Home
Vorwort
News
Eure Ankündigungen
Interviews
CD-Reviews
Live-Reviews
Metal and More
Locations
RIP
LinksSuche
Kontakt
Impressum
Über uns
Metalspheres präsentiert


4679257
Besucher seit 09/2002


Einer der Dinosaurier unter den NWOBHM-Bands namens JAGUAR brüllte im Hamburger HEADBANGERS BALLROOM (siehe auch Locations-Sektion) auf einer Miniclubtour, leider vor zu wenigen, aber begeisterten Zuschauern.
Eröffnet hatte den Abend BAD INFLUENCE, eine lokale Metal Rockformation, mit abwechslungsreichem Programm, auch deswegen, weil sich BAD INFLUENCE einiges ausgedacht hatten, das Publikum zu unterhalten. Ein zum Vampir mutierender Frontmann, fettes Backdrop, vor dem sogar JAGUAR noch spielten, als Zugabe wurde eine Frau mit einer Kettensäge zerfleischt ("ich trenne mich von dir"). Musikalisch hätten die Schwerpunkte gesetzt werden müssen und der theatralische Schnickschnack mit Theaterblut und abgesägten Körperteilen wäre überflüssig gewesen.
Die Kollegen aus Bristol in Großbritannien taten eben dies und überzeugten auf musikalischer Ebene. JAGUAR sind immer noch die Formation, die vielen Metallern ein Funkeln in die Augen zaubert, wie die blaue Mauritzius einem Briefmarkensammler. Mit Gründungsmitglied und Gitarristen Garry Peppard traf ich mich vor und nach der Show um zu erfahren, warum es JAGUAR immer noch gibt, METALLICA einen Song gestohlen haben und weshalb JAGUAR nicht in die typischen Metalklischees erfüllt.




Garry, ihr seid seit 20 Jahren im Musikgeschäft mit JAGUAR. Wenn du an die Zeit zurückdenkst, an die Zeit der NWOBHM, an was denkst du vordergründig?

Garry: In dieser Zeit? Oh Gott, an viele Sachen. Zuerst an die Überraschung, die wir verspürten, als wir zum ersten Mal auf den Kontinent kamen, um ein paar Shows zu spielen im Jahre 1981. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir nur in England gespielt, englische Pubs hauptsächlich.- Gute Shows, meistens nur für ein paar Leute, die noch nicht einmal an uns interessiert waren. Als wir dann das erste Mal auf dem Festland, in den Niederlanden gespielt haben, waren es auf einmal sehr viele Menschen. Das war für uns ein überraschender Schock, ein erfreulicher Schock. Die erste Publikation auf Vinyl und die damit verbundene Aufregung, der Stolz auf der "Heavy Metal Heroes"-Compilation mit zu erscheinen, fallen mir als nächstes ein.
Natürlich das Zurückkommen auf das europäische Festland, so wie eben jetzt gerade. Die Leute hier kennen unser Zeug, das ist brilliant. Wir waren alle sehr jung, als wir angefangen haben. Wir waren Teenager, alles war neu für uns. Letzten Endes war es die Zeit der falschen, wichtigen Entscheidungen und wir konnten den Weg an die Spitze nicht fortführen, aber es ist einfach zurückzublicken und Fehler zu analysieren, die schon längst gemacht worden sind.

Die NWOBHM war eine goldene Ära, Metal war neu und unverfälscht. Wenn ich dir so zuhöre, entsteht für mich der Eindruck, dass es für euch auch eine Zeit der falschen Entscheidungen mit negativem Beigeschmack war, scheinbar eine Zeit mit nicht nur positiven Erfahrungen für dich und JAGUAR?

Garry: Tja, klar, wir haben schlechte Entscheidungen gefällt, aber letzten Endes war es auch viel Spaß, wir nahmen 2 Alben auf und veröffentlichten 2 Singles, es war Spaß. Wir waren jung, weißt du und hatten keine Jobs und keine Familien und so weiter. Wir hatten keine Verantwortung zu tragen, es war alles ein riesiger Spaß. Heute ist alles ganz anders. Wir verschwanden von der Erdoberfäche für 15, ja 16 Jahre, um jetzt wiederzukommen. Trotzdem war diese Zeit eine erfreuliche Erfahrung.

Stimmt es, dass ihr in dieser Zeit gut mit RAVEN und VENOM befreundet wart?

Garry: Richtig, zu diesem Zeitpunkt war das so. Wir waren auf dem gleichen Plattenlabel, wir spielten sehr viele Shows mit RAVEN in Europa, in Holland. Wir verstanden uns gut mit ihnen. VENOM trafen wir auch einige Male. Zu dieser Zeit gab es halt nur uns, es gab keinen Thrash- oder Speedmetal, es war wie eine große Familie der gleichen Musikrichtung.

Es gab noch keinen Thrash-, Speed-, geschweige denn Nu Metal, die NWOBHM war so etwas wie die Geburt den Genres Metal, alles war noch neu und frisch und unverbraucht. Was hat sich geändert?

Garry: Wie du schon richtig gesagt hast, Robin, es war die Geburtsstunde aller darauffolgenden Metalkombinationen. Selbst Punk hat Metal mit aufgefrischt. Du kannst uns also als Väter des Metal bezeichnen.

Wenn ich mir das Publikum heute Abend bei euerer Show angucke, sehe ich Eltern, die mit ihren Kindern alte Zeiten wiederbeleben, ich sehe Metalheads mit Kutten, Motorrad-Heavies und Deathmetaljunkies. So alle Sorten der Metalfangemeinde.

Garry: Korrekt. Wir spielten 2 Shows in Holland und das Publikum war eine Kreuzung aller Metalfreunde auf Konzerten. Es trugen einige die ganz alten JAGUAR T-Shirts, von der ersten Tour in Holland überhaupt, weißt du. Es waren auch sehr junge Leute da, Metalkids mit langen und kurzen Haaren und Eltern mit ihren Kindern. Ja, eine wahre Mischung.


Macht es dich Stolz, dass Lars Ulrich eure Musik einst als einen wesentlichen Einfluss auf Metallica bezeichnet hat?

Garry: Es ist ziemlich witzig und gleichzeitig schwer zu verstehen, dass eine Band wie METALLICA, die danach sehr groß herauskamen, einen von unseren Songs ganz schlichtweg geklaut haben. Ich habe die Aufnahme eines Interviews, wo Ulrich sagt: "Ja, ?Stormchild' wurde zu ?Whiplash'". Einige Leute in meiner Umgebung machten schon Späße, ich solle doch einen Rechtsanwalt nehmen, um Kohle für diese Diebstahl zu bekommen. Aber ich sehe das sportlich - Lars Ulrich schuldet mir definitiv ein Bier.
Zu diesem Zeitpunkt hatte METALLICA aber noch nicht einmal einen Record-Deal, sie waren eine kleine Band mit einem Demo Tape, das herumgereicht wurde, all das bevor sie den großen Deal mit Polygram unterschrieben.

Hast du sie jemals getroffen?

Garry: Nein, bislang noch nicht und wahrscheinlich wird das auch nie passieren. Die Sache mit dem Ulrich-Statement, dass JAGUAR Einfluss auf ihn hatte, das ist natürlich schmeichelhaft.

Lass uns über die JAGUAR Reunion im Jahre 1998 sprechen. Warum klappte es mit Chris Lovell und Paul Merrell nicht?

Garry: Tja, die Sache mit Paul Merell war, ich habe mich mit ihm unterhalten und er wollte und konnte nicht mehr im JAGUAR-Style singen. Es war 16 Jahre her, dass er so gesungen hatte und er konnte es einfach nicht mehr, er sang nun in einer Country Band und er sagte, dass er den Job nicht mehr machen kann. Jeff Cox, der ursprüngliche Bassist, und ich entschieden, die Band wieder neu zu formieren. Mit Chris Lovell war es uns eigentlich sofort klar, dass wir ihn nicht mehr in der Band haben wollten, ich habe auch seit 1984 schon keinen Kontakt mehr zu Chris. Wir wollten Chris nicht mehr zurück in der Band haben.
Aber die Tatsache, dass Paul nicht mehr singen konnte und wollte, liess uns Jamie finden, der eine großartige Metalstimme hat. Paul hatte als Vorbild Paul Rodgers von THE FREE und BAD COMPANY, er war also schon irgendwo ein Blues Sänger. Jamie ist der definitive Metalsänger.


Jeff Cox stieg aus und wurde durch Darren Furze ersetzt. Hast du noch Kontakt zu Jeff?

Garry: Musikalisch nicht mehr. Ich kenne ihn schon seit Teenagerzeiten. Jeff verließ die Band vor drei Jahren. Die Zeit scheint an mir vorbeizufliegen. Jeff hatte Probleme in seiner Familie. Probleme mit seiner Frau, usw. Er wollte nicht wirklich gehen. Er hatte eine junge Familie und verliess die Band.

Die Coverartworks euerer Platten sind durchgehend mies. Weshalb? Zu wenig Ideen? Kein Geld? Keine Zeit?

Garry: Wenn wir zurück zum "Powergames"-Cover gehen, als Beispiel... der Grund, dass es so schlecht war, war die Plattenfirma. Es war nicht das Cover, das wir abgesegnet hatten. Wir haben es nie gesehen, bevor es in den Läden stand. Die Ideen, die wir an unserer Plattenfirma weitergeleitet hatten, waren einfache Zeichnungen von Jeff. Jeff Cox hatte Bleistift-Zeichnungen angefertigt, die wir dann an Neat (damalige Plattenfirma von Jaguar - der Verfasser) übergaben. Wenn wir vorher gesehen hätten, wie "Powergames" aussehen sollte, hätten wir darüber nur noch gelacht, denn es war wirklich scheiße. Das grundlegende Problem war und ist für kleine Bands bei der Kooperation mit Plattenfirmen und dem Management, alle Zügel in der Hand zu behalten. Wenn sie etwas wollen, dann ziehen die das durch. Bei "This time" fand ich das Coverartwork eigentlich ok. Es wurde von einem Typen entworfen, der fürs KERRANG!-Magazin arbeitet. Für "Wake me" gilt das gleiche. Es ist auch eine Geldfrage, wenn wir die dicke Kohle hätten, könnten wir uns auch lange Zeit und die finanziellen Mittel nehmen, ein Künstlerteam mit den Covern. "Run Ragged" wurde von Freunden der Band ohne finanzielle Mittel entworfen. Ich stimme dir soweit zu, zu sagen, dass es immer Platz für Verbesserung geben muss, aber man kann eh nie jeden zufrieden stimmen.


Das Cover von Run Ragged

Die Kritiker sind sich über "Run Ragged" einig und gaben durchgehend sehr positive Kritiken ab. Beeinflusst das deiner Meinung nach den Verkauf in Groß Britannien und Europa?

Garry: Es ist immer besser gute Kritiken zu bekommen als schlechte. Wenn dein Album besprochen wird, möchtest du selbstverständlich, dass es gut wird. Aber hat dies eine riesige Bedeutung für den Verkauf? Ich glaube nicht. Richtest du denn dein Verkaufsverhalten nach Reviews oder Plattenkritiken? Wahrscheinlich die seltensten Musikfreunde. Wenn ich eine Scheibe wirklich haben möchte, ist mir die Kritik irgendeines Musikjournalisten egal. Wenn sich Leute unsicher sind, können Kritiken eine Bedeutung haben, sonst nicht.

Ihr seid keine Metalband mit Nieten und umgekehrten Kreuzen, sondern mit unauffälligem, freundlichem Outfit. Hat euch bislang noch niemand dazu gezwungen, so auszusehen?

Garry: Nein (lacht), wir haben noch nie so ausgesehen, noch nichtmal zu den Zeiten von 1984. Ich hatte eine schwarze Lederjacke, aber das war auch alles. Leute sind im Nachhinein an uns herangetreten und haben behauptet, dass wir, wenn wir das typische Metal-Aussehen adoptiert hätten, mehr hätten erreichen können. Wenn wir unsere Cover mehr auf das Metalimage abgestimmt hätten, unsere Platten wesentlich besser hätten verkauft werden können. Guck mich an, ich bin wer ich bin, ich habe keinen typischen Metalhaarschnitt, wir sind an solchen Sachen nicht mehr interessiert. Für einige Bands funktioniert so etwas - scheiß drauf.

Welche Musik hörst du dir zu Hause an?

Garry: Von Klassik hin bis zu Gitarrenorientierter Musik. Meine Lieblingsband sind LED ZEPPELIN und DEEP PURPLE oder UFO aber auch SEX PISTOLS oder BAD RELIGION.
Ich hasse TECHNO, HIP HOP und RAP.

Stimmst du mir zu, dass du eine besondere Beziehung zu Holland hast? Warum gerade die Niederlande?

Garry: Schon zu frühen Zeiten war es Holland, wo unsere Konzerte voll waren und das Publikum uns mit offenen Armen empfangen hat. Gerade an die ersten Shows erinnere ich mich sehr gerne.


Okay, letzte Frage. Der sagenumwobene Jaguar, ist der irgendwie mit dem Tyger of Pan Tang verwandt?

Garry: Ja, der legendäre Jaguar und der Tyger of Pan Tang sind in der Tat verwandt und sie hat das gleiche Schicksal getroffen, denn sie beide starben Ende der Achtziger aus. Erst kürzlich konnten die beiden Metal-Tiere wieder zum Leben erweckt werden, indem DNA aus Spandex-Hosen extrahiert und zum Klonen verwendet wurde. Nun sind sie wieder unter den Lebenden.


Vorbereitung: Robin & Dennis
Durchführung und Bearbeitung: Robin


Nachtrag: Das Interview fand in einem Backstageraum im Keller des Hamburger HEADBANGERS BALLROOM an einem Sonntag direkt vor und nach der Show statt. Nachdem ich meine letzte Frage gestellt und die Antwort daraufhin aufgenommen hatte, endete das Gespräch, wie sonst Gang und Gebe im Interviewspiel, Redakteur trifft Musiker, noch lange nicht. Die Atmosphäre orientierte sich nicht an der Temperatur im Raum und Garry erzählte noch so die eine oder andere spannende Geschichte. JAGUAR waren live eine Erfahrung der besonderen Sorte. Im Vordergrund steht nach wie vor der Spaß an der Musik und wenn Garry sagt, daß ihm die Kohle und das Aussehen im Metalstyle am Arsch vorbei gehen, dann kommt das nicht von einer Band, die im Geld schwimmt, sondern von einer Formation, die weiss, wie es ganz unten aussieht. Von einer Formation, deren erste Option das Musikmachen im Sinne von ehrlicher Einstellung gepaart mit harten Klängen den Nerv eines kritischen Redakteurs trifft, so wie mich an diesem Abend. JAGUAR haben den Laden deftig und schmutzig gerockt. Gutes Entertainment, JAGUAR hätten mehr Leute verdient, doch das anwesende schmutzige Dutzend ging mit einem zufriedenen Lächeln nach Hause.


zurück

   
  Light Pupil Dilate
Snake Wine
 
     
 
Firesign
Persecution Guaranteed
Gods of Emptiness
Consumption is Freedom?
Solid Ground
Can't stop now
A Dead Lament
Ravens Feast (Promo)
Horn
Naturkraft
SorgSvart
Vikingtid Og AnArki
Oblivio
Dreams are distant Memories
Lastdayhere
From Pieces created
7for4
Diffusion
Light Pupil Dilate
Snake Wine
 
 
Dwelling
Slough Feg
Elisa C. Martin
Astral Kingdom
Doomsword