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Count Raven sind mittlerweile auch schon eine lange Zeit im Geschäft und zählen mit ihrer vorzüglichen Musik, aber auch weil sie zu den wenigen gehören, die wirklich was zu sagen haben, zu den interessantesten Bands im Doom Genre. Neben Candlemass können die Schweden darum auch absolut zurecht von sich behaupten, zu den Gewinnern der Reunionwelle zu gehören, die die letzten Jahre über uns hereingeschwappt ist, zumal keine Zweifel daran bestehen dürften, dass auch das kommende Album alle Erwartungen der Fangemeinde erfüllen wird. Anlässlich der Re-Releases der vier alten Scheiben schnappten wir uns Sänger/Gitarrist Dan und Bassist Wilbur schon einmal, um einen Blick in die Zukunft zu werfen und die ein oder andere Geschichte aus der Vergangenheit aufzuwärmen...


Wilbur, vor etwa einem Jahr habt ihr beschlossen, euch zu reformieren. Was waren die Gründe für eure Rückkehr? Spielte die Entwicklung der Doom-Szene eine Rolle? Die Szene ist heutzutage schließlich größer als jemals zuvor, nicht wahr?

Wilbur: Das war gar nicht geplant. Es war eher ein Versehen, hehe. Das klingt verrückt, aber es stimmt. Es begann, als ich Demos einer anderen Band, in der ich spiele, Semlah, an ein australisches Label namens Pandemonium Records schickte. Sie gefielen ihnen nicht, aber sie fragten sofort nach Count Raven. Ich sagte, das sei unmöglich, wir hätten uns acht bis zehn Jahre nicht gesehen oder miteinander gesprochen, ich könne sie nicht einfach anrufen und sagen, hallo Jungs, laßt uns die Band wiederbeleben. In Australien meinten sie, natürlich könne ich das tun. Aber ich sagte nein. Wir mailten uns über ein Jahr, sogar noch länger. Der Typ dort, Mark, war sehr nett. Aber nach etwas mehr als einem Jahr gab ich auf und habe dann versucht, die anderen beiden anzurufen.
Zuerst rief ich Renfield an, denn ich hatte ihn ein paar Mal bei Semlah-Konzerten getroffen. Und er freute sich wirklich. Ich war zuerst nervös, als ich ihn anrief, aber er freute sich so, daß er fast ins Telefon brüllte, haha. Und dann rief ich Dan an, und da war ich noch viel nervöser. Wir hatten uns sozusagen nicht gerade mit einem Kuß verabschiedet, als wir uns zum letzten Mal gesehen hatten. Aber er sagte nur: "Warum hast du nicht früher angerufen?" Wow, es war großartig, das zu hören. Also trafen wir uns, sprachen ein wenig miteinander und dann ging es zurück in den Proberaum.

Stimmt es, daß der Grund für euren Split darin bestand, daß euer Label Hellhound euch kein Geld bezahlte und ihr deshalb frustriert wart?

Wilbur: Nun, es ging soweit, daß wir sogar für die Touren bezahlen mußten, das war wirklich zuviel. Alles schien hoffnungslos, auch zu Hause. Wir bekamen ein Forderung von Hellhound, welche besagte, daß wir ihnen 6700 Euro schuldeten. In den 90ern war das viel Geld (Ähm, heutzutage nicht mehr? ? Till). 67000 schwedische Kronen? Das war unmöglich. Hellhound wollten uns nicht mehr auf Tour sehen, sie dachten die ganze Zeit nur ans Geld. Und dann sollten wir eine solch riesige Summe für Plattenaufnahmen bezahlen. Und Job um Job verlieren, nur für ein bißchen Taschengeld auf Tour, zehn Euro pro Tag für Essen und Bier, nachdem wir wieder unsere Arbeit verloren hatten? Nein, es war unmöglich, so weiterzumachen. Das führte auch dazu, daß wir aufeinander losgingen. Das ist dumm, aber es ist passiert. Und dann war alles vorbei.


Ist es nicht seltsam, daß Bands wie Candlemass oder Count Raven erst heute der Erfolg zuteil werden scheint, den sie verdienen, während der Erfolg zur Zeit, als sie all ihre fantastische Musik geschrieben haben, doch recht überschaubar war?

Wilbur: Nein, denn wenn man nicht aufgibt, wird man schließlich belohnt. Es dauert seine Zeit, aber wenn es kommt, verdient man es und kann es genießen. Dan und ich haben die Musik nicht aufgegeben, wir haben stattdessen andere Bands gegründet und gehofft, eines Tages von der Musik leben zu können. Das ist immer noch ein großer Traum von uns.

Wie kam es zu den Wiederveröffentlichungen eurer CDs? Wer hat sich darum gekümmert und inwiefern seid ihr mit dem Aussehen (Booklet, Liner Notes...) und den Bonustracks zufrieden?

Wilbur: Als Mark von dem australischen Label mich schließlich überredete, Kontakt zu Dan und Renfield aufzunehmen, beschlossen wir, daß das Label die vier Alben wiederveröffentlichen würde. Mark war sich sehr sicher, daß das ein guter Beginn wäre und man währenddessen eine neue Platte machen könnte. Doch dann lernten wir Martin von Cyclone Empire kennen, und zwar auf dem zweiten Doom Shall Rise. Das ist mir etwas peinlich, denn ich unterhielt mich mit einem schönen Mädchen von Rock Bottom, das dort T-Shirts verkaufte. Sie hatte wundervolles langes Haar und es war so schön, mit ihr zu reden. Ich hatte den ganzen Tag und den Vortag über mit vielen verschiedenen Leuten gesprochen, und so genoß ich die Unterhaltung mit dem Mädchen, hehe. Und so dachte ich, als mir jemand an die Schulter faßte, daß mich jetzt wieder jemand stören würde, um mich irgendjemandem vorzustellen. Ich muß gestehen daß ich gar nicht hingehört habe. Ich sagte nur hallo und schaute sehr, sehr kurz mit einem Auge hin, das andere Auge konzentrierte sich noch immer auf das Mädchen. Ich hörte nicht hin, wer er war, achtete weder auf den Namen noch etwas anderes. Ich sah nur einen großen Typen weggehen. Hat man schon mal von solch dämlichem Verhalten gehört?
Zu unserem Glück schrieb er mir später eine E-Mail und erklärte, daß er auf dem zweiten DSR gewesen sei und einer Plattenfirma namens Cyclone Empire vorstehe etc. Und er erwähnte, daß wir uns auf dem zweiten DSR getroffen hätten und er versucht hätte, mit mir zu sprechen, ich schien aber nicht sonderlich interessiert gewesen zu sein. Mein Gott, das war beschämend. Ich wußte aber immer noch nicht, wer er war, bis er nach Schweden kam und mit uns sprach. Dann hörte ich die ganze Geschichte meines Verhaltens beim DSR. Aber mit Mädchen zu sprechen genießt Priorität, oder? Ich bin nicht verheiratet, also kann ich mich doch mit Mädchen unterhalten? Aber wir sind jetzt Freunde, nicht wahr Martin? Hehe, sind wir, ja.
Und sie haben bei diesen alten Alben sehr gute Arbeit geleistet. Ich habe sie noch nicht in Händen gehalten, nur Bilder davon gesehen. Aber ich finde, sie sehen jetzt großartig aus. Cyclone Empire haben sich auch um das Layout aller Alben gekümmert. Es gibt Liner Notes und mehr Fotos. Und "Messiah of confusion" hat ein völlig neues Layout. Ein deutscher Künstler namens Stripe hat das Frontcover gestaltet, und es ist ein Meisterwerk geworden! Außerdem gibt es mehrere verschiedene Bonustracks auf allen Alben und alle sind remastered. Cyclone haben uns Platten geschickt, also wenn ihr das hier lest, haben wir endlich auch selbst die Alben.

Ein zentraler Punkt in Count Ravens Karriere war sicherlich die Tour mit Saint Vitus nach der Veröffentlichung eures ersten Albums. Was geht euch durch den Kopf, wenn ihr an jene Tage zurückdenkt? Wißt ihr vielleicht noch eine lustige oder interessante Anekdote von der Tour?

Wilbur: Das waren unglaublich nette Menschen! Wenn alle Leute wie sie wären, gäbe es keinen Krieg mehr auf diesem Planeten. Und viele lustige Dinge haben sich zugetragen. Eines Nachts trugen ihr Bassist Mark und ich auf einem Hotelflur einen "Bauchboxkampf" aus. Wir sprangen auf, boxten uns gegenseitig in den Bauch und versuchten, uns so zu Boden zu schlagen. Das war großartig! Renfield und Armando, der Vitus-Drummer, lagen auf den Knien und weinten vor Lachen, haha.
Während dieser ganzen Zeit, einen ganzen Monat über, trug Renfield auf der Bühne eine kurze Hose. 30 Tage, sie wurde jeden Abend ordentlich durchgeschwitzt. Und in der letzten Nacht schlichen Dan und Renfield sich in ihr Zimmer und tauschten Marks Baß in seinem Baßkoffer gegen Renfields kurze Hose aus. Und wenn ich sage, daß sie wie eine Hose aus der Hölle stank, beschreibt das den Gestank noch unzureichend. Rückblickend tut mir Mark leid, ich hoffe er hat das überlebt, haha. Mark, das haben wir nur getan , weil wir dich lieben...
Außerdem kommt mir noch in den Sinn, wie wir an einem Abend eines ihrer Stücke gespielt haben. Sie wußten davon nichts und es war großartig, ihre Gesichter zu sehen, hehe. Aber wir mochten uns sehr, wir haben uns jeden Abend ihre Show angeschaut und sie unsere, 30 Tage lang. Ich habe ihre Lieder hinterher noch lange Zeit im Kopf gehabt.

Habt ihr eine Erklärung dafür, daß Count Raven oder Doombands generell so häufig mit ihren Einflüssen verglichen werden? Das ist ja vor allem im Doom Metal-Bereich zu bemerken, obwohl Bands anderer Genres sicherlich nicht weniger von ihren Idolen übernehmen.

Wilbur: Was soll ich dazu sagen? Jeder hat Einflüsse und "klaut" mehr oder weniger ein bißchen bei ihnen. Man klaut nicht wirklich, aber wenn man eine Band sehr gerne mag, so gerne daß sie einen dazu bringt, Musik machen zu wollen, kann man das sicherlich in der eigenen Musik hören. So muß es sein, und daran ist nichts falsches. Wenn ich höre, daß Count Raven manche Bands beeinflussen, soll ich mich darüber aufregen? Das macht mich vielmehr glücklich und stolz.
Aber eins läßt mir keine Ruhe ? wo nahmen Black Sabbath ihre Inspirationen her? Sie konnten sich schließlich keine anderen Black Sabbath anhören, um inspiriert zu werden.

Ihr spielt eine sehr traditionelle Variante des Doom Metals. Was haltet ihr von Stilen wie Epic Doom, Funeral Doom oder Drone Doom, die da noch ein ganzes Stück weitergehen?

Wilbur: Ich weiß nicht, ich bin mir nicht sicher, ob ich die Unterschiede zwischen all diesen Stilen hören könnte. Ich weiß nur, daß Reverend Bizarre wirklich langsam spielen. Und sie sind tolle Kerle! Aber was für eine Art Doom ist das? Reicht es nicht aus, allen langsamen Heavy Rock Doom zu nennen, weil er mit anderen Worten als Hard Rock oder Heavy Hard Rock bezeichnet werden sollte? Weil er eben langsam, heavy und soooo schön ist?

Welche neuen, jungen Doom Metal-Bands gefallen euch?

Wilbur: Das ist eine schwierige Frage! Wir haben so viele wirklich gute Bands gesehen. Und nach Gigs, Touren und Festivals haben wir immer Platten von Bands, mit denen wir gespielt haben, bekommen. Das sind immer die besten Scheiben, wenn wir wieder von den Konzerten zu Hause sind, da hängen so viele schöne Erinnerungen dran. Und nach dem nächsten Gig, der nächsten Tour oder dem nächsten Festival gibt es wieder neue Bands, neue Platten und neue großartige Erinnerungen, die dann die besten sind. All die Doombands, die wir getroffen und mit denen wir gespielt und geredet haben, sie sind alle solch nette Leute ? sie sind alle die besten und unsere Lieblingsbands! Die alten wie die neuen.

Ihr hattet immer sehr hoffnungsvolle, hippiesque Texte, welche sich mit eurer Liebe zur Menschheit und der Erde beschäftigten. Glaubt ihr, daß ihr mit diesen Songs etwas bewegen konntet?

Wilbur: Ja, hoffentlich! Zumindest ist es ein guter Versuch, findest du nicht?

Wenn ihr euch heutzutage die Welt anseht, meint ihr daß sich etwas seit den Tagen, als ihr Songs wie "Destruction of the Void" oder "Hippie's Triumph" geschrieben habt, verbessert hat?

Wilbur: Nein, es ist noch schlimmer geworden. Es ist etwas beängstigend, was aus der Menschheit geworden ist. Und ich habe wirklich Angst bekommen, als ich einmal in der Bibel gelesen habe, daß das Ende nahe sei, wenn die Jugend verrückt werde. Damals habe ich nicht viel darüber nachgedacht, aber es ist Realität geworden. Ich habe zwei Zwillingskinder, sie werden in drei Wochen 18. Und ich kann die Geschichten, die sie mir erzählen, nicht glauben. Hört euch nur mal diese an:
Sie hatten einen Freund, der eine moderne, sehr teure Jacke von seinen Eltern bekommen hatte. Und eines Abends, es war gar nicht spät, waren er und seine Freundin auf dem Weg zum Zug, sie wollten irgendwohin. Aber am Vordereingang, wo man für die Fahrkarten bezahlt, waren ein paar Jungs im selben Alter. Sie erkannten, daß die Jacke modern und teuer war. Also gingen sie auf ihn zu, schlugen ihn nieder und nahmen ihm die Jacke weg. Natürlich nahmen sie auch sein Geld und sein Handy. Dann liefen sie fort, aber nach 10-20 Metern passierte etwas. Sie überlegten es sich anders, liefen zu dem Jungen zurück und sprangen ihm auf den Kopf, bis er starb! Es war nicht genug gewesen, ihn niederzuschlagen und seiner Jacke und anderer Sachen zu berauben, sie waren nur des Vergnügens, ihn zu töten, wegen, zurückgekommen. Und es gibt noch weitere solcher Geschichten. Einmal vergewaltigten 14 Jungen ein 14jähriges Mädchen. Sie bekamen eine milde Strafe, aber ihre Eltern legten beim Richter Beschwerde ein, und er hatte Mitleid mit diesen 14 Jungen. Also bekamen sie eine wirklich winzige Strafe, so etwas was man bekommt, wenn man Süßigkeiten im Laden klaut. Offensichtlich war es "eine schwere Erfahrung für diese 14 Jungs, dieses böse, schlimme Mädchen zu vergewaltigen"? Wie konnte sie ihnen allen das nur antun? Sie waren doch nur zu vierzehnt? Die armen Jungs. Solche Geschichten gibt es, und da bin ich doch ganz froh, daß ich nicht mehr jung bin.

Seid ihr schon mal als "altmodisch", "Träumer", "unrealistisch" oder ähnliches verspottet worden?

Wilbur: Oft, an jedem normalen Arbeitsplatz, von "Freunden" die ich im normalen Leben habe. Sie können dieses große Interesse an der Musik nie verstehen, den Kick den man auf der Bühne bekommt oder das Gefühl nach einem sehr guten Auftritt, wenn der ganze Körper voller Adrenalin ist. Das ist solch ein gutes Gefühl, danach kann ich nach hause gehen und wochenlang glücklich sein. Stattdessen fragen sie nach einem Arbeitstag oder wenn man sie beim einkaufen trifft, ob man das immer noch tue und warum man nicht aufgebe. Was soll ich aufgeben? Eine wunderbare Lebensweise? Dieses unglaubliche Gefühl, neuen Songs das Leben zu schenken, kleinen Embryos die zuerst nur ein kleines Riff sind und dann zu fünf bis neun Minuten langen Stücken heranwachsen? Und all diese netten Leute kennenzulernen? All diese Doombands kennenzulernen und warm und freundlich umarmt zu werden, akzeptiert zu werden wie ich bin, ohne daß ich mich verstellen muß? Warum sollte ich das aufgeben? Und wofür? Um zu Hause zu sitzen, Bingo zu spielen und Kaffee zu trinken, so daß ich nicht schlafen kann? Um die Nachbarn zu bespitzeln und mich darüber zu wundern, was sie tun oder nicht tun?
Ein Träumer, ja das stimmt. Das war ich schon Mitte der 80er, zu Zeiten von Stormwarning (Count Raven-Vorläufer ? Verf.). Schon damals erzählten mir "Freunde", daß ich zu alt dafür sei.

Dan, in "Let the Dead bury the Dead" singst du: I'll tell what will be, your biggest fear, no one will remember your name, you weren't here". Hast du selbst Angst davor, eines Tages nach deinem Tod einfach fort zu sein? Was glaubst du, was nach dem Tod passiert? Und befriedigt es dich oder hilft es dir irgendwie, daß eure Musik weiterleben wird ? vielleicht für immer?

Dan: Generell finde ich, daß die Menschen mehr darüber nachdenken sollten, daß wir eines Tages sterben und was dann geschieht. Den Leuten scheint das nicht bewußt zu sein. Wir glauben, daß wir ewig leben, und so weigern wir uns, hier und jetzt zu leben. Und ich meine, wie können sie es wagen! Der Song dehnt das Thema jedoch noch weiter aus und sagt aus, daß es zwei Arten von Menschen gibt - die großzügigen, freundlichen und liebevollen und die machthungrigen Menschen, die alles beherrschen wollen. Deren Körper sind definitiv von einer unsichtbaren Macht besessen. Man kann sie Gier nennen, wenn man möchte, oder gefallene Engel ohne Flügel.

Eines eurer besten Lieder, "An ordinary Loser", hat einen der außergewöhnlichsten Texte, die wir je gelesen haben. Die erste Strophe scheint die Menschheit zu kritisieren. Danach ändert sich die Stimmung des Stücks und am Ende steht ein Witz. Wie paßt das zusammen? Könntest du unseren Lesern erklären, wovon der Text handelt und was du damals damit aussagen wolltest?

Dan: Der Song handelt von der schwierigsten Vorstellung der Menschen ? zu heiraten und für immer zu zweit zusammenzusein. Niemand scheint das in Frage zu stellen. Der, den wir Gott nennen, hat das niemals so eingerichtet. Auch die einfache und doch schmerzliche Tatsache, daß der Mann sein Leben lang fruchtbar ist, die Frau hingegen nicht, spricht dafür, daß ein Mann mehr als eine Frau haben sollte. In der muslimischen Welt ist das beispielsweise so, und auch in der israelischen Tradition gab es das früher. Das spricht dafür, daß die Zweierhochzeit später erfunden wurde und für unsere westliche Gesellschaft notwendig war, aus Gründen des Wirtschaftswachstums. Das ist die Grundlage für die Kritik in dem Text, und daraus entwickelt sich die Geschichte meines Lebens und das vieler anderer, die Kinder geschiedener Eltern sind. Und er endet mit der einzigen Lösung ? zurück zu den Ursprüngen und zum Anfang der Zeit. Das ist ein ernsthaftes Thema und sollte nicht als Krieg der Geschlechter benutzt werden.

Jede Count Raven-Show wird mit "Cosmos" beschlossen. Tut ihr das, weil ihr die Fans mit der Botschaft dieses Songs verabschieden wollt, oder ist es einfach nur ein guter Closer?

Dan: Eigentlich beides. Wir hielten das Stück immer für einen guten Closer. Nach all dem Rock'n'Roll ist es ein gutes Gefühl, alles wieder herunterzukochen. Das ist eine gute Mischung, und es ist natürlich einer der meiner liebsten, eigenen Texte. Ich will damit ausdrücken, daß es da draußen Leben gibt, und daß es dir gehört. Ergreife es jetzt!

Die Dinge scheinen für euch langsam wirklich wieder ins Rollen zu kommen. Ihr habt in Wacken gespielt, werdet auf dem Bang Your Head spielen... gibt es Pläne für eine richtige Tour? Was hält die Zukunft eurer Ansicht nach noch für euch bereit? Ihr seid ja auch nicht mehr die Jüngsten, wie lange glaubt ihr könnt ihr noch weitermachen?

Wilbur: Wir hoffen, daß noch mehr Touren drin sind. Und Festival sind großartig; jedermann ist fröhlich. Auf einem Festival herrscht ein anderes Feeling als in einem Club. Es ist großartig, in Clubs zu spielen, das kann sehr intensiv sein. Und Festivals sind noch cooler. Sowohl im einen als auch auf dem anderen zu spielen sind zwei großartige Dinge im Musikerleben.
Wie lange wir noch weitermachen können, da wir ja nicht mehr die Jüngsten sind? Ich denke, wir können das noch weitere 20 Jahre durchziehen. Innerlich sind wir immer noch jung, nur die Haut ist etwas faltig geworden. Aber das liegt an der Luftverschmutzung, hehehe. Wir stecken uns einen Kleiderbügel in den Nacken und machen noch 20 Jahre weiter, hahaha. Dann sehen wir wieder aus wie in den frühen 80ern.

Glaubt ihr, daß es für eine Band wie Count Raven möglich ist, mit ihrer Musik noch junge Leute zu erreichen? Seht ihr beispielsweise viele junge Fans, wenn ihr live spielt, oder sind das alles alte Säcke? Und wie wichtig ist Euch das Alter Eurer Fans generell?

Wilbur: Ach, eigentlich ist es nicht wichtig wie alt die Leute sind. Nun ja, zumindest solange sie schon so alt sind, dass sie auf unseren Konzerten Alkohol kaufen dürfen. Ansonsten ist uns das Alter aber echt egal. Auf dem DSR II haben wir zu dem Thema eine nette, kleine Geschichte mitbekommen. Da war diese junge Band aus Frankreich... kann mich gar nicht mehr daran erinnern, ob sie dort gespielt haben oder lediglich als Besucher dort gewesen sind. Na ja, jedenfalls waren sie große Fans von Count Raven, da einer von ihnen einen Vater hatte, der Count Raven sehr mochte. Als der Sohn größer geworden war, hat er die Plattensammlung von seinem Vater durchgeschaut und eine Platte von uns gefunden, die ihm auf Anhieb klasse gefallen hat. So gut, dass er selbst angefangen hat zu spielen und diese Band gründete. Was sagst Du dazu? Ist es nicht toll, so etwas erzählt zu bekommen? Und dann war da noch dieses Mädchen. Sie war auch erst 20 oder so, nicht viel älter jedenfalls. Sie hatte ihre erste Bekanntschaft mit Count Raven ebenfalls gemacht, als sie noch 13 gewesen war. Sie hat unsere Platten damals gemocht und tut es immer noch. Ich habe eine ganze Weile mit ihr gesprochen. Das war fast schon zu viel für uns! Wir waren beide gleichzeitig total glücklich und sentimental und konnten uns kaum unterhalten, weil wir vor lauter Rührung keine Worte gefunden haben. Wir spielen doch nur die Musik die wir mögen. Und dann kommt da dieses Mädchen aus Griechenland und sagt Dinge zu uns, die so unglaublich schön sind. Glaub mir, das ist ein unbeschreibliches Gefühl. Wenn man solche Dinge zu hören bekommt, dann weiß man, dass man das richtige tut und das auch nicht aufgeben sollte.

Als ihr Euch vor vielen Jahren noch Stormwarning nanntet, konntet ihr kein Label für Eure Musik finden, weil ihr auf Schwedisch gesungen habt. Heutzutage ist das nichts außergewöhnliches mehr. Viele Metal Bands singen in ihrer Heimatsprache, und ich glaube, dass gerade eine renommierte Band wie Count Raven sicherlich keine Probleme mehr damit hätte, einen Deal für Musik mit schwedischen Lyrics zu bekommen. Würdet ihr gerne noch mal irgendwann Songs auf schwedisch schreiben, oder habt ihr diese Idee für immer begraben?

W: Ich habe kürzlich erst mit Dan darüber gesprochen. Leider erinnere ich mich gar nicht mehr, was er dazu gesagt hatte. Ich glaube, es könnte problematisch werden, die Sprache zu wechseln, und manchmal englisch und manchmal schwedisch zu singen. Da würde dann vermutlich so was wie "Sweenglish" rauskommen, eine neue Sprache.

Eines der Demos, die ihr damals gemacht habt nannte sich schlicht "Stormwarning" und enthielt nach eigenen Aussagen das beste Material, das ihr in all jenen Jahren aufgenommen hattet. Habt ihr nie die Chance gehabt, diese Songs über ein Label zu veröffentlichen?

Wilbur: Noch nicht, aber wir haben darüber schon bandintern gesprochen. Das war noch vor Renfields Zeit, deshalb ist er da nicht so sonderlich interessiert dran. Aber mit Dan spreche ich manchmal darüber. Irgendwie denke ich auch, dass es eine schöne Sache wäre, das noch zu veröffentlichen. Dann liegt die Musik wenigstens nicht in irgendeiner Kiste rum und niemand hat was davon. Das ist doch eine Verschwendung guter Musik.

Nach Eurem letzten Album habt ihr auch noch ein Demo aufgenommen. Das war 1998, soweit ich weiß. Was ist mit den Songs passiert? Wird da was von auf dem neuen Album drauf sein?

Wilbur: Ja, die Songs werdet ihr zu hören bekommen. Einige jetzt, einige später. Sie klingen großartig!

Was ist die wichtigste Lebensweisheit, die Du jungen Menschen mit auf den Weg geben kannst?

Wilbur: "Behandle Andere wie Du selbst von Anderen behandelt werden möchtest."

Und zu guter Letzt: Was zählt ihr Jungs, wenn ihr nachts im Bett liegt und nicht einschlafen könnt, hm? Sorry, den konnt' ich mir nicht verkneifen...

Wilbur: Ähm? Raben? Na ja, der war auch nicht besser... Neue Fans vielleicht?


Vorbereitung, Durchführung und Bearbeitung: Dennis & Till



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