Home
Vorwort
News
Eure Ankündigungen
Interviews
CD-Reviews
Live-Reviews
Metal and More
Locations
RIP
LinksSuche
Kontakt
Impressum
Über uns
Metalspheres präsentiert


4682712
Besucher seit 09/2002


Esoteric - Subconscious Dissolution into the Continuum
Metalspheres Info-Box

Genre

Expressionistisch beeinflusster Progressive Doom Metal

Label

Season of Mist

Rezensent

Doomson

Gerade der Doom Metal Sektor zeigt immer wieder, dass es auch heute noch Musiker gibt, die mit Innovationen aufwarten und eine angenehme Eigenständigkeit an den Tag legen. Denn neben den inzwischen zahlreich vorhandenen Death Doom Truppen, die sich doch sehr deutlich an den zu Recht Großen und Einflussreichen wie My Dying Bride oder alten Anathema orientieren, oder auch den unzähligen epischen Candlemass-Kopien tauchen immer wieder Bands aus der Versenkung auf, deren Stil man so noch nirgends gehört hat oder die zumindest vorhandene Stilrichtungen stark auffrischen; Beispiele hierfür sind unter Anderem Ningizzia, Poema Arcanvs oder auch Morgion, die zwar bekannte und relativ zugängliche Elemente zum Einsatz bringen, diese jedoch sehr souverän und in ungewöhnlicher Weise umsetzen und miteinander verknüpfen.
Nun verblassen aber auch deren Innovationen im Wust des Gewöhnlichen, sobald man einmal die Jungs von Esoteric gehört hat, denen man kaum noch glauben mag dass sie menschliche Wesen sind. Was diese britische Ausnahmeband, welche schon seit den frühen 90er Jahren im Underground aktiv ist, auf ihre Silberlinge bannt, kann nur als revolutionäre Erschaffung einer neuen Stilrichtung bezeichnet werden. Selbst Funeral Doom Bands wie die Kultstatus genießenden Skepticism aus Finnland, welche von vielen womöglich als die nihilistischsten und hoffnungslosesten Zeitgenossen angesehen werden, müssen sich angesichts dieser pechschwarzen und unglaublich faszinierenden, doch auch ebenso schwer fassbaren Musik vor Esoteric verneigen. Und nun, nach monatelanger Einverleibung des Materials, fühle ich mich endlich mehr oder weniger imstande, eine Rezension zu Esoteric?s neuestem Werk "Subconscious Dissoultion into the Continuum" zu verfassen.
Wir haben hier etwas, für das es weltweit keinen Vergleich und auch keine passenden beschreibenden Worte zu geben scheint. Ihre Einordnung in den weit gefächerten Doom Metal Bereich verdanken Esoteric ihrer meist kompromisslos langsam-schleppenden Gangart und der ebenso für Doom typischen Düsternis, welche hier jedoch in ein ungeahntes Extrem getrieben wird. Ansonsten hat der Stil dieser Band wenig mit den gängigen Doom Metal Unterkategorien, repräsentiert durch My Dying Bride, Candlemass, Skepticism und Konsorten, gemein.
Das Besondere an dieser Musik ließe sich vielleicht als Übertragung expressionistischer Musikideale auf Doom Metal beschreiben. Hermann Bahr schrieb: "Wir leben ja nicht mehr, wir werden gelebt... Niemals war eine Zeit von solchem Entsetzen geschüttelt, von solchem Todesgrauen. Die ganze Zeit wird ein einziger Notschrei, auch die Kunst schreit mit. Sie schreit nach dem Geist: das ist der Expressionismus!" Zwar leben wir heute in einer anderen Zeit als die Menschen zur Jahrhundertwende, doch diese zeitgenössischen Künstler ? und sie verdienen diese Bezeichnung definitiv ? vertonen in ihrer Musik tatsächlich nichts als einen einzigen Notschrei, die pure Verzweiflung, nicht jedoch das Todesgrauen, sondern vielmehr die Todessehnsucht im Angesicht des Grauens, welches das Leben auf dieser Welt prägt und diejenigen, die nicht blind sind, an den Rand des Wahnsinns treibt.
So werden sich depressive Seelen in dieser Musik repräsentiert und verstanden sehen und die Augen schließend mit der ganzen Seele all das aufsaugen, was rein akustisch so schwer fassbar ist, aber atmosphärisch die Inhalte perfekt wiedergibt, wenn es in "The Blood Of The Eyes" heißt: "I have not seen myself for ages, this empty shell cares no longer for life." Ähnlich kompromisslos klingt der Text von "Grey Day": "Such a need to explode. For this time ticks slowly, through this, the greyest of all days. Waiting for now to become then." Versuche dir vorzustellen, wie diese Stimmung vertont klingt, und du weißt, wie Esoteric klingen, denn akkurater lässt sich diese unfreiwillig abgrundtief negative Gefühlswelt nicht umsetzen! Offen gestanden kann man sich den Sound dieser Leidenden jedoch nur schwer vorstellen und man sollte ihn stattdessen selbst erlebt haben.
Dennoch versuche ich mich an einer groben Beschreibung. Zunächst einmal kommt eine rein objektiv betrachtet normale Metal-Instrumentierung zum Einsatz, wobei die Band jedoch unter Beweis stellt, dass diese auch völlig anders als sonst üblich klingen kann. Ungewöhnlich und auffällig ist aber, dass an diesem Album drei Gitarristen und zwei Bassisten mitgewirkt haben ? und das hört man, denn anders könnte ein derart bemerkenswert tiefer und schwer greifbarer Sound kaum erzeugt werden, wobei aber auch einige subtile elektronische Effektspielereien daran mitwirken.
Normales Riffing kommt hier eher selten zum Einsatz; vielmehr bauen Esoteric mit mehreren übereinander gelegten Gitarrenspuren schwer durchschaubare Klangwände auf, die nur noch stellenweise erlauben, dass man von melodischer Musik sprechen kann. Selbst die etablierten Harmonien werden bei Esoteric nicht selten über den Haufen geworfen, ähnlich wie bei expressionistischen Komponisten wie Schönberg, die bewusst auf Wohlklang und Melodie verzichteten. Manche Akkorde lassen sich kaum als ein bestimmter Ton definieren, Tonfolgen sind teilweise für das an Harmonie gewöhnte Ohr sehr ungewohnt, dabei jedoch nie so dissonant, dass nicht noch eine deutliche ? durchweg absolut finstere ? Atmosphäre erzeugt würde, die den Hörer schlichtweg gefangen nimmt und ihn tief in die Musik eintauchen lässt.
Die Vocals von Greg Chandler stehen diesmal dank der Produktion stärker im Vordergrund als beim Vorgängeralbum "Metamorphogenesis" und können so auch ihre Brutalität und pure Verzweiflung viel deutlicher und akzentuierter vermitteln. Es wird nicht eine Note auf dieser Scheibe klar gesungen oder gesprochen; die Vocals sind stark verzerrt und zugegeben wirklich gewöhnungsbedürftig, aber von der ersten Minute an mitreißend und faszinierend. Denn die tiefen bis sehr tiefen Grunts, die zunächst zum Einsatz kommen, klingen ungewohnt harsch und unangenehm und sie steigern sich an manchen Stellen zu extremen Schreien, die vollkommen herzzerreißend sind und jeden eventuell gesetzten Grundstein von Hoffnung und Existenz mit geballter Aggression zertrümmern.
Sie sind dabei derart hoch und kompromisslos verzerrt, dass es schwer fällt, sie mit irgend etwas Menschlichem zu vergleichen. Sie können einen geradezu fertig machen. Beim Hören erwischt man sich dabei, wie man sein Gesicht fast krampfhaft einen schmerzverzerrten Ausdruck annehmen lässt und die Fäuste mitleidend ballt, während heiße Tränen der seit Jahren aufgestauten negativen Energien gegen die Augenlider drücken und doch nicht geweint werden können, weil dies einer Befreiung nahe käme, wo es doch aus dieser Gefühlslage kein Entrinnen gibt. "And what? What fucking tale to tell now? Of tears uncried?"
In der durchweg sehr langsamen Rhythmik, die keine Geschwindigkeitsausbrüche mehr enthält wie noch der Opener "Dissident" auf dem Vorgängeralbum, werden nicht ausschließlich die gewohnten Vierviertel- und Sechsachtel-Takte verwendet; gerade in den Übergängen kommen teils anfangs schwer nachvollziehbare Takte zum Einsatz, die dem ganzen einen durchaus progressiven Touch verleihen. Taktart und Geschwindigkeit können außerdem auch mehrmals innerhalb eines Songs wechseln.
Außerdem lässt sich bei den Stücken keine übergeordnete Struktur erkennen und jeden Ansatz von Eingängigkeit sucht man vergebens; anfangs wirkt alles wie ein nihilistisches und an klaustrophobisch-paranoiden Wahnsinn erinnerndes Chaos, ganz dem textlichen Inhalt und womöglich auch den Seelen der Zielgruppe entsprechend. Somit ist diese Musik unglaublich schwer zugänglich und erfordert ein hohes Maß an Hingabe und Geduld, um ihre Wirkung zu entfalten. Nach eingehendem Hören stellt sich aber schließlich heraus, dass es sich nicht um reines Chaos handelt, sondern um einen Prozess; die drei Hauptsongs, denen noch ein kurzes ambientartiges Instrumental folgt und von denen der kürzeste 12:36 Minuten lang ist, durchlaufen eine stete Entwicklung und bilden sich von der ersten Minute bis zur letzten aus sich selbst heraus, versuchen, auf einen klimaxartigen Bezugspunkt hinzuarbeiten, und fallen schließlich am Ende in einem unglaublich weit und hoffnungslos ausgespielten Abklang der langsamsten Art in sich zusammen, ohne jemals an ein Ziel wie etwa einen Refrain, eine eingängige Melodie oder einen Hoffnungsschimmer gelangt zu sein.
Warum diese überschwängliche Beschreibung, wird sich mancher fragen. Was ich zum Ausdruck bringen will ist, dass wir es hier mit wirklicher Kunst zu tun haben, denn die Textaussage wird derart akkurat in der Musik verarbeitet wie es selten geschieht. Auch der Sprecher in den Lyrics erleidet endlose Qualen der Einsamkeit und sinnlosen Existenz, er durchläuft einen Prozess der Reflexion in dem er sich im Kreise dreht, und am Ende eines Textes ist er kein Stück weiter als am Anfang und könnte ewig weiter seine Verzweiflung artikulieren, ohne sich damit jemals selbst aus diesem tiefsten Loch der Depression herauszuhelfen und zu produktiven Ergebnissen zu gelangen. So verlassen ihn am Ende Kräfte und das letzte bisschen Motivation gleichsam und er bricht in purer Resignation in sich zusammen, er lässt den Kopf in die Hände sinken, wie es ein Bild im Booklet gegenüber vom Text zu "Grey Day" zeigt.
Wer aufmerksam gelesen hat, wird die Parallelen zu meiner Beschreibung der Songstrukturen erkannt haben und vielleicht nachvollziehen können weshalb der Inhalt meiner Meinung nach perfekt mit der Musik korrespondiert. Gerade in "Grey Day" ist dies besonders ausgeprägt; wenn man nicht extrem aufmerksam zuhört, ist teilweise kaum noch eine Entwicklung auszumachen, das Lied ist kompromisslos langsam und enthält im Gegensatz zu den anderen beiden Songs keinerlei ansatzweise Bezugspunkte wie melodischere Passagen oder klar erkennbare Riffs. So wird die Textbeschreibung ? das Durchleben eines endlos langen, trüben, grauen Tages ohne Entkommen aus der Einsamkeit ? derart akkurat musikalisch dargestellt, dass man uneingeschränkt mitfühlen kann, vorausgesetzt man kennt ähnliche Gefühle.
Dies alles zeigt auch, dass Esoteric nicht mehr allein nach ästhetischen Gesichtspunkten beurteilt werden dürfen (denn kann man diese vertonte Hoffnungslosigkeit, die genau wie das Leben depressiver Menschen keine Höhepunkte der Erleuchung oder des Glücks enthält, als ästhetisch bezeichnen?) und liefert endlich die Begründung, warum ich diese Musiker für wahre Künstler halte. Esoteric machen nur noch sehr bedingt "schöne" Musik, viel mehr jedoch erschaffen sie ein sehr tiefgründiges, anspruchsvolles Werk mit einer klaren Aussage und einem Zweck, der über bloßes ästhetisches Gefallen hinausgeht. "Subconscious Dissolution into the Continuum" ist weder ein Album zum Mitsingen noch zum Mitbangen; dies ist ein Album zum Mitfühlen.
Nach dem eröffnenden "Morphia", welches bis ins Mark ein extrem doomiger Esoteric-Song ist und dessen Titel man als Synonym für Finsternis in den Duden aufnehmen könnte, erschrickt man unweigerlich beim ersten Hören, denn "The Blood Of The Eyes" beginnt völlig unerwartet mit einem melodischen (!) Keyboard-Intro. Ähnlich wie "The Secret of the Secret" auf dem Vorgängeralbum, so ist auch hier der zweite Song weitaus melodischer als die anderen, aber immer noch eindeutig als Esoteric zu erkennen, nicht zuletzt durch die absolut einzigartigen Klangwände und endlos weit ausgespielten Melodien. Zumal der Song dann später in ein zwar langsames, aber unglaublich aggressives und vernichtendes Riff ausbricht, das der traurigen bis melancholischen Melodik, die ihm vorausging, beinahe spottet und jeden Ansatz von Harmonie wieder zerstört. So sind Esoteric ? destruktiv, hoffnungslos, lebensfeindlich, in keiner Hinsicht beschönigend; schlichtweg realistisch, zumindest meiner Ansicht nach.
Dies ist Musik, die von Herzen kommt, auch wenn manch einer mich wegen dieser Aussage womöglich für krank erklären und die Musik als reinen Krach bezeichnen würde. Alle Unwissenden, denen die Essenz dieses Kunstwerkes nicht aufgehen kann, sollen ihre rosarote Brille auflassen. Ich persönlich habe in dieser Band Repräsentanten meines eigenen Weltbildes gefunden und lese wie höre meine eigene Seele aus jedem einzelnen Wort und jeder einzelnen Note. Musik, die auf dieser Ebene intensiver ist als Esoteric und mich mehr berühren kann, ist mir noch nicht begegnet, muss vermutlich auch erst noch erfunden werden. Diese Band ist absolut bahnbrechend und könnte beinahe vergöttert werden. Aber jetzt wird es wirklich zu pathetisch.
Wem also eine dunkle Seele innewohnt und wer sich in seiner eigenen Negativität unverstanden und allein fühlt, der findet mit dieser und den anderen CDs dieser Band (wobei mir die ersten beiden Alben, welche sogar aufgrund ihrer Überlänge Doppel-CDs sind, leider noch unbekannt sind) neue Freunde und einen hypothetischen Ort, an den er sich in seinen einsamsten Stunden zurückziehen kann. Und auch wer noch ein wenig Optimismus und Lebensfreude übrig hat, sollte sich von diesen Beschreibungen nicht abschrecken lassen, denn Esoteric sind für jeden offenherzigen Musikliebhaber mehr als einen Blick wert: Etwas vergleichbares hat noch keiner von euch gehört. Garantiert!



   
  Light Pupil Dilate
Snake Wine
 
     
 
Firesign
Persecution Guaranteed
Gods of Emptiness
Consumption is Freedom?
Solid Ground
Can't stop now
A Dead Lament
Ravens Feast (Promo)
Horn
Naturkraft
SorgSvart
Vikingtid Og AnArki
Oblivio
Dreams are distant Memories
Lastdayhere
From Pieces created
7for4
Diffusion
Light Pupil Dilate
Snake Wine
 
 
Dwelling
Slough Feg
Elisa C. Martin
Astral Kingdom
Doomsword