Home
Vorwort
News
Eure Ankündigungen
Interviews
CD-Reviews
Live-Reviews
Metal and More
Locations
RIP
LinksSuche
Kontakt
Impressum
Über uns
Metalspheres präsentiert


4773223
Besucher seit 09/2002


Nach dem grandiosen "Back to Times of Splendor" bringen Disillusion dieser Tage ein neues Werk unter dem Titel "Gloria" heraus, bei dem Ähnlichkeiten zum Vorgänger beinahe gänzlich ausbleiben. Es ist aber auch ein Album, das nicht nur aufgrund seiner stilistischen Kehrtwendung für ein Stirnrunzeln sorgt, sondern auch aufgrund der (natürlich rein subjektiv empfunden) ausdruckslosen Songs äußerst fragwürdig erscheint. Da es uns wichtig war, die Band selbst darauf aufmerksam zu machen und uns auch ihre eigene Sichtweise zu verschaffen, konfrontierten wir Frontmann Andy (ehemals "Vurtox") mit unseren Vorwürfen.


Andy, wir hatten ja schon zu Eurem Debüt ein sehr ausführliches Interview geführt. Ich kann Dir gleich sagen, daß die Fragen, die ich Dir stellen werde, nicht angenehm sein werden...

Andy: Ach, ich werd's sicher überleben.

Das hoffe ich. Wäre schade, wenn wir das nicht fair über die Bühne kriegen würden. Ich muß dazu sagen, daß ich "Back to Times of Splendor" geliebt habe wie kaum ein zweites Album, daß ich vieles damit verbinde und es mich unbeschreiblich berührt. Von Eurem neuen Album bin ich jetzt natürlich total enttäuscht, weil ihr eine Kehrtwendung gemacht habt und "Gloria" im Prinzip gar nichts mehr mit Eurem Debüt zu tun hat...

Andy: Das finde ich jetzt erstmal gar nicht natürlich, daß Du enttäuscht bist. Aber wenn Du das sagst, dann wird das wohl so sein...

Okay, dann beginnen wir vielleicht besser folgendermaßen: Weshalb habt ihr Euch so verändert?

Andy: Das ist natürlich schwierig, weil Du uns jetzt unterstellst, daß wir uns verändert haben...

Also bitte! Um das festzustellen muß man nun wirklich nicht mehr tun als die CD einzulegen.

Andy: ...oder daß wir uns absichtlich verändert hätten.

Ach, jetzt komm! Ich will Dir echt nicht ans Bein pinkeln...

Andy: Okay, sorry, das war jetzt falsch von mir.

Du kannst gerne sagen was Du willst, aber daß wir uns gegenseitig angiften oder so, das ist es nicht wert. Ich versuche Dir nur meine Meinung zu verdeutlichen, und würde im Gegenzug gerne Deine hören.

Andy: Im Prinzip ist das ganz einfach. Wir lieben "Back to Times of Splendor", immer noch, damals wie heute, und bei mir weckt die Platte sehr ähnliche oder vielleicht sogar genau die gleichen Gefühle wie bei Dir. Das ist so, und das ist uns auch wichtig. Das Album ist ein Teil unseres Lebens. Jetzt kommt jedoch das große "aber": Als die Platte fertig war haben wir uns erstmal leer gefühlt. Wir haben alle so extrem viel da reingesteckt und hatten diese Sehnsucht nach Perfektion und einem Heiligenschein gehabt, im positiven Sinne. Das wurde genährt und am Ende vielleicht sogar erfüllt, und kaum daß die Platte draußen war wußten wir, daß wir das nicht mehr toppen konnten. Darüber hinaus hatten wir auch nicht das Gefühl, daß wir das überhaupt wollten. Und das ist die Sache: Disillusion wird für viele jetzt vielleicht eine große Enttäuschung sein, zumindest dann, wenn man damit gerechnet hat, daß "Back to Times of Splendor" das ist, was wir immer machen werden. Aber "Back to Times of Splendor", und das klingt jetzt natürlich total irritierend, aber am Ende repräsentiert die Scheibe genau die drei Jahre, in der wir daran gearbeitet haben. Bei "Gloria" ist das jetzt eben was anderes, und was beim nächsten Mal sein wird, wissen wir noch nicht. Disillusion wird - solange die Aufmerksamkeit noch da ist - immer als eine Band wahrgenommen werden, die reagiert, die sich Dinge erlaubt, die am Ende doch immer bis zum Äußersten geht, ob man das nun will oder nicht. Und die Dinge wagt vor allen Dingen. Bei "Back to Times of Splendor" hat uns vorher auch jeder davon abgeraten sowas zu machen und z.B. einen siebzehn-minütigen Song aufzunehmen.


Klar, aber es ist natürlich auch so, daß ihr mit Eurem Debüt seinerzeit viele Fans gewonnen habt, von denen Euch mit Sicherheit viele den Rücken zuwenden werden. Das ist für Euch natürlich auch ein großes Risiko.

Andy: Das ist vor allen Dingen ein Statement.

Ja, das ist sicher mutig, zumal ihr ja auch Euren Lebensunterhalt mit der Musik verdient. Aber kannst Du da so einfach mit allen Konsequenzen leben, die da gegebenenfalls auf Euch zukommen?

Andy: Na ja, es ist keine Überraschung, daß es nicht nur einige gibt, sondern ganze Heerscharen von Fans, die nicht nur im ersten Moment, sondern vielleicht nie was mit "Gloria" anfangen können. Das wußten wir bereits mit den ersten Takten, die wir geschrieben haben, daß das problematisch wird. Aber wir haben "Back to Times of Splendor" nicht für irgend jemand anderen gemacht, und wir haben auch "Gloria" nicht für irgend jemand anderen gemacht. Wir haben das für uns gemacht. Wir haben es gemacht. Punkt. Und wenn ich Musik mache, dann denke ich nie an jemand anderes. So hart wie das ist. Das ist mir total buggy! (? - der Verfasser) Das ist mir so buggy, was am Ende darüber gesagt wird. Ich mache das für niemand anderes, auch wenn ich es natürlich grandios finde, wenn es die Leute lieben. Aber wenn ich jetzt aufhören würde zu tun was ich mache, dann stelle ich selbst eine Platte wie "Back to Times of Splendor" in Frage. Die habe ich nämlich genau so gemacht: Aufgehört, an irgend jemanden zu denken und an Grenzen zu denken. Sich an Grenzen zu halten ist das, was man eben nicht machen darf.

Habt ihr Euch denn auch als Menschen verändert in der Zeit?

Andy: Ja, immer. Also entwickelt.

Weil irgendwo muß das ja herkommen. Für mich stellt sich das eigentlich nicht wie eine Weiterentwicklung dar, sondern die Platte hört sich halt wirklich so sehr anders an, der Gesang, die elektronischen Elemente und so weiter, als ob ihr einen Schnitt gemacht und mit etwas Neuem angefangen habt.

Andy: Für mich stellt sich diese Frage eigentlich nicht. Ich sehe da kein Problem, obwohl ich weiß, daß es problematisch ist für Menschen die etwas anderes hören wollen. Ich kann das nur betonen. Natürlich sind das zwei verschiedene Platten, keine Frage. Total richtig. Ich sehe aber genau das als Inbegriff dessen, was wir tun wollen. Letztendlich ist das wie ein anderer Film. Es gibt noch eine Handschrift, die ist noch da, aber es ist ein komplett anderes Setting.

Bewegt Dich denn "Gloria" in einer ähnlichen Art und Weise wie "Back to Times of Splendor"?

Andy: Nun, wenn mich "Back to Times of Splendor" sozusagen physisch entkoppelt und ich auf eine mentale Reise gehe, dann ist "Gloria" dagegen die "Ehrlichkeit" (hoffe, das habe ich richtig verstanden - der Verfasser). Ich bin hier, ich bin anwesend, ich beginne mich zu bewegen. Es ist eine sehr physische Reaktion, körperlich mit allen Extremitäten. Ein schwerer aber auch sehr genüßlicher Ruf. So würde ich die zwei trennen. Eine Platte ist quasi konträr zur anderen. Man kann die beiden nicht vergleichen...

...was man ja auch nicht unbedingt muß. Ich hatte Dir die Frage eher gestellt, weil mich "Gloria" von vorne bis hinten kalt läßt.

Andy: Ja, das ist schade.

Genau, das finde ich auch. Für beide Seiten.

Andy: Ja, aber wir sollten auch nicht alle Fans in einen Sack hauen. Den Fehler sollten wir hier jetzt nicht begehen. Ich versuche auf jeden Fall verständnisvoll zu sein. Ich weiß, daß es problematisch sein kann, für viele, für einige, keine Ahnung...

...und für Euch auch!

Andy: Ja, das kann passieren. Wir werden es sehen. Ich weiß, daß es der Fall sein kann. Und wenn es passiert, dann lebe ich mit den Konsequenzen. Aber ich werfe mir doch nicht vor etwas gemacht zu haben, wohinter ich stehe. Das ist die eine Sache. Und was die Fans anbelangt, da muß das ja auch nicht pauschal so sein.

Nein, da gibt es sicherlich auch Leute, die anders denken, keine Frage. Habt ihr denn schon viel Feedback?

Andy: Nein. Wer jetzt Feedback gibt, hat sich die Platte irgendwo gezogen.

Und von anderen Journalisten?

Andy: Soll ich ehrlich sein?

Natürlich!

Andy: Okay, kein Problem. Ich hätte nur gerne nachher noch etwas Zeit um darzustellen, was "Gloria" ist. Das wäre mir eben wichtig. Nicht, daß wir hier in so einer Rechtfertigungsschleife stecken bleiben.

Ne, das haken wir jetzt mal ab.

Andy: Also ich habe ehrlich gesagt mit wesentlich mehr Interviews wie Eurem gerechnet. Aber bislang war noch keins dabei. Ehrenwort, das ist so und keine Werbung.

Wenn Du das sagst, zweifel ich da nicht dran. Dann aber nochmal zu was anderem: Mit Eurer Musik habt ihr in gewisser Weise auch Euer Image geändert. Das fängt damit an, daß Du den Namen "Vurtox" abgelegt hast und hört mit Eurem veränderten Bandlogo auf. Sozusagen passend zu Eurem neuen Gesamtbild?

Andy: Das beantworte ich am besten damit, daß wir auch bei "Back to Times of Splendor" versucht haben, ein Gesamtbild abzugeben. Mit "Gloria" ist das das gleiche. Es ging eigentlich nie darum, daß sich irgendetwas ändern mußte. Es ging von Anfang an, also die letzten sechs Jahre, immer um Etappen, in denen alles zusammen laufen mußte. Deswegen hat sich hier mal wieder was geändert und dann da mal wieder was.


Als ich Eure CD das erste Mal gesehen habe, habe ich erstmal gar nicht erkennen können, daß das eine Disillusion-CD ist. Da war ja nur ein "D" drauf. Als ich dann auf der Rückseite "Disillusion" gelesen habe, habe ich mich gefragt, ob es noch eine andere Band mit dem Namen gäbe... Ihr habt das Cover ja dann noch nachträglich geändert, so daß jetzt zumindest "Disillusion" drauf steht. Ist Euch irgendwann bewußt geworden, daß man das gar nicht mehr mit Euch verbindet, oder weshalb habt ihr das nochmal geändert?

Andy: Nö, es war eher so, daß das Label zu uns kam und zu uns meinte, daß es vielleicht etwas früh wäre, auf den Namen auf der CD zu verzichten. Das ist jetzt kein Geheimnis, wir wissen ja auch, daß wir noch nicht wirklich groß sind.

Okay. Angesichts der radikal veränderten musikalischen Ausrichtung könnte man annehmen, daß es auch diesmal wieder Streitigkeiten während der Entstehung des Albums gegeben hat...

Andy: Ja, doch. Fast noch mehr als beim ersten. Ich lehne mich aber nicht weit aus dem Fenster, wenn ich sage, daß wir alle sehr zufrieden mit dem Ergebnis sind. Spätestens jetzt haben wir alle den einen roten Faden zu dem Album. Es gab natürlich Zeiten, gerade als "Gloria" im Entstehen war, wo noch nicht klar war, wo das alles hinführen würde und wie das am Ende alles zusammen laufen wird. Eigentlich haben sich die Diskussionen aber eher durch Unsicherheiten ergeben als aus konkreten stilistischen Fragen oder so. Weil sich jeder gefragt hat: Ist das das, was wir machen wollen, und ist das gut? Es war eine lange Zeit, am Ende doch wieder 18 Monate. Währenddessen waren wir auch mal an einem Punkt, als es zu viele Diskussionen gab. Irgendwann haben wir beschlossen, daß wir die beenden und zurück gehen zu den Ideen, die in den ersten Monaten frei raus entstanden sind ohne irgendwelche Auflagen. Wo einfach probiert und gemacht wurde ohne viel darüber nachzudenken. Und dann ging es wieder gut voran.

Da ich jetzt während unseres Gesprächs so viel gemeckert habe, möchte ich Dir zum Abschluß noch die Gelegenheit geben, unseren Lesern zu sagen, weshalb "Gloria" für Dich ein gutes Album ist, und weshalb sie der CD eine Chance geben sollten.

Andy: Ich denke, daß das Risiko, was hier so viel zitiert wurde und was wir auf uns nehmen, das ist das, was Metal eigentlich sein müßte. Metal ist eine Subkultur. Metal ist eine Reaktion. Metal hat etwas Anarchisches. Metal ist etwas reaktionäres. Metal ist eine Antwort, aber vor allen Dingen ist es ein Statement. Und wenn ich mir anschaue was passiert: Eine Gleichschaltung, eine Nihilierung, eine Bequemlichkeit im Metal, dann kommt mir das große Kotzen. Ich kann das nicht mehr hören. Ich finde, das ist nicht das, wofür Metal steht. Wir lehnen uns weit aus dem Fenster. Aber letztlich machen wir nichts anderes als das, was ich gerade gesagt habe. Wir gehen den Schritt, wir wagen etwas und wir haben etwas gemacht, was meiner Meinung nach längst überfällig war, nämlich eine moderne Auslegung von Metal 2006. Keine Neuauflage im neuen Sound von etwas Bekanntem, sondern eine in jeder Hinsicht moderne Platte. Eine Zusammenführung bzw. ein Gesamtbollwerk, das auf einen zukommt. Ob man es jetzt mag oder nicht, und ob man jetzt verstört ist oder nicht, was vielleicht sogar das Hauptproblem ist. Schon alleine deswegen sollte man "Gloria" eine Chance geben. Unabhängig davon, daß ich meine, daß da mindestens 7 Hits drauf sind, die einem nicht mehr aus dem Ohr gehen. Deshalb sollte man sich "Gloria" mindestens einmal anhören, wenn man sie sich gekauft hat.

Ich schätze Deine Meinung, muß aber nochmal betonen, daß mir persönlich kein einziges Lied im Ohr hängen geblieben ist.

Andy: Kein Problem.

Ich wünsche Euch natürlich trotzdem alles Gute, und vielleicht hören wir uns nach Eurem nächsten Album ja wieder... ob Du willst oder nicht, hehe!

Andy: Ist in Ordnung, ich hab's ja überlebt!


Vorbereitung, Durchführung und Bearbeitung: Dennis



zurück

   
  Light Pupil Dilate
Snake Wine
 
     
 
Firesign
Persecution Guaranteed
Gods of Emptiness
Consumption is Freedom?
Solid Ground
Can't stop now
A Dead Lament
Ravens Feast (Promo)
Horn
Naturkraft
SorgSvart
Vikingtid Og AnArki
Oblivio
Dreams are distant Memories
Lastdayhere
From Pieces created
7for4
Diffusion
Light Pupil Dilate
Snake Wine
 
 
Dwelling
Slough Feg
Elisa C. Martin
Astral Kingdom
Doomsword