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Zeit macht nur vor dem Teufel halt! Passt doch prima zu einem Interview mit dem Sänger einer der leider unerhörtesten Death Metal Bands Deutschlands und sicherlich auch darüber hinaus. Sieben Jahre nach meinem ersten Gespräch mit Sänger Olle Holzschneider (auch bekannt als der olivianische Halsschneider) nun das dritte Frage/Antwort-Spiel. Wurde die erste CD noch vom lokalen Kreditinstitut gesponsort, was mich zum Headliner "Wenn's um Death Metal geht, Sparkasse" inspirierte, müsste es mit der dritten und sicherlich reifsten Veröffentlichung eigentlich größere Zuschüsse irgendeines der bekannten, großen, deutschen Medienimperien geben. Aber leider gilt der Prophet nichts im eigenen Land, und so werden The Atmosfear weiterhin als Geheimtipp jedes noch so unbedeutende Jugendzentrum und Schutt und Asche legen und alle vier Jahre eine weitere in allen Belangen überzeugende CD mit der Garantie "Ein gepflegter, dynamischer Schlag in die Fresse" veröffentlichen.


Vier Jahre sind seit unserem Interview ins Land gegangen. Eine Zeit, in der wir älter und nicht unbedingt weiser geworden sind. Das sagenumwobene "Atmosbeer" wird wohl auch in absehbarer Zeit nur ein Traum bleiben, aber wichtige Neuigkeiten gibt es dafür hoffentlich reichlich?

OH: Das Bier wird es weiterhin nicht im größeren Rahmen geben, immer nur für uns, evtl. noch bei Konzerten und als Geburtstagsgeschenk. Ansonsten wurde die halbe Band ausgewechselt, was durch gewisse berufliche Verpflichtungen leider nicht zu vermeiden war. Dann gab es noch ein paar persönliche Querelen, weil öfter mal gesagt wurde, ich wäre ein Diktator und so was in die Richtung. Mit diesen Sachen muss ich mich dann rumärgern, obwohl es doch so ist, dass einer was machen muss und der andere genauso. Wenn dann nichts passiert, bleibt alles an einem hängen und dann kommt so was. So kam es dann, dass einige nicht mehr mit dem zufrieden waren, was gemacht wurde, bzw. sich nicht genug informiert fühlten. Mit Dennis Mohrich (Gitarre) und Lars Henkel (Gerumpel) wurden neue Leute gefunden. Dann waren wir in der neuen Besetzung mit Belphegor auf Tour, einmal quer durch Deutschland. Es war noch eine größere Tour bis nach Italien geplant, da konnte oder wollte aber unser alter Schlagzeuger nicht. Solche Spannungen können in einer Band entstehen, auch wenn wir alles in allem eine große Familie sind. Dann haben wir bei Darkbound einen Vertrag unterschrieben, einem Label hier in der Nähe. Mit denen haben wir uns die Produktionskosten geteilt. Wir kümmern uns hauptsächlich selbst um die Promotion, und das Label versucht das gleiche für uns. Von Darkbound werden die Beziehungen im Underground mit eingebracht, z.B. wird in einem serbischen Magazin eine Anzeige geschaltet, dann noch Interviews und einiges mehr. Die kümmern sich also verstärkt um das Ausland, trotzdem bleibt alles im kleinen Rahmen. Das ist das, was mir bis hierhin spontan einfällt.


Ich behaupte: The Atmosfear sind tot, es leben The Atmosfear. Kannst du damit was anfangen?

OH: Ich weiß, was du meinst. Das kann ich aber so nicht unterschreiben. Weil wir immer gesagt haben, dass es bei den persönlichen Ebenen öfter mal an einen Tiefpunkt gegeben hat, wir aber immer wieder wie Phönix aus der Asche hervorgegangen sind. Da hast du recht. Musikalisch haben wir permanent unsere Linie durchgezogen, bloß, dass die Facetten immer mehr ausgefeilt wurden. Ich weiß jetzt nicht, wie du das selber empfindest?

Lass es mich so ausdrücken: Die letzten beiden CDs waren guter bis überdurchschnittlicher Death Metal. Bei "Lost Pain" hatte ich im Prinzip die gleiche Erwartungshaltung, musste dann aber gewaltig umdenken. Im Prinzip gibt es noch die bekannte Band, aber...

OH: Wir persönlich sind der Meinung, da weiter gemacht zu haben, wo wir vor ein paar Jahren aufgehört haben. Unsere ganze Aggression, die sich nach der letzten CD aufgestaut hat, durch alles, was schiefgelaufen ist, Konzerte die nicht stattfanden, wegen Personalproblemen und so weiter, hat sich dann auf die Musik ausgewirkt. Entsprechend brutaler und heranpreschender sind die Titel geworden. Außerdem haben die neuen Jungs in der Band ihren speziellen Thrash Einfluss mit eingebracht.

Das wäre die eine Sache. Die andere ist die, dass durch deine geänderte Art zu singen auch in Bereiche vorgedrungen wurde, die vor einigen Jahren noch nicht denkbar waren. Black Metal wäre da als einer zu nennen. "Just alone", ein Titel, der auch im Radio gespielt werden kann, wäre der andere. Das sind nicht zu erwartende Gegensätze.

OH: "Just alone" entstand vor dem Anfang unserer "Karriere". Ein ganz altes Stück, das im Laufe der Jahre immer weiter entwickelt wurde und jetzt endlich auf CD ist. Daran kannst du erkennen, dass wir schon immer gerne experimentiert haben. Lange Zeit war auch gar nicht klar, ob dieser Titel überhaupt veröffentlicht wird. Ich habe dann mit den anderen in der Band gesprochen und denen gesagt, dass dieser Song unbedingt auf die CD gehört, weil er das Ende einer bestimmten Ära ist, die diese Band jetzt durchgemacht hat. Speziell auch meine lyrische oder auch persönliche Entwicklung. Ich sehe unsere CDs immer als eine zyklische Entwicklung, auch im persönlichen Bereich. Bei der irgendwann erscheinenden vierten CD wird vieles anders sein. Da werde ich die Texte auch so singen, wie sie geschrieben wurden. Bei "Lost Pain" habe ich das anders gehandhabt. Im Studio habe ich mich entschieden, die geschriebenen Texte anders zu singen. Gleichzeitig wollte ich diese Texte aber auch veröffentlichen, um dem Hörer die Freiheit zu geben, selbst etwas dahinter zu schauen und genauer hinzuhören. Bei "Just alone" wollten wir den Kontrast zwischen ruhig, melancholisch,aggressiv und Energie herauskristallisieren.


Ganz klar ist die Tendenz, dass du dich in andere gesangliche Bereiche wagst. Dadurch entwickelt sich die Musik anders, und so mit habt ihr euch von einem auf Dauer einengenden Schema befreit. "Lost Pain" ist im Prinzip ein Befreiungsschlag.

OH: Das mit dem Befreiungsschlag ist absolut geil formuliert. Das ist das, was die neue CD darstellen soll. Der vergangene Schmerz wird überwunden. Deswegen können wir die nächste CD viel befreiter angehen. Bezogen auf den klaren Gesang, ist in einem Review zu lesen, dass das erstmal beherrscht werden sollte. Andere sind davon begeistert, auch wenn es nicht hundertprozentig sauber ist, so wird doch die Emotionalität gelobt. Am Ende soll jeder sein eigenes Urteil bilden. Was du darüber denkst, weiß ich nicht.

Ich habe die CD umsonst bekommen und finde den Titel daher natürlich sehr gut(grins). Das abschließende "A Tale for You" lässt Erinnerungen an die Zeit aufkommen, wo viel mehr akustische Spielereien auf den CDs vorhanden waren. Pimp my Death Metal! Warum nicht mehr von diesen früheren Außergewöhnlichkeiten?

OH: Das stand nicht so unbedingt zur Debatte. Der letzte Titel der CD stammt von unserem neuen Gitarristen, der "ATFY" für seine Freundin geschrieben hatte. Manche sind der Meinung, dass es sich so ähnlich wie ein Akustikstück von der "Shadows.." anhört, was ich sogar ähnlich sehe. Keine Ahnung, wie das entstanden ist, es ist aber so. Alles in allem ist dieser Titel in einer bestimmten Gefühlslage entstanden. Ansonsten haben wir nur hin und wieder Akustik Plänkeleien, mit denen wir auch zufrieden sind. Ich denke auch, das sollte nicht übertrieben werden, sondern mehr aus dem Gefühl heraus entstehen.

Einer meiner früheren Favoriten, "Elias - Der Herr", ist auf "Lost Pain" in einer Neuversion vertreten. Wann und wie ist dieser Titel entstanden und warum die Neubearbeitung?

OH: Die anderen in der Band wollten diesen Titel nochmal neu aufnehmen, weil sie mit der damaligen Aufnahme nicht zufrieden waren. Wäre es nach mir gegangen, hätte ein neuer Song den Weg auf die CD gefunden, "Sodomized" heißt der. Aber die allgemeine Meinung war die, dass der noch nicht ausgereift genug ist. Damals wie heute basiert "Elias" auf einem klassischen Chorstück von Felix Mendelsohn-Bartholdy, das irgendwann um 1845 geschrieben wurde. Die Mutter von Gitarrist Andy Wendlandt ist Sängerin in einem Chor, einem Kirchenchor ganz genau genommen, und dieser Chor hat das Stück mal aufgeführt. Andy hat dann beschlossen daraus eine schwermetallische Version zu machen, und wir fanden das super, bis zum heutigen Tag. Im Text des Titels geht es ja um den Weltuntergang, praktisch um die Apokalypse. Das Ganze ist komplett in deutsch gehalten, was so vielleicht erst nicht zu hören ist. Es geht darum, dass der Herr vorüber ging und ein starker Wind und ein Feuer... und so weiter. Das ganze passt ganz gut zur Zeit, in Anbetracht dessen, was in New Orleans und am Mississippi abgeht. Der Soundtrack zum Untergang, so gesehen.

Jetzt haben wir soviel über die neue CD gesprochen, dass ich fast einen Punkt unterschlagen habe. Sprechen wir mal über Dich. Du erwähntest schon, dass du für einige zu sehr der Diktator bist oder warst. Wenn ich mir so die Texte durchlese, stellt sich mir die Frage, wie misanthropisch Du veranlagt bist.

OH: Zunächst mal trage ich die Farben, die im Leben ziemlich dunkel sind. Ich bin jemand, der von den Gegensätzen lebt, in den Extremen. Wer mich kennt, der weiß das. Das Misanthropische ist schon in mir, aber ich lasse das nicht regieren, das ist nicht der richtige Weg. Ich betrachte mich auch als Krieger. Es gibt ein Buch, "Der friedvolle Krieger", und da stehen viele Dinge drin, die zu mir passen. Das Leben z.B. ist ein Kampf, zwischen negativ und gut, und es gibt ganz viele Situationen und Menschen, die verabscheuungswürdig sind. Es gibt viele Leute, die ich nicht respektieren kann und die mir an die Karre fahren wollen. Die, die mir sagen wollen, was ich tun habe und was nicht. So was lasse ich nicht mit mir machen. Da es viel zu viel von diesen Menschen gibt, die so drauf sind, ist auch eine Menge Wut in mir. Es kommt mir jetzt schon wieder hoch, wenn ich mich mit dem Thema auseinander setzen muss. Ich bin mit meinem Leben zufrieden, aber mir geht die ganze Respektlosigkeit, Orientierungslosigkeit und Oberflächlichkeit auf den Zeiger. Ich möchte nicht behaupten, dass ich besser bin wie irgendwelche anderen, es stört mich halt ganz extrem. Es gibt keine Verlässlichkeit und Orientierung mehr in dieser Welt, das ist immer wieder meine Beobachtung. Es gibt auch wenige Leute, die mir das Gegenteil beweisen.

Sind The Atmosfear dank "Lost Pain" endlich in der Lage sich aus der Anonymität zu lösen, oder ist das gar nicht das Bestreben?

OH: Strukturell gesehen ist das Ganze eher unwahrscheinlich. Die Voraussetzungen sind nicht in dem Maße vorhanden, um was Größeres daraus zu machen. Als Musiker darf man sich aber so nicht äußern, da es immer wieder Interessenten gibt, die sich mehr versprechen. Also Leute, die etwas für einen verkaufen wollen. Ich schätze, dass wir auf dem Level bleiben, auf dem wir sind, hoffe aber, trotzdem noch ein größeres Publikum zu erreichen. Was nächstes Jahr ist weiß Gott allein.

"Lost Pain" ist nicht nur die dritte CD, sondern vielleicht die, die die momentan nicht so prickelnde Death Metal Szene in Deutschland etwas wachrütteln könnte.

OH: Diese Frage haben wir uns auch schon gestellt. Für uns selber ist es die beste CD bisher, was auch von unserem Umfeld bestätigt wird. Was das für die große Breite bedeutet, dazu können wir keine Prognosen treffen. Was wir bemerken ist eine große Begeisterung und, theoretisch wäre der Rahmen für das, was du gerade erwähnt hast, vorhanden. Dafür müssten wir unsere Jobs aufgeben und permanent auf Tour geben, was mit Sicherheit nicht passieren wird. Sowas sollte ich in einem Interview natürlich nicht sagen, da ich möglichen Interessenten mit lukrativen Angeboten damit gleich den Wind aus den Segeln nehme.


Die berühmten letzten Worte!

OH: Ich weiß was besseres als beim letzten Interview. Leute, nehmt eure Maske ab und seid so, wie ihr seid. Versucht echt und glücklich zu leben. Ich wünsche jedem, dass er das tut und sich engagiert. Leute wie Du, die abends um halb zehn am Telefon sitzen, obwohl es sicherlich besseres zu tun gibt, die sind gut. Es gibt so viele, die ihren Arsch nicht hochkriegen und nichts machen. Ich würde mich freuen, wenn es noch mehr gäbe, die Gründe dafür sehen, etwas zu tun und auf die Beine zu stellen.


Vorbereitung, Durchführung und Bearbeitung: Peter



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