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Konzerte Festivals


Doom Shall Rise

Crailsheim-Triensbach, 07.02.-08.02.2003



Nach Wochen des Warten war es tatsächlich soweit, die Zeit für das erste zweitägige Doom Metal Festival der Welt in der Kindergartenturnhalle(!) zu Crailsheim-Triensbach war gekommen.
Nachdem wir nach 2 ½ Stunden angekommen waren und uns im Brauereigasthof im benachbarten Ilshofen breitgemacht hatten, ging es durch die verschneite Landschaft auf in das höchstens 300 Einwohner zählende Dörfchen. Die Bedenken bezüglich des Veranstaltungsortes waren schnell zerschlagen, Turnhalle bleibt zwar Turnhalle, aber die Veranstalter hatten ihr bestes getan, um eine würdige Location zu bieten. So gab es zwei gut sortierte Merchandisingstände, eine ordentliche PA und natürlich ausreichend Gerstensaft, so dass alles bereit war, um den Doom endlich mal so zu zelebrieren, wie es den Fans und Musikern dieser emotionalsten aller Metalspielarten schon lange zugestanden hatte. Das DSR 2003 konnte beginnen!




Turnhalla! Der Veranstaltungort in Crailsheim-Triensbach



Freitag, 07. Februar 2003


Doomshine
Gerade noch rechtzeitig zu Doomshine angekommen, hatte ich wirklich Mühe zu realisieren, dass hier gerade der Opener eines Undergroundfestivals spielt, der bisher nicht mal ein Demo veröffentlicht hat. Trotz mäßigem Sound überzeugte das Quartett auf der Stelle, nicht zuletzt weil sie einen hervorragenden Sänger in ihren Reihen haben. Wenn auch noch nicht alle Songs die Klasse des zum Abschluss gespielten phänomenalen "Shine on sad angel" haben (gibt es ebenso wie "Where nothing hurts but solitude" als kostenfreien Download auf der Bandhomepage), so offenbarten die Ludwigsburger doch ein unheimliches Potential. Die Band steht musikalisch am ehesten in der Tradition von Solitude Aeturnus, wobei sicher auch noch ein Schuss Gothic mit einfließt. Schade, dass es in diesem Genre gerade für eine junge Band so verdammt schwierig ist, an einen Plattenvertrag zu kommen, Doomshine hätten es allemal verdient! (Volker)


Doomshine


Dreaming
Weiter ging es mit Dreaming aus Sachsen. Ich hatte ja von einigen Bands auf dem DSR eine Menge erwartet, aber Dreaming waren mir bislang sträflicherweise unbekannt. Der Sound des Dreiers ist stark 70er lastig, groovig und strotzt vor Einflüssen der alten Helden Sabbath und Vitus. Nach kurzer Gewöhnungsphase ließen einen die eingängigen Riffs von Gitarrist und Sänger Sandro Uhlmann nicht mehr los und spätestens mit dem mächtigen und zurecht gefeierten Saint Vitus Cover "Shooting Gallery" hatten die Sachsen sowieso gewonnen. Darauf wurde auch noch kurz "Born too late" angespielt, aber dann doch wieder zu eigenem Material übergegangen. Schliesslich haben Dreaming auch da einiges zu bieten, denn Songs wie "Homage" und "Treadmill" vom 99er Debutalbum haben zweifellos Klasse. Spätestens jetzt ist mir auch klar, dass Zschopau die deutsche Doom Hochburg ist, denn nicht nur Dreaming kommen daher sondern auch die am nächsten Festivaltag noch zu erwartenden Weed in the Head und Subversion, bei denen ebenfalls Dreaming Leute beteiligt sind. (Volker)


Dreaming


Forsaken
Bereits mit Forsaken wurde dann klar, dass auch ein reines Doom Festival eine Menge Abwechslung bieten kann, denn nach den düsteren und schleppenden Songs der Auftaktbands war nun ein explosives Gemisch aus von Candlemass inspiriertem 80er Doom und etwas Power Metal angesagt. Die extra für diesen Gig aus Malta angereisten Doomster bewiesen schnell, dass sie eine exzellente und unheimlich spielfreudige Liveband sind und vor allem Sänger Leo Stivala peitschte das Publikum unermüdlich an. Dafür bekamen sie auch vollkommen verdient die bislang besten Resonanzen. Technisch war bei der schon über 10 Jahren existierenden Band sowieso alles im grünen Bereich und mit "Via Crucis" hatte man noch einen echten Hammersong im Gepäck. Forsaken erwiesen sich auch sonst als mächtig gut gelaunte und euphorische Zeitgenossen, die auch die anderen Bands kräftig supporteten und bei deren Gigs meistens in den ersten Reihen zu finden waren. (Volker)


Forsaken


Mirror of Deception
Sehr gespannt war ich danach auf die Schwaben Mirror of Deception, die es mittlerweile zur wohl wichtigsten deutschen Doom-Institution gebracht haben. Immerhin war es ihr erster Auftritt ohne den langjährigen Sänger Markus Baumhauer, dessen Rolle mittlerweile Gitarrist Michael Siffermann übernommen hat. Und das vollkommen überzeugend! Siffi meisterte sämtliche Parts bravourös und lediglich bei den eigentlich mehrstimmigen Gesangsparts älterer Songs fiel der Unterschied zu den "alten" Mirror of Deception etwas ins Gewicht. Den Schwerpunkt bildeten Songs vom bisher einzigen Longplayer "Mirrorsoil". Mächtig gut kamen dabei vor allem "Be kept in suspense" sowie der sowieso ausgesprochen starke Song "Veil of lead". Und bei "Asylum" kam auch zum Glück noch Siffis autodidaktisch erlernter mongolischer Kehlgesang zum Einsatz. Wer das noch nicht gehört hat, überzeuge sich selbst, macht sich auch in Kombination mit Metal genial! Mirror of Deception wurden von den Doomjüngern begeistert aufgenommen und bei wenigen anderen Bands hab ich so viele Leute mitsingen sehen.
Last but not least konnte auch das Material von der neuen Mini-CD "Conversion" restlos überzeugen, sowohl das packende "Vanished" wie auch das deutschsprachige "Entgleiten" zeigten, dass die Band noch mal einen Schritt nach vorne gemacht hat. In dieser Form wird von den Schwaben noch eine Menge zu hören sein! (Volker)


Mirror of Deception


Semlah
Nicht so ganz überzeugen konnten mich danach die Schweden Semlah um den ehemaligen Count Raven Basser Wilbur. Zwar waren natürlich schon hörenswerte Anleihen an dessen Ex-Band vorhanden und der rockige und sehr old school lastige Sound war nicht schlecht, aber so richtig packendes Material haben Semlah nicht auf Lager. Vielleicht lag es aber auch daran, dass die Bands vorher schon zu sehr abgeräumt hatten. Die Reaktionen der Fans hielten sich jedenfalls in Grenzen und in dieser Form waren Semlah kein passender Co-Headliner. Ich hab keine zugegebenermaßen keine Ahnung, wie der Sänger nüchtern klingt, an diesem Abend war er jedenfalls sehr sehr weit davon entfernt.... So blieb die Matte des Gitarristen, der sicher in Schweden einen dicken Werbevertrag für Haarshampoo hat, einer der wenigen Höhepunkte. (Volker)


Semlah


Thunderstorm
Ganz anders der Headliner Thunderstorm, der sich zuletzt gerade mit dem vielgefeierten neuen Longplayer "Witchhunter Tales" einen Namen auch über die Doomszene hinaus schaffen konnten. Zurecht, denn es gibt wohl nicht viele Epic Doom Bands, die mit den Italienern mitzuhalten vermögen. Thunderstorms Wurzeln liegen ganz klar in den 80ern und sowohl Black Sabbath, Candlemass wie auch nicht zuletzt Trouble haben den Sound geprägt. Das geht aber keineswegs zu Lasten der Eigenständigkeit, Thunderstorm klammern sich keineswegs sklavisch an ihre Vorbilder sondern haben eine Menge eigene Ideen auf dem Kasten. Außerdem weisen auch gerade die älteren Songs immer wieder einen leichten Power Metal Touch auf. Nachdem die Jungs um den hochtalentierten Sänger Fabio Bellan (der mich mit seiner getönten Sonnenbrille heute irgendwie etwas an Geddy Lee von Rush erinnerte) noch um einiges länger als die vorgesehene Stunde gezockt hatten ging es dann um halb 3 für uns und die fast noch vollzählig vertretenen anderen Fans hinaus in die Crailsheimer Winterkälte. So und nicht anders kann's weitergehen! (Volker)


Samstag, 8. Februar 2003


Tollwuet
Aufgrund der doomig langwierigen Zubereitungszeit des verspäteten Mittagessens im Kebabhaus unseres Vertrauens kamen wir leider zu spät um noch etwas vom Opener Tollwuet mitzubekommen. Scheinbar haben wir was verpasst, denn der (nach Augenzeugenberichten) dreckige Vitus Sound der Schweizer hätte mir mit Sicherheit gefallen können. (Volker)

Weed in the Head
Dafür hatten aber Weed in the Head gerade die Bühne geentert. Wie auch an der Optik des Sängers schnell zu merken war, waren die Sachsen angetreten, um den psychedelischen Stoner Sound zu vertreten. So ganz mein Ding wird das nie sein, aber Weed in the Head hatten einen guten Groove und so dröhnte das ganze doch recht amtlich auf die bereits fast vollzählig erschienenen Festivalbesucher ein. Für Fans von Kyuss und älteren Spiritual Beggars war es mit Sicherheit eine gelungene Sache. (Volker)

Wytchcraft
Recht unterschiedlich waren danach die Reaktionen auf Wytchcraft. Während ein Teil des Publikums diese ordentlich feierte, hielt sich bei anderen die Begeisterung in Grenzen. Wytchcraft zeigten gute Ansätze, aber mir war der 70er lastige Sound mit Cathedral und Obssessed Einflüssen stellenweise etwas zu konfus. Auch das Anvil-Cover "Forged in fire" konnte nicht wirklich überzeugen. Außerdem war der Sänger der schwächste Vertreter seiner Zunft auf dem DSR, was allerdings bei der äußerst starken Konkurrenz relativ zu sehen ist. (Volker)


Wytchcraft


Voodooshock
Ganz anders Ex-Naevus-Frontmann Uwe Groebel von Voodooshock. Zwar sind auch seine hohen cleanen Vocals Geschmackssache, aber sie verleihen den melodischen Doom Songs seiner Band einen besonderen Touch. Mit geschlossenen Augen hätten man fast meinen können, es ständen The Obsessed auf der Bühne. Das ganze kam sehr druckvoll durch die PA und in Sachen elegant arrangierter und gekonnt zelebrierter Songs hatten Voodooshock heute bisher eindeutig die Nase vorn. (Volker)

Dawn of Winter
Danach stieg die Spannung und nicht nur viele Fans sondern auch ein großer Teil der Musiker wollte sich die deutsche Doom-Institution Dawn of Winter nicht entgehen lassen. Bandkopf Gerrit Mutz lieferte eine hervorragende Vorstellung ab und intonierte die Songs mit viel Herzblut. Außerdem gefällt mir seine Stimme bei Dawn of Winter um Längen besser als bei seiner bekannteren Truppe Sacred Steel. Der seine Lyrics leidende und zelebrierende Gerrit bot jedoch einen etwas seltsamen Kontrast zu seinen ausgesprochen statischen Sidekicks, die zwar spielerisch kompetent ihre Parts zockten, aber sonst doch fast schon unbeteiligt wirkten. Wie auch immer, Dawn of Winter hatten vom Demostoff über das reguläre Album "In the valleys of sorrow" und die Mini-LP "Slow is the suffering" bis hin zum mächtigen Vitus Cover "Titus Vanis" alles im Programm und haben an diesem Tag sicher niemanden enttäuscht. Entsprechend war auch die Stimmung im Publikum gut und der zweite Tag des DSR hatte sein erstes Highlight. (Volker)

Officium Triste
Ich war durchaus gespannt auf die folgenden Holländer Officium Triste, aber ich hätte nicht geglaubt, dass sie zum heimlichen Headliner des Festivals werden könnten. Aber spätestens nach dem zweiten Song wurden sie gefeiert wie keine zweite Band, und bei dem hervorragenden Songmaterial war das auch kein Wunder. Der Schwerpunkt lag dabei auf Songs des aktuellen Albums "Pathway", welches am Merchandisingstand ganze 5 Minuten nach Ende der Show ausverkauft war. Hmm, irgendwie kam mir die Person, die sich das letzte Exemplar davon geschnappt hat, verdammt bekannt vor....
Anyway, Officium Triste waren der mehr als würdige Vertreter des Death/Doom auf dem DSR und gehören mit ihren epischen und leicht gothiclastigen Songs sowieso zum Besten was dieses Genre zu bieten hat. Am ehesten vergleichbar ist das Quintett um den hervorragenden Sänger Pim Blankenstein dabei mit den großartigen Amerikanern Morgion.
Nach nicht enden wollenden Zugabeforderungen durften Officium Triste noch einmal auf die Bühne und sorgten mit einem sehr gelungenen Cover des Anathema Übersongs "Sleepless" für kollektiven Freudentaumel und ein Meer von fliegenden Haaren, dass so wohl noch keine Kindergartenturnhalle gesehen hat.
Hail to RotterDOOM! (Volker)


Officium Triste


Well of Souls
Leider fiel die Stimmung danach bei den Candlemass-Jüngern Well of Souls um DSR-Mitveranstalter Frank Hellweg etwas ab, was aber sicher nicht etwa an mangelnder Klasse der Band lag. Vielmehr zeigte wohl der eng gesteckte Zeitplan erste Konsequenzen und irgendwann brauchen auch Doom Metaller mal eine Pause. So hab ich auch nur einen Teil des Gigs mitbekommen, der mich aber weitgehend überzeugen konnte. Well of Souls hatten nicht wirklich überragende Songs im Programm, aber dafür bot Sänger Petro Kapakos eine sehr engagierte und emotionale Vorstellung und die Gitarrenkünste Franks können gewiss einige Hobbysaitenhexer ins Staunen versetzen. Einen interessanten Kontrast zum Rest der Band bot noch der junge Bassist, der mit seinem Cannibal Corpse Shirt wohl auch die Splatter Doom Fraktion noch zufrieden stellen wollte. (Volker)


Well of Souls


Subversion
Wiederum ein anderes Doom Spektrum vertraten Subversion, die ich irgendwo zwischen den New Orleans Göttern Crowbar und Corrosion of Conformity (bei den ruhigeren Songs) ansiedeln würde. Grooviger Doom Core mit fiesem Gebrülle war also angesagt. Gerade bei den ersten Songs konnte mich die Band wirklich mitreißen, während mit der Zeit aber doch etwas mehr Abwechslung nicht geschadet hätte. Anyway, Subversions bleischwere Songs trafen auf ein durchaus wohlgesonnenes Publikum. (Volker)


Subversion


Reverend Bizarre
Verdammt laaaaaaangsaaaaaam wurde es dann mit den Finnen Reverend Bizarre, die zwar den gesamten Gig über mit Technikproblemen zu kämpfen hatten (sowohl der Gesang als auch der Bass fielen teilweise aus und der Sound war im ganzen zum Anfang übel), aber nichtsdestotrotz für offene Münder sorgten. Nach dem noch recht flotten Opener verlegte sich der gut angeheiterte Dreier auf dreckigen Ultra-SloMo-Doom-Rock, der wirklich abgrundtief durch die PA dröhnte. Reverend Bizarre sind wahre Finsternis, pure Agonie, ein minimalistischer pechschwarzer Abgrund.
Der Band war anzumerken, dass sie ihre Musik leben, auch wenn Sänger Albert während einem ultrafinsteren Song, bei dem die Technik wieder mal voll zuschlug, ein kurzes Lächeln über seine finstere Miene zucken lies. Jedenfalls sind Reverend Bizarre eine absolut kultige Band, die alte Cathedral und Black Sabbath mit der Stimmung der amerikanischen Legende Winter verbindet. Auch auf dem DSR war das nicht jedermanns Ding, mich und einen guten Teil der Anwesenden hat es jedoch trotzdem kräftig von den Socken gehauen. (Volker)


Reverend Bizarre


Revelation
Auf Grund einiger Zugaben und etwas längerer Umbaupausen betraten dann mit zwei Stunden Verspätung um viertel vor 1 die vielerwarteten Headliner Revelation die Bühne und ließen keine Zweifel daran, warum sie Legendenstatus geniessen. Der technische und leicht progressive Power Doom beeindruckt durch das unheimlich tighte Zusammenspiel und die kraftvollen cleanen Vocals von Sänger Dennis Cornelius. Vom feinsten sind aber auch die ruhigen Gitarrenparts, bei denen Basser Jim Hunter (auch bei den genialen Epic-Doomstern While Heaven Wept aktiv) die Doomjünger mehrmals dazu animieren konnte die Feuerzeuge auszupacken. Revelation förderten neben dem Material ihrer drei regulären Alben sogar Demostoff zu Tage und konnten schnell die zwar von den 9 vorherigen Bands schon recht mitgenommenen, aber immer noch von einem genialen Festival euphorisierten Fans mitreißen. Das übertrug sich auch zurück auf die Band, die es sichtlich genoss, hier zu spielen, auch wenn sie dafür auf eigene Kosten aus den USA anreisen mussten. Soviel Idealismus erlebt man auch nicht jeden Tag, aber auf dem DSR war dieser fast jedem Beteiligten anzumerken. (Volker)


Revelation


Gegen 2 Uhr endete dann das erste Doom Shall Rise, dass mit Sicherheit nicht nur meine Erwartungen übererfüllte und auf dessen Fortsetzung man sich schon heute freuen kann.
Es waren nicht "nur" viele hervorragende Bands, die dieses Festival zu einem vollen Erfolg machten, es war die Kombination aus genialer Musik, einer rundum gelungenen Organisation und einer Atmosphäre, die ich vorher auf noch keinem Festival so erlebt habe. Die ca. 400 Beteiligten (Musiker und Fans) waren wie eine große Familie, die sich durchweg schon seit Wochen und Monaten auf dieses Event gefreut hatte und es zu dem gemacht haben was es dann letztendlich war. Ein Festival von Eingeweihten für Eingeweihte eben. Was soll es uns stören, wenn Doom für alle Ewigkeiten tiefster Underground bleibt, ein solch geniales Festival kann man wohl sowieso nur in einem kleinen Kreis erleben. Mein Dank gilt ALLEN, die dazu beigetragen haben und ich zähle schon jetzt die Tage bis zum DSR 2004!





Im Anschluss an das Festival und die einwöchige Doom Shall Rise on the road Tour durch Deutschland und Belgien hatte ich noch die Gelegenheit, mit dem Veranstalter und Mirror of Deception Gitarristen Jochen Fopp auf zwei denkwürdige Tage in Crailsheim zurückzublicken:


Hallo Jochen, erzähl doch bitte erst mal kurz, wie ihr überhaupt auf die Idee mit dem DOOM SHALL RISE gekommen seid. Es gibt ja nun mittlerweile in Deutschland sowie den umliegenden Staaten auch im Metalbereich eine ganze Menge Festivals, aber ein Doom Festival war wohl nicht nur meiner Meinung nach überfällig.

Jochen: Die Idee dazu gab es schon länger, aber erst als wir mit Roman (ehemaliger Chef der Eiche in Crailsheim) ins Gespräch kamen, und somit eine Location an der Hand hatten, konnten wir beginnen, Nägel mit Köpfen zu machen. Aber ein exklusives Doom Festival musste einfach sein, da diese Musikrichtung ja auf sämtlichen etablierten Festivals allenfalls ein Schattendasein fristet. Wir hätten allerdings bei weitem nicht mit soviel Interesse und Unterstützung gerechnet. Schön ist auch, dass das ganze nun Kreise zieht: es gibt einen Dutch Doom Day (in Rotterdam), einen Belgian Doom Day (in Gent), in der New Yorker Gegend findet nun im April ein Doom Metal Festival statt und selbst in Schweden ist die Rede von einer derartigen Veranstaltung.


Ich war absolut begeistert vom DOOM SHALL RISE, hervorragende Bands, gute Stimmung, der Veranstaltungsort war in Ordnung und ihr habt organisatorisch tolle Arbeit geleistet. Ich glaube, ich habe während der gesamten 2 Tage keine einzige negative Stimme gehört. Wie waren deine Eindrücke?

Jochen: Auch ich habe bislang nichts Negatives gehört. Es gibt zwar einen, der ein paar Punkte im DSR Forum gepostet hat, aber für konstruktive Kritik sind wir natürlich offen und versuchen, diese Punkte zu verbessern. Man darf nicht vergessen, dass es auch für uns das erste Mal war und da kann nicht alles glatt laufen, da man im Laufe der Organisation und vor allem der Durchführung mit Dingen konfrontiert wird, die man so vorher nicht wissen konnte. Wo möglich haben wir versucht, vor Ort darauf zu reagieren. Ein großes Lob von uns auch an das hervorragende Publikum, das sehr zur der entspannten Atmosphäre beigetragen hat. Es gab keine Chaoten, die auf Stunk aus waren, Sachen kaputt gemacht oder Müll herumgeschmissen haben. Alle vor Ort wollten einfach eine gute Zeit haben, die Bands genießsen und das war mit einer der Gründe, warum alles so gut gelaufen ist. Sehr schön auch, dass wir von den Cateringleuten, der Security, den Hotelchefs, der Hausmeisterin der Turnhalle und sogar der Ortsvorsteher gelobt wurden und alle jederzeit wieder mit uns zusammenarbeiten wollen.


Was waren für dich die persönlichen Highlights und über die Auftritte welcher Bands hast du dich besonders gefreut

Jochen: Leider konnte ich mir nicht alle Bands ausgiebig anschauen und habe leider auch die eine oder andere im organisatorischen Rummel verpasst (u.a. Doomshine, auf die ich mich sehr gefreut hatte), aber spitzenmäßig fand ich persönlich Dreaming, Forsaken, Thunderstorm, Tollwuet, Voodooshock, Officium Triste, Revelation. Sehr schön war eben auch, dass jede Band ihre Chance bekommen hat. Selbst Tollwuet, die Samstag Nachmittag um 15 spielen mussten, hatten schon eine ansehnliche gefüllte Halle vor sich. Und alle Musiker waren auch daran interessiert, sich die anderen Bands anzuschauen. Es gab keine Grenze zwischen den Leuten vor und auf der Bühne, wie man das sonst so oft hat. Es gab keine einzige Band, die sich irgendwie abgeschottet oder Starallüren an den Tag gelegt hat.


Es hat mich gefreut aber auch etwas überrascht, dass Officium Triste derart gut angekommen sind und so etwas wie der heimliche Headliner des Festivals waren.

Jochen: Das hat mich auch sehr für die Band gefreut. Insgesamt war das Billing ja doch relativ traditionell ausgerichtet, sprich Old School Doom lastig und Officium Triste wussten selbst nicht so recht, wie das Publikum auf sie reagieren würde. Gerade auch, da es ihre erste Show in Deutschland war. Aber sie waren genau die richtige Band zum richtigen Zeitpunkt, haben eine erstklassige Show abgeliefert und das wurde vom Publikum gebührend honoriert.



Sehr viel Spaß haben die Jungs von Forsaken gemacht, die nicht nur einen exzellenten Gig gespielt haben, sondern auch bei den meisten anderen Bands begeistert in den vorderen Reihen zugange waren. Das ist es ja eigentlich, was so ein Undergroundfestival ausmacht, oder?

Jochen: Für Forsaken war das Festival etwas ganz besonderes. In ihrer Heimat Malta sind sie seit Jahren die größte Metalband, aber sie haben eben so gut wie nie die Chance mal im Ausland und vor anderem Publikum zu spielen. Umso schöner war es für mich zu sehen, wie extrem gut die Leute beim Publikum angekommen sind. Die Jungs waren überglücklich und ihr Sänger Leo ist mir um den Hals gefallen, als er von der Bühne kam. Es waren alles sehr nette Leute und es war ein Erlebnis, sie kennen zu lernen.


Erstklassig war auch euer Auftritt mit Mirror of Deception, wie waren deine Eindrücke vom Gig? Ich finde jedenfalls das Siffi seine Sache als neuer "hauptamtlicher" Sänger sehr gut gemacht hat. Ein dickes Lob an dieser Stelle auch für eure neue Mini CD "Conversion" die ist echt hervorragend! Trotzdem hat es mich ein wenig gewundert, dass euer langjähriger Sänger Thorsten Baumhauer, mit dem ihr ja im Januar noch ein Abschiedskonzert gespielt habt, nicht auch noch beim DSR dabei war. Wäre doch ein idealer Abschied gewesen.

Jochen: Danke für die Blumen! Es ist gut für uns gelaufen in Anbetracht der Tatsache, dass wir für Festival und die anschliessende Tour einen Aushilfsmann (Marco Schreiner von Madragora aus Hannover) am Schlagzeug hatten, mit dem wir nur zweimal vorher proben konnten. Er hat sich ordentlich reingehängt und seine Sache wirklich verdammt gut gemacht. Unser ehemaliger Sänger Baumi war beim Festival im Publikum sogar zugegen, aber die offizielle Abschiedsshow mit ihm stand schon lange vorher fest und wir hatten uns darauf geeinigt, dass wir es dabei dann auch belassen wollen. Unter anderem eben auch, um den Leuten die "neuen" Mirror of Deception zu präsentieren. Er hatte ja seinen Abschied bereits letzten Sommer bekannt gegeben und zudem war er auch neugierig uns mal aus der Zuschauerperspektive zu sehen.




Jochen Fopp


Ich hatte ja ehrlich gesagt etwas Bedenken, dass ein solches Festival in einer Turnhalle stattfindet, aber die Location hat ja dann doch gut gepasst.

Jochen: Im Endeffekt war die Turnhalle von den Räumlichkeiten her wirklich perfekt für uns. Es war schade, dass sie etwas weit draußen lag und wir keinen richtige Ruhezone für die Besucher anbieten konnten, aber ansonsten hat alles gepasst. Und wenn das Hallenlicht aus war, kam es auch nicht so turnhallenmäßig rüber.




Kleine Obskuritäten am Rande


Etwas verwirrend war aber die Ankündigung über den Wechsels des Veranstaltungsortes, das DSR war ja eigentlich in der Eiche in Crailsheim geplant. Zwar habt ihr noch recht frühzeitig den Wechsel bekannt gegeben, aber dann 2 Wochen darauf warten lassen, wo genau das Festival nun stattfinden soll. Gab es da noch organisatorische Probleme oder hattet ihr noch eine andere Location an der Hand?

Jochen: Die Tickets für die Eiche waren ja innerhalb von nur 3 Tagen ausverkauft, danach haben wir uns sofort auf die Suche nach einer Alternative gemacht, da es noch eine Menge Anfragen gab. Zwischendurch waren auch anderen Veranstaltungsorte in der Umgebung im Gespräch, aber letzten Endes hat sich die Suche leider über 3 Monate erstreckt. Die Turnhalle in Triensbach stand erst ca. 3 Wochen vor dem Festival fest.



Auf jeden Fall machte der Wechsel im Endeffekt Sinn, da so wenigstens noch einige Leute mehr das erste DSR miterleben konnten. Wie viele zahlende Besucher waren es denn jetzt eigentlich?

Jochen: Im Endeffekt waren es 250 Zahlende, vielen Leute war das dann leider zu kurzfristig, um noch Urlaub zu bekommen. Aber es war eigentlich genau richtig so. Gut gefüllt, aber nicht so sehr, dass es ungemütlich geworden wäre. In der Eiche wäre es mit 200 Besuchern und 80 Musikern sicherlich reichlich ungemütlich geworden.


Wie sieht die finanzielle Bilanz aus? Es ist klar, dass man mit so einem Festival keine großen Gewinne machen kann, aber seid ihr verlustfrei hingekommen?

Jochen: Wir hatten durch den Umzug in die Turnhalle einiges an zusätzlichen Ausgaben, die in der Eiche nicht entstanden wären. Dinge wie Hallenmiete, Security, Feuerwehrleute und natürlich eine größere PA und Lichtanlage hatten wir in den ursprünglichen Ticketpreis nicht einkalkuliert. Trotz allem haben wir keine roten Zahlen schreiben müssen, aber dies war auch nur möglich, da alle Bands ihre Anreise selbst übernommen und auf Gagen verzichtet haben. Was wir den Bands bieten konnten, war das Festival an sich, Hotelunterkünfte und Verpflegung. Aber damit hatte keiner ein Problem. Niemand war aus finanziellen Gründen dabei, alle haben ihren Beitrag für die Sache an sich geleistet.



Ich hab in eurem Gästebuch den Eintrag von Frank gelesen, dass sich die Besitzer des Hotels, in dem die Bands untergebracht waren, sehr positiv über ihre Gäste geäußert haben. Das nenn ich doch mal einen Beitrag gegen vielverbreitete Klischees gegenüber der Metalszene. Gab es auch ansonsten Reaktionen aus dem Umfeld?

Jochen: Wie schon gesagt, gab es zahlreiches Lob von allen externen Mitarbeitern oder Leuten, die im weitesten Sinn mit der Veranstaltung zu tun hatten. Sogar einige Seniorinnen aus Triensbach haben sich uns gegenüber positiv geäußert. Gefreut haben dürften sich auch die Hoteliers aus Crailsheim und Umgebung, da alle Hotelzimmer restlos ausgebucht waren, aber keiner von ihnen wusste, warum. Das war das Gesprächsthema Nummer eins unter ihnen. Ein schöner Nebeneffekt, wenn wir neben dem Beitrag für die Doomszene auch etwas für das Ansehen der Metalfans im Allgemeinen tun konnten.


Es gab ja nach dem Festival noch eine Woche DSR on the road, also eine kleine Tour mit Revelation, Mirror of Deception und Reverend Bizarre durch Deutschland und Belgien. Wie ist es denn gelaufen?

Jochen: Es ist sehr gut gelaufen. Wir hatten überall ein dankbares und enthusiastisches Publikum und die Leute von Revelation und Reverend Bizarre sind einzigartige Persönlichkeiten. Die Besucherzahlen bewegten sich zwischen 40 und 120 Leuten, was ja für so ein undergroundiges Package recht ordentlich ist und den örtlichen Veranstaltern hat es gut gefallen. Einziger Minuspunkt war, dass fast alle ab dem dritten Tag erkältungsmäßig am kränkeln waren. Aber das war eben die Kombination aus langen Fahrten bei Minustemperaturen, wenig Schlaf und den sonstigen tourbedingten Ausfallerscheinungen. Den Drummer von Reverend Bizarre hatte es am schlimmsten erwischt, er konnte leider den letzten Gig in Recklinghausen nicht mehr spielen. Abgesehen davon hat wir eine großartige Zeit und sind gute Freunde geworden.



Ich hoffe sehr, dass es nächstes Jahr eine Fortsetzung geben wird! Sowohl Jim Hunter von While Heaven Wept als auch Rich Walker (Solstice / Warning) haben mir gegenüber erklärt, dass sie interessiert wären, nächstes Jahr zu spielen. Das wäre natürlich großartig, aber generell hoffe ich erst einmal, dass das DSR nicht zum ersten und letzten Mal stattgefunden hat!

Jochen: Nach all den positiven Resonanzen haben wir gar keine andere Wahl, als das DSR fortzusetzen. Es wird also definitiv ein nächstes Mal geben. Wo und wann genau steht noch nicht fest. Wir gönnen uns nach dem Stress der vergangenen Wochen nun erst mal eine Auszeit, bevor wir uns an die Planungen für nächstes Mal machen. Ich kann aber bereits sagen, dass das DSR II etwas später im Jahr stattfinden wird und wir die Gesamtzahl der Bands etwas reduzieren werden. 10 Bands an einem Tag (wie es am Samstag der Fall war) sind einfach für jeden zuviel. Irgendwann kommt man an einen Punkt, an dem man das nicht mehr verarbeiten kann. Ich hätte auf keine der beteiligten Bands verzichten wollen, da jede auf ihre eigene Art großartig war, aber wir wollen niemanden überfordern und keine Band "verheizen". Bezüglich der Bands lässt sich derzeit noch nicht allzu viel sagen, aber wir haben bereits einige auf der Wunschliste und sind sicher, dass wir wieder ein interessantes Billing auf die Beine stellen können.



Vielen Dank für das Interview Jochen, ich hoffe wir sehen uns auf dem DSR 2004! Gibt es noch etwas was du gerne loswerden möchtest?

Jochen: Ich bedanke mich für das Interview, bei allen die uns in irgendeiner Form unterstützt haben, bei allen beteiligten Bands und natürlich den Besuchern. DOOM HAS RISEN!!!





Vorbereitung,
Durchführung und Bearbeitung: Volker




   
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