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Konzerte Festivals


Amset

21.Januar 2005, Sala Planta Baja, Granada



Wenn einer eine Reise tut, kann er auch mal andere Bands sehen als Amon Amarth. Stell Dir vor Du fliegst nach Andalusien, um Dir alte Kathedralen und Kalifenpaläste anzuschauen, spazierst durch das wunderschöne Granada, und Dir kommt ein Penner entgegen. Er stinkt abartig, hat 'ne Killerfahne und schnorrt Dich um einen Euro oder zwei an, damit er sich noch weiter zuschütten kann. Er hat lange Haare und ein reichlich verlaustes Morbid Angel-Shirt an. Jedem normalen Menschen wäre das egal, aber man ist schließlich Metaller, also steckst Du ihm eine Münze zu, und er gibt Dir dafür den Geheimtip, morgen finde in Granada ein Hardrock-Konzert statt. Und er schleppt Dich zu einer Plakatwand, von welcher Dir tatsächlich fünf Typen entgegenstarren, welche aussehen wie eine Mischung aus Mittachtziger-Mötley Crüe und Dimmu Borgir. Jeder normale Mensch würde spätestens hier schleunigst die Flucht ergreifen.




Amset
Am nächsten Abend betrittst Du nebst einigen Einheimischen, welche mehr oder weniger nach Metal aussehen, den "Sala Planta Baja", zahlst 5 Euro, um Amset aus Madrid zu sehen. Der Laden würde gut 150 Leute fassen, mehr als 30 zahlende Gäste jedoch haben den Weg nicht hergefunden, dabei präsentieren Amset heute Abend ihre neue, zweite CD "Katarsis". Einen Support gibt es nicht, aber die 30 Kehlen jubeln, als der Fünfer aus der Hauptstadt die Bühne, in deren Mitte sich kurioserweise eine ultrafette Säule befindet, betritt. Die Jungs sind tatsächlich so fies gekleidet und geschminkt, wie es das Plakat versprach/androhte. Die Musik hingegen geht sofort ins Ohr und die Beine. Amset spielen eingängigen, melodischen Hardrock, welcher unüberhörbar in den 80ern verwurzelt ist und von Acts wie Alice Cooper, Bonfire und Whitesnake geprägt wurde. Das ganze wird mit Gruselsounds aus dem Keyboard kombiniert, was Amset gehörig in die Ecke von Lordi rückt, nur mit besserem Gesang. Ein wenig spätere Death SS kann man auch heraushören. Natürlich verstehst Du von den Ansagen kein Wort, aber einige Titel wie "Necronomicon", "Amset" oder "Samael" bleiben im Gedächtnis hängen, und Du merkst Dir vor, Dir die beiden CDs zu kaufen. Wofür keine Spanischkenntnisse notwendig sind, ist die Bühnenshow. Kunstblut, Ledermasken und Kerzen verbreiten eine angenehme Horroratmosphäre und zeigen, daß eine Band auch vor 30 Zuschauern und mit wenig Mitteln etwas fürs Auge bieten kann.



Amset spielen insgesamt gut anderthalb Stunden und stellen unter Beweis, daß die iberische Halbinsel immer wieder interessante Bands hervorbringt, mit denen zu beschäftigen sich lohnt. Frohgemut gratulierst Du hinterher der Band zum Gig, läßt Dir die CDs unterschreiben und schmunzelst über die strahlenden Augen der Musiker, die sich tierisch freuen, daß jemand aus dem Metalmekka Deutschland bei ihrem Konzert war und Dich nach der Bedeutung diverser Rammstein-Texte fragen. Du beschließt, einen Bericht für?s Metalspheres zu schreiben und ärgerst Dir ein Loch in den Bauch, daß Du die Kamera nicht dabei hast. Also pflückst Du Dir ein paar Fotos von der Webseite der Band, um den Bericht zu schmücken. Möge diese Band auch außerhalb Spaniens gehört werden, verdient hat sie's! (Till)



   
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