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Viele sehen hinter dem Namen Grave Digger lediglich die Person Chris Boltendahl und vergessen darüber hinaus, daß auch Uwe Lulis jahrelang ein ebensowichtiger Bestandteil der Totengräber war. Nach der Trennung von Grave Digger im Anschluß an die Veröffentlichung der "Excalibur" zog dieser jedoch im Gegensatz zu Boltendahl einen Schlußstrich unter seine Grave Digger-Vergangenheit um mit der Bandgründung von Rebellion sein eigenes Ding durchzuziehen. Schon mit ihrem ersten Langspieler, der die Geschichte des Macbeth vertonte, konnten die Rebellen mächtig abräumen, und auch die Ende des Monats erscheinende, starke Veröffentlichung "Born a Rebel" sollte dem in nichts nachstehen. Höchste Zeit also, dem in Frankfurt lebenden Ausnahmegitarristen einen Besuch abzustatten und mit meinen Fragen bezüglich Rebellion zu nerven. Und dann gab es da ja auch noch einige ungeklärte Dinge aus Grave Digger-Tagen...


Uwe, weshalb bist Du damals von Grave Digger weggegangen und hast Rebellion gegründet?

Uwe: Tja, also der Chris wollte sich unbedingt von mir trennen, die Gründe dafür kenne ich aber bis heute noch nicht. Ich habe dann eine Menge Storys rausgekriegt die hinter meinem Rücken abgelaufen sind über die letzten Jahre. Das waren also wirklich vier, fünf Jahre. Wahrscheinlich hat ihn das schlechte Gewissen geplagt, ich kann es wirklich nicht sagen, aber das ist das, was ich mir so zusammengereimt habe. Ansonsten war mir der Split absolut unbegreiflich.
Unsere letze Unterhaltung war ein Drei-Minuten-Telefongespräch gewesen. Danach mußten wir uns dann halt noch gerichtlich rumschlagen, denn der Name "Grave Digger" war ja rechtlich gesehen laut Vertrag zu 50 Prozent mir. Er wollte mich nicht auszahlen, deswegen mußten wir uns leider gerichtlich streiten. Letztendlich mußte er dann zahlen, weil ich Recht bekommen habe. Für mich ist auch jetzt wieder alles im grünen Bereich. Wir haben ja nun eine neue Band und von daher kann ich das mittlerweile auch von der positiven Seite sehen.

Hast Du noch Kontakt zu Chris? Gab es da eine Aussprache?

Uwe: Nein, gar nichts. Also wie gesagt, nach den Sachen, die er da hinter meinem Rücken abgezogen hat, muß er mir eh aus dem Weg gehen.

Was war mit der Live-Scheibe, die eigentlich auf der Excalibur-Tour eingespielt werden sollte? Chris sagte in einem Interview, es wäre auf Deinen Mist gewachsen, daß der Live-Mitschnitt nichts geworden wäre.

Uwe: Ne, das ist Bullshit. Wir hatten das Ding schon fertig gemischt, es klang sogar richtig gut. Ich glaube einfach, daß das mit der Trennung schon länger geplant war und er mich auf dem Tonträger nicht mehr draufhaben wollte, der dann nach dem Split veröffentlicht wurde. Das war einfach der Grund, ansonsten war die Qualität der Scheibe supergut, wir haben die auch im Principal Studio gemischt, jeder fand das gut. Wenn er das behauptet, dann ist das nicht ganz die Wahrheit.

Hast Du denn zu den anderen noch Kontakt?

Uwe: Na ja, den Jens treffe ich ab und zu mal in Hamburg, wenn Iron Savior proben...

...und Stefan Arnold, der Drummer, wohnt auch hier in Frankfurt...

Uwe: ...ja, der wohnt hier in Frankfurt, den treffe ich auch ab und zu mal und dann gibt's halt so Smalltalk: "Hallo, wie gehts?" Mehr ist das nicht.

Ist Chris Boltendahl ein schwieriger Mensch? Ich frage, weil er im Laufe seiner Karriere ja doch einige Musiker verschlissen hat...

Uwe: Ja, ich meine, er hat sich im Laufe seiner Karriere, gerade in den letzten zehn Jahren von sechs, sieben Leuten getrennt. Ich war ja insgesamt 15 Jahre mit ihm zusammen in der Band. Das waren nicht nur Musiker, auch Manager und so weiter. Auch von denen hat er sich sehr unangenehm getrennt, auf die gleiche Art und Weise. Und bei mir hat er es dann auch versucht, aber da war dann halt Ende der Fahnenstange. Ich habe mir halt einen guten Anwalt genommen, und da ich im Recht war mußte er dann bluten. Hätte ich das alles schon vorher gewußt, diese ganze Sache die er abgezogen hat, dann wäre das wohl alles eskaliert. Vielleicht war es gar nicht so schlecht, daß er sich vorher von mir getrennt hat, so konnten wir uns wenigstens aus dem Weg gehen. Und wie gesagt, das sollte er auch weiterhin tun, da muß er schon sehr, sehr vorsichtig sein.

Man könnte manchmal fast den Eindruck haben, daß es sich bei Grave Digger ähnlich wie bei Running Wild nie um eine Band gehandelt hat.

Uwe: So kannst Du Dir das auch vorstellen, das ist richtig so. Das war ja auch damals schon so. Chris und ich, wir waren die beiden Bandleader und die anderen nur bezahlte Musiker. Ich bin jetzt weg und er ist nun der alleinige Boß, also der, der die Fäden in der Hand hat. Alle anderen Musiker sind tatsächlich bezahlte Leute, das ist so. Ob das jetzt eine Band ist mag jeder selbst beurteilen. Für mich persönlich sind sie es nicht. Aber es gibt ja durchaus auch Situationen, wo einer der Chef ist und die anderen fantastische Musiker. Auch da kann eine runde Sache bei rauskommen. Ob das nun die Intention des Heavy Metal ist, ist natürlich die andere Frage. Meine Intention ist es nicht, definitiv.
Allerdings sollte ich auch dazu sagen, daß bei uns die Leute auch bezahlt werden. Aber bei uns besteht sowas wie ein Bandfeeling, da zieht jeder an einem Strang. Wenn es darum geht für Rebellion etwas zu schaffen, dann sind sie alle voll dabei.

Hattest Du keine Befürchtungen, nach dem Split nochmal komplett von vorne anfangen zu müssen?

Uwe: Das habe ich ja im Prinzip. Ich habe zwar den Namen gehabt und Tomi auch, und wir haben das "Tunes of War"-Album geschrieben, aber letztendlich ist Rebellion ein Newcomer. Okay, wir haben natürlich gewisse Vorteile gehabt...

...wie zum Beispiel Labelkontakte.

Uwe: Ja, natürlich. Das ist auf jeden Fall der Riesenvorteil gewesen den wir hatten, daß meine bestehenden Verträge mit G.U.N.-Records beziehungsweise jetzt mit Drakkar, das ist ja im Prinzip eine Firma, daß ich da weitermachen konnte. Ich mußte mir also keine Gedanken darüber machen um jetzt wieder einen Deal zu kriegen und eventuell ein paar Jahre außer Gefecht zu sein. Diese Gefahr bestand natürlich nicht, wir konnten direkt weitermachen mit der Arbeit. Aber letztendlich war es draußen auf dem Markt schon so, daß Rebellion eine neue Band waren, die sich erstmal durchsetzen mußten.

Wo liegen die Unterschiede in der Arbeit mit Rebellion im Vergleich zu Grave Digger?

Uwe: Bei Grave Digger war es so, daß ich die Platten produziert habe, das heißt, ich habe mich um das Soundgewand gekümmert, und darum, daß die Instrumente alle richtig in einer Line liegen. Bei Rebellion ist es so, daß jeder so gut ist, und charakterlich auch so stark ist, daß ich das gar nicht brauche. Ich muß dem Randy nicht erzählen, wie er zu drummen hat. Das war bei Grave Digger eben anders, ich mußte dem Stefan schon immer sagen, wie er das zu machen hat. Dem Randy sage ich einfach: "Biete mir doch mal was an!" Dann bekomme ich von dem drei oder vier Takes von denen einer geiler ist als der andere, so daß ich mich gar nicht dazwischen entscheiden kann. Das ist der große Unterschied bei Rebellion, genauso ist das auch beim Björn.
(überlegt kurz) Der Hauptunterschied liegt aber auch beim Michael und seinem Gesang. Ich meine, das ist eine ganz andere Bandbreite, die er da zu bieten hat als der Chris. Der kann hoch, der kann tief, der kann in der Mitte, der kann alles, und dadurch hast Du als Songwriter die Chance, die Ideen, die Du im Kopf hast auch mal genau so durchzusetzen wie Du möchtest, und das ist der riesige Unterschied würde ich mal sagen.

Wie viele Leute haben Michael's Gesang eigentlich schon mit dem von Matthew Barlow verglichen?

Uwe: Das habe ich auf jeden Fall schon öfters gehört. Finde ich aber auf keinen Fall schlecht, ich mag den Gesang.

Und gerade in den höheren Lagen hat er sogar noch Vorteile gegenüber Matthew wie ich finde. Kommen wir zum nächsten Thema, Tomi hat vor einiger Zeit mal in einem Interview von sich gegeben:"Ich glaube, REBELLION klingen mehr nach GRAVE DIGGER als GRAVE DIGGER selbst". In wie weit stimmst Du da zu?

Uwe: Das hat er sicherlich auf die Gitarrenarbeit bezogen. Manni (jetziger Grave Digger-Gitarrist - die Redaktion) ist ja auch ein guter Gitarrist. Aber er ist halt mehr so Old-School und Ozzy-belastet. Er zieht eben mal öfters Gitarrenparts runter, die man schonmal irgendwo gehört hat. Ich will jetzt nicht behaupten, daß ich das Riffing neu erfunden habe oder daß wir die Reinkarnation der neuen Erfindungswelle auf den Instrumenten sind. Im Leben nicht. Aber es ist halt die Art und Weise wie Du spielst. Und ich denke, daß ich über die Jahre Grave Digger durch mein Gitarrenspiel absolut geprägt habe. Und diese Prägung wirst Du aus den Köpfen natürlich nicht mehr rauskriegen. Bei Rebellion geht diese Prägung natürlich weiter, ich kann ja meinen Stil nicht verändern, das geht ja nicht.

(inzwischen hat sich auch der zweite Gitarrist Rebellions Björn Eilen zu uns gesellt und schaut sich gelangweilt in der Gegend um) Woher kommt diese Wiedererkennbarkeit denn? Hast Du da eine eigene Spieltechnik?

Uwe: Weiß ich nicht. Wie kann man das nennen? Vielleicht die Intention das Instrument zu behandeln?
Björn: Du hast schon Deine eigene Art zu spielen.
Uwe: Eigene Art zu spielen, ja. Also ich benutze jetzt keine anderen Plags oder schlage die Seiten anders an oder so. Das ist einfach eine Feelingsache, die sich nicht erklären läßt.
Björn: Das ist eben Deine eigene Persönlichkeit, die da in die Musik eingeht.


Uwe Lulis und Björn Eilen

Welche Idole im Gitarrenbereich hattest Du als Du angefangen hast Gitarre zu spielen?

Uwe: Ich war früher großer Michael Schenker-Fan. Gary Moore war auch einer meiner ganz hohen Faves. Und von der Musik her bin ich halt mit AC/DC aufgewachsen. Damals habe ich auch viel Police gehört, was jetzt natürlich nicht gerade Metal ist. Die Beatles haben mich natürlich auch etwas beeinflußt. Und als die erste Van Halen rauskam, war ich natürlich auch sehr begeistert. Was mich dann aber richtig geprägt hat, also das Ding, was mich geprägt hat, war, als ich das erste mal die "Breaker" von Accept aufgelegt habe. Das war das, was mir so in den Arsch getreten hat, daß ich diesen Weg bis heute gegangen bin.

In einem anderen Interview hat Tomi behauptet, nach "Tunes of War" hättet Ihr im Studio mit Drumcomputern gearbeitet...

Uwe: Die "Excalibur" ist programmiert worden, das stimmt.

Weshalb das denn? Der Stefan ist doch eigentlich ein guter Drummer.

Uwe: Ja, aber letztendlich... ich mag jetzt nicht über jemanden herziehen. Der Stefan ist zwar nicht mein Freund, aber er hat mir auch nichts getan. Es ist einfach so, daß sich irgendwann ein Level eingestellt hat innerhalb von Grave Digger, wo dann gesagt wurde, daß die Qualität der Drums nicht mehr ausreichend gewesen ist oder die Möglichkeiten größer wären, wenn man es programmiert. Ich war immer dagegen gewesen, aber Chris wollte die ganze Sache unbedingt programmiert haben auf der "Excalibur". Und dann habe ich mich halt mit dem Stefan zusammen hingesetzt und es programmiert. So wie ich das mitbekommen habe, ist auch die "Grave Digger" nach mir programmiert und sogar die neue, die ist auch programmiert. Das sind also jetzt drei Platten in Folge, die programmiert wurden.
Als ich dann bei Grave Digger raus war, gab es das einfach nicht mehr bei mir, daß ich da nochmal anfange zu programmieren. Ich habe mich auch ein bißchen dafür geschämt, daß ich es gemacht habe. Normalerweise hätte ich sagen müssen: Okay, wenn's der Stefan nicht bringt, dann müssen wir einfach einen anderen Metaldrummer nehmen. Dann hätten wir den Uli Kusch mal gefragt oder jemand anderen. Oder wir hätten halt sagen müssen, daß wir dann einfach noch etwas mehr üben, bis er es kann. Aber das scheiterte dann meistens am Zeitmangel.

Zu den Hamburger Bands hast Du ja anscheinend noch einen guten Draht, Helloween, Gamma Ray, Iron Savior...

Uwe: Ja, das sind alles Kumpels von mir. Der Uli spielt ab und zu mal für Iron Savior wenn der Thomas nicht kann. In Wacken zum Beispiel haben wir mit Iron Savior gespielt, da saß Uli an den Drums, weil Thomas sich da einen Finger gebrochen hatte. Das sind alles gute Freunde, man pflegt halt Kontakte.

(inzwischen hat sich der immer noch gelangweilt schauende Björn wieder aus dem Staub gemacht) Wieso schreibst Du eigentlich nie Lyrics sondern beschränkst Dich auf die Musik?

Uwe: Ich bin nicht so der Lyric-Schreiber, ich kann das zwar und ich bilde mir sogar ein, daß ich das recht gut könnte, aber ich habe da keine Lust zu. Ich schreibe lieber die Musik, das bringt mir einfach mehr. Es ist einfach geiler mit dem Kopfhörer auf den Ohren die Gitarrenparts einzudaddeln, alles genau auszuarbeiten, damit der Tomi dann loslegen und seine Persönlichkeit da noch reinbringen kann. Ich denke auch, diese Mischung macht es dann letztendlich.
Ich habe übrigens auch schonmal Lyrics geschrieben, zum Beispiel für "Reaper". Da hat Tomi nur noch ein wenig dran rumkorrigiert. Der Chris kam damals mit einem Text an, da hat es mir einfach die Nackenhaare hochgestellt. Da habe ich direkt zu ihm gesagt: "Paß auf, ich mache Dir jetzt mal einen neuen!" Und innerhalb von zwei Stunden hatte ich dann neue Lyrics geschrieben, das war dann "Reaper".

Wann und wo hast Du die anderen Rebellion-Mitglieder kennengelernt?

Uwe: Den Randy habe ich damals bei Annihilator auf der "King of the Kill"-Tour kennengelernt, das war '95 oder so. Zu der Zeit wollte ich ihn für Grave Digger haben. Das war also bevor der Arnold zu uns stieß. Da hatten wir damals noch den Frank Ulrich zu der "Heart of Darkness"-Tour. Und dann ist der Frank ja ausgestiegen. Oder ausgestiegen worden, weiß ich nicht mehr. Und als ich dann den Rhandy gesehen habe dachte ich: Das ist es. Allerdings wohnte er zu der Zeit noch in Amerika und ist erst später wegen seiner Freundin nach Berlin gezogen. Als dann aber der Split mit Chris passiert war, rief ich ihn direkt an und fragte, ob wir nicht was zusammen machen.
Den Michael kenne ich auch schon länger, der hat ja auch noch einige andere Bands am Start gehabt, Xiron und Black Destiny. Bei Black Destiny singt er ja immer noch. Mit dem habe ich auch früher schon das ein oder andere Mal gejammt und ein paar Demos aufgenommen. Wir haben uns immer gesagt, daß wir mal was zusammen machen, aber bis zur Rebellion-Gründung hat es halt nie geklappt.

Was waren das denn für Demos? Sind das Sachen, die jetzt nochmal veröffentlicht wurden?

Uwe: Ja, die sind teilweise auf der "Born a Rebel" drauf. "Devils Child" stammt zum Beispiel noch aus der Zeit.

Aber eine richtige Demo, mit der ihr Euch bei den Labels beworben habt, gab es nicht.

Uwe: Nein, wir hatten nur die drei Songs am Anfang fertig gemacht, "Power of Evil" war da zum Beispiel auch dabei, das ist ja auch auf der neuen Platte. Damit sind wir dann direkt zum Label hin und Wolfgang Funk von G.U.N.-Records meinte dann, daß er mir das nicht mehr bieten könne, was das Metalgenre bieten muß. Aber dafür hatte er schon mit dem Boggi von Drakkar gesprochen, wo wir dann den Deal bekommen haben. Wir sind also hausintern quasi weitergereicht worden. Und das hat uns ja letztendlich auch gut getan.

Okay, Björn haben wir noch vergessen.

Uwe: Ja, richtig, Björn. Björn habe ich auch so vor sechs oder sieben Jahren kennengelernt. Zu jener Zeit hat er noch bei Warhead gespielt. Ich habe damals die Scheiben von denen produziert, die letzte auf jeden Fall, und die davor glaube ich auch. Na ja, damals habe ich halt mitbekommen, was für ein guter Musiker er ist und merkte dann auch, was für ein Typ er ist. Und er war dann für mich ein Wunschkandidat, wo ich gesagt habe: "Björn, Du mußt jetzt hier nach Frankfurt kommen, wir müssen diese Band machen. Bitte sei dabei!" Und das hat er dann gemacht. Du kennst Björn ja. Hör Dir sein Gitarrenspiel an und seinen Gesang. Das ist es einfach, das paßt optimal in die Band rein. Auch als Typ.

Ihr wohnt dann ja, mit Ausnahme von Björn und Dir, schon ein gutes Stück auseinander. Wie läuft das dann eigentlich mit den Proben? Oder macht das eine Band mit Eurem Status nicht mehr regelmäßig?

Uwe: Kaum noch. Kaum noch. Vor der Tour dann natürlich mal. Also wir bereiten uns jeder für sich vor, und dann trifft man sich halt mal für 'ne Woche wenn eine Tour ansteht oder neues Material eingeübt werden muß. Das eigentliche Einspielen beginnt dann sowieso erst auf der Tour. Da kann man im Proberaum noch so viel proben, proben, proben, unter Livebedingungen ist das sowieso wieder eine ganz andere Welt. Da paßt der Sound hier nicht und da geht wieder was schief, und in dieser Situation muß man sich halt ruck zuck drauf einstellen. Die Musiker sind alle schon so professionell, daß die nicht mehr zwei mal in der Woche proben müssen. Das braucht kein Mensch.

Was waren die Gründe, als erste CD gleich ein Konzeptalbum herauszubringen? Wäre es nicht vielleicht umbekehrt einfacher und besser für Euch gewesen, wenn Ihr erst ein Album wie "Born a Rebel" herausgebracht hättet? Ein Konzeptalbum verkauft sich doch vermutlich besser, wenn eine Band bekannt ist...

Uwe: Tja, das weiß ich auch nicht. Jedes Album zu seiner Zeit. Und dieses Macbeth-Album, das war einfach Tomis Idee, weil er dieses Konzept ja schon 15 Jahre mit sich rumgeschleppt hat und das schon immer mal machen wollte. Sogar bei seiner Schülerband damals. Und das war eigentlich das Ding, das nach der "Tunes of War" hätte kommen sollen. Irgendwie mußte sich der Chris dann natürlich in dem Moment von dem Tomi trennen, und da hat der das Konzept natürlich mit sich genommen. Als wir dann wieder zusammenfanden, kam er eben wieder damit an und meinte zu mir: "Komm, wir machen das jetzt!"

Aber Songs waren zu dem Zeitpunkt nach der "Tunes of War" vermutlich noch keine Komponiert, oder?

Uwe: Bis auf zwei. Zwei Songs, die ich soweit fertig hatte. Aber ansonsten haben wir dann später die Musik wirklich dieser Thematik zugeschnitten.

Und Drakkar hat Euch für die Platte damals ja auch einiges an Unterstützung zukommen lassen, gerade was Anzeigen und so weiter angeht...

Uwe: Ja, richtig. Wobei Du noch so viele Anzeigen schalten kannst und noch so viel Werbung, wenn eine Band einfach scheiße ist oder eine Band einfach nicht ankommt oder nicht den Zeitgeist der Leute trifft, dann wird das trotzdem nichts.

Glaubst Du, Rebellion treffen noch den heutigen Zeitgeist?

Uwe: Das weiß ich nicht. Aber die ganzen Reaktionen der Leute und die Plattenverkaufszahlen sind schon nicht schlecht. Es ist jetzt auch nicht wahnsinnig überragend, aber wir sind auf jeden Fall voll zufrieden und merken auch, daß die Leute auf unsere Sachen abfahren. Ich habe das ja auch gesehen bei den Konzerten auf der Running Wild-Tour, da kannte noch kein Mensch die Platte und trotzdem kamen wir super an. Und wo wir dann das Wacken-Wochenende gespielt haben oder die drei Dates mit Doro, da ging es dann schon ganz schön ab vor der Bühne. Ich gehe auch gerne nachher in die Leute rein, trinke mit denen ein Bier und höre mir an, was die zu sagen haben. Und da waren auch nie irgendwelche schlechten Reaktionen, keiner der gemeint hätte es wäre scheiße gewesen. Die haben sich auf jeden Fall gefreut, daß es wieder diese neue Band gibt.
Trotzdem muß man da bescheiden sein. Wenn Du lange an einem Projekt arbeitest und dran tust und machst, dann verlierst Du irgendwann den Bezug zur Realität. Du sitzt halt nur im Studio und bist den ganzen Tag am arbeiten. Da nimmt man einfach nichts mehr um sich rum wahr. Wir hatten glaube ich nach der sechsten Woche sechs- oder siebentausend Alben verkauft von der "Macbeth", und da habe ich zum Boggi noch gesagt: "Hey, das können wir ja gleich einstampfen!" Ich war halt immer noch Grave Digger-Zahlen gewöhnt gewesen. Die waren immer so bei dreißig- bis vierzigtausend. "Tunes of War" liegt jetzt mittlerweile bei über hunderttausend verkauften Einheiten nur in Deutschland. Da hat er mich fast ausgeschimpft und gemeint, wir könnten froh sein, daß wir überhaupt vierstellig verkaufen. Heutzutage ist der Markt so schlecht geworden. Na ja, unter normalen Umständen hätten wir diese zwanzig-, fünfundzwanzigtausend, letztendlich haben wir dann zwölf verkauft.

Unter dem Namen "Grave Digger" sähen die Zahlen mit Sicherheit anders aus.

Uwe: Sagen wir mal so, wenn die "Macbeth" direkt nach der "Tunes" gekommen wäre, so wie Tomi sich das überlegt hätte, dann hätten wir mit Grave Digger in der ersten Bundesliga gespielt, ganz vorne. Auf jeden Fall. Aber das Leben geht nunmal seinen Weg.

Du meintest ja eben, daß man so ein wenig den Blick für die Realität verliert wenn man so lange im Studio ist. Also "Born a Rebel" ist auf jeden Fall ein Album geworden, das umso besser ist, je lauter man aufdreht...

Uwe: Also richtigen Abstand zu der Platte brauchte ich eigentlich nicht. Wir kamen aus dem Studio raus, dann haben Björn und ich uns beide erstmal ins Bett gelegt und waren krank. Das ist aber normal, das habe ich nach jeder Studioproduktion.

Wie lange braucht Ihr denn, um ein Album einzuspielen?

Uwe: Für "Born a Rebel" waren das jetzt so knapp vier Monate. Das fing an mit dem Songwriting, aber als wir zum Beispiel mit den Drum-Aufnahmen angefangen haben, hatte ich gerade mal fünfeinhalb Songs fertig. Da wollten wir dann einfach mal frei aus der Hüfte schießen, frei von der Leber komponieren. Wir dachten uns halt, wir nehmen jetzt einfach mal alles auf und schauen mal, was dabei rumkommt. Es ist ja auch oft so, wenn Du Demos machst, die klingen oft frischer und geiler als das Album dann nachher selbst. Du kannst Dir das echt so vorstellen, daß wir unsere Gitarren einfach so tiefergehängt und losgerotzt haben. Genau das ist die Intention, die wir auf dem Album jetzt haben. Das war einfach perfekt. Randy kam zwar an und meinte: "Wie, ihr habt noch keine Songs fertig?" "Ne", meinte ich, "wir bauen jetzt die Mikros und so weiter auf und fangen jetzt an!" Tja, und dann habe ich so zweieinhalb Wochen mit dem Randy dagesessen und das fertiggeschrieben. Zwischendurch kam Tomi dann immer mal und hat seine Kommentare dazu abgelassen, woraufhin wir eben die Sachen ausgewählt haben, die wir dann letztendlich zusammengeschnitten haben. Und so ist es dann alles in allem eine sehr runde Sache gewesen.
Als der Mix dann fertig war, habe ich das Ding auch direkt aufgelegt und war begeistert, wie geil die Scheibe geworden ist. Das hat richtig gekickt.

"Born a Rebel" soll ja nun das Gefühl nahelegen, das man auch hat, wenn man auf dem Motorrad sitzt und sich den Wind um die Nase wehen läßt. Fährst Du selbst Motorrad?

Uwe: Ja, die grüne Maschine unten vor der Tür, das ist meine. Ich möchte mir aber jetzt noch eine neue holen, eine schnellere Straßenmaschine, das hier ist ja nur eine 600er mit 50 PS, ein Erbstück von meinem Vater.
Tomi fährt Harley, der hat zwei Stück davon und eine Triumph. Das ist ein richtig Verrückter! (lacht)

Ich finde, daß die Lyrics im Großen und Ganzen trotz diesem Freiheitsgefühl, das die CD vermitteln soll, ziemlich düster klingen. Wieso setzt Ihr nicht auf etwas "fröhlichere", weniger düstere, vielleicht sogar heroische Themen bei den Songs?

Uwe: Das ist unsere Intention. Ich bin also mit der Vorgabe an die Arbeit gegangen, einfach ein reines Metal-Album zu machen, das in sich rund ist. Und dazu gehört für mich die Musik, dazu gehören die Lyrics, die Fotos, das Cover selber, das ganze Booklet. Ich habe also extra darauf geachtet, daß alles in sich geschlossen ist. Die Lyrics sind düster, weil für mich das ganze Metalklischee knallhart und düster ist. So habe ich das kennengelernt und so werde ich das auch weiterhin machen. Das ist für mich normal.

Also magst Du diese ganzen "Happy Metal"-Bands nicht, die überall aus dem Boden sprießen?

Uwe: Na ja, "nicht mögen" kann man nicht sagen. Dann müßte ich ja auch Helloween nicht mögen, und das sind alles gute Kumpels von mir. Wenn ich mit Markus unterwegs bin zum Saufen, dann gibt es keine Differenzen zwischen uns. Das ist einfach geil. Es gibt einige Sachen von Helloween die mag ich. "Dark Ride" fand ich zum Beispiel sehr gut. Entgegen jeder anderen Prognose, die Leute fanden es ja anscheinend nicht so toll. Aber da sind wirklich einige gute Sachen drauf. Und was sie halt sonst machen, diesen "Fischkopp-Metal", das ist nicht mein Ding. Es ist schon okay, auch mal nett zu hören. Aber ich würde mir jetzt nicht unbedingt eine Platte davon holen, also ich bin jetzt kein Fan davon.

Den Text zu "Through the Fire" finde ich interessant. Wer ist da dieser falsche Messias, dem die Leute folgen sollen?

Uwe: Den Text hat der Michael geschrieben. Es gab da '96 oder '97 diesen Massenselbstmord einer Sekte in Amerika. Da haben sich doch alle gegenseitig erschossen. Oder Zyankali genommen oder irgendsowas. Davon handelt das Lied, es ist im Prinzip ein religiöses Ding. Die Aussage ist halt, daß die Leute mit Hilfe von Gehirnwäsche so eingelullt werden können, daß sie irgendeinem Vollidioten in den Tod folgen. "Follow me right through the Fire", das ist im Prinzip die Gesamtaussage des Textes.


Uwe und meine Wenigkeit

Wie schätzt Du den momentanen Stellenwert von Rebellion im Vergleich zu anderen deutschen Metalbands ein?

Uwe: (wirkt kurz nachdenklich) Ich würde mal sagen, wir brechen gerade durch die Hälfte. Also wir waren bislang im unteren Drittel vom Bekanntheitsgrad und der Popularität her. Ich denke mal, wir sind jetzt so bei der Hälfte. Sagen wir mal von dem, was eine Band wie... jetzt nicht unbedingt Grave Digger, obwohl, Grave Digger sind auch so mittlere Bundesliga würde ich sagen...

Grave Digger nur mittlere Bundesliga? Was zählst Du denn dann zur höchsten Bundesliga?

Uwe: Ja, Bundesliga ist für mich zum Beispiel eine Band wie Gamma Ray oder Blind Guardian.

Aber Gamma Ray verkaufen doch nicht so viel wie Grave Digger!

Uwe: Doch, auf jeden Fall! Gamma Ray verkaufen zwanzig- bis dreißigtausend Einheiten pro Platte. Die letzte Grave Digger ist nur elftausend Mal über die Ladentheke gegangen. Wir haben zwölftausend verkauft. Klar, Grave Digger sind um einiges bekannter als Rebellion, alleine aufgrund der Tatsache, daß es ein "Tunes of War" gab, eine "Heart of Darkness", eine "Reaper" oder was auch immer.
Aber wir sind jetzt dabei, das konsequent durchzuziehen und somit sozusagen auf der Überholspur. Ich denke auch, daß uns mit dem neuen Album da ein weiterer Sprung gelingen wird. Wenn wir so weitermachen glaube ich schon, daß wir mit Rebellion in zwei, drei, vier Jahren mit zur Oberliga gehören. Dann können wir auch endlich Konzerte veranstalten als Headliner, zu denen genug Leute kommen die ihren Spaß haben.

Gutes Stichwort. Ihr habt gerade die neuen Tourdaten bekanntgegeben und werdet im Sommer mit Overkill zusammen auf Tour gehen. Weshalb habt Ihr diesen Weg gewählt anstatt selbst eine Headliner-Tour durchzuziehen?

Uwe: Also auf dieser Tour werden drei Bands spielen und wir werden die mittlere davon sein. Wir werden auf jeden Fall auch weit über eine Stunde spielen, mindestens 70 Minuten. Also da kann man schon vom Co-Headlinern sprechen.
Ich wollte diese Tour jetzt eigentlich gar nicht machen, aber sie geht viel durchs Ausland, Frankreich, Portugal, ein Festival mit Iron Maiden in Spanien, und ich möchte auch da mit Rebellion angreifen. Dann sind da noch vier Shows in Deutschland auf die ich zwar eigentlich gerne verzichtet hätte, aber das gehört mit zur Tour. Und die haben uns halt gebeten, da auch mitzuspielen dann.

Du wolltest statt dessen in Deutschland nochmal eine eigene Headliner-Tour machen?

Uwe: Richtig! Das ist auch noch in Planung eventuell eine Doppelheadliner-Show zu machen im Herbst mit Blaze. Die Verhandlungen laufen. Beim Bang your Head spielen wir ja auch mit denen zusammen, nebenan in dieser Disco, dem WOM. Da ist es übrigens ziemlich geil, da hab ich schonmal gespielt. Das macht Laune dort auf der Bühne zu stehen. Da passen so fünf-, sechshundert Leute rein und dann geht die Post ab.
Das Ding ist eigentlich eine Bikerkneipe wo halt Metal gespielt wird. Da stehen überall so Vitrinen mit Motorrädern drinen. Also das ist wirklich geil gemacht.
Das ist halt alles in der Planung. Ich will erstmal sehen, wie die Platte läuft, und dementsprechend dann auch die Tour dimensionieren. Mal schauen ob wir das schon hinbekommen, mit Blaze zusammen eine gute Tour zu fahren. Das heißt also ein Zuschauerdurchschnitt von mindestens 200 Leuten. Das wäre geil. Aber sowas muß sich natürlich auch erstmal aufbauen. Ich kann nicht erwarten, nach einer starken Platte gleich eine Menge Leute anzuziehen. Und wenn ich dann vor 80 Leuten stehe oder so, das bringt mir nichts, das gibt dann auch ein finanzielles Chaos, weil ja auch Techniker und so weiter bezahlt werden müssen. So eine Tour kostet halt am Tag nunmal zweieinhalb- bis dreitausend Euro. Wenn ich das nicht reinkriege, mache ich Minus. Ein bißchen Minus ist kein Problem, aber viel Minus ist Oberkacke.

Na ja, von den Platten selbst fällt ja auch nicht so viel für Euch ab, aber Du bist ja eh nicht auf das Geld angewiesen.

Uwe: Das wollte ich gerade sagen. Nein, Geld ist für mich nicht die Intention bei der ganzen Sache. Mit Grave Digger verdiene ich ja nach wie vor auch noch Geld, Rebellion hat mir auch schon ein bißchen was gebracht. Das meiste ging dann allerdings für die Prodktionskosten wieder raus, und das, was ich über hatte, hab ich dann gleich wieder ins Equipment reingesteckt um Aufnahmegeräte und das alles zu kaufen. Das ist mir sehr wichtig, weil ich die Band auch weiter nach vorne bringen will. Da möchte ich die nächsten Jahre dran arbeiten, und ich habe eine Plattenfirma, die auch bereit ist diesen Weg zu gehen, entgegen jeder anderen Mentalität der Plattenfirmen. Ich hätte auch sonst nirgendwo anders einen Deal unterschrieben, lieber hätte ich erstmal gar nichts gemacht. Dann hätte ich erstmal meine Musik gemacht, und irgendwann wäre der richtige Deal dann gekommen. Der Boggi steht da hinter mir, der will auch diese Band aufbauen. Genauso wie wir das wollen. Das ist auch für die Fans wichtig.
Für mich war es übrigens auch sehr wichtig gewesen, daß auf der zweiten Platte exakt das gleiche Lineup drauf ist wie auf der ersten Platte, und das wird sich hoffentlich auch nicht ändern. Ich werde da auch ganz stark dran arbeiten, daß alle dabei bleiben. Momentan sieht es auch so aus, weil die Leute einfach total enthusiastisch sind. Das ist klasse, genauso wie das Ergebnis klasse ist. Das wird schon, nur brauch es alles noch etwas Zeit mit Rebellion. Dafür, daß wir aber erst zwei Jahre zusammen Musik machen, sind wir schon sehr weit.

Gibt's sonst noch irgendwas zu Euren Konzerten zu erzählen? Irgendwelche abgefahrenen Storys?

Uwe: Ach, so viele Konzerte haben wir ja noch nicht gemacht. Mit Grave Digger, okay, da mußt Du Dir das Buch holen (fängt an zu lachen und deutet auf ein Buch, das auf einem Regal thront). Da stehen die ganzen abgefahrenen Storys drin. Das hat mir unser Live-Mixer gegeben, aber nur leihweise. Es ist wirklich gut gemacht, hat vielleicht jetzt nicht das Zeug zum Bestseller, aber da stehen wirklich die ganzen Geschichten drin wie sie passiert sind. Nur bei manchen Dingen hat er halt einfach die Unwahrheit gesagt.
Chris behauptet zum Beispiel in dem Buch, daß der Tomi nie Baß gespielt hätte im Studio, weil er zu schlecht gewesen wäre. Das stimmt einfach nicht. Das einzige Mal wo ich halt den Baß in die Hand genommen habe war bei der "Symphony of Death", und das lag daran, daß wir im Studiostreß waren und Tomi mit 39 Grad Fieber im Hotelzimmer lag. Und weil wir eben im Streß waren habe ich gesagt: "Okay, ich spiele das dann ein!" Das war alles.
Ach ja, was natürlich auch lustig ist, er behauptet da, daß von dem Moment an, wo wir mit der "Reaper" '93 auf Tour gegangen sind, diese ganzen Groupie-Geschichten aufgehört hätten. Das war natürlich genau das Gegenteil gewesen. Also was danach abging mit Frauen und Groupies auf Tour... na ja, das kann er ja alles nicht schreiben, er ist ja verheiratet. Das war wirklich so lustig, daß ich mir sogar die Seitenzahl gemerkt habe. Ich glaube, das war Seite 103. Da habe ich echt laut gelacht. Aber ansonsten ist es echt witzig geschrieben. Dreiviertel des Buches handeln von mir, das finde ich gut. (grinst)

Weshalb hast Du damals bei "Excalibur" Lanzelot als den Ritter gewählt, der Dich auf dem Backcover verkörpern soll?

Uwe: Lanzelot war doch ein Frauenheld, oder? (bei diesen Worten grinst Uwe bis über beide Ohren)

Schon möglich.

Uwe: Irgendsowas war da. Ich weiß nicht, ob Lanzelots Charakter auf mich zutrifft. Wahrscheinlich schon, denn Chris hatte uns diese Charaktere bewußt gegeben. Vielleicht war er auch die rechte Hand von König Arthus, so wie ich die rechte Hand von Chris war.

Hast Du diese ganzen Dinge eigentlich gelesen? Die Sage um König Arthus, Braveheart und so weiter?

Uwe: Nein, nur teilweise. Diese Konzeptausarbeitungen waren Chris' sein Ding. Das wollte er machen. Die Yvonne, meine Freundin, hat die Lyrics geschrieben. Genau wie bei dem "Knights of the Cross"-Album. Das hat sie also bei beiden Alben komplett gemacht, nach der Vorgabe von Chris. Und Chris war derjenige, der die ganzen Storys ausgearbeitet hat. Wir mußten uns dann damals auch von diversen Leuten anhören, daß irgendetwas in einem der Bücher anders dringestanden hätte und wir einige Parts vergessen hätten. Da kam dann schon Kritik wo ich dachte, daß er da wahrscheinlich nicht richtig recherchiert hat oder so. Aber letztlich waren das ja auch mehr oder weniger Sagen, von denen es so viele verschiedene Interpretationen und Versionen gibt, daß man die gar nicht alle in einem Album zusammenfassen kann.
Bei Macbeth war das anders. Da gibt es ja nur dieses Stück. Und da hast Du dann alle Fakten, und alles was in dem Stück drin ist kannst Du voll verarbeiten. Das ist auch das, was der Tomi ja dann gemacht hat.

A propos Cover, gab es mal Überlegungen, auch für die Rebellion-Cover auf Markus "Evilhand" Mayer zurückzugreifen, der ja schon bei Grave Digger ziemlich gute Arbeit geleistet hat?

Uwe: Nein, ich mochte das "Excalibur"-Cover auch nicht. Es war zwar nicht schlecht, aber es hätte auch geiler sein können. Ich mochte aber das "Tunes of War"-Cover auch nicht, das war auch nicht gut gezeichnet. Das "Knights..."-Cover fand ich richtig gut, das hat der Markus ja auch gemacht. Aber "Excalibur" fand ich zu blau und es war mir irgendwie auch zu wenig aussagekräftig.
Wenn ich mir dann zum Beispiel die Arbeiten von Eric Phillipe ansehe, der jetzt das neue Cover gemacht hat, der hat ja auch für Stratovarius oder auch für Rhapsody schon Sachen gemacht, da liegen einfach Welten dazwischen.

Hat das Cover eine tiefergehende Bedeutung? Der Motorradfahrer ist ja klar, aber was ist mit dem Blitz und den Augen?

Uwe: Das war alles Eric Philippes Idee. Er hat uns irgendwann mal einen Entwurf gezeigt wo dieser Motorradfahrer drauf war mit dieser Skyline. Dann haben wir ihm halt noch einige Verbesserungen vorgeschlagen, z.B. daß die Beine weiter vorne auf dem Motorrad aufsitzen müßten und so weiter. Ich habe zum Beispiel auch gesagt, daß er statt der Skyline die Frankfurter Skyline nehmen soll. Ich denke, das geht auch ganz gut da hervor. Als er dann mit dem fertigen Cover ankam, hatte er auch gleich noch das Logo neu gemacht und die Augen hineingezeichnet. Von uns kam das nicht, das war also alles dem Eric sein Werk.


Das Cover von "Born a Rebel"

Wie seid Ihr auf den Namen Rebellion gekommen? Stellt der Name lediglich einen Querverweis an Eure Vergangenheit dar, oder hattet Ihr damals schon das "Born a Rebel"-Konzept im Kopf?

Uwe: (überlegt) Na ja, diese Intention mit Rebellion und Heavy Metal haben wir ja eh immer gehabt. (überlegt eine längere Zeit) Nein, eigentlich nicht. Eigentlich haben wir so weit vor der Macbeth noch nicht gedacht. Es ist auch eigentlich egal was wir machen, ob das ein Stück ist für ein Konzeptalbum oder für ein normales Metalalbum, die Denkweise die wir haben wird sich immer in unseren Songs wiederspiegeln. Das werden wir immer reininterpretieren auf irgendeine Art und Weise. "Born a Rebel" war eigentlich dann die Bestätigung für das, was wir zu jenem Zeitpunkt gefühlt haben. Tomi hatte die Lyrics zu "Born a Rebel" geschrieben und ich war so begeistert davon, daß ich meinte: "So nennen wir das Album!"

Arbeitest Du eigentlich immer noch hier in einem Tonstudio?

Uwe: Nicht wirklich, dieses Tonstudio gehört mir. Ich arbeite da eigentlich nicht mehr drin. Bis vor kurzem habe ich da noch Bands produziert...

Was für Bands waren das?

Uwe: Montany aus Holland zum Beispiel. Die Scheibe von Wizard habe ich gemacht, die vorletzte. Oratory und Total Eclipse sind auch von mir. Ah ja, und Imagika habe ich auch gemacht, da bin ich allerdings nach Amerika geflogen. Die haben wir nur hier gemischt...

Der Kontakt kam damals bei der gemeinsamen Tour zustande?

Uwe: Ja genau, richtig. Wir hatten uns auf der Tour kennengelernt, zu der Zeit wurden die ja noch vom Chris gemanagt. Irgendwann hatten Imagika dann die Idee zu sagen: "Ey Du verrückter, deutscher Produzent, kommst Du mal rüber und machst unsere Scheibe fertig?" Da habe ich natürlich direkt zugesagt. Ich wurde auch gut bezahlt dafür und habe eineinhalb Monate mit dem wilden Haufen in Amerika verbracht. Und das Album ist auch ganz gut geworden, das hat geknallt ohne Ende, auch wenn ich jetzt gar nicht weiß, wie gut das gelaufen ist. Aber es ist auf jeden Fall ein Album, das Du Dir ins Regal stellen und zu Dir sagen kannst, daß Du da was richtig geiles gemacht hast.
Und über Imagika ist dann auch der Kontakt zu Total Eclipse entstanden. Diese Jungs will ich aufbauen, die haben richtig Potenzial. Da werde ich die nächsten Jahre mal schauen, daß ich die nach vorne bringen kann mit meiner Arbeit.

Ist das auch so die Musik, die Du privat hörst?

Uwe: Ja, unter anderem. Die Montany habe ich erst kürzlich wieder gehört, weil ich die sehr gut finde. Die beiden Gitarristen waren zu dem Zeitpunkt wo die Platte aufgenommen wurde 18. Die haben angefangen zu spielen, ich dachte ich werd nicht mehr. Die gehören zu den besten Gitarristen die ich je gehört habe. Am besten rufst Du mal bei Limb an und läßt Dir mal so eine Platte schicken. Unglaublich, wirklich alle, auch der Sänger. Allerdings habe ich mittlerweile gehört, daß der Sänger bei denen raus sein soll. Jetzt sucht der eine neue Band und die Band einen neuen Sänger. Die haben mich beide angemailt, ob ich nicht was wüßte. Sowas von bescheuert, erst machen die eine klasse Platte die auch noch gut gelaufen ist, und daraufhin trennen die sich. Das ist das, was ich nicht verstehen kann. Aber das passiert auch bei den Profi-Bands, das ist das was mich so ankotzt. Da fliegt der mal wieder raus und dann kommt der mal wieder in die Band. Und der eine spielt dann wieder woanders mit... da halte ich nicht viel von.
Bei Running Wild war das ja auch nicht anders. Bodo war ein alter Running Wild-Recke gewesen, da meinte ich auch zum Rolf: "Den kannst Du nicht einfach rauswerfen!" Aber letztendlich war er ja auch nur bezahlter Musiker beim Rolf. Trotzdem gehört er ja schon mit zum Line up, genauso der Thilo Herrmann. Mit denen waren wir jahrelang auf Tour und deshalb hat man sich da auch so dran gewöhnt. Und wo ich hinterher mit den Fans gesprochen habe, bin ich da auch auf großes Unverständnis gestoßen. Die haben auch nicht verstanden, wie der das machen konnte. Die waren sogar echt sauer. Seit dem Zeitpunkt habe ich mir gesagt, daß meine Band immer versuchen soll, das Line up zu halten.

Wie stehst Du zu zeitgenössischen Rock- und Metalsounds?

Uwe: Na ja, ich komme halt nicht so oft raus und bekomme deshalb auch nicht so viel zu hören. Da gibt es eine Menge. Ich höre mir öfters mal diese Gratis-CDs vom Hammer oder dem Rock Hard an, aber da ist auch viel Schrott bei. Namen kann ich aber jetzt nicht nennen, die vergesse ich auch immer schnell. Ein Highlight in den letzten Jahren waren für mich Lost Horizon, die sind eine megageile Band. Ich höre mir noch nicht mal eine Gamma Ray an, aber die neue Helloween werde ich mir jetzt mal anhören, das interessiert mich doch, was die da gemacht haben. Die Masterplan finde ich zum Beispiel auch sehr gut. Der Sänger ist aber auch geil. Da bin ich aber auch nur drauf gekommen, weil der Jan von Iron Savior, wo ich ja als Gastmusiker mitzocke, bei denen Baß spielt und mit einer CD bei mir ankam und meinte, ich solle mir das mal anhören.

Alles klar, dann möchte ich noch Deine fünf Lieblingsplatten hören!

Uwe: (ohne zu zögern) Die "Killers", "Number of the Beast" (denkt kurz nach), dann "Victims of the Future" von Gary Moore, von Accept die "Breaker" und die LIVE-ACDC, "If you want Blood"!


Vorbereitung, Durchführung und Bearbeitung: Dennis



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