Blitzkrieg - Schicksal einer großartigen Band
Anlaß dafür, daß ich
nun hier sitze und etwas über eine Band namens Blitzkrieg schreibe, ist deren
Auftritt in Wacken, welcher nunmehr zwei Wochen hinter uns liegt. Ein Auftritt,
der den Anwesenden die Tränen in die Augen trieb und noch lange in unserer
Erinnerung bleiben wird. In dem kleinen Zelt am Rande des
Festivalgeländes hatten sich vielleicht gerade mal 300 Leute versammelt, die diese einmalige Band
um Sänger Brian Ross bewundern wollten. Nicht gerade viel, aber vielleicht war auch das mit ein Grund dafür, daß wir einen dieser seltenen Momente erleben durften, in dem noch einmal alles so schön war wie damals in den Achtzigern. Plötzlich ist es wieder 1980 und Blitzkrieg stehen zum zweiten
Mal in ihrer Geschichte in einer kleinen, verrauchten, englischen Kneipe auf
der Bühne... Ihr erinnert Euch? (Wir nicht, sind halt noch zu jung...) Zugegeben, gegen den Samstagsheadliner Blind Guardian hatten Blitzkrieg es wahrlich nicht leicht. Aber wären wohl wirklich mehr Leute zu dieser Band gekommen, die sich für die 300
Anwesenden in ihrer Geschichte durch Songs wie "Jack the
Ripper" oder "Buried Alive" zu einer unsterblichen Legende gemacht hatte, hätte eine
andere oder gar überhaupt keine andere Band zur gleichen Zeit gespielt?
Ungefähr eine halbe Stunde hatten
Blitzkrieg von ihrem gigantischen Gig hingelegt, da fragte mich
jemand, der gerade erst gekommen war, ob der Song "Blitzkrieg" schon gespielt worden
war. Ich antwortete mit "Nein", woraufhin er wissen wollte, wie lange noch
gespielt würde, weil er dringend weg müßte und nur wegen diesem Stück vorbeigeschaut hätte. Außer einem Kopfschütteln brachte
ich jedoch nichts mehr hervor. Ein Jammer, eine solch großartige Band wie
Blitzkrieg auf einen einzigen Song zu reduzieren, doch leider, und das wurde mir
in diesem Augenblick bewußt, kennen eben viele nur dieses eine Lied, welches von
Metallica 1984 gecovert wurde und auf der "Creeping Death"-12" die B-Seite
veredelte.
Blitzkrieg waren 1980 gegründet worden, und
etliche Line-up-Wechsel und der ewige Kampf gegen den Untergang und den
kommerziellen Mißerfolg hatten die Band zurückgeworfen aber nie aufgeben lassen.
Größter Rückschlag vielleicht der schlimme Unfall von Gary Young Ende 1991, der
für ihn das vorzeitige Aus bei Blitzkrieg bedeutete. Vor allem Mitte und Ende
der Achtziger Jahre hatten Blitzkrieg wie auch zahlreiche andere Bands gegen
aktuelle Trends zu kämpfen gehabt, denn traditioneller Metal war, wie Ihr
alle wißt, nicht mehr das, was die Leute wollten. Sie wollten Glam-Rock, und
Bands wie Poison und Ratt waren angesagt, während im Metal-Bereich nur noch die
ganz großen Bands wie Helloween oder Metallica viele Platten
verkauften.
Trotz all
dieser Rückschläge wurde sich die Band stilistisch nie untreu und schaffte
es immer wieder, die schwierige Aufgabe zu
meistern, ein Label für ihre großartigen Alben zu finden, ob nun für "A time
of Changes", "Unholy Trinity" oder "Absolute Power". Und gerade deshalb meine
ich, haben Blitzkrieg nach dem tollen Auftritt in Wacken all unsere
Unterstützung verdient, damit sie irgendwann das bekommen, was sie für all ihre
Arbeit, ihr Bemühen und für unsere Herzen getan haben, nämlich den Erfolg, der
ihnen schon lange zusteht, aber leider bis heute nicht vergönnt war.
(Dennis, 16.08.2002)
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