach so ein wunderbarer Charakter ist. Ich würde sie liebend gerne wieder sehen, aber wenn ich einen dritten "Conspiracy"-Teil machen würde, würden alle Leute sagen, "ach, jetzt fällt ihm nichts mehr ein". Und ich habe so viele weitere Ideen, von denen ich erzählen möchte. Ich möchte nicht, daß die Leute diese falsche Vorstellung bekommen. Einerseits wird man dort hingezogen, andererseits hat man Vorbehalte. Bei "Abigail" haben wir es getan, weil es unheimlich viele Bitten von Fans gab, wir mögen doch bitte einen zweiten Teil machen. Und ich dachte, okay, sehen wir mal, was dabei herauskommt. Letztlich hat es, wie ich finde, gut funktioniert. Wenn du dir die beiden "Abigail"-Alben hintereinander anhörst, wirst du feststellen, daß sie hervorragend zueinander passen. Das war ja auch die Intention dabei. Aber man könnte fast jede der Geschichten fortsetzen, weil sie diese verzwickten, offenen Enden haben.

Arbeitest du eigentlich immer noch an deinem Buch über die "Them/Conspiracy"-Geschichte?

KD: (lacht) Nein, daran habe ich seit 1992 nicht gearbeitet. Damals habe ich die ersten drei Kapitel geschrieben. Manche meiner Freunde haben sie gelesen und gesagt, ich solle daran weiterarbeiten. Und ich bin noch nicht einmal an dem Punkt angelangt, an dem die Geschichte auf dem Album anfängt! Ich habe bislang nur den ganzen Anfang beschrieben, wie die Umgebung aussieht und bin noch nicht dazu gekommen, als Grandpa getötet wird - was in der Geschichte ja gar nicht vorkommt. Niemand weiß, wer ihn getötet hat. Aber dafür braucht man viel Zeit, und im Moment sind wir so beschäftigt... aber einer meiner größten Träume wäre, eine der Geschichten auf einer Leinwand zu sehen, das wäre unglaublich. "Them/Conspiracy" als Film - wenn das von den richtigen Leuten gemacht würde, könnten sie Grandma zu einem zweiten Freddy Krüger machen! Ich glaube, noch niemand hat eine kleine Großmutter als Horrorfigur gesehen, eine kleine Großmutter, die in all diesem verrückten Zeug drinsteckt. Die Leute würden ihre eigene Großmutter nie wieder mit gleichen Augen sehen. Oder Abigail oder der Puppenmeister - es wäre solch ein harter Horrorfilm. Aber man braucht Kontakte zu diesem Industriezweig, ich habe einen kleinen, mit dem ich eventuell später einmal arbeiten werde. In New York lebt ein Drehbuchautor und Produzent, von dem ich ein Drehbuch gelesen habe, welches wirklich cool war. Er hat als Produzent nur Low Budget-Filme gedreht, aber ich denke, wir könnten zusammen ein wirklich tolles Drehbuch für "Conspiracy" schreiben, und ich weiß, daß er bereits Interesse daran hat. Wenn wir etwas Zeit finden, um das zu tun, können wir uns daran versuchen. Ich weiß, daß Metal Blade Kontakt zu einigen Firmen haben, also wird dieser Traum in Zukunft vielleicht wahr werden. Ich hoffe das wirklich, ich werde tun, was ich kann, aber im Moment gibt es noch nichts konkretes.

Du hast auf deinen Alben so viele Charaktere erschaffen; hast du dabei eine Lieblingsfigur?

KD: Ich hege tiefe Empfindungen für viele von ihnen; für Abigail, Jonathan, definitiv Grandma, wie ich ja schon sagte. Ich liebe sie, und ich spiele auch selbst eine Rolle. Auf dem neuen Album gibt es auch einen Part für mich, der sich von anderen King Diamond-Geschichten stark unterscheidet, weil ich normalerweise zum Schluß meine Rache bekomme und gewinne. Dieses Mal jedoch nicht - die Situation am Ende von "The puppet master" ist schlimmer, als tot zu sein. In dieser Geschichte trägt das Böse den vollkommenen Sieg davon.

Was hältst du von der Idee, mehrere deiner Charaktere aus verschiedenen Geschichten in einer Geschichte aufeinandertreffen zu lassen?

KD: (lacht) Ob du es glaubst oder nicht, ich habe mir dazu bereits Notizen gemacht. Andy (LaRocque, Gitarrist - d. Verf.) und ich haben uns ein paar Mal darüber unterhalten, als ich davon sprach, Grandma zurückzubringen. Die einzig gute Möglichkeit, das zu tun, wäre, wenn Grandma eine große Party schmeißen - und alle Figuren aus all den Geschichten einladen würde! Und sie hätten ein absolut krankes Abendessen, Missy würde mit irgendjemandens Kopf auf Grandpas Schoß spielen. Da könnte man wirklich verrückte Sachen anstellen... willkommen bei Grandma! Man könnte es einfach "Grandma" nennen, und auf dem Cover wäre ein Bild Grandmas mit Blut, welches aus ihrem Mund rinnt. Wir haben schon viele Ideen für eine Geschichte gewälzt, in der man all diese Figuren miteinander verknüpfen könnte, in der sie alle vorkommen würden. Das wäre wahnsinnig! Die Leute würden denken, ich wäre wahnsinnig geworden! Wenn sie sich das durchlesen, würden sie denken, ich wäre völlig den Drogen verfallen oder verrückt geworden. Dabei hätte ich einfach nur meinen Spaß!

Ich bin sicher, deine Fans, die alle deine Geschichten lesen, wären von der Idee begeistert!

KD: Naja, man weiß nie...

In vielen deiner Geschichten gibt es ein paar kleine Bezüge zu anderen Geschichten...

KD: Ja, ein paar Bezüge hier und da mache ich schon.

... wie z.B. Abigail, die auf "Abigail II" zu Jonathan sagt, sie könne ihn auch Lucy nennen, oder die Halskette der Mumie "with wings and sharpened round the edges"... du scheinst das recht gerne zu machen.

KD: (lacht) Absolut! So wie ich damals die alte Kette (von "The Eye" -Anm. d. Verf.) beschrieben habe... oder "This is no Abigail" auf "Voodoo". Auf dem neuen Album gibt es allerdings nichts in dieser Hinsicht.

Wer sind "Ghost" und "Magic", denen du in deiner Thanxlist dankst?

KD: Meine Katzen. Ghost weilt leider nicht mehr unter uns, aber Magic ist noch da, sie ist jetzt elf Jahre alt und eine wirklich wundervolle Katze.

Du hast Ghost ja sogar einen Song auf dem neuen Album gewidmet.

KD: Ja, ich werde manchmal immer noch traurig beim Gedanken an ihn. Ghost stand mir so nahe; wenn ich es beschreiben müßte, würde ich sagen, daß er der beste Freund war, den ich je hatte, seit ich in Amerika lebe - seit elf Jahren. Manche meiner menschlichen Freunde mögen jetzt brüskiert sein, aber so war unsere Beziehung nun mal. Ein unglaublicher Kater! Ganz weiß mit blauen Augen. Er lag oft auf einem Stuhl in meinem Musikzimmer, wo ich all meine Musik komponiere, und schlief. Und er wußte, wann ein Song fertig war. Es war verrückt! Er kam herüber zu der Couch, auf der ich Gitarre spielte, und er wußte, daß ich den Song vorwärts und rückwärts spielte, um sicherzugehen, daß alles stimmte. Ich könnte dir stundenlang von diesem Kater erzählen, von dem was er tat und meinen Erinnerungen daran (kein Zweifel - d. Verf.). Aber die Trauer, als ich ihn verlor, war schrecklich. Für mich persönlich war das der schlimmste Verlust, den ich jemals hatte. Ich meine, ich liebte meinen Vater über alles, ich hätte mir keinen besseren Vater wünschen können, aber es war schlimmer, Ghost zu verlieren als meinen Vater. Das war überwältigend - und dieses Verlustgefühl steckt genau in der Musik von "So sad". 90 % des Textes in diesem Song handeln von ihm. Die restlichen 10 % mußte ich dazuschreiben, damit es wie ein Teil der Geschichte klingt, daß es um den Typen und das Mädchen geht. Aber 90 % des Textes handeln von Ghost. Immer wenn ich diese ersten Noten auf dem Keyboard höre, bekomme ich dieses Verlustgefühl. Es war hart, das live zu spielen, wir haben es nämlich auf der US-Tour gespielt, mit der Schauspielerin auf der Bühne, die in der Tat Livia, die Sängerin aus Budapest, war. Sie sang ihren Part und spielte die Rollen auf der Bühne. Viele King Diamond-Songs haben viel mehr von meinem Inneren und meinen persönlichen Gedanken, als die meisten Leute glauben. Dinge die ich gesehen oder erlebt habe, oder die ich andere Menschen habe erleben sehen. Diese Geschichten kommen davon, daß ich offene Augen und Ohren habe, und sie beschäftigen sich mit menschlichen Gedanken - wie Menschen miteinander umgehen, vor allem in stressigen Situationen. Und natürlich war ich immer in das Übernatürliche vernarrt, bin ich immer noch. Dieser Part muß dabeisein. Lebensphilosophie trifft auf das Okkulte, und heraus kommt Horror.

"18 will become 9" - was bedeutet das eigentlich genau?

KD: Hm, es ist ein Zahlenspiel. Einer der Gründe, warum ich damals den Namen Abigail wählte, war, daß mir vor vielen Jahren ein Fan Fotos von einem Friedhof schickte, und da gab es ein Mädchen namens Abigail - nein, eigentlich war es die Mutter des Mädchens. Aber das kleine Mädchen war am 17.7.1777 gestorben, und wenn man sich Zahlen anschaut, ist es seltsam, wie die 9 diese magische Eigenschaft hat, daß, egal womit man 9 multipliziert, wenn man die Quersumme daraus bildet, immer 9 dabei herauskommt. Am simpelsten ist das mit 9 x 9, was 81 ergibt, und 8 + 1 ergibt 9, aber es funktioniert mit jeder Zahl. Und 9 ist sozusagen eine sehr lebendige Zahl; es dauert neun Monate, um menschliches Leben zu schaffen. Und wenn man sich den Titel "The 7th day of July 1777" anschaut, hat man fünf 7, das ergibt, äh, 36. Und 3 + 6 ergibt 9, also paßt das auch in das kleine Konzept. Deswegen ist Miriam auch 18 Jahre alt. Und Jonathan ist 27!

Aha, ja...

KD: (kaum noch zu bremsen) Und als wir dann am zweiten Teil arbeiteten, war das ein Alptraum mit all den neuen Charakteren! Ich mußte für mich selbst diesen kleinen Stammbaum anfertigen und dachte dann erst, warum packen wir das nicht ins Booklet? Das könnte das Verständnis für die Fans doch ziemlich erleichtern. Und ich mußte also sichergehen, daß die Jahre und das Alter der Personen bei bestimmten Geschehnissen zusammenpassen. Niemand kann mit drei Jahren ein Baby bekommen. Es war wie ein großes Puzzle.

Offensichtlich ist also ohne Mathematik-Grundstudium kein komplettes Verständnis einer King Diamond-Scheibe möglich... kannst du dir eigentlich vorstellen, mal etwas anderes zu machen als Horror?

KD: Auf einem Konzeptalbum? Nicht wirklich, denn das ist eine solch große Faszination für mich; ich brauche dieses Element, um mich wirklich zu 110 % einfühlen zu können. Wenn ich zum Beispiel über Autorennen schreiben würde... nein. Obwohl ich selbst gerne Auto fahre, und Autorennen eine große Leidenschaft von mir sind. Ich gehe zu so vielen Rennen, wie ich kann und stehe morgens um sechs auf, um Formel 1 zu gucken - immer! Aber trotz dieser Leidenschaft könnte ich kein Konzept darüber schreiben. Das wäre nicht mehr ich, nicht mehr King Diamond. Das wäre nur seltsam... äh, kannst du eine Sekunde dranbleiben? Dann kann ich dem Typen, der gerade anruft, sagen, daß er uns noch fünf Minuten geben soll. (sprichts und ist einen Augenblick später wieder am Rohr) Okay, wir haben noch etwas Zeit.


Gut, ich habe nur noch ein paar Fragen. Sind dir deine frühen Texte wie "Nuns have no fun" heute eigentlich peinlich?

KD: Nein, überhaupt nicht! Nicht einmal "Evil" oder "Nuns have no fun"; hinter jedem einzelnen Song, den ich je geschrieben habe, steht eine Bedeutung. Die Leute fragen mich das recht oft, und ich werde dir erzählen, warum ich "Evil" geschrieben habe. Es gab einen Grund dafür, und ich wußte, daß es die Leute irritieren würde - deswegen schrieb ich es! Damit die Leute mich fragen würden, warum ich das schreibe. Bist du wirklich so negativ? Glaubst du das wirklich, fühlst du wirklich so? Und ich antwortete, daß ich es geschrieben hatte, damit wir jetzt genau diese Diskussion hätten. Habt ihr jemals über den Begriff des "notwendigen Bösen" nachgedacht? Wie wahr er ist? Ohne das Böse gäbe es kein Gutes, keine Menschen. Ist es nicht verrückt, daß ein Mensch, an dem alles perfekt wäre, in der Vergessenheit leben würde? Er wäre nicht dazu in der Lage, zu erspüren, was gut ist. Ohne das Gute gibt es nichts Schlechtes. Wenn du nie einen schlechten Tag hattest, kannst du nicht sagen, daß du einen guten Tag hattest. Das ist wie süß und sauer, Dunkelheit und Licht. Ich wünschte, es gäbe weniger Schlechtes und Böses auf der Welt, aber ohne das Böse würden wir nicht existieren. Es gibt auf dieser Welt ein seltsames Gleichgewicht; wann immer es in einem Teil der Welt Frieden gibt, beginnt woanders ein Krieg. Wenn eine schreckliche Krankheit geheilt wird, erscheint eine andere auf der Bildfläche. Das ist dieses seltsame Gleichgewicht.

"Nuns have no fun" wurde aus einem sehr besonderen Grund geschrieben, und auch das Cover entstand aus demselben Grund. Es gab damals einen Pfarrer in Dänemark, der wirklich schrecklich war. Er versuchte sehr eifrig, unsere Karriere zu stoppen. Damals wurden unsere Demos im Radio gespielt, und er versuchte, die Sender davon abzuhalten. Ich hatte dermaßen die Nase voll von diesem Typen, daß ich dachte, wir müßten ihn ein für allemal stoppen. Als wir also die Mini-LP aufnahmen, nahmen wir "Nuns have no fun" drauf. Und das Cover, wo ein satanischer Zirkel eine Nonne kreuzigt und verbrennt... als der Pfarrer das sah und hörte, flippte er natürlich völlig aus! Er dachte, das ist meine Erlaubnis, sie zu töten. Und er ging zu einer Radiosendung und zu den Zeitungen, und sie schrieben darüber, aber sie wollten natürlich auch die andere Seite der Geschichte hören. Und so kontaktierten sie uns, und ich kam schließlich auch zu Wort. Ich war in einer Radiosendung und in den Zeitungen. Und ich fragte natürlich, was das Problem dieses Typen war. Wir hatten eine Zeichnung von etwas, und er drehte durch! Die Religion, die er repräsentierte, hatte das Hunderttausenden von Menschen wirklich angetan! Sollten wir nicht etwas mehr darüber sprechen? Die Religion, die er repräsentierte, hatte das wirklich getan und das war eine blöde Zeichnung, und er flippte aus! Dieser Typ war verrückt! Und später war ich in einer Fernsehshow, wo mir auch ein Pfarrer gegenübergesetzt wurde - zur besten Sendezeit in Dänemark, am Samstagabend. Und dieser Pfarrer griff mich von Anfang an volle Breitseite an. Wie schlecht wir für die Jugend seien und so. Als er fertig war, sagte ich: "Lassen sie mich zuerst sagen, daß sie meiner Ansicht nach heute abend sehr gut aussehen. Eine sehr schöne Krawatte, ich mag ihr Jackett, sie präsentieren sich wirklich sehr gut." Und er sagte natürlich "Äh, öh, was, danke, danke." "Hoppla", sagte ich, "Sünde Nummer eins: Stolz. Warum ziehen sie sich so an? Stolz. Okay, sprechen wir über etwas anderes. Möchten sie vielleicht eine Weile über die Inquisition diskutieren?" Er wurde blau im Gesicht, stand von seinem Stuhl auf und verließ die Sendung. Er war da, um die gesamte Priesterschaft Dänemarks zu vertreten, und er versagte dermaßen. Ich nagelte ihn an die Wand, weil ich diese Dinge verteidigen kann. Ich weiß, was ich sage und daß sie das, was sie repräsentieren, nicht verteidigen können. Wenn sie ins Detail gehen wollen, habe ich nichts dagegen. Egal welcher Religion Menschen angehören, es ist okay, aber behalte es für dich. Zwinge niemanden so zu sein wie du, und verurteile sie nicht, als wären sie weniger wert als du, nur weil sie nicht an dasselbe glauben, weil du es sowieso nicht beweisen kannst... Okay, jetzt ruft er wieder an. Tut mir leid daß wir Schluß machen müssen.

Na gut, vielen Dank für das Gespräch und wir sehen uns hoffentlich auf Tour!

KD: Absolut! Tschüß und alles Gute!


Vorbereitung, Durchführung und Bearbeitung: Till


Tja und so mußten wir das Gespräch beenden, obwohl ich eigentlich noch eine Reihe Fragen auf dem Zettel hatte. Vielleicht kann ich sie ja stellen, wenn der King sein nächstes Meisterwerk auf die Menschheit losläßt. Was anderes als Geniestreiche kriegt er ja eh nicht auf die Reihe. Hier, jetzt und für immer: Long live the King!!!


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