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Festivals |
Judas Priest
13.Juni 2004, Oberhausen, König-Pilsner-Arena
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Was kann man von einem Konzert einer Band erwarten, die es in den vergangenen zehn Jahren gerade einmal auf zwei äußerst dürftige Alben gebracht hat? Deren Sänger die Texte bei vergangenen Auftritten teils vom Teleprompter abgelesen und keinerlei Spielfreude gezeigt hat? Einen schlappen Auftritt gepaart mit auffallend hoher Lustlosigkeit? Eine gähnend leere Halle und geringste Erwartungen bei den wenigen Anwesenden? Das dürfte wohl ein alles andere als unrealistisches Szenario sein, rechnet man zudem auch noch die 45 Euro Eintrittspreis mit ein - wenn, ja, wenn besagte Band nicht Judas Priest hieße, eine der größten Rockbands aller Zeiten wäre und gerade erst die sehnlichst erhoffte Reunion mit dem etatmäßigen Sänger und Metal God persönlich stattgefunden hätte.
Auch wenn die König-Pilsner-Arena in Oberhausen, in die standesgemäß etwa 10.000 Leute passen mögen, für den heutigen Gig mittels einer Abtrennung etwas kleiner gemacht worden war, dürften gut und gerne 5.000 Metalfans den Weg hierher gefunden haben, denen die Spannung und die Vorfreude deutlich anzumerken war.
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Annihilator
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Doch zuerst einmal sollten Annihilator das Publikum anheizen, was sich allerdings eher als ein lauwarmes Lüftchen herausstellen sollte. Sänger David Padden hatte ich von den letztjährigen Festivalauftritten in weit besserer Erinnerung gehabt, heute konnte er jedenfalls alles andere als überzeugen. Ein guter und charismatischer Frontman mag er sein, aber was die gesangliche Seite betrifft, kann ich noch immer nicht nachvollziehen, wie man einen Übersänger wie Joe Comeau gegen einen solchen Schreihals wie Padden eintauschen kann. Nein, ich verstehe es wirklich nicht, aber schon auf dem nächsten Annihilator-Album wird eh wieder ein neuer Sänger zu hören sein, jede Wette. So jedenfalls konnte bereits der Opener "All for you" von der gleichnamigen, neu erschienenen Platte bei den meisten Anwesenden nicht mehr als ein gleichgültiges Achselzucken hervorrufen, und hier und da waren im Publikum sogar die Worte "Nu Metal" und "Geld verdienen" zu hören. Nun ja, soweit würde ich nun nicht gehen, aber sonderlich gehaltvoller als erwähnte Musikrichtung sind die meisten Songs des neuen Annihilator-Albums tatsächlich nicht.
Auch "King of the Kill" zündete an diesem Abend nicht und erst mit "Never Neverland" und "Alison Hell" kam so etwas wie leise Begeisterung im Publikum auf. Eigentlich schade, aber ich habe Annihilator wirklich schon weit besser gesehen. (Dennis)
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Judas Priest
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Nach 40 Minuten Annihilator und einer halbstündigen Umbaupause war's dann so weit, die Stimmung im Publikum stieg und schließlich ertönten unter dem lauten Jubel der Menschenmassen die ersten Töne von "The Hellion/Electric Eye". Hill, Tipton und Downing betraten die Bühne, und beim Einsatz des Gesangs erschien schließlich auch Rob Halford, der durch ein großes Loch im Backdrop zu sehen war, das die Form eines Auges hatte. Ganz in Leder bekleidet wurde bereits jetzt deutlich, daß Halford es hier und heute ernst meinte: Vergessen all der Frust, der durch die miesen Solo-Auftritte vor zwei Jahren bei allen Beteiligten entstanden war - Judas Priest und Rob Halford sind wieder eine Einheit und nichts deutete noch darauf hin, daß es die letzten 10 Jahre in irgendeiner Form gegeben hätte. Mit "Metal Gods", "Heading out to the Highway" und "The Ripper" wurden weitere Klassiker ausgepackt, und bei dem genau wie auf CD extrem hoch gesungenen "Touch of Evil" schließlich konnte Halford zum ersten Mal sein gesamtes Können unter Beweis stellen. Jeder Ton saß, nichts zu spüren von Unsicherheit und auch die restliche Band war heute mit erstaunlich wenigen Spielfehlern unterwegs. Halford bewegte sich des öfteren wie ein Roboter über die Bühne, an anderer Stelle tänzelte er wiederum leichtfüßig und auch mit seinen erfreulich wenigen aber ehrlichen Ansagen hatte er das Publikum zu jeder Sekunde im Griff. Die beiden letzten, schwachen Alben wurden an diesem Abend komplett ignoriert, so daß es mit Klassikern wie "The Sentinel", "Turbo Lover" und "Victim of Changes" weiterging, bei denen sich einmal mehr zeigte, welch geniale Musiker Tipton und Downing auch heute noch sind. Insbesondere die doppelstimmigen Leads zu Beginn einiger Songs sind nach wie vor ein echtes Highlight in der Historie metallischen Schaffens, ein echter Meilenstein der Musikgeschichte. Doch dann wurde mit "Diamonds and Rust" bereits zum nächsten großen Wurf ausgeholt. Tipton und Downing spielten den Song auf zwei Akustik-Gitarren ebenso gefühlvoll wie Halford die Gesangslinien hervorbrachte, bevor sie gegen Ende die E-Gitarren aufheulen ließen, und spätestens jetzt hatte wohl auch der letzte in der Halle eine Gänsehaut - fantastisch!
Im Anschluß gab es "Breaking the Law" zu hören, nicht jedoch, ohne die altbekannte, mehrfache Frage "Breaking the what?" von Halford auszulassen. Die letzten Dämme brachen und im Publikum wurde ausgelassen gefeiert, bis erneut Stille einkehrte und die Band zum Höhepunkt des Abends ansetzte. Ich hatte es mir wirklich von ganzem Herzen gewünscht und tatsächlich sollte es wahr werden, "Beyond the Realms of Death" wurde angespielt und andächtige Blicke wanderten aus dem Publikum von Tipton zu Downing, weiter zu Halford, in der Gewissheit, bei einer der letzten Gelegenheiten anwesend zu sein, diesen alten Übersong noch einmal in seiner ganzen Pracht erleben zu dürfen. "Keep the world with all its sin it's not fit for living in, Yeah I will start again it can take forever and ever and ever, but I shall win" singt Rob Halford wie in vergangenen Tagen und dann ist es so weit. Die Zeit bleibt stehen und Glen Tipton setzt zu dem womöglich großartigsten Gitarrensolo an, das jemals in unserer Galaxie ertönt ist. Ein unbeschreibliches Gefühl! "How many like him are there still, Who to us all seem to have lost the will, They lie in thousands blank and lost, Is knowledge worth this bitter cost, Beyond the realms of death", dann hat auch dieser Song sein Ende und nicht wenige wischen sich die eine oder andere Träne aus dem Gesicht.
Aber das war natürlich noch nicht alles, Priest haben einfach so unglaublich viele Klassiker, und die Zuschauer wollten mehr. "The green Manalishi" durfte nicht fehlen, und "Painkiller" zeigte Rob Halford einmal mehr von seiner besten Seite. Nach einer kurzen Pause und zahlreichen Zugaberufen enterten Judas Priest erneut die Bühne und gaben dem Publikum nach was es durstete: Die beiden Klassiker "Hell bent for Leather" und "Living after Midnight". "United" folgte als Demonstration der Geschlossenheit und der wiedergefundenen Liebe zwischen Band und Zuschauern, bei dem bis in die letzte Reihe der Halle jeder mitzusingen schien. "United, united, united we stand, United we never shall fall, United, united, united we stand, United we stand one and all" schallte es an diesem Abend durch ganz Oberhausen, aber selbst als die letzten Töne verklungen waren, wußten Priest noch einmal nachzulegen und holten mit "You've got another thing coming" zum finalen Wurf aus. Begeisterungsstürme brechen über die fünf Musiker herein, die auf einmal wieder Anfang 20 sind, den Spaß an ihrer Musik im Gesicht stehen haben und sich minutenlang bei den Fans für den gerechtfertigten Applaus bedanken. "Wir sehen uns im nächsten Jahr wieder" sind die letzten Worte von Rob Halford, ehe er die Bühne als letzter verläßt und die Blicke des begeisterten Publikums hinter ihm her wandern. (Dennis)
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Natürlich kann man über die Reunion der Band mit Rob Halford nach wie vor geteilter Meinung sein, und vor dem Konzert waren sicherlich nicht wenige verunsichert. Spätestens nach diesem Gig in Oberhausen kann es jedoch nur ein Urteil geben: The Priest is back! Von mir aus könnt ihr gerne über die Band lästern, über Rob Halford, der den Metal "verraten" und darüber hinaus zugegeben hat, daß finanzielle Aspekte mit ausschlaggebend für die Reunion gewesen sind. Auch den hohen Eintrittspreis könnt ihr anprangern und natürlich habt ihr damit nicht unrecht. Aber: Von Abzocke kann hier keine Rede sein, denn Judas Priest zeigen auf der Bühne auch nach all den Jahren noch - oder besser wieder - genau das, was die Fans sehen und hören möchten. Von mir aus können sie auch das doppelte für den Eintritt verlangen, ich würde wohl, wie die meisten anderen die an diesem Abend da waren auch, wiederkommen, denn eine Priest-Show in diesem Stile und all die Erinnerungen, die einem ein Leben lang davon bleiben werden, sind das Geld einfach zehnmal wert. Und wenn jetzt auch noch eine gute Platte hinterher kommt, dann hat sich die Reunion allemal gelohnt.
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