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Viele hörenswerte Bands bringt der Underground Jahr für Jahr hervor und in ganz großen Sternstunden ist auch einmal ein solches Juwel wie Reverend Bizarre dabei. Das 2002 veröffentlichte Debut-Album „In the Rectory of the bizarre Reverend“ erschütterte durch seine ergreifende Monumentalität die Doom-Szene, aus der die drei Finnen seitdem nicht mehr wegzudenken sind. Zu einem größeren Bekanntheitsgrad hat das aus dem einfachen Grund der eingeschlagenen Richtung gewiss nicht geführt, aber Reverend Bizarre sind sowieso keine Band, die es mit ihrer Musik irgendjemandem recht machen wollen. Ultrazähe Slowmotion-Riffs, Songs die zumeist die 10-Minuten-Grenze locker überschreiten, klagende und ausdrucksstarke Vocals sowie eine ganz eigene tiefschwarze und doch irgendwie warme Atmosphäre lassen sich als Markenzeichen festmachen.
Welchen seltsamen Reiz die finnische Industriestadt Lohja ausübt, warum das gerade erschienene “Harbinger of Metal” trotz seiner fast maximalen Spielzeit eigentlich eine EP ist, was es mit der eigenartigen Booklet-Gestaltung auf sich hat und natürlich alles weitere Wissenswerte zur neuen Veröffentlichung verriet Bassist und Sänger Albert Witchfinder im Interview.




Wo siehst du den Hauptunterschied zwischen "In the Rectory of the Bizarre Reverend? und "Harbinger of Metal??

Albert: "Harbinger..." ist deutlich besser produziert und gespielt. Was die Songs angeht, war "In the Rectory..." mehr eine Einheit, aber "Harbinger..." hat gewiss auch seine guten Momente bezüglich des Songwritings. Obwohl uns beide Veröffentlichungen viel abverlangt haben, hat "Harbinger..." uns vor noch größere Herausforderungen gestellt.

Ich erinnere mich an ein Interview im Psychedelic Fanzine mit dir, in dem du schnellere Songs für euer zweites Album angekündigt hast. Dabei dachte ich an Songs wie "Doomsower" von eurem Debut, die sich allerdings auf "Harbinger..." nicht finden lassen. Habt ihr da eure Meinung geändert?

Albert: Nein, die Meinung hat sich nicht geändert. Der Punkt ist, dass "Harbinger..." trotz der verdammt langen Songs (stolze 74 Minuten Spielzeit - Anm. d. Verf.) eine EP ist. Unser zweites Album wird "Crush the Insects!" heissen und Ende des Jahres aufgenommen werden. Die Songs dafür standen schon fest, bevor wir überhaupt wussten, dass wir "Harbinger..." machen werden. Wenn man sich "Harbinger..." näher betrachtet, dann wird man merken, dass darauf nur wenige wirkliche Reverend Bizarre Songs enthalten sind. In dem angesprochenen Interview habe ich vom zweiten Album gesprochen, welches tatsächlich schnellere Songs enthalten wird.

Im Booklet von "Harbinger...? richtet ihr einige Worte an möglicherweise enttäuschte Fans. Denkst du, dass eine Menge Leute Probleme mit der EP haben werden?

Albert: So wie es aussieht scheinen nicht allzu viele enttäuscht zu sein. Wir haben hervorragende Kritiken bekommen und den meisten unserer "alten Fans" scheint es auch zu gefallen. Einige meinen, dass "Harbinger..." fast schon zu eigenartig und zu extrem ausgefallen ist, aber genauso wollten wir das Album haben. Daher bin ich auch mit diesen Meinungen zufrieden.

Im Booklet ist auch von "Swing und Groove? die Rede, meint ihr das im Sinne von Maryland Doom?

Albert: Ja, ich denke das trifft es. "Wandering Jew" vom neuen Album hat meiner Meinung nach einen recht starken Maryland Touch.

Siehst du in "Harbinger?? auch eine Annäherung an Funeral Doom? Vor allem "From the Void" scheint mir eine solche Tendenz zu haben.

Albert: Definitiv nein. Ich halte auch nicht sehr viel von Funeral Doom. Ich singe bei "From the Void? etwas anders, aber nur weil der Song dies verlangt hat. Ich werde dies auch in Zukunft machen, aber es ist unzweifelhaft, dass ich weiterhin nur mit klarer Stimme singen werde.

Ihr seid eine von wenigen Bands, die ein ausgedehntes Drum-Solo auf ein Album gepackt haben. Ist dieses für euch ein wichtiger Bestandteil von "Harbinger..."?

Albert: Ja, denn es unterteilt das Album. Möglicherweise ist es schwierig anzuhören, aber es hat schon einen Sinn, warum es so lang ist.

Was würdest über ein groß angelegtes Bass-Solo auf dem nächsten Album denken?

Albert: Ich denke mal, die Soli, die ich für “Apocalyptic Riders” (das demnächst auf einem Splitalbum mit Minotauri veröffentlicht wird) geschrieben habe, reichen mir für die nächste Zeit erst einmal. Zum DeMaio werde ich sicher nicht...

Ich denke mal, ich bin nicht der einzige, der von den Mittelseiten des "Harbinger??-Booklets überrascht war. Was hat euch auf die Idee gebracht, die Zeichnung eines vierjährigen Kindes dort zu platzieren? Und wer ist dieser Hannes Sederholm?

Albert: Hannes ist einer der vier Söhne meiner Schwester. Ich weiss auch nicht, was mich auf solche Ideen bringt, aber ich wusste einfach, dass diese Zeichnung in die Mitte des Booklets muss. Es vervollständigt das Artwork.

Ist dies ein typisches Beispiel des speziellen finnischen Humors oder nehmt ihr es mit Aki Kaurismäki, der mal gesagt hat, dass finnischer Humor gar nicht existiert?

Albert: Meiner Meinung nach hat diese Zeichnung nichts mit Humor zu tun. Ich glaube nicht, dass es irgendetwas lustiges an Kinderzeichnungen oder ihrer Verwendung in Artworks gibt. Kinder haben einen starken Sinn für die Magie in der Welt um uns, sie sehen Dinge viel klarer als wir Erwachsene und drücken sie auch so aus.
Finnischer Humor existiert, aber ich glaube, dass er Kaurismäki für seinen Geschmack zu brutal ist. Auf jeden Fall ist unser Humor zumeist sehr schwarz und bösartig.


Was hat euch auf die Idee gebracht, ein Burzum-Cover auf "Harbinger..." zu packen? Und war die faschistische Ideologie des Varg Vikerness (die sicherlich kein Element des von euch gecoverten Songs "Dunkelheit" ist) ein Thema für euch?

Albert: Meine Wertschätzung für Varg ist in erster Linie musikalischer Natur. Dies ist einer der Songs, die ich schon seit Jahren spielen und singen wollte. Ein großartiger Song mit einem schönen Text.

Lass uns mal auf "In the Rectory?? zurückblicken. "Cirith Ungol" ist zweifellos vom "Herrn der Ringe" beeinflusst, aber ist es auch eine Homage an die Epic Metal Band?

Albert: Ja, ist es.

Erachtest du traditionellen Doom Metal und epische Sachen aus den 80ern als gleichwertige Einflüsse auf Reverend Bizarre?

Albert: Schwer zu sagen? Ich denke, meine größten persönlichen Einflüsse sind Doom Bands und alter Heavy Metal wie Judas Priest, Iron Maiden, Venom und so weiter. Ich bin nicht so der Epic Metaller, auch wenn ich schon einige Sachen mag. Ich denke mal, Manilla Road kann man als Epic Metal bezeichnen, ebenso wie die von dir schon genannten Cirith Ungol, und ich liebe beide Bands. Es wird jedenfalls noch sehr epische Songs von uns zu hören geben.

Das hört sich doch vielversprechend an! Was ist es eigentlich, das ein Song enthalten muss, um "True Doom" genannt zu werden?

Albert: Die Essenz des Verhängnis, des Untergangs. Du kannst keinen Song darüber schreiben, wie du mit dem Auto durch die Wüste fährst, und es dann Doom nennen. Meiner Meinung nach ist auch dieser ganze weinerliche Gothic Metal sehr weit von wahrem Doom Metal entfernt. Selbstverständlich müssen die Songs sehr heavy und nicht allzu schnell sein. Der Gesang sollte klar sein, keine Kotzgeräusche...

"Hour of Death? ist ein Meisterwerk eines morbiden Lovesongs! Würdest du uns verraten, was dich dazu inspiriert hat?

Albert: Es ist für mich der Song von uns, der mir von allen am meisten gefällt. Ich denke, das Verlangen hat mich zu dem Song inspiriert. Ein Verlangen nach etwas für immer Verlorenen. Der Song ist live sehr schwer zu spielen, da er so langsam und emotional ist. Bisher ist es uns nur einmal gelungen, bei einem Auftritt in Lohja.

Ihr nennt euch Reverend Bizarre, ihr schreibt Songs über die biblische Stadt Sodom und andere artverwandte Themen? Wie würdest du eure Faszination für Religiöses beschreiben?

Albert: Bizarr. Ich denke, das sagt schon alles. Biblische Themen sind unserer Meinung nach essentiell für Doom.

Etwas anderes Wiederkehrendes bei euch ist der auf das Backcover gedruckte Schriftzug "Lohja Power". Lohja ist eure Heimatstadt, oder? Aber gibt es darüber hinaus auch noch eine tiefere Bedeutung?

Albert: Mit Sicherheit. Lohja und seine manchmal düstere und manchmal absurde Atmosphäre sind immer in meiner Seele. Meine Wurzeln sind tief in diesem Boden. Der Begriff "Lohja Power" ist aber natürlich auch eine Antwort auf diese "White Power"-Arschlöcher. Wenn sie sich für weiße Übermenschen halten, dann bin ich halt ein "Lohja Übermensch".
Lohja hat ein sehr hässliches Zentrum, aber rundherum ist schöne Natur. Zumindest war sie da mal... Viele Orte dort sind geschändet worden. Aber ich werde irgendwann dahin zurückziehen. Hoffentlich bald. Mein Herz gehört an diesen Platz.

Ich bin sicherlich nicht der einzige, der "In the Rectory?? für das beste Doom Metal Album des angehenden Jahrtausends hält. Wie ist es für euch, einerseits eine hochgeschätzte Underground-Band zu sein, aber gleichermaßen von den Leuten außerhalb der Doom-Szene komplett ignoriert zu werden?

Albert: Es fühlt sich sehr seltsam an. Es ist schwer, mir vorzustellen, dass einige Leute uns und unsere Arbeit sehr schätzen, zumal gerade mein Leben alles andere als glorreich oder interessant ist. Ich kann sogar kaum realisieren, dass überhaupt jemand unsere Musik hört.

Ihr habt einen begeisternden Auftritt auf dem ersten Doom Shall Rise Festival gehabt und seid danach mit Revelation und Mirror of Deception auf eine einwöchige Tour durch Deutschland und Belgien gegangen. Wie waren eure Eindrücke von diesen Konzerten und im speziellen vom Festival?

Albert: Diese Tour war eine fantastische Erfahrung. Das war eins der besten Dinge, die mir je passiert sind, auch wir fast alle auf der Tour sehr krank geworden sind (Void, der Drummer von Reverend Bizarre, hat sich gar eine Lungenentzündung eingefangen - Anm. d. Verf.) und es hart war, in dem kalten Van durch die Gegend zu reisen. Es war ein sehr emotionaler Moment, Deutschland und all diese tollen Menschen wieder zu verlassen.
Der Festival-Auftritt war jedoch nicht so gelungen für uns, alles ist schiefgegangen (Albert spielt auf einige technische Pannen an, die jedoch die unglaubliche Atmosphäre dieses Gigs zumindest für das Publikum kaum getrübt haben - Anm. d. Verf.). Das Festival war aber absolut brillant und ich kann kaum noch das zweite Doom Shall Rise dieses Jahr erwarten.


Albert beim ersten Doom Shall Rise Festival in Crailsheim-Triensbach

Da geht es mir ganz ähnlich! Waren dies eigentlich eure einzigen Auftritte außerhalb von Finnland bislang?

Albert: Wir haben einmal in Tallinn (Hauptstadt Estlands, Anm. d. Verf.) gespielt, einer unserer besten Auftritte übrigens.

Dürfen wir darauf hoffen, euch bald noch einmal auf deutschen Bühnen zu sehen?

Albert: Es muss Hoffnung da sein, ansonsten kann kein Leben existieren. Deshalb hoffe ich zumindest, dass wir bald wieder dort spielen werden.

Stell dir vor, du hättest die Chance, eine Europa-Tour mit drei anderen Doom Bands zu spielen. Welche Bands würdest du auswählen?

Albert: Puh, Trouble, Saint Vitus und Revelation würde ich sagen. Trouble würden headlinen, wir wären der Opener. Aber ich glaube, ich würde es nicht schaffen, auf der selben Bühne wie Trouble und Saint Vitus zu spielen... Das war schon mit Revelation schwer genug!

Welche Bandaktivitäten sind denn für die nächste Zeit geplant?

Albert: Die "Thulsa Doom? 7" EP und die "Reverend Bizarre Blesses You With Fire CD EP?. Außerdem werden wir einen Song für einen Sampler aufnehmen. Danach folgt dann das besagte zweite Album.

Deine Alltime-Top 10-Alben?

Albert: Eine sehr schwierige Frage? Eigentlich unmöglich zu beantworten. Ich kann dir 10 wirklich gute Alben nennen. Am besten jeweils nur eins pro Band, ansonsten wird es langweilig. Ohne irgendeine Rangfolge wären das dann:

Black Sabbath - Black Sabbath
Joy Division - Substance
Burzum - Filosofem
Trouble - The Skull
Blood Axis - Gospel of Inhumanity
Deidice - Deicide
The Cure - Pornography
Saint Vitus - Saint Vitus
Musta paraati - Peilitalossa
CMX - Aurinko

Aber diese Frage wird vielen großartigen Band nicht gerecht, in diese Auflistung gehören eigentlich auch Witchfinder General, Pentagram, Mana Mana, Der Blutharsch, Bauhaus, The Sisters of Mercy...

Müssen ja auch nicht zwingend 10 sein, ich gebe ja zu, dass mich die Antwort auf diese Frage selbst überfordern würde? Vielen Dank jedenfalls für deine Antworten und macht so weiter. Oder um es mit Rich Walker zu sagen: Ale & Kill!

Albert: Ale and Kill and Doom over the world!


Vorbereitung, Durchführung und Bearbeitung: Volker



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